Sokolov (bis 1948 Falknov nad Ohří, deutsch Falkenau an der Eger) ist eine Stadt in der Region Karlsbad in Tschechien.

Geographie Lage Die Stadt befindet sich in Westböhmen im Falkenauer Becken und liegt 401 m ü. NN an der Mündung der Zwodau in die Eger und nördlich des Kaiserwaldes. Westlich von Sokolov liegt der Tagebau-Restsee Medard. In Sokolov selbst gibt es den See Jezero Michal, im Südosten des Stadtgebiets erheben sich die Hügel Květný vrch (640 m n.m.), Spálený vrch (744 m n.m.) und Vítkov (722 m n.m.).

Stadtgliederung Die Stadt Sokolov besteht aus den Ortsteilen Hrušková (Birndorf, ehemals Nothaftsgrün), Novina (Grün), Sokolov (Falkenau an der Eger) und Vítkov (Wudingrün).uir.cz Grundsiedlungseinheiten sind Hrušková, K nemocnici, Ke stadiónu, Nad rybníkem, Nad zastávkou, Novina, Ovčárna (Schäferei), Pod pekárnou, Pod vodojemem, Průmyslový obvod, Před nádražím, Rekultivace dolu Antonín, Seifertova, Sokolovská, Sokolov-střed, U dolu Antonín, Vítkov, Za Hornickým domem und Za nádražím.uir.cz

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Hrušková, Novina u Sokolova, Sokolov und Vítkov u Sokolova.uir.cz

Nachbargemeinden Östlich liegt Těšovice, Staré Sedlo u Sokolova, Loket, Horní Slavkov. Im Süden liegt Rovná u Sokolova, im Südwesten Březová u Sokolova, Dolní Rychnov und Citice. Nordwestlich befindet sich Svatava, im Norden Královské Poříčí.

Geschichte Von 1279 bis heute Falkenau wurde erstmals am 13. April 1279 (Valkenawe) urkundlich erwähnt.Gradl, Monumenta Egrana I 326notthafft.de Im 13. Jahrhundert stand eine steinerne Burg auf dem Gelände des heutigen Schlosses, von dort aus in Richtung der Eger und des Lobsbaches war eine Ansiedlung entstanden. Archäologische Ausgrabungen aus dem Jahr 1993/1994 erbrachten das Ergebnis, dass die Burg- und Stadtanlage über die bisher angenommene Bedeutung hinausging.

Als Ministeriale trugen die Notthafft zur Kultivierung der Region bei. Spätere Adelsgeschlechter, die die Herrschaft und das Schloss Falkenau besaßen, waren ab 1435Stadtarchiv Falkenau, beglaubigte Abschrift des Schenkungsbriefes von 1497 die Grafen Schlick, die bis zur Schlacht am Weißen Berg 1621 als Protestanten die Herrschaft Falkenau innehatten und ab 1622 die katholischen Reichsgrafen von Nostitz-Rieneck.

Das erste Privileg, durch das die Einwohner Falkenaus städtische Freiheiten und Rechte erlangten, soll König Johann von Böhmen im Jahre 1313 erteilt haben. Das Original ist bei der Feuersbrunst von 1390, in der die Stadt völlig abbrannte, verloren gegangen. So wurde das Stadtrecht durch einen neuen Majestätsbrief von König Wenzel IV. am 28. August 1397 erneuert.Michael Pelleter: Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Band 1, Falkenau 1876, S. 13.

1483 regelte das älteste erhaltene Stadtbuch Falkenaus das Stadtrecht ().Karl Friedrich Rietsch: Stadtbuch von Falkenau (1483–1528). Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Stadtrechtes in Böhmen (= Mitteilungen des Vereins f. Geschichte der Deutschen in Böhmen. 33. Jahrgang, Band 3, Auszug). Prag 1895. Demnach bestand der Rat aus zwölf Ratspersonen, aus deren Runde der Bürgermeister gewählt wurde (ältester bekannter Bürgermeister: Paul Haynl 1471). 1491 wurde in Falkenau die Marienbruderschaft gegründet. 1546/1547 wurde die Stadt vom kursächsischen General Wilhelm von Thumbshirn überfallen. 1573 wurde erstmals das Falkenauer Schützencorps erwähnt.

1604 brannten 21 Häuser der Stadt ab. Etwa 1000 Einwohner und 174 Häuser zählte Falkenau zu der Zeit.Aus dem Egerland – Falkenau – Stadt und Land. H. Theisinger, Verlag Obermayer; S. 236.

mini|hochkant|links|Falkenau an der Eger 1620; Rekonstruktion von Architekt Rudolf Kühnl 1969 Ab März 1621 wurde Falkenau infolge des Dreißigjährigen Krieges von bayerischen und sächsischen Truppen eingeschlossen. Am 26. März erfolgte ein Beschuss der Stadt mit Kanonen. Alle Häuser vor der Stadt und etliche schöne Vorwerke brannten nieder. Am 31. März 1621 kam es zu einer ersten direkten Kampfhandlung: 50 Bürger der Stadt sollten unter dem Schutz von etwa 75 Englischen Reitern mit 20 Wagen Getreide aus dem nahen Unterreichenauer Ratsbauernhof holen.Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Falkenau 1876 von Michael Pelleter. Band 1, S. 104. Bei einem Angriff feindlicher Reiter kam es zu einem Scharmützel, bei dem 23 Bürger der Stadt ihr Leben verloren.Falkenauer Chronik des Joh. Ferdinand Kirchberger 1620–1813. Jahr 1621.

Im Zuge der Rekatholisierung mussten die evangelisch-lutherischen Pastoren und Schulmeister Falkenau Ende August 1624 verlassen und ein erster katholischer Geistlicher wurde 1625 eingesetzt.Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Falkenau 1876 von Michael Pelleter. Band 1, S. 112. Die Gegenreformation stieß zum Teil auf heftige Ablehnung. Noch um 1650 verweigerten einige Bürger Falkenaus die katholische Beichte und Messe.

Am 18. Mai 1632 brannte die Stadt infolge von Kampfhandlungen zwischen sächsischen und kaiserlichen Truppen vollständig nieder.Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Falkenau 1876 von Michael Pelleter. Band 1, S. 117 1633, ab September bis Dezember wütete die Pest in Falkenau und forderte über 80 Todesopfer (nach Körbl 122 Pesttote).Tauf-, Trau- und Sterbematrik Falkenau a.d. Eger. Band 1, Tote des Jahres 1633 unter „Tempore Pestis“

1660 wurde ein Hospital auf Betreiben des Grafen Johann Hartwig von Nostitz-Rieneck (1610–1683) errichtet, in dem verarmte und erkrankte Einwohner der Stadt Versorgung fanden. Es verlor 1846 mit Erbauung des neuen Krankenhauses seine Bedeutung und wurde im Sommer 1902 abgerissen. mini|Kapuzinerkloster mini|hochkant|Mariensäule

1663 wurde auf Betreiben des Grafen Johann Hartwig von Nostitz-Rieneck (1610–1683) ein Kapuzinerkloster in Falkenau erbaut, das 1664 geweiht wurde. 1667 wurde die neu erbaute Kirche des Klosters dem heiligen Antonius geweiht.Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Falkenau 1876 von Michael Pelleter. Band 1, S. 134. 1772 lebten 16 Priester und 7 Laienbrüder im Kapuzinerkloster.

1701 wurde auf dem Markt die Mariensäule errichtet, 1717 die mit Hopfenpflanzen verzierte Säule mit dem Wastl (die sich auf die Stadtgründungssage des Falkners Wastl bezieht, nach der hier einst ein Egerer Bürger namens Sebastian ('Wastl') einen Falkenhof erbaut haben und so die erste Ansiedlung hervorgerufen haben soll) und der steinerne Brunnen erbaut, die alle heute noch dort stehen.Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Tachau 1882 von Michael Pelleter. Band 2., S. 9.

Nach dem Tod des Grafen Anton Johann von Nostitz-Rieneck († 29. Oktober 1736), der der Stadt Falkenau väterlich-wohlwollend gesinnt war, erbte sein Neffe Franz Wenzel von Nostitz-Rieneck (1696–1765) das Fideikommiss Falkenau. Gleich nach der Übernahme der Herrschaft Falkenau zog er die Stadtrechte Falkenaus in Zweifel und wollte die Bürger den Bauern seiner Herrschaft gleichstellen und zugleich auch für sie die Leibeigenschaft einführen. Bürgermeister und Rat mussten unter erheblichem Aufwand in Wien die nötigen Dokumente ausstellen lassen und dafür 500 Gulden Taxe zahlen, was dem Wert eines großen Stadthauses entsprach. Doch Graf Franz Wenzel weigerte sich standhaft, den Konsens zur Privilegienbestätigung für Falkenaus Stadtrechte zu unterzeichnen. Über zehn Jahre hielt er das Verfahren in der Schwebe, auch dann noch, als Kaiser Franz I. sich im Juli 1747 der Sache annahm. Durch die Kriegsunruhen und Stadtbrände verzögerte sich die Klärung um weitere Jahre.Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Tachau 1882 von Michael Pelleter. Band 2, S. 28 ff.

Während des Österreichischen Erbfolgekrieges wurde Falkenau ab Oktober 1742 von französischen Truppen sowie sächsischen Grenadieren und ungarischen Husaren und Dragonern belagert und schließlich besetzt. Am 20. Oktober 1742 brach in einem von französischen Soldaten besetzten Haus ein Feuer aus, das innerhalb von eineinhalb Stunden 27 Häuser in Asche legte. Eine Ursache für den Umfang des Brandes lag in der durch die Besatzung überfüllten Stadt, … man konnte … in der Stadt wegen der vielen französischen Bagage und denen Wachtfeuern kaum gehen …, was das Löschen des Brandes behinderte.Falkenauer Chronik des Joh. Ferdinand Kirchberger 1620–1813. Jahr 1742.

Spätestens seit 1750 war in Falkenau Militär stationiert. So ist durchgängig im 18. Jahrhundert das Gaisrucksche Infanterieregiment bezeugt, weitere in Falkenau bezeugte Infanterieregimenter sind Ellrichshausen und Matthesen. In den 1790er Jahren ist nachweisbar, dass sich die Kasernen direkt beim Falkenauer Schloss befanden.

Ein weiteres Feuer legte am 9. April 1753 74 Häuser mit 24 Scheunen binnen drei Stunden in Asche, so dass die ganze Seite der Neustadt vom Ringtor an bis zur Schrotmühle und von dort bis zum Rathaus abgebrannt war. Der Schaden wurde auf annähernd 50.000 Gulden geschätzt.Falkenauer Chronik des Joh. Ferdinand Kirchberger 1620–1813. Jahr 1753.

1754 entbrannten die Streitigkeiten mit Graf Franz Wenzel erneut. Ursache waren beständige Schmälerungen der städtischen Weidegerechtigkeiten auf der Hard-Höhe, einer Anhöhe nahe der Stadt, indem der Graf 40 Strich von den Hard-Gründen urbar machen ließ, wodurch er die der Stadt verbriefte Nutzung der Viehweiden verminderte und zudem von der hinteren Hard-Höhe noch fünf Strich Land urbar machen ließ, die aber der Stadt und nicht der Herrschaft Falkenau gehörten. Der daraus entstandene Rechtsstreit ging als ‚Hardt-Streit’ in die Falkenauer Annalen ein.

Seit Beginn des Streites 1736 war keine Ratserneuerung mehr vorgenommen worden, da eine Zusammenarbeit mit dem Grafen nicht mehr möglich war. So war als einziger Bürgermeister nur noch der alte Tuchmachermeister Johann Carl Bach (1678–1766) im Amt. Als der am 8. Oktober 1754 eine Bürgerversammlung einberief, sollte der gräfliche Aktuar Georg Felix Lutz von Strahlenfels der Ratsversammlung beiwohnen, was ihm verweigert wurde. Daraufhin setzte Graf Franz Wenzel den Rat ab und ließ Bach und einen weiteren Bürger im Rathause einkerkern. Erst als sie erkrankten, wurde Bach freigelassen. Im Juni 1755 wurde der ganze Rat abgelöst und ein neuer eingesetzt. Der Aktuar sollte den Ratssitzungen beiwohnen, jedoch ohne Stimmrecht zu haben. Dennoch hintertrieb er die Entscheidungen des Rats, wo immer es ihm möglich war. Der Rechtsstreit an sich blieb weiterhin in der Schwebe. Mehrfach erneuerte der Graf sein Ansinnen auf die Leibeigenschaft der Falkenauer Bürger und 1761 machte er zudem der Stadt das Recht auf freien Salzhandel, Lehengerechtigkeiten und städtische Erbzinsrechte strittig. Bürgervertreter reisten nach Prag, um sich vor Ort einen Rechtsanwalt zur Klage in der Hauptstadt zu nehmen. Der Streit löste sich erst mit dem Tode des Grafen Franz Wenzel im September 1765.Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau an der Eger. Tachau 1882 von Michael Pelleter. Band 2, S. 30 ff

1757 bis 1759 litt Falkenau immer wieder unter wechselnden Einquartierungen durch Militär infolge des Siebenjährigen Krieges. 1762 im August wurde die Stadt von 300 Mann Schwarzer Husaren unter dem Kommando des Oberstwachtmeisters Daniel Christoph Georg von der Schulenburg-Hehlen überfallen, die Häuser geplündert und Geld von den Bürgern, sowie eine Brandsteuer von 1100 Gulden von der Stadt erpresst. Am 31. Dezember 1763 erreichte das Hochwasser der Eger infolge starker Regenfälle den bis dahin höchsten je gemessenen Pegelstand, so dass im Brauhaus die Männer bei Rettungsarbeiten bis über den Gürtel im Wasser standen. mini|Rathaus von 1540

1770 zählte Falkenau 256 Hausnummern. Die Stadt war durch eine Stadtmauer umschlossen und hatte vier Stadttore: Sommertor, 1609 erbaut und 1833 teils abgetragen Neues Tor, das um 1667 nach der Erbauung des Kapuzinerklosters hinter dem Klostergarten neu errichtet wurde, um die Stadtbefestigung wieder zu schließen; 1836 abgetragen Obertor, das die ursprüngliche Altstadt von der sogenannten Neustadt trennte Brückentor, auch Egerflusstor genannt.