Josef Holub (* 31. Dezember 1890 in Reichenberg, Österreich-Ungarn; † 8. November 1965 in Wien) war ein österreichischer Schauspieler.

Leben und Wirken Seit 1911 in der Kanzlei der Reichenberger Handelskammer tätig, bewarb sich Holub im Herbst 1912 als Kleindarsteller bei dem aus Prag nach Reichenberg übergesiedelten Kunstmaler, Schauspieler und späteren Filmproduzenten Rudolf Walter, der nach dem Erfolg seiner ersten beiden, im Sommer desselben Jahres in Wien gedrehten Kurzkomödien Mitwirkende für eine eigene Filmproduktion suchte. Und so entstand schon wenig später im Herbst 1913 mit Der Bauernschreck der erste Film, in dem Walter und Holub als Cocl & Seff, eines der ersten Slapstickduos der Filmgeschichte, zusammen auf der Leinwand zu sehen waren.

Während der massige Walter dabei den Part des tumben Cocl übernahm, spielte der schmale Holub den Seff, und mit ihren meist kurzen Cocl & Seff-Filmgrotesken erspielten sich beide nach Ende des Ersten Weltkriegs binnen kurzem beträchtliche Popularität. Ab 1921/22 schließlich belieferte Walters neugegründete Filmproduktionsfirma Cocl-Comedy die Wiener Sascha-Film bis 1924/25 regelmäßig mit kurzen Cocl & Seff-Komödien, die diese als Beiprogramme ihres eigenen Spielfilmrepertoires einsetzte.

Währungsturbulenzen führten in den Folgejahren zu einem rapiden Verfall der österreichischen Filmproduktion, und so zog sich Walter nach dem Ende der Cocl & Seff-Filme vollständig aus der Filmbranche zurück, um ab 1925 als Autohändler tätig zu sein. Nach einem Werbefilm für die Wiener Molkerei im Jahre 1926 – einer Parodie auf den im Jahr zuvor angelaufenen deutschen UFA-Film Wege zu Kraft und Schönheit – gab auch Holub seine Figur des Seff weitgehend auf, um fortan nur noch sporadisch mit Nebenrollen vor die Kamera zu treten.

Nach seinem einzigen Tonfilm, dem Ende 1931 in Prag entstandenen deutsch-tschechischen Schwank Wehe, wenn er losgelassen, in dem Holub nur noch eine kleinere Rolle, einen Diener, verkörpern durfte, verschwand er aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und lebte in der Folgezeit nach Zeitungsangaben von Werbefahrten für die Henkel-Waschmittelmarke Persil. 1941 wurde Holub zur Wehrmacht einberufen und in einem Flugausbildungsregiment in Sachsen stationiert, wo er 1943 zum Hauptmann befördert wurde. Nach Kriegsende lebte er bis zu seinem Tod im Jahre 1965 in Wien.Günter Krenn: Der »Holub Seff«; In: Günter Krenn / Nikolaus Wostry (Hg.): Cocl & Seff. Die österreichischen Serienkomiker der Stummfilmzeit. verlag filmarchiv austria, Wien 2010, S. 95 ff.

Filmografie 1913: Der Bauernschreck 1913: Cocl als Hausherr 1913: Die Folgen einer tollen Nacht 1914: Kokl als Ehestifter 1914: Ein moderner Minnesänger 1914: Onkel Cocl und das Klassenlos 1917: Im Goldfasan 1917: Der Liebhaber in Nöten 1919: Cocl geht zum Rendezvous 1919: Seff in Liebesnöten 1920: Seff als Bücherwurm 1920: Seff als Sportsmann 1920: Das tapfere Schneiderlein 1920: Cocl und Seff als Villenbesitzer 1920: Cocl, Seff und die schwarze Hand 1920: Seff und die Jungfrauen 1920: Seff als Boy 1920: Seff als Bräutigam 1920: Seff kostet 24,50 Dollar 1920: Seff und die Visitenkarten 1921: Seff will sich nicht begraben lassen 1921: Seff als Detektiv; auch: Das weiße Strumpfband 1921: Cocl und Seff im Tingl-Tangl; auch: Seff im Varieté 1921: Seff als Filmtragöde 1921: Seff im Verschönerungssalon 1921: Cocl und Seff am Strandpicknick 1922: Die Wasserheilanstalt 1922: Cocl und Seff als Vagabunden 1922: Seff auf dem Postamt 1922: Seff als Reporter 1922: Cocl und Seff beim Wassersport 1923: Das Flappergirl; auch: Seff - der Räuberhauptmann 1923: Seff boxt sich in die Ehe 1923: Seff als Athlet 1923: Seff im Arrest 1923: Seff entspringt 1923: Seff als Pantoffelheld 1924: Seff als Störenfried 1925: Das gestörte Rendzvous 1926: Seff auf dem Wege zur Kraft und Schönheit (Werbefilm) 1927: Die Ehe einer Nacht. Die Laune einer mondänen Frau (Langspielfilm) 1929: Wenn „Götz“ es befiehlt 1932: Wehe, wenn er losgelassen (Langspielfilm)Anton Thaller, Günter Krenn: Filmografie Cocl & Seff; In: Günter Krenn / Nikolaus Wostry (Hg.): Cocl & Seff. Die österreichischen Serienkomiker der Stummfilmzeit. verlag filmarchiv austria, Wien 2010, S. 177 ff. Soweit nicht anders angegeben, handelt es sich um Kurzfilme.

Literatur Walter Fritz: Kino in Österreich 1896–1930. Der Stummfilm. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1981, ISBN 3-215-04429-3. Günter Krenn / Nikolaus Wostry (Hg.): Cocl & Seff. Die österreichischen Serienkomiker der Stummfilmzeit (inkl. 2 DVDs). verlag filmarchiv austria, Wien 2010, ISBN 978-3-902531-52-0.

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