Die Vorgeschichte im Gebiet des heutigen Polens beginnt mit der Altsteinzeit.

Paläolithikum mini|Die Ausdehnung der Gletscher in den verschiedenen Kaltzeiten; 1: Günz-Kaltzeit, 2: 730–430 kya, 6–7: Riß-Kaltzeit, 8: Weichsel-Kaltzeit Das Paläolithikum (die Altsteinzeit), der längste Abschnitt in der Menschheitsgeschichte, hatte aufgrund der dreifachen Vergletscherung Polens einen anderen Verlauf als südlich der Karpaten. Die ältesten menschlichen Spuren, einzelne altpaläolithische Steinwerkzeuge von Neandertalern, findet man nur in Südpolen. Sie stammen aus dem Mindel-Riß-Interglazial und dem Riß-Glazial (zwischen 230.000 und 110.000 v. Chr.) Aus dem folgenden Riß-Würm-Interglazial und einem Teil des Würm-Glazials (110.000 bis 40.000 v. Chr.) finden sich bereits mehr Hinweise auf die Besiedelung durch Neandertaler. Sie stammen u. a. aus Höhlen in Südpolen, beispielsweise aus der Stajnia-Höhle. Die Feuersteinwerkzeuge dieser Zeit, die typologisch zum Mittelpaläolithikum gehören, sind schon differenzierter, was die Entstehung einer neuen Tradition widerspiegelt. Charakteristisch für das Mittelpaläolithikum sind die Feuersteinmesser der Micoquien-Prądnik-Kultur.

Am Anfang des Jungpaläolithikums (gegen 40.000 v. Chr.) erscheint der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens). Die ältesten Spuren, die auf ein Alter von 20.000 Jahren datiert werden, entdeckte man am Wawelhügel und seiner Höhle unweit von Krakau. Die Grenze der durch den Menschen besiedelten Gebiete verschob sich nach Norden und verlief nun durch Mittelpolen. Die Menschen bauten Hütten aus Mammutknochen. Neben dem Feuerstein, der spätestens ab 13.000 v. Chr. abgebaut wurde,Emil Hoffmann: Lexikon der Steinzeit, 2012, S. 151. begann man, Knochen als Rohstoff für die Herstellung von Knochenwerkzeugen, Speerspitzen und Schmuck zu gebrauchen. Aus Tierzähnen wurden Halsketten gearbeitet. Vom St. Bronislawa Hügel, Spadzista-Straße in KrakówT. Kalicki, Janusz K. Kozłowski, A. Krzemińska, Krzysztof Sobczyk, Piotr Wojtal, The formation of mammoth bone accumulation at the Gravettian site Kraków-Spadzista B+B1. Folia Quaternaria 77, 2007, 5–30 stammen Belege für die Mammut-Jagd im GravettienBernadeta Kufel-Diakowska, Jarosław Wilczyński, Piotr Wojtal, Krzysztof Sobczyk, Mammoth hunting - Impact traces on backed implements from a mammoth bone accumulation at Kraków Spadzista (southern Poland). Journal of Archaeological Science 65, 2016, 122-133; http://dx.doi.org/10.1016/j.jas.2015.11.008.

Im späten Jungpaläolithikum (13. bis 9. Jahrtausend v. Chr.) lebten die Menschen von der Jagd auf Rentiere, die die Tundra bewohnten.

Mesolithikum Mit der weiteren Erwärmung des Klimas begann um 8300 v. Chr. das Mesolithikum (die Mittelsteinzeit), das bis zum 5. Jahrtausend v. Chr. dauerte, im Nordosten auch länger (Dąbky). Das Frühmesolithikum wird der Maglemose-Kultur zugewiesen, das Spätmesolithikum (6000–4000 v. Chr.) den Komornica- und Janisławice-Kulturen.Marek Novak, Hunter-Gatherers and early ceramics in Poland. In: Peter Jordan, Marek Zvelebil (Hrsg.): Ceramics before farming. The dispersal of pottery among prehistoric Eurasian hunter-gatherers. Publications of the Institute of Archaeology, University College London, Walnut Creek, Left Coast Press 2009, 450 Seit dem Boreal bedeckten Wälder weite Teile Polens. In einer dem Waldmilieu angepassten Wirtschaft spielte der Fischfang eine große Rolle. Aus Feuerstein, dem wichtigsten Rohstoff zur Herstellung von Werkzeugen, wurden (Mikrolithen) gefertigt, vor allem die den neuen Jagdmethoden angepassten Pfeilspitzen; auch Harpunen aus Geweih waren in Gebrauch. Aus Knochen, Horn und Bernstein wurden naturalistische Tierfigürchen gearbeitet. In manchen Bestattungen wurde die Leichen mit Rötel bestreut, was vermutlich symbolische Bedeutung hatte. Das 1936 entdeckte Grab aus Janisławice ist eines der am reichsten ausgestatteten mesolithischen Gräber in Europa. In der Grabgrube fand man die Überreste eines sitzend bestatteten Mannes mit Beigaben von Pfeilspitzen, mindestens 42 Silexartefakten, einer Halskette mit 27 durchbohrten Tierzähnen und Knochenspitzen. Die Füllung der Grube enthielt RötelfragmenteAndrzej Jacek Tomaszewski, Richard Willis, Tool-kits and Burial Rites: The Case of the Janislawice Mesolithic Grave. Proceedings of the Prehistoric Society 59, 1993, 105–112. Ein wichtiger Siedlungsplatz wurde in Rydno bei Skarżysko-Kamienna ausgegrabenTomasz Boroń, Małgorzata Winiarska-Kabacińska, Anna Sołodko, Rydno IV/47. Organizacja przestrzenna obozowisk w krzemienicy Kultury Janisławickiej w Świetle badań funkcjonalnych, składanek oraz planigrafii znalezisk aArcheologicznych. Archeologia Polski LXIV, 2019, .

Neolithikum (Jungsteinzeit) Die Jungsteinzeit brachte die Kenntnis von Ackerbau und Viehhaltung, die in Mitteleuropa in Form der Linienbandkeramik (LBK) um 5300 v. Chr. die Weichsel erreichte. Die LBK brachte eine neue Keramiktradition mit, welche die seit dem Mesolithikum mit der Narva-Kultur verbreiteten spitzbodigen Gefäße ersetzte. Die Bauern der Bandkeramik besiedelten ein großes Gebiet in Europa und hatten eine sehr gleichartige Wirtschafts- und Gesellschaftsform sowie Religion. Sie besiedelten die fruchtbaren Schwarzerdeböden auf Löß. Wichtige Siedlungen wurden unter anderem in Kraków-Olszanica (Ortsteil von Krakau-Zwierzyniec)Sarunas Milisauskas, Archaeological investigations on the linear culture village of Olszanica. Wrocław, Zakład Narodowy Imienia Ossolińskich 1976; Sarunas Milisauskas, Early Neolithic settlement and society at Olszanica. Memoirs of the Museum of Anthropology, University of Michigan 19. Ann Arbor: University of Michigan, Museum of Anthropology und Brześć Kujawski ausgegraben. Der Bau der A1 deckte zahlreiche weitere LBK-Siedlungen auf. Die Notenkopfkeramik bildet die mittlere Phase der Bandkeramik, sie wird von der Želiezovce-Phase abgelöst. Darauf folgte in manchen Landesteilen die Stichbandkeramik, in der polnischen Archäologie als „Spät-Donau-Gruppen“ bezeichnet.Janusz Czebreszuk, Marzena Szmyt: Identities, Differentiation and Interactions on the Central European Plain in the 3rd millennium BC. In: Svend Hansen, Johannes Müller, Sozialarchäologische Perspektiven: Gesellschaftlicher Wandel 5000–1500 v. Chr. zwischen Atlantik und Kaukasus. Stuttgart, Theiß 2011 Im Gegensatz zur LBK, die von großer Einheitlichkeit war, entstanden Regionalkulturen. In Polen, Teilen Österreichs und Tschechiens war dies die Stichbandkeramik, sowie die Malice-Kultur in Polen. Der Beginn der klassische Phase der Malice-Kultur wird auf 4650–4550 v. Chr. angesetztAnna Rauba-Bukowska, Technological indicators in the pottery production of the late Linear Pottery Culture and the Malice culture. Sprawozdania archeologiczne 73/1, 2021, 120.. Die Brześć Kujawski-Kultur des späten Lengyel-Horizontes findet sich vor allen Dingen in Kujawien. Ihre großen trapezoiden Langhäuser sind vielleicht von Bauten der Stichbandkeramik beeinflusst. In den Gräbern finden sich zahlreiche KupfergegenständeLech Czerniak, Joanna Pyzel, Being at Home in the Early Chalcolithic. The Longhouse Phenomenon in the Brześć Kujawski Culture in the Polish Lowlands. Open Archaeology 2, 2016, 97–114 DOI:10.1515/opar-2016-0007.

Im 4. Jahrtausend breitete sich die jungneolithische Trichterbecherkulturen aus, auch auf weniger fruchtbaren Böden. Sie waren von den Niederlanden bis zur Ukraine und von Skandinavien bis Böhmen und Mähren verbreitet. Neue Mittel des Ackerbaues (Pflug) und des Transports (Wagen) lassen sich nachweisen.Peter Bogucki: Animal Traction and Household Economies in Neolithic Europe. in: Antiquity 67 (1993) 492–503. Bestattungen der Trichterbecherkultur fanden als Einzelgräber, in Totenhäusern, in Langbetten und in Ganggräbern und Dolmen statt.Magdalena Midgley, T.R.B. culture: first farmers of the North European plain. Edinburgh University Press, 1992; Magdalena Midgley, The Megaliths of Northern Europe. London, Routledge 2008.

Ab etwa 3100 v. Chr. kam im nördlichen Mitteleuropa mit Schwerpunkt in Polen die Kugelamphorenkultur auf. Diese ist von der Ukraine bis in die Niederlande verbreitet, in den westlichen Bereichen wird sie aber fast nur in Gräbern gefunden. Die Träger der Kugelamphorenkultur gewannen Feuerstein in großem Ausmaß, u. a. bergmännisch. Ein großer Komplex neolithischer Feuersteingruben befindet sich in Krzemionki Opatowskie (Südpolen). Hier hat man auf einem 4 km langen und 15 bis 120 Meter breiten Feld mehr als 3000 Schächte entdeckt. Von den Schächten, die ein paar Meter breit und bis 9 Meter tief sind, zweigen horizontale Gänge ab. Die Höhe der Gewinnungskammern beträgt 0,55 bis 1,10 Meter. Stehen gelassene Felspfeiler schützten das Höhlensystem vor dem Einsturz, und eine sinnreiche Lüftungsanlage ermöglichte die schwere Arbeit unter Tage.

Auf die Kugelamphorenkultur folgte die endneolithische Schnurkeramische Kultur, die nach 14C-Daten in Ost-Polen, möglicherweise noch weiter ostwärts, entstand.Martin Furholt, Die absolutchronologische Datierung der Schnurkeramik in Mitteleuropa und Südskandinavien. Universitätsforschungen zur Prähistorischen Archäologie 101. Bonn, Habelt 2003 Sie ist durch gehockte Einzelbestattungen in geschlechtsspezifischer Orientierung in Flachgräbern gekennzeichnet, teilweise unter Grabhügeln, teilweise als Nachbestattungen in Megalithanlagen der Trichterbecherkultur. Die ZŁota-Kultur vereint Elemente von Schnurkeramik und Kugelamphorenkultur.

Bronze- und Eisenzeit Die Nutzung von Kupfer ist in Polen seit der Brześć Kujawski-Kultur und später der Jordansmühler Kultur belegt.Barbara Ottaway, Earliest copper artifacts of the northalpine region: their analysis and evaluation. Schriften des Seminars für Urgeschichte der Universität Bern 7. Bern: Seminar für Urgeschichte, 1982. Die Frühbronzezeit begann ab 1800 v. Chr. in den westlichen Gebieten mit der mitteleuropäischen Aunjetitzer Kultur, während in Ostpolen weiterhin die Kultur der Schnurkeramik bestand. Neben dem Handwerk entwickelte sich der Handel: Gold und Mittelmeermuscheln zeugen von weit reichenden Verbindungen. Spezialisiertes Handwerk und beginnender Handel begünstigten die weitere soziale Differenzierung. Ein reiches Körpergrab der Periode Reinecke A2 wurde in Łęki Małe entdeckt. Eine Steinkammer war mit einem vier Meter hohen und 45 Meter breiten Grabhügel bedeckt worden. Neben den Skeletten eines Mannes und einer Frau und Tongefäßen fand man zahlreiche Bronzegegenstände, darunter einen Stabdolch und Goldschmuck. Die Trzciniec-Kultur (1600–1300 v. Chr.)Kazimierz Godłowski, Jakuszowice – a multi-period settlement in southern Poland. Antiquity 65 (Number: 248), 1991, 662 ist aus Siedlungen mit glockenförmigen Vorratsgruben wie Jakuszowice und von Grabhügeln bekannt. Pferdegeschirr weist auf eine Verbindung in den Karpatenraum. Bronze bleibt insgesamt selten. Die Trzciniec-Kultur wird gewöhnlich in drei Phasen (B,C und D) unterteilt.J. Górski, Osada kultury trzcinieckiej w Jakuszowicach. Kraków 1991 Interessant sind die Massengräber der Trzciniec-Kultur. In Wolica Nowa hat man in einem Grab 23 Skelette, in Kosin 28 Skelette (elf Frauen, zehn Männer und sieben Kinder) gefunden. Es ist noch nicht geklärt, ob es sich um Familiengräber, Kriegergräber oder Begräbnisse eines „Fürsten“ mit seiner Gefolgschaft handelt. Fragmentarische Menschenreste könnten auf Kannibalismus weisen.[Quelle?] mini|Blick auf einen Teil des spätbronzezeitlichen Otomani-Füzesabony-Erdbaus, Straßen- und Torhauses von 1650 vor Christus von Trzcinica bei Jasło – Rekonstruierte Burgsiedlung (2016) mini|Nachgestaltete Otomani-Füzesabony-Häuser, Originalbefunde 1650 bis zirka 1350 vor Christus, Trzcinica bei Jasło (2016) Etwa ab dem 15. Jahrhundert v. Chr. erstand aus der Trzciniec- und der Vorlausitzer Kultur die Lausitzer Kultur, die den größten Teil des heutigen Polen einnahm.