Der Karadağ () ist ein Bergmassiv in der türkischen Provinz Karaman, etwa 25 km nördlich der Provinzhauptstadt Karaman. Er ist ein erloschener Schichtvulkan (Stratovulkan) und durchmisst etwa 15 km in Nordsüd- wie in Westostrichtung. Sein Krater hat einen Durchmesser von etwa 2000 m. Seine drei Hauptgipfel sind der Mihalıç (auch Mahalıç) Tepesi und der Baştepe (Bozdağ). Der Mihalıç Tepesi im Südosten ist mit 2288 m die höchste Erhebung. links|mini|Blick auf den Karadağ-Schichtvulkan bei Karaman von Hotamış (Konya Ovası) aus
Historische Bedeutung Auf der Nordseite bilden zahlreiche byzantinische Kirchenruinen bei den Dörfern Madenşehri (Madenşehir), das als das antike Barata angesehen wird, und Üçkuyu (Değle) die Region Binbirkilise (). Auf dem Mihalıç Tepesi befindet sich eine Sendestation des türkischen Fernsehsenders TRTWolfgang Dorn: Türkei – Zentralanatolien: zwischen Phrygien, Ankara und Kappadokien. DuMont Reiseverlag, 2006, S. 267f, ISBN 978-3-7701-6616-9 (bei GoogleBooks). links|mini|Karadağ-Massiv von Süden links|mini|Kirchenruine in Madenşehri im türkischen Gebiet Binbirkilise bei Karaman Es gibt zudem eine Reihe von historischen Ruinen aus verschiedenen Epochen auf dem Mahalıç Tepesi. Einige von ihnen, eine Kirche und die angrenzende Grabkapelle, gehören zur byzantinischen Zeit, andere, ein Altar und Hieroglypheninschriften, betreffen die Zeit der Hethiter. Auf dem Gipfel des Mihalıç Tepesi befinden sich direkt unterhalb der byzantinischen Kirchenruine zwei hethitische Inschriften in luwischen Hieroglyphen, die Gertrude Bell und William Mitchell Ramsay 1907 entdeckt haben. In der größeren und lesbaren Inschrift wurden folgende Aussagen verewigt: „An diesem Ort hat die Majestät, Hartapu, Großkönig, (dem) Tarḫunza des Himmels, dem Großen Berg (und) allen Göttern Verehrung erwiesen. (Er), der alle Länder eroberte, hat Tarḫunza des Himmels und (allen) Göttern…“ (Übersetzung nach Frank Starke). Da die byzantinischen Ruinen einschließlich der beiden Inschriften heute auf militärischem Gelände liegen, sind sie nur bedingt mit behördlicher Genehmigung zugänglich. Auf dem etwa 15 km nordwestlich davon gelegenen Kızıldağ (nicht zu verwechseln mit dem Kızıldağ bei Madenşehri/Binbirkilise, einem Parasitärvulkan des Karadağ) finden sich Mauern, eine Treppe, am Westhang ein thronartiges Felsgebilde mit einem Felsrelief Hartapus sowie weiteren Inschriften, alles wahrscheinlich unter Hartapu, der sich in Inschriften als Großkönig bezeichnet, im achten Jahrhundert v. Chr. erstellt,W. Orthmann: Karadağ. In Erich Ebeling, Bruno Meissner, Dietz Otto Edzard: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie, Walter de Gruyter, 1980, S. 402, ISBN 978-3-11-007192-4 bei GoogleBooks nach anderen Forschungsmeinungen bereits kurz nach Ende des hethitischen Großreichs im 12. Jahrhundert v. Chr. links|mini|Hethitische Inschrift bei Karaman auf dem Mahalıç Tepesi, dem 2288 m hohen Gipfel des Karadağ Man geht davon aus, dass der Name des Hügels, der von den Einheimischen Mahalaç Tepesi (Mahalaç-Hügel) genannt wird, eine historische Wortveränderung von Mihaliç ist und der Ursprung des Namens vom Erzengel Michael (Mikhael) stammt. Wohl schon seit der frühen Antike spielte die Region um den Vulkan Karadağ eine besondere religiöse Rolle. Die Kirche auf dem Mahalaç Tepesi wurde auf einem hethitischen Altar und Heiligtum errichtet, wo „Mikhael“ wahrscheinlich einen hethitischen Gott ersetzte. So ist Erzengel Mikhael die christianisierte Form eines Wesens im alten Glauben Anatoliens, wo Höhen immer für den Kult von Mikhael oder vorchristlicher Götter (Berggötter/Yazılıkaya; Regengott/Latmos) gewählt wurden. Damit wurde dieser alte Kultort auch am höchsten Punkt des Karadağ nach wechselnden religiösen Überzeugungen benannt und damit seine „Heiligkeit“ fortgesetzt. Das gilt in ähnlicher Weise auch für die Gipfel des Göz Dağı, des Kızıldağ und des Çatdağı, die als heilige Orte für Rituale im Karadağ genutzt und mit Kirchen besetzt wurden, an die kleine Klostergebäude angeschlossen waren. Ähnlich wird der Berg Meyil Dağı im Südosten von Karaman, auf dem sich Überreste der christlichen Zeit befinden, in osmanischen Dokumenten des 16. Jahrhunderts sowie auch von Reisenden, die die Region Ende des 19. Jahrhunderts besuchten, als Berg Mihail bezeichnet.
Während der Zeit der assyrischen Handelskolonien führte Anitta, ein Herrscher des Fürstentums Kuššara, im Zuge von Kriegen gegen Länder, die nach dem Tod seines Vaters rebellierten, Razzien bis nach Konya durch. Unter Labarna I. wird Karaman im Telipinu-Edikt mit Landa (hethitische Stadt zur Zeit des Großkönigs Labarna) gleichgesetzt, das zu den eroberten Ländern gehörte. Seit der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr. gilt die Region Landa als Teil des Landes Tarhuntašša. Dank der Ortsnamen in der Bronzetafel, die 1986 in Boğazköy gefunden wurde, ist bekannt, dass sich das Tarhuntašša-Land weit über ein Gebiet ausbreitete, das sich bis nach Hotamış, Karaman, Göksu, zum Kilikischem Taurus und Beyşehir-See erstreckte. Obwohl die Grenzen des Landes bislang nicht genau bestimmt werden konnten, wurden aus vielen möglichen Orten, basierend auf den Angaben auf der Bronzetafel, unter Berücksichtigung der Verbindungsstraßen, der sozioökonomischen Bedingungen und des Verteidigungssystems, die Ruinen auf dem Kızıldağ und damit das Vulkangebiet des Karadağ als sein Zentrum wissenschaftlich allgemein akzeptiert. links|mini|Byzantinische Kirchenruinen auf dem Gipfel Mahalıç Tepesi des Vulkanmassivs Karadağ bei Karaman in der Südtürkei (im militärischen Sperrgebiet) Eine weitere wichtige Reliktgruppe des Mahalıç Tepesi ist jene bereits erwähnte kreuzförmige Kirche mit Narthex und eine kreuzförmige Kapelle. Im Westen der Kirche befindet sich eine überwölbte Zisterne. Aus den Inschriften auf der Apsis der Kapelle geht hervor, dass das kleine Gebäude neben der Kirche als Grabkapelle errichtet wurde und dort eine Person namens Leontios begraben wurde. Das zugehörige Kloster wurde vollständig zerstört. Sollte der Standort von Barata mit Madenşehir (Binbirkilise) übereinstimmen und die Person in der Grabkapelle, Leontios, identisch mit dem Bischof von Barata sein, stammt die Anlage aus den 5. Jahrhundert.
Geotektonische Einordnung Im Anschluss an die alpidische Auffaltung des Taurus im Laufe des Tertiärs senkten sich an seinem Nordrand neogene Sedimentationsbecken ein, in denen sich im Känozoikum an Störungszonen Vulkanite der Kalkalkali-Reihe bildeten. Eines dieser Vulkanmassive ist der Karadağ nördlich von Karaman. Bei radiometrischen Altersbestimmungen ergab sich ein Alterszeitraum von etwa 2,5 Millionen Jahren mit Einsetzen des dortigen Vulkanismus vor ca. 3,2 Millionen Jahren, einer Hauptphase des Vulkanismus etwa vor 1,1 Millionen Jahren und danach langsames Erlöschen des Vulkanismus im Pleistozän. Bis in die Gegenwart werden im Umfeld des Karadağ allerdings immer noch Erdbeben verzeichnet. Eines der letzten, allerdings nicht sehr starken Beben der Stärke 1,5 wurde 25 km nördlich von Karaman am Freitag, 26. Februar 2021, um 16:52 Uhr Lokalzeit, in unmittelbarer Nachbarschaft des Karadağ mit der Lage des Erdbebenherds in 16,3 km Tiefe registriert. Nach Stichen von Laborde aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und englischen Fotos von 1880 waren im 19. Jahrhundert z. B. die Kirchenbauten von Binbirkilise (s. o.) noch weitgehend intakt. Fotos aus dem Jahr 1905 dagegen zeigen viele ruinierte Bauwerke, die offenbar bei einem Erdbeben zwischen 1880 und 1905 weitgehend zerstört worden waren.
Der Beginn der vulkanischen Aktivität in der Region Karaman dürfte mit der geologischen Lage Zentralanatoliens zusammenhängen. Der neogene und quartäre Vulkanismus Zentralanatoliens schuf den zentralen Teil des inneranatolischen Vulkanbogens während der Kontinentalkollision zwischen der afro-arabischen und der eurasischen Platte. Er ist eng mit einem komplexen System tektonischer Depressionen verbunden, die mit brüchigen Verformungen vom transtensionalen Typ (Seitenverschiebung) zusammenhängen und im späten Miozän begannen.
Tektonische Vorgaben Der Karadağ-Vulkan erhebt sich an der südlichsten Spitze des zentralanatolischen känozoischen Vulkanismus, der parallel zum inneren Taurusgürtel in Nordost-Südwest-Richtung zieht und durch die Vulkangebiete (von Süden nach Norden) des Karadağ, des Karacadağ, des Hasandağı, Kappadokiens und des Erciyes Dağı repräsentiert wird. Tektonische Störungen, die ungefähr eine Parallele zur NO-SW-verlaufenden zentralanatolischen Störungszone am östlichen Ende des Konya-Vulkanismus und entlang der NW-SO-gerichteten Akşehir-Störungszone bilden, gelten als die Hintergründe für Ursachen und Folgen des Karadağ-Vulkanismus. Die entsprechenden Verwerfungslinien des Karadağ-Gebietes erstrecken sich zumeist in südlicher Richtung und bilden eine der wichtigsten tektonischen Strukturen in der Region, die bis zur Gegenwart als aktiv gelten. Dabei sind fünf Hauptstörungen bei der Bildung des Karadğ-Vulkanismus wirksam gewesen.
Eine der Haupt-Verwerfungslinien erstreckt sich vom Nordwesten des Karadağ-Gebietes in SO-Richtung über etwa 9 km bis zu den Ausläufern des Vulkans im Südosten. Eine weitere Hauptstörung verläuft mit einer Länge von ungefähr 10 km im Norden des Vulkanismus in Richtung NO-SW. Eine dritte wichtige, ca. 7 km lange Verwerfung erstreckt sich von Norden in Richtung des Zentrums des Vulkans über Madenşehir nach Südwesten. Die größte, ungefähr 17 km lange Störung verläuft in NO-SW-Richtung über Yuvatepe südwärts, gekennzeichnet durch eine Reihe von vulkanischen Ausbruchsstellen. Die fünfte Haupt-Störungslinie erstreckt sich im Norden über ca. 8 km ziemlich weit vom Vulkan entfernt und im Gegensatz zu den meisten anderen Verwerfungen in O-W-Richtung. Die Vulkangipfel Topakkaya, Yanıkkaya, Yassı Tepe, Göztepe, Karatepe und Çatdağ sowie die im Neogen gebildeten Pilav-, Dümbelek- und Aykırı-Parasitärvulkane zeigen eine Ausrichtung entlang dieser Verwerfungskante im Norden des Berges.
Auch die Reihung der in der letzten vulkanischen Phase im Norden des Karadağ gebildeten Adakale-Vulkane (Kalaylıdağ, Kızıldağ bei Adakale und Karatepe, Bozdağ (Başdağ), Taşkale und Sarıkaya Tepesi) zeigt eine Ausrichtung entlang der Ränder der Verwerfung, die eine Linie vom Norden des Karadağ nach Süden bildeten. Im zentralen Vulkangebiet bilden die Erhebungen von İnilti, Gökseki, Mahalıç, Kartallık, Taş, Kızıldağ (Karacaören) und Küçükkara ebenfalls eine lineare Abfolge, obwohl sie nicht mit einer Störung in Verbindung zu bringen sind. Ebenso zeigen die in der letzten Phase am südlichen Rand des Karadağ gebildeten Vulkan-Parasiten Tekke, Bindağ, Ak, Kara, Camel, Bahar, Kuzay und Kılbasankızıldağ eine Ausrichtung von West nach Ost. zentriert|mini|600x600px|Die Karte zeigt die wichtigsten geologischen, tektonischen und topographischen Strukturen des Karadağ-Schichtvulkankomplexes nördlich von Karaman.
Geologische Aspekte