Au-pair [] (Kurzform für „Au-pair-Mädchen“ oder „Au-pair-Junge“) nennt man junge Erwachsene oder in manchen Staaten auch Jugendliche, die gegen Verpflegung, Unterkunft und Taschengeld bei einer Gastfamilie im In- oder Ausland tätig sind, um im Gegenzug Sprache und Kultur des Gastlandes bzw. der Gastregion kennenzulernen.
Das Adjektiv dazu lautet au pair (französisch „auf Gegenleistung“). Es wird auch als Substantiv verwendet, um das abstrakte Konzept zu bezeichnen, und bleibt laut Duden in deutschen Texten in der französischen Form. Findet der Au-pair-Aufenthalt in Verbindung mit einem Sprachkurs-Aufenthalt statt, wird auch von Demi-pair gesprochen. Au-pair Austausche als Teil der Bildung und Erziehung in der Familie sind zu unterscheiden vom Schüleraustausch als Bestandteil der schulischen Bildung und der internationalen Jugendarbeit als dritter Säule der nicht-schulischen Bildung.
Geschichte Die Ursprünge des Au-pair-Programms reichen ins 18. Jahrhundert zurück und stammen aus der Schweiz. Dort sandten wohlhabende Familien ihre Töchter zu Familien ins Ausland oder in anderssprachige Teile des Staates (später auch bekannt als Welschlandjahr), damit sie dort eine andere Sprache lernten und etwas Bildung erhielten. In England wurden Töchter in französischsprachige Familien geschickt. In Deutschland wurde im 19. Jahrhundert eine junge Frau, die für eine bestimmte Zeit in einer fremden Familie lebte, um dort die Haushaltsführung zu erlernen, auch Haustochter genannt.
Allgemeines Ein Aufenthalt als Au-pair ermöglicht jungen Menschen, mit geringem Geldaufwand einen anderen Sprach- und Kulturraum kennenzulernen. Traditionell ist eine Mehrheit der Au-Pairs weiblich, wobei der Anteil männlicher Au-Pairs in den letzten Jahren ansteigt.Frauke Lüpke-Narberhaus: Kerle als Kindermädchen – Hilf mir, Super-Manny, Spiegel Online, 26. Juli 2010; In: Spiegel.de
Der Aufenthalt als Au-pair fördert unter anderem die Erweiterung des eigenen Erfahrungshorizonts Verbesserung der Fremdsprachkenntnisse Vorbereitung auf einen längeren Aufenthalt im Ausland Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Haushaltsführung Verselbstständigung der Persönlichkeit
Die Bildung von Netzwerken, in denen sich Au-pairs austauschen, bietet für diese eine Möglichkeit, die eigene Situation in Perspektive zu setzen.
Aufgaben Die Hauptaufgabe für das Au-pair ist die Kinderbetreuung. Zudem wird häufig die Übernahme von leichten Hausarbeiten erwartet. Der Anteil von den übertragenen Hausarbeiten sollte 50 % der Gesamtarbeitszeit nicht überschreiten. Ein Au-pair ist nicht in erster Linie Reinigungskraft der Gastfamilie. Es scheint sinnvoll, im Au-pair-Vertrag den Anteil von Kinderbetreuung und Hausarbeiten zu regeln, um Unstimmigkeiten zu vermeiden.
Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt die Aufgaben von Au-pairs folgendermaßen:
Hinsichtlich der konkreten Tätigkeiten von Au-pairs gibt es keine festen Richtlinien. Dennoch sollen hier einige typische Aufgaben eines Au-pairs aufgezählt werden: Essen für Kinder zubereiten Kinder an- und ausziehen Kinder baden mit den Kindern spielen miteinander lesen oder vorlesen bei den Schulaufgaben helfen Kinder zum Kindergarten, zur Schule, zu Spielgruppen oder Hobbys bringen und abholen Wäsche der Kinder waschen und bügeln Kinderzimmer und eigenen Raum säubern und aufräumen
Nicht zu den Au-pair-Aufgaben zählen: selbständig den gesamten Haushalt führen Schlafzimmer der Gasteltern putzen Gartenarbeit verrichten Altenpflege
Normalerweise übertragen Gasteltern zusätzlich zu kinderbezogenen Aufgaben auch andere leichte Hausarbeiten an das Au-pair, etwa: nach dem Essen zum Kochen benutzte Töpfe abzuspülen, den Tisch abzuwischen und den Essbereich zu reinigen, das Ausräumen der Geschirrspülmaschine.
Au-pairs sollten den Gasteltern keinen zusätzlichen Aufwand bereiten oder auf andere Weise zu einer Mehrbelastung werden. Au-pairs halten selbstverständlich ihr eigenes Zimmer sauber. Dies zählt nicht zur Arbeitszeit eines Au-pairs.
Beziehung zur Familie
Neben Sprachschwierigkeiten treten auch durch kulturelle Unterschiede bedingte Missverständnisse auf.
Das Ineinanderfallen von Arbeits- und Lebensort kann für Au-pairs, wie auch für live-in Haushaltshilfen zu einem besonderen Problem werden, wenn es zu Missstimmungen im Verhältnis zur aufnehmenden Familie kommt.Sabine Hess: Ökonomisierung der Hausarbeit. Transnationale Migration und neue Arbeitsteilung zwischen Frauen. Vortrag, 10. Arbeitstagung der Kommission Frauen- und Geschlechterforschung der DGV. In: Grundsätzlich sind Rücksichtnahme, gegenseitiges Wohlwollen, Geduld, Takt, Warmherzigkeit und ein vermittelndes Kommunikationsverhalten erforderlich. Die eigenen Erwartungen sollten möglichst offen und frühzeitig mitgeteilt werden. Au-pairs sollten auch kleinere Unregelmäßigkeiten, Schäden und Probleme mit den Eltern besprechen, damit kein Misstrauen zwischen Familie und Au-pair aufkommt.
Von Seiten der Familie und des Au-pair können unterschiedliche Erwartungen über das Zusammenleben in der Familie bestehen. Verschiedene Punkte sollten idealerweise vor Vertragsschluss geklärt werden. Beispielsweise: Welche Anforderungen stellt die Gastfamilie an das Au-pair? Welcher Anteil an der Hausarbeit ist zu übernehmen? Über wie viel Zeit kann das Au-pair selber verfügen? Raucht das Au-pair? Gibt es in der Familie Haustiere? Kann das Au-pair Freunde in sein Zimmer einladen? Benötigt das Au-pair die Möglichkeit zur Internet-Telefonie, sei es von zuhause aus oder einem Internet-Café, um Kontakt mit Familie und Freunden im Heimatstaat zu wahren? Wird das Au-pair neben den in seinem Zimmer zur Verfügung gestellten Geräten beispielsweise auch Küche, Bad, Waschmaschine, Stereoanlage, Fernseher und Computer der Familie benutzen? Wird dem Au-pair ein Fahrrad zur Verfügung gestellt und instand gehalten? Werden noch weitere Dinge benötigt? Erwartet die Familie, dass das Au-pair Weihnachten oder die Sommerferien nicht mit der Familie verbringt? Wird sich die Familie an den entstehenden Reisekosten beteiligen, wenn das Au-pair dann in das Herkunftsland zurückreist?
Au-pair-Agenturen versuchen meist im Vorfeld, über Fragebögen festzuhalten, was sich Au-pair-Kandidaten und Familien wünschen. Viele Au-pair-Agenturen sehen zusätzliche Regelungen in ihren Au-pair-Verträgen vor, um klare Absprachen zwischen der gastgebenden Familie, dem Au-pair und der Agentur zu bewirken. Au-pairs wollen ihren Unmut nicht immer innerhalb der Gastfamilie äußern, da sie befürchten, dass sich die Atmosphäre eintrübt und die entstehende Missstimmung ihren Aufenthalt in der Familie zu einem unangenehmen Erlebnis werden lässt. Au-pair-Agenturen können bei der Kommunikation unterstützen.
Missbrauch und Gegenmaßnahmen Fälschlich wird das Au-pair gelegentlich als Haushaltshilfe bezeichnet. Es handelt sich auch nur bedingt um ein Arbeitsverhältnis, auch wenn beispielsweise in Deutschland eine Reihe von entsprechenden arbeits- und sozialrechtlichen Regelungen anzuwenden sind. Häufig wird von einem „Betreuungsverhältnis besonderer Art“ gesprochen.
Mitunter wird die Grenze für die Maximalarbeit ausgeweitet, in einigen Fällen bis hin zu Ausbeutung und Missbrauch, womit dann gleichermaßen ein illegales Beschäftigungsverhältnis begründet wird.
Der Bericht der Bundesregierung über die Situation und Entwicklung der Au-pair-Vermittlung vom 27. Januar 2005 schildert unter anderem die Umsetzung der Forderungen des Deutschen Bundestages zur Verhinderung von Missbrauch.
Um illegalen Arbeitsverhältnissen und Missbräuchen der in Deutschland als Au-pair Beschäftigten vorzubeugen, wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein RAL-Gütezeichen Au-pair entwickelt, das erstmals am 16. März 2006 an 51 Au-Pair-Agenturen vergeben wurde. Vermittler, die dieses tragen, verpflichten sich zur Kontrolle der Einhaltung aller Au-pair-Standards bei Familien und Au-pairs. Dies wiederum wird von dritter Seite neutral überwacht.
Die Teilnahme am Gütezeichen ist freiwillig. Die Pflicht einer Lizenzierung, die bis 2002 bestand, wurde im Zuge der Liberalisierung des EU-Arbeitsmarkts aufgehoben. Aufgrund dieser Deregulierung werden die Bedingungen für die Au-pairs und das Handeln der Agenturen gegenüber Au-pairs und Gastfamilien nicht mehr staatlich überprüft.
Zahlen 2021 kamen nach Deutschland ungefähr 13.000 Au-Pairs (davon 6.000 aus EU-Ländern). 2020 waren coronabedingt 5.600 Au-Pairs in Deutschland (davon 2.800 aus EU-Ländern), 2019 kamen etwa 15.000 ausländische Au-Pairs (davon 7.000 aus EU-Ländern). Seit 2014 (ca. 11.000 Au-Pairs, davon 6.000 aus EU-Ländern) ist ein beständiger Anstieg von Au-Pairs in Deutschland zu verzeichnen. Dabei steigt der Anteil von Au-Pairs aus Nicht-EU-Ländern seit 2014 an.Au-pairs in Deutschland und weltweit, Entwicklung und Trends im deutschen Au-Pair-Wesen, Eine Studie von DR-WALTER, Juni 2022 Die meisten Au-pairs kamen 2021 aus Tansania und Madagaskar, 2019 war Kolumbien noch an der Spitze.
Die Zahl der Deutschen, die als Au-Pair ins Ausland gehen, ist nicht bekannt, da weder Behörden, noch Verbände oder Versicherer entsprechende Zahlen erfassen.
Vermittlung Anfänglich waren die Wohlfahrtsverbände der Kirchen auf dem Gebiet der Au-Pair-Vermittlung tätig. 1877 wurde der deutsche Verein der Freundinnen junger Mädchen (heute unter der Bezeichnung Verein für Internationale Jugendarbeit tätig) gegründet. Auf katholischer Seite wirkte der katholische Mädchenschutzbund der Caritas (heute Internationaler katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit in via).Bundestagsdrucksache 15/4791 Seite 3 Seit 1922 unterstand die Vermittlung von Au-Pairs durch das Arbeitsnachweisgesetz der Aufsicht und der Zulassungspflicht der Reichsarbeitsverwaltung.§44 des Gesetzes über Arbeitsnachweise, RGBl. I, S. 657. Seit 1935 bestand ein Verbot der privaten Vermittlung von Au-Pair-Stellen.§1 des Gesetzes über Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, RGBl. I S. 1281. Durch das Gesetz über die Wiederaufnahme der nicht gewerbsmäßigen Arbeitsvermittlung durch die Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege vom 9. Juni 1954 wurde die freie Vermittlung durch die beiden Wohlfahrtsverbände, die bis 1935 eine Konzession besaßen, neben der amtlichen Vermittlung wieder zugelassen. 1991 stellte die Bundesanstalt für Arbeit ihre eigene Vermittlertätigkeit für Au-Pairs ein. Durch das Beschäftigungsförderungsgesetz 1994 vom 26. Juli 1994 konnte die Au-pair-Vermittlung auch durch Private betrieben werden, so dass seitdem eine Vielzahl von gewerblichen und gemeinnützig tätigen Au-pair-Vermittlern am Markt in Erscheinung treten.Bundestagsdrucksache 15/4791 Seite 3 Auf die Erteilung einer Zulassung bestand bei persönlicher Eignung und Zuverlässigkeit ein Rechtsanspruch. Durch das Gesetz zur Vereinfachung der Wahl der Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat vom 23. März 2002 wurde die Erlaubnispflicht für private Au-pair-Vermittler endgültig aufgehoben. Daneben wurde auch das Verbot der Direktanwerbung von Nicht-EU Au-Pairs durch inländische Familien aufgehoben.
Dennoch gelten weiterhin Schutzvorschriften für Au-Pairs und die suchenden Familien. Darunter fallen das Schriftformerfordernis des Vermittlungsvertrags und der Bestimmung, dass Vermittler von Au-Pairs nicht mehr als 150 EUR,- Vergütung erhalten dürfen. Ein weiterer Vergütungsanspruch gegen die Familie bleibt unberührt.
2021 waren 116 private Vermittlungsagenturen in Deutschland im Markt, was einen Rückgang von 9 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet.Au-pairs in Deutschland und weltweit, Entwicklung und Trends im deutschen Au-Pair-Wesen, Eine Studie von DR-WALTER, Juni 2022. 2014 waren noch 209, 2015 waren 191, 2016 insgesamt 196, 2017 und 2018 noch 161, 2019 noch 151 und 2020 nur noch 128 private Vermittlungsagenturen tätig.Au-pairs in Deutschland und weltweit, Entwicklung und Trends im deutschen Au-Pair-Wesen, Eine Studie von DR-WALTER, Juni 2022.