St. Georg ist ein Stadtteil im Bezirk Hamburg-Mitte der Freien und Hansestadt Hamburg.
Geografie mini|Historische Ansicht: das Ferdinandstor mit Blick auf Hamburg
Der Stadtteil St. Georg wird im Nordwesten durch die Außenalster begrenzt. In diesem Bereich wird er infolge gemischter Nutzung durch Verwaltungsbauten sowie kleinere, meist ältere Wohnhäuser geprägt. Im Westen markieren die Gleise des Hamburger Hauptbahnhofs im Gebiet des alten Hamburger Wallrings die Grenze zum Stadtteil Hamburg-Altstadt. Die südliche und südöstliche Begrenzung bilden die Gleisanlagen der Bahn nach Lübeck mit nur wenigen Durchlässen zum Münzviertel und zum Stadtteil Borgfelde. Im Nordosten begrenzt die Anlage des Krankenhauses St. Georg den Bezirk nach Hamburg-Nord und zum Stadtteil Hohenfelde.
Geschichte mini|Ritter von St. Georg – Skulptur in der Langen Reihe von Ernst Gottfried Vivié mini|Die Vorstadt St. Georg 1855 mini|Die Befestigung der Vorstadt rechts im Bild, von der Außenalster südwarts
13. bis 16. Jahrhundert: Namensgebung und Entwicklung Das Viertel verdankt seinen Namen dem Hospital St. Georg, einem Lepra-Hospital, das um 1200 außerhalb der Stadt gegründet wurde und nach dem heiligen Georg (auch Jürgen) benannt worden war. Nach dem Reglement von 1296, das der Rat und die Erbgesessene Bürgerschaft gemeinsam mit dem Domkapitel erlassen hatten, durften die Pestkranken die Stadt nicht betreten, um die Bevölkerung vor Ansteckung zu schützen.Hamburg von Altona bis Zollenspieker. 2002, S. 940. Dem Hospital gehörte der Landstreifen zwischen der Straße Koppel und der Außenalster. Das übrige Gebiet des heutigen Stadtteils wurde damals als Borgesch bezeichnet und zunächst als Stadt- oder Bürgerweide genutzt. Später wurden störende Gewerbe wie Schweinezüchter und Branntweinbrenner hier angesiedelt. 1564 wurde vor dem Steintor ein Pestfriedhof angelegt, der als Armenfriedhof weiterbestand und aus dem im 18. Jahrhundert die Steintorfriedhöfe hervorgingen. Seit 1554 stand am östlichen Ende des Steindamms auch der Galgen von Hamburg; 1805 wurde er ins heutige Borgfelde verlegt.Matthias Blazek: Seeräuberei, Mord und Sühne – Eine 700-jährige Geschichte der Todesstrafe in Hamburg 1292–1949. Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8382-0457-4, S. 34. Das Pesthaus wurde 1606 an den Hamburger Berg in St. Pauli verlegt und das St.-Georgs-Hospital in ein Armenstift umgewandelt, das erst 1951 aufgehoben wurde.
17. bis 20. Jahrhundert Nach dem Bau von Bastionen auf dem Gelände des späteren Krankenhauses St. Georg 1681 war das Viertel in die Stadtfestung einbezogen. Zusammen mit dem westlichen Teil des Hammerbrooks bildete es seit 1830 die Vorstadt St. Georg. 1868 wurde St. Georg (nach der Hamburger Altstadt und der Neustadt) formal in das Stadtgebiet eingegliedert. Dies führte zu einer verstärkten Bautätigkeit und einer erheblichen Zunahme der Bevölkerung, so entstand im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts mit dem Etagenhausquartier um den Hansaplatz das neue Zentrum des Stadtteils.Hamburg von Altona bis Zollenspieker. 2002, S. 941. Der Bau des Hauptbahnhofes, der 1906 eröffnet wurde, führte zum Bau zahlreicher Hotels, von denen viele noch heute bestehen. Die Bahnhofslage zog allerdings auch Vergnügungsstätten und Prostitution an, was zum Teil noch heute das Image des Stadtteils prägt.Hamburg von Altona bis Zollenspieker. 2002, S. 941.
Im Zweiten Weltkrieg wurde insbesondere der Ostteil St. Georgs schwer zerstört.Stadtplan der Zerstörungen 1945 Nach 1966 war das Stadtviertel vorübergehend vom völligen Verschwinden bedroht, da Planungen der Neuen Heimat zum Bau des Alsterzentrums den nahezu kompletten Abriss von St. Georg beinhalteten. Erst 1973 wurde dieses Projekt endgültig aufgegeben. Stattdessen erfolgte eine Sanierung des Altbaubestandes.
Der Stadtteil St. Georg hatte viele Probleme mit Drogen und Prostitution. Während die Drogenszene um den Hansaplatz in umliegende Bezirke verdrängt wurde, ist die Prostitution jedoch, obwohl St. Georg ein Sperrgebiet ist, immer noch präsent. Vermehrt wird Mietwohnraum in Eigentumswohnungen umgewandelt, und im Bereich um die Lange Reihe steigen die Mietpreise. Vor- und Nachkriegsbauten wurden abgerissen, um Platz für Neubauten mit Eigentumswohnungen zu schaffen. Eine zahlungskräftigere Klientel verdrängt seitdem schrittweise die multikulturelle, bunte Einwohnerstruktur der letzten Jahrzehnte. Dieser Vorgang ist in vielen Städten zu beobachten und wird als Gentrifizierung bezeichnet.
Die Bild-Zeitung schrieb: „St. Georg hat sich vom Schmuddel-Stadtteil zum In-Viertel gemausert – und damit die Mietpreise an der Langen Reihe in die Höhe getrieben“.
Die bis Ende der 1980er Jahre zahlreich vertretenen kleinen Handwerks- und Gewerbebetriebe sind nach und nach durch schicke Straßencafés und Boutiquen ersetzt worden. Die Lange Reihe zeichnet sich durch ein sehr gemischtes Angebot an Läden und Gastronomiebetrieben aus.
Im 21. Jahrhundert St. Georg ist dank seiner zentralen Lage und eines großen Angebots an Hotels und Pensionen vor allem für Rucksacktouristen ein beliebtes Reiseziel.
Einwohnerentwicklung 1994: 14.148 2002: 10.239 2009: 9.980 2016: 10.840 2023: 12.631Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023
Statistik (Quelle: )
Anteil der unter 18-Jährigen: 11,6 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 13,8 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 30,5 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Arbeitslosenquote: 8,4 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in St. Georg 54.971 Euro jährlich (2020), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.
Politik Wahlergebnisse im Stadtteil St. Georg:
Bürgerschaftswahl Grüne SPD Linke CDU AfD FDP Übrige202527,5 %25,9 %18,0 %14,7 %3,4 %2,6 %7,9 %202034,9 %28,2 %15,0 %7,3 %2,7 %5,4 %6,6 %201520,8 %36,7 %16,7 %8,6 %3,9 %7,6 %5,7 %201121,3 %42,0 %11,9 %12,4 % –5,3 %7,1 %200817,9 %35,7 %10,2 %29,8 % –4,3 %2,1 %200428,9 %29,0 % –31,3 % –2,0 %8,8 %200120,4 %37,2 %1,0 %16,0 % –3,8 %21,6 %199728,2 %31,4 %2,1 %20,8 % –2,9 %14,6 %199327,6 %37,4 % –15,3 % –2,9 %16,8 %199118,1 %45,2 %2,2 %25,5 % –2,6 %6,4 %198719,1 %44,1 % –31,4 % –3,8 %1,6 %198623,8 %37,6 % –33,5 % –3,6 %1,5 %Dez. 198215,8 %48,0 % –32,4 % –2,2 %1,6 %Juni 198214,9 %41,8 % –36,6 % –3,8 %2,9 %19787,8 %48,0 % –35,5 % –4,2 %1,6 %1974 –44,1 % –40,9 % –8,8 %6,2 %1970 –53,8 % –33,6 % –5,0 %7,6 %1966 –57,1 % –30,8 % –7,2 %4,9 %
Für die Wahl zur Bürgerschaft gehört St. Georg zum Wahlkreis Hamburg-Mitte. Bei den Wahlen zur Bezirksversammlung zählt der Stadtteil zum Wahlkreis St. Georg, Hammerbrook, Borgfelde, Rothenburgsort. Bei Bundestagswahlen gehört St. Georg zum Bundestagswahlkreis Hamburg-Mitte.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|An der Außenalster: der Alsterpark
Durch seine zentrale Lage am Hauptbahnhof und an der Außenalster zieht der Stadtteil St. Georg viele unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an.
Hier leben viele Künstler und finden sich teure Prachthotels und unterschiedliche Kulturen. Obwohl St. Georg seit 1980 Sperrbezirk ist, gibt es Prostitution in der Nähe des Hauptbahnhofes. Seit den 1990er Jahren ist St. Georg in der Schwulenszene sehr beliebt, es gibt hier viele auf diese Zielgruppe zugeschnittene Cafés und Clubs.
Lange Reihe mini|Lange Reihe 30–32Geschäftsstelle der Aids-Hilfe mini|Lange Reihe 61, ältestes Haus von St. Georg (1621) mini|Lange Reihe 71Geburtshaus von Hans Albers
Die Lange Reihe gilt als eine der schönsten Straßen mit Altbauten Hamburgs und gehört mittlerweile zu den Top 10 der Hamburger Straßen mit den teuersten Eigentumswohnungen. Auch Mietwohnungen haben zum Teil sehr hohe Mieten. Die Lange Reihe ist ein typisches Beispiel für die Gentrifizierung eines Stadtquartiers: Wo bis vor wenigen Jahren in bunter Folge Armeleuteläden und Spezialitätenshops, Eckkneipen und Handwerksbetriebe wechselten, finden sich heute Boutiquen und immer mehr Straßencafés.
Die stadtteilprägende Vielfalt kennzeichnet auch die Lange Reihe: Hier startete bis 2024 die jährliche Parade zum Hamburger Christopher Street Day; entlang dieser Straße befindet sich das Lesben- und Schwulenviertel in Hamburg. Daher gibt es hier seit dem 13. Juli 2015 an der Kreuzung Kirchenallee/Lange Reihe eine Fußgängerampel mit jeweils einem schwulen und einem lesbischen Paar als Ampelmännchen.Vielfaltampel in St. Georg. hamburg.de; abgerufen am 19. Juli 2015. Daneben finden hier jährlich die Fronleichnamsprozession der Dompfarrei und ein Sankt-Martins-Zug der Kindergärten und Schulen statt.
Auf dem Carl-von-Ossietzky-Platz auf halber Höhe der Langen Reihe steht neben einem Imbisspavillon Hamburgs erste kommunale Litfaßsäule. Hier war zwischen 1947 und 1992 ein Blumenverkaufstand untergebracht. Als dieser aufgegeben wurde, plante der Besitzer in Absprache mit der Stadtverwaltung eine von innen beleuchtete Plakatsäule zu errichten, was von Einwohner-Initiativen verhindert wurde. Seit 2009 wird der ehemalige Blumenstand als kommunale Litfaßsäule genutzt, an der keine kommerzielle Werbung stattfindet, sondern lokale Initiativen und Vereine über ihre Aktivitäten unterrichten.Gudrun Maurer: Legendäre Orte in Hamburg. Via Reise Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-935029-53-7, S. 19.
In der Langen Reihe 71 wurde der Schauspieler Hans Albers geboren. Folgende Bauten stehen unter Denkmalschutz: Lange Reihe 30: Fachwerk-Doppelhaus Lange Reihe 50: um 1800 errichteter zweigeschossiger Fachwerkbau mit verputzter Straßenfassade Lange Reihe 51/Ecke Gurlittstraße: fünfgeschossiges Putzetagenhaus, vermutlich 1875 von einem Konditormeister erbaut; Fassade mit klassizistischen bis gründerzeitlichen Stilelementen und reichlich Stuck, Fries und Ornamenten Lange Reihe 61: Fachwerkgebäude (Ursprungsbau aus dem 17. Jahrhundert) Lange Reihe 92, Haus 1 bis 3: Ensemble einer Wohnanlage der 1870er Jahre
Hansaplatz
Der 1878 angelegte Hansaplatz mit dem Hansa-Brunnen liegt zwischen Steindamm und Langer Reihe und ist ein zentraler Treffpunkt im Viertel.
Berliner Tor Neben dem Hauptbahnhof ist der S- und U-Bahnhof am Berliner Tor ein wichtiger Verkehrsknoten Hamburgs. Gegenüber der Hauptfeuerwache der Feuerwehr Hamburg, hinter der das Gymnasium Klosterschule steht, ist ein modernes Bürozentrum (Berliner-Tor-Center) entstanden.
Bieberhaus mini|Bieberhaus
Unmittelbar am Hauptbahnhof steht das Bieberhaus. Es wurde 1909 nach Plänen der Architekten Johann Gottlieb Rambatz und Wilhelm Jollasse als Eisenbetonkonstruktion mit einer Kunstsandsteinfassade erbaut und steht unter Denkmalschutz. Das Bieberhaus wurde lange Zeit von verschiedenen Hamburger Behörden benutzt, so z. B. von der Wohlfahrts- und Sozialbehörde, später der Ausländerbehörde oder auch als Finanzamt. Seit 2011 ist es Sitz des Ohnsorg-Theaters, das nach 75 Jahren vom alten Standort an den Großen Bleichen hierher umzog. Seit dem Sommer 2018 hat hier Digitas Pixelpark seinen Standort und seit März 2019 auch der Rowohlt-Verlag.
Der Name des Gebäudes geht zurück auf eine private Knabenschule in St. Georg, die ehemals auf dem Grundstück stand. Theodor August Bieber war der damalige Leiter der Anstalt.
Holzdamm mini|Gebäudeensemble am Holzdamm
Die Häuser Nr. 41–51 wurden 1860 in der neu angelegten Straße errichtet.
Die spätklassizistischen Gebäude weisen in Gliederung und Dekor historisierende Elemente und „exotische“ Details auf, mit denen die Fassaden um die Jahrhundertmitte häufig ausgestattet wurden.
Theater mini|Deutsches Schauspielhaus