mini|300px|Innenstadt mit Katharinenkirche Chomutov (deutsch Komotau) ist eine Stadt im Ústecký kraj in Tschechien. Die Industriestadt liegt am Fuß des Erzgebirges im Nordböhmischen Becken.
Geographische Lage mini|Panorama der Stadt und ihrer Umgebung (2016) Die Stadt liegt in Nordböhmen, an der Kreuzung bedeutender Eisenbahnlinien und Straßenverbindungen. Sie befindet sich im Westen des Nordböhmischen Beckens am südlichen Fuß des Erzgebirges. Durch den Ort fließt die Chomutovka (Kometau oder Komotau). mini|300px|Marktplatz mini|300px|Häuser am Marktplatz
Stadtgliederung Für die Stadt Chomutov sind keine Ortsteile ausgewiesen. Grundsiedlungseinheiten sind Březenecká, Černý vrch, Chomutov-historické jádro, Domovina, Kamenná, Mostecká, Nádraží, Nemocnice, Nové Spořice (Neusporitz), Písečná, Pod Březeneckou, Pod Černým vrchem, Pražské pole, Průmyslový obvod, Sady Březenecká, Strážiště, Střed, Šípková, U jezera, U Jitřenky, U Klikara, U Luny, U Michanického rybníka, U nemocnice, U parku, U rasovny, U Severky, U soudu, Za nádražím, Zadní Vinohrady, Zahradní und Zátiší.uir.cz
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Chomutov I und Chomutov II.uir.cz
Geschichte Mittelalter Bereits um 800 befand sich auf dem Gebiet des späteren Komotau eine kleine Kirche. Am 29. März 1252 wurde die Stadt „Comotau“ von Friedrich von Komotau dem Deutschen Ritterorden geschenkt. Am 1. Februar 1261 verlieh der böhmische König Ottokar II. Přemysl dem Orden die Gerichtsbarkeit. Damals wurde noch die Bezeichnung „Villa Forensis“ benutzt. Daraus schließt man, dass Chomutov zu dem Zeitpunkt noch ein Dorf war. Durch eine Schenkung der Familie Kothobor von Retschitz erhielt der Orden 1281 Krimove. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch schon am Ordensschloss gebaut. Bis Ende des Jahrhunderts erhielten die Ritter durch Schenkungen und Kauf das Gut zu Beßwitz und Otwitz.
1335 wurde der Komotauer Markt durch ein Privileg des Königs Johann von Luxemburg von Zöllen und Abgaben befreit. Außerdem erhielt die Stadt das Recht, Bier zu brauen und Wochen- und Jahrmärkte abzuhalten. Am 28. Oktober 1396 verlieh der Deutsche Orden die Stadtrechte von Komotau an Albrecht von Duben und Nikolaus von Komotau. Die Stadt erhielt ein Rathaus und das Recht zum Salzhandel, eine Stadtwaage sowie Siegel und Stadtwappen.
Am 30. Oktober 1407 bestätigte König Wenzel IV. den Komotauern das Recht der Bannmeile und beendete damit den Streit zwischen Adel und Bürgertum wegen des Gewerberechts zugunsten der Städte. Am 21. September 1411 musste der Komtur des Ordens, Ulrich von Ausk, die Herrschaft Komotau an den königlichen Günstling Stephan von Kobersheim, der auch Harnischmeister genannt wurde, abtreten. 1415 ging Komotau endgültig bis 1420 an die Krone Böhmen, danach wurde sie von Kaiser Sigismund von Luxemburg an den Markgrafen von Meißen verpfändet.
Die Hussiten nahmen am 16. März 1421 die Stadt ein, die Bevölkerung wurde anschließend massakriert. Der hussitische Feldherr Jan Žižka ordnete an, nur so viele Bürger am Leben zu lassen, wie nötig waren, um die übrigen zu beerdigen. Die Hussiten stellten die Juden in Komotau vor die Alternative, sich taufen zu lassen oder hingerichtet zu werden.Michael Toch: Spätmittelalterliche Rahmenbedingungen jüdischer Existenz: Die Verfolgungen. In: Sabine Hödl, Peter Rauscher, Barbara Staudinger (Hrsg.): Hofjuden und Landjuden. Jüdisches Leben in der Frühen Neuzeit. Philo, Wien 2004, ISBN 3-8257-0352-5, S. 19–64, hier S. 37. Die allermeisten blieben ihrem Glauben treu, viele Familien wählten den Freitod.Artikel Komotau. In: Germania Judaica. Band 3: 1350–1519, herausgegeben von Arye Maimon. Teilband 1: Ortschaftsartikel Aach – Lychen. Mohr, Tübingen 1987, S. 663–664. Bei den Kämpfen und danach starben etwa 2500 – nach einer anderen Quelle genau 1363 – Menschen.
1424 wurde die Stadt an Nikolaus I. von Lobkowicz (Mikuláš Chudý) verpfändet und ihm später geschenkt. Nach dessen Tod gehörte sie Jakob von Wrschowitz. 1456 wurde Johann Czalta von Kamena Hora auf Anweisung des Königs Ladislaus Postumus der neue Herr von Komotau. Vier Jahre später starb er, und sein Schwiegersohn Benedikt von Weitmühl wurde neuer Besitzer. Außerdem erhielt die Stadt von Georg von Podiebrad weitere Privilegien. Benedikt von Weitmühl starb 1560, und Ladislaus von Weitmühl und seine Vettern wurden die neuen Herren der Stadt.
Frühe Neuzeit mini|Stadtansicht im 17. Jahrhundert nach Wenzel Hollar (1607–1677) Die Komotauer erhielten 1517 von ihren Erbherren einen Freiheitsbrief, in dem den Juden das Wohnen, Betreiben eines Handwerks oder des Handels in der Stadt, den Vorstädten und der ganzen Herrschaft verboten wurde. Dieses Privileg gegen die Juden blieb bis 1848 in Kraft. Am 2. August 1525 brannte ein großer Teil der Stadt einschließlich des Schlosses ab. Daneben verbrannten 70 große Bücher aus der Bibliothek von Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein, darunter Originalschriften von Plato. 1529 übernahm Sebastian von Weitmühl die Ländereien von Komotau. 1547 wurde die Stadt während des Schmalkaldischen Krieges von den Armeen des Kurfürstentums Sachsen unter Führung des sächsischen Oberst Thumbshirn überfallen und gebrandschatzt. Acht Jahre später brach die Pest aus und forderte 2300 Tote; dreizehn Jahre später kehrte sie zurück, und weitere 2500 Personen starben. Alaunvorkommen wurden 1556 entdeckt, und ab 1558 begann man mit dem Abbau. 1571 wurde die Stadt an die Herrn von Lobkowitz und Hassenstein verkauft. In folgenden Jahren kauften die Herren Dörfer zurück und neue hinzu, u. a. Rothenhaus, Stadt Katharinaberg sowie Grüntal, Brandau, Kleinhan, Rudelsdorf und Burg Hasištejn. 1585 wurde die Zunft der Faßbinder errichtet. Im Jahr 1589 vertrieben Jesuiten die Lutheraner und bauten in den Folgejahren ein Kollegium als Pflegestätte katholischer Bildung. Am 2. Juli 1591 kam es in der Stadt zu Tumulten zwischen Protestanten und Katholiken. Das Kolleg wurde erstürmt und geplündert. Die Haupträdelsführer wurden in Rothenhaus zum Tod verurteilt und am 20. August hingerichtet. Der Stadt wurden von Popel von Lobkowitz alle Privilegien genommen, aber bereits zwei Jahre später, nachdem Georg Popel von Lobkowitz beim Kaiser Rudolf II. in Ungnade gefallen und sein Vermögen konfisziert worden war, wieder verliehen.Eine umfassende Darstellung dieser Ereignisse findet sich in Siegfried Kappers historischem Roman Die Glockenstürmer von Komotau (3 Bde., Prag 1869/70; Inhaltsangabe und Einschätzung des Werkes in: Oskar Donath: Siegfried Kapper. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik. 6, 1934, S. 379 ff. sammlungen.ub.uni-frankfurt.de).
Komotau erkaufte sich die Freiheit und wurde 1606 eine Freie Königliche Stadt. Ab dem Jahr 1607 hatte die Stadt einen eigenen Magistrat. Während des Dreißigjährigen Krieges waren Plünderungen, Kontributionen, Einquartierungen, Überfälle und Vergewaltigungen an der Tagesordnung. 1620 wurden die Jesuiten aus Komotau wieder vertrieben. Kollegium und Seminar wurden an die Stadt verkauft. Nach der Schlacht am Weißen Berg wurde am 10. November 1620 die Stadt von den Kaiserlichen eingenommen und gezwungen, dem Kaiser den Huldigungseid zu leisten und den Jesuiten das Kolleg und das Seminar zurückzugeben. 1621 verließen immer mehr Protestanten die Stadt Richtung Sachsen und Meißen. 2500 Menschen starben 1625 durch die Pest, die fünfzehn Jahre später wiederkehrte und weitere 1000 Opfer forderte. Am 12. November 1631 wurde die Stadt von Kaspar von Klitzing, Hauptmann des Johanniterordens, eingenommen und gebrandschatzt. Am 3. März 1662 wurde der Grundstein der Ignatiuskirche gelegt.
Die von Kardinal Fabrizio Savelliden Jesuiten 1725 geschenkten Gebeine des heiligen Viktor wurden unter großen Feierlichkeiten in einem Mausoleum in der Ignatiuskirche beigesetzt. Die Stadt kaufte in den folgenden Jahren weitere Güter auf, so u. a. Hruschowan. Während des Siebenjährigen Krieges zogen amn 14. Oktober 1763 Soldaten in das Kloster ein. 1780 übernahmen die Dominikaner das Komotauer Gymnasium.
Vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg Während der Napoleonischen Kriege brachten bayerische und französische Kriegsgefangene 1805 das Faulfieber in die Stadt, das über 700 Todesopfer forderte. Vom 21. bis 24. August 1813, während der Napoleonischen Kriege fand in Komotau das Drei-Kaiser-Treffen statt, an dem Zar Alexander I, der preußische König Friedrich Wilhelm III. und Kaiser Franz I. teilnahmen.
Ab Mitte des Jahrhunderts erfolgten Gründungen im Handel und Gewerbe, vor allem in der Industrie, so zum Beispiel die Komotauer Sparkasse und die älteste Firma des graphischen Gewerbes, die Buchdruckerei Gebrüder Butter. Die Eisenbahnstrecke Komotau-Dux-Ossegg wurde eröffnet, später auch die Strecke nach Eger sowie die Strecken der Buschtěhrader Eisenbahn nach Prag, Weipert bzw. Reitzenhain (Sachsen) und Brunnersdorf bei Kaaden. Die Maschinentechnische Fachschule wurde eingeweiht. 1899 begann bei Petsch, acht Kilometer nordwestlich der Stadt, der Bau der Komotauer Talsperre für die Trinkwasserversorgung.
mini|Begrüßung der einmarschierenden deutschen Truppen am 9. Oktober 1938 1900 erfolgte die Einweihung der neuen im Stil der Neutgotik erbauten evangelischen Kirche am Eingang zum Stadtpark. Im Laufe der Jahrzehnte wurde die Industrie weiter ausgebaut, und Kommunikationsanlagen wurden angelegt, so begann man zum Beispiel 1901 mit dem Bau der neuen Wasserleitungsanlage. Hinzu kamen ein Bezirkskrankenhaus, ein Siechenhaus, ein Gymnasium und eine Turnhalle. Nach dem 28. Oktober 1918 wurde Komotau in die neu gegründete Tschechoslowakische Republik integriert.
Zwanzig Jahre später, am 1. Oktober 1938, erfolgte nach dem Münchner Abkommen der Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich und die Besetzung durch deutsche Truppen. Komotau gehörte nunmehr zum Landkreis Komotau, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland. Die Kommotauer Synagoge wurde bei den Novemberpogromen 1938 niedergebrannt.
Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Gegenwart mini|Deutschneudorf: Gedenkstätte für die Opfer des Todesmarsches vom 9. Juni 1945 von Komotau nach Maltheuern Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Am 9. Mai 1945 marschierten mit der Roten Armee zugleich tschechische Revolutionsgarden und Teile der Svoboda-Armee in die Stadt ein.Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hrsg.): Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei. Band 1, Weltbild Verlag, 1994, ISBN 3-89350-560-1, S. 110. Am 9. Juni 1945 mussten sich alle 8000 deutschböhmischen Männer zwischen 13 und 65 Jahren aus Komotau und den umliegenden Dörfern auf dem Jahnsportplatz sammeln. Dort wurden nach Augenzeugenberichten zwischen 12 und 20 von ihnen erschossen, darunter einige Angehörige der Waffen-SS. Auf dem folgenden Marsch von Komotau nach Maltheuern wurden über 70 Männer erschossen, weil sie dem Zug nicht folgen konnten. Der Marsch ging entlang der Strecke: Komotau – Görkau – Schloss Rothenhaus – Kunnersdorf – Bartelsdorf – Eisenberg – Gebirgsneudorf – Deutschneudorf (Sachsen) – Nickelsdorf – Obergeorgenthal – Niedergeorgenthal – Maltheuern.Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hrsg.): Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei. Band 1, Weltbild Verlag, 1994, ISBN 3-89350-560-1. 2003 wurde in Deutschneudorf ein erster Gedenkstein, am 22. September 2007 auf dem Hauptfriedhof in Chomutov ein zweiter Gedenkstein in Erinnerung an diesen Todesmarsch eingeweiht. Die Überlebenden mussten das zerstörte Hydrierwerk in Maltheuern (Záluží) wieder aufbauen.
Aufgrund des Beneš-Dekretes 108 vom Oktober 1945 wurde das Vermögen der deutschböhmischen Bevölkerung konfisziert und unter nationale Verwaltung gestellt. Die deutschsprachige Bevölkerung wurde mehrheitlich vertrieben.