Kerime Nadir (; * 5. Februar 1917 in Istanbul als Kerime Nadir Azrak; † 20. März 1984 ebenda) war eine türkische Schriftstellerin der modernen türkischen Literatur. Der Großteil ihrer Liebesromane wurde in der Türkei vor allem in den 1960ern und 1970ern verfilmt.

Leben Kerime Nadir war die Tochter des Finanzbeamten Nadir Azrak und Enkelin des Yahya Reşit Efendi, eines Hattat aus Şebinkarahisar und Kadi in Ägypten, das damals formal zum osmanischen Reich gehörte. Nadir absolvierte das Saint-Joseph-Mädchen-College im Istanbuler Viertel Bebek.

Sie begann als Autorin von Gedichten und Kurzgeschichten für die Zeitschriften Servet-i Fünûn - Uyanış und Yarımay. Es folgten ihre ersten Romane in den Zeitschriften Yedigün, Aydabir und Hayat. bei Doğan Kitap

Kerime Nadir schrieb ihre Romane in der Tradition der sentimentalistischen Literatur, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit Güzide Sabri Aygüns Roman منوّر (Münevver) begonnen wurde.Mediha Göbenli: Zeitgenössische türkische Frauenliteratur. S. 48.Oğuz Cebeci in Journal of Modern Turkish Studies. – the literature of the sentimentalist women writers of the early to mid-Republican period, such as Muazzez Tahsin Berkand and Kerime Nadir.

Die Protagonisten in ihren Romanen waren stets ideale Figuren: die Romanhelden waren gutaussehend und erfolgreich, die Romanheldinnen schön und tugendhaft. Konflikte entstanden wegen Klassendifferenzen oder wegen der unterschiedlichen Wertvorstellungen in Stadt und Land. Frauen in Kerime Nadirs Romanen zogen die Romanhelden durch ihre Schönheit und Tugendhaftigkeit an, woran es ihren Konkurrentinnen mangelte. Kerime Nadirs und Muazzez Tahsins Bücher hatten aus Marketinggründen ein bestimmtes auffälliges Aussehen, das sie in Buchregalen Kerime Nadir und Muazzez Tahsin zuordnen ließ: auf dem Buchumschlag befand sich eine junge Frau allein oder mit einem jungen Mann in Pastellfarben. Dazu kam der einprägsame und dramatische Buchtitel wie z. B. Son Hıçkırık (Das letztmalige Schluchzen).Rana Tekcan: Jane Austen in Turkey. In: Jane Austen Society of North America.

Warum sie sich für Liebesromane entschieden hatte, erklärte sie in einem Interview folgendermaßen: Das, was sie im Leben am meisten beeindrucke und sie zum Schreiben animiere, sei die Untreue, der Egoismus und die fehlende Empathie der Menschen beim Thema Liebe.

Trotz ihres großen Erfolgs wurde Nadirs Stil von anderen türkischen Schriftstellern ihrer Zeit oft als unliterarisch kritisiert.Artikel in haber7 vom 20. Januar 2010.

Ihr Roman Posta güvercini (Die Brieftaube) von 1950 wurde ins Französische übersetzt. Sie schrieb mehr als 40 Romane mit mehr als 200 Auflagen, die zusammen mehr als 5 Millionen Mal verkauft wurden.Kulturministerium der Türkei Ihre Bücher werden auch heute noch neu aufgelegt.

Viele ihrer Romane wurden verfilmt, einige auch mehrmals. Für viele Verfilmungen hat Nadir das Drehbuch selbst geschrieben. In den Verfilmungen der 1950er Jahre spielten die Hauptrollen u. a. Muhterem Nur, Kenan Pars, Belgin Doruk, Göksel Arsoy. In den Verfilmungen der 1960er und 1970er spielten die Hauptrollen meist Türkân Şoray, Ediz Hun, Kartal Tibet, Hülya Koçyiğit, Filiz Akın. Für viele Verfilmungen wurde ein gleichnamiges Titellied komponiert, so z. B. Funda gesungen von Suat Sayın und Bora Dinletir, Samanyolu gesungen von Berkant, Seven Ne Yapmaz gesungen von Esin Engin, Zambaklar Açarken gesungen von Erol Büyükburç, Dert Bende gesungen von Kamuran Akkor und Ajda Pekkan und komponiert von Orhan Gencebay. Einer ihrer erfolgreichsten Romane Samanyolu (Die Milchstraße) wurde zuletzt 2009Samanyolu (2009) bei IMDB. nach den Verfilmungen von 1959Samanyolu (1959) bei IMDB. und 1967Samanyolu (1967) bei IMDB. zum insgesamt dritten Mal verfilmt.

Werke Yeşil Işıklar (Die grünen Lichter) / 1937 Hıçkırık (Das Schluchzen) / 1938 Günah Bende mi? (Habe ich die Sünde begangen?) / 1939 Seven Ne Yapmaz (Was ein Liebender nicht alles tut) / 1940 Gönül Hırsızı (Dieb der Herzen) / 1941 Kalp Yarası (Wunde des Herzens) / 1941 Samanyolu (Die Milchstraße) / 1941Kulturministerium Türkei Funda (ein Männer- und Frauenname / Erika) / 1943 Sonbahar (Herbst) / 1943 Gelinlik Kız (Mädchen im Heiratsalter) / 1943 Uykusuz Geceler (Schlaflose Nächte) / 1945 Aşka Tövbe (Abkehr von der Liebe) / 1945 Kahkaha (Gelächter) / 1946 Balayı (Flitterwochen) / 1946 Solan Ümit (Erblassende Hoffnung) / zwischen 1946 und 1948 (die erste Auflage gibt keine Jahresangabe an) Ormandan Yapraklar (Blätter vom Wald) / 1948 O Gün Gelecek mi? (Wird jener Tag kommen?) / 1948 Aşk Rüyası (Liebestraum) / 1949 Posta Güvercini (Die Brieftaube) / 1950 Ruh Gurbetinde (In der seelischen Fremde) / 1953 Pervane (Propeller/Rotor) / 1955 Son Hıçkırık (Das letztmalige Schluchzen) / 1956 Kırık Hayat (Ein gebrochenes Leben) / 1957 Esir Kuş (Der gefangengehaltene Vogel) / 1957 Aşk Bekliyor (Die Liebe wartet) / 1959 Gümüşselvi (Die Silberzypresse) / 1960 Boş Yuva (Leeres Heim) / 1962 Bir Aşkın Romanı (Der Roman einer Liebe) / 1962 Dehşet Gecesi (Die Nacht des Grauens) / 1963 Suya Düşen Hayal (Der verflossene Traum) / 1964 Saadet Tacı (Die Glückskrone) / 1966 Sisli Hatıralar (Vernebelte Erinnerungen) / 1967 Güller ve Dikenler (Rosen und Stacheln) / 1972 Zambaklar Açarken (Als die Lilien blühten) / 1973 Karar Gecesi (Nacht der Entscheidung) / 1973 Dert Bende (Den Kummer trage ich) / 1973 Kaderin Sırrı (Das Geheimnis des Schicksals) / 1976 Bir Çatı Altında (Unter einem Dach) / 1979 Romancının Dünyası (Die Welt einer Romanautorin) / 1981 (Memoirenwerk) Aşk Fısıltıları (Geflüster der Liebe) / 1983

Literatur Mehmet Aydın: Ne yazıyor bu kadınlar: Osmanlıdan günümüze örnekleriyle kadın yazar ve şairler. Ankara 1995, ISBN 975-7923-12-5, S. 72 ff. Erich Frauwallner et al.: Die Weltliteratur: biographisches, literarhistorisches und bibliographisches Lexikon in Übersichten und Stichwörtern. Wien 1951–1954, S. 316 ff. Mediha Göbenli: Zeitgenössische türkische Frauenliteratur. Berlin 2003, ISBN 3-87997-307-5. Louis Mitler: Contemporary Turkish Writers: A Critical Bio-bibliography Of Leading Writers In The Turkish Republican Period Up To 1980. Indiana 1988, S. 155 ff.

Weblinks

Biographie bei Doğan Kitap Biographie bei Kim Kimdir? Artikel in der Zaman – Auszug eines Interviews mit Kerime Nadir von 1953 (türkisch: Artikel vom 19. Dezember 2009) Artikel über Kerime Nadir bei haber7 – Funda ve Kenanlarin isim annesi Kerime Nadir (Kerime Nadir, die Namensmutter aller Funda und Kenan Heißenden)

Einzelnachweise

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