Die MHPArena (im Sprachgebrauch oft, wie offiziell von 1949 bis 1993, Neckarstadion) ist ein Fußballstadion im Neckarpark im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt. Sie wurde 1933 fertiggestellt, seitdem mehrmals um- und ausgebaut und bietet heute Platz für 60.058 Zuschauer. Im Laufe der Zeit wechselte der Name des Stadions mehrmals.
Die MHPArena ist das Heimstadion der Bundesliga-Mannschaft des VfB Stuttgart. Eigentümer ist die Stadion NeckarPark GmbH & Co. KG, an der die Stadt Stuttgart mit 60 Prozent und der VfB Stuttgart mit 40 Prozent beteiligt sind.
Lage des Stadions mini|Lage der MHPArena im Neckarpark mini|MHPArena, Wolff & Müller Energy Center, Porsche-Arena und unten die Hanns-Martin-Schleyer-Halle mini|Innenansicht (Juli 2005) mini|Namenszug im Stadion 2013
Die MHPArena ist das Kernstück des Neckarparks. Direkt an der Nordseite der Arena befindet sich das Wolff & Müller Energy Center, ein langgestrecktes Erlebniszentrum für Fußballfans mit dem Wolff & Müller Forum. Unmittelbar anschließend folgen Porsche-Arena und Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Südlich der Arena befinden sich die Mercedes-Benz Welt und die Versuchsstrecke der Mercedes-Benz Group sowie das Stadion Festwiese. Anschließend an die Mercedes-Benz Welt befindet sich das Mercedes-Benz-Werk Untertürkheim. Südöstlich des Stadions liegt das Vereinsgelände des VfB Stuttgart mit Trainingsplätzen, Clubhaus und Robert-Schlienz-Stadion und östlich das Haus des Sports „SpOrt“. Etwa 250 Meter westlich des Stadions befindet sich der Cannstatter Wasen. Am heutigen Standort des Stadions befand sich früher ein Exerzierplatz, auf dem bereits in den 1860er-Jahren Fußball gespielt worden sein soll.Ansbert Baumann: „Stuttgart ist viel schöner als Berlin.“ Das Stuttgarter Neckarstadion – ein Inszenierungsort im Wandel der Zeit, S. 43.
Geschichte Vorgeschichte Anlässlich der Gesundheitsausstellung im Jahr 1914 wurde das erste städtische Stadion Stuttgarts auf dem Cannstatter Wasen errichtet. Dieses brannte allerdings nach knapp dreimonatigem Bestand am 11. August 1914 komplett ab.
1933–1973: Bau, Umbau und Umbenennungen Die Architekten des ursprünglichen Stadions waren Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer. Das Stadion wurde 1929 bis 1933 unter dem Namen Stuttgarter Kampfbahn für das 15. Deutsche Turnfest erbaut. Schon vor der offiziellen Eröffnung stieg am 25. Juni 1933 ein Städtespiel zwischen der Auswahlmannschaft von Stuttgart und einer Auswahl von Nürnberg und Fürth vor 30.000 Zuschauern. Am 23. Juli 1933 wurde es unter dem Namen Adolf-Hitler-Kampfbahn vom Stuttgarter Oberbürgermeister Karl Strölin in Betrieb genommen und diente offenbar als Vorbild für den Bau des Berliner Olympiastadions.Ansbert Baumann: „Stuttgart ist viel schöner als Berlin.“ Das Stuttgarter Neckarstadion – ein Inszenierungsort im Wandel der Zeit. Es besaß die erste Tribüne Deutschlands mit frei auskragendem, stützenlosem Dach aus Stahlbeton. Zunächst fasste das Stadion rund 40.000 Zuschauer; dazu kamen 2.500 überdachte Sitzplätze auf der Tribüne. Der VfB Stuttgart feierte mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC Schalke 04 am 20. August 1933 seine Premiere im Stadion. Das erste Stuttgarter Stadtderby in der Anlage fand am 21. Januar 1934 statt. Das erste Länderspiel im Stadion am 27. Januar 1935 gewann die Mannschaft des Deutschen Reiches deutlich mit 4:0 gegen die Schweiz. Ab 1935 wurde die Kapazität durch den Bau von provisorischen Holztribünen zwischenzeitlich auf das Fassungsvermögen von 70.000 Zuschauern erhöht, ehe diese 1938 aus Sicherheitsgründen wieder abgebaut werden mussten. 1939 wurde im Stadion vor einer bis heute für Boxveranstaltungen in Deutschland geltenden Rekordkulisse von über 60.000 Zuschauern der Boxkampf Max Schmeling gegen Adolf Heuser ausgetragen. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Stadion weitestgehend unbehelligt.
Nach dem Krieg wurde das Stadion von der US-Besatzung zunächst in Century Stadium und später in Kampfbahn umbenannt und für Baseballspiele genutzt. Am 10. Oktober 1948 fand mit einer Partie zwischen den Stadtauswahlen von Stuttgart und Zürich das erste offizielle internationale Spiel in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg statt. 1949 wurde das Stadion in Neckarstadion umbenannt. Im selben Jahr fand am 10. Juli vor 92.000 Zuschauern das Endspiel, das als „Hitzeschlacht von Stuttgart“ in die Geschichte einging, um die deutsche Fußballmeisterschaft zwischen dem VfR Mannheim und Borussia Dortmund statt. Als erste deutsche Vereinsmannschaft nach Kriegsende empfing der VfB am 10. Mai 1950 mit dem Spitzenteam FC Burnley einen englischen Verein im Neckarstadion. Am 22. November 1950 wurde hier vor 103.000 Zuschauern das erste deutsche Nachkriegsländerspiel gegen die Schweiz ausgetragen. Zwischen 1949 und 1951 wurde die Gegentribüne ausgebaut. Das für Großveranstaltungen nach wie vor unzureichende Fassungsvermögen wurde durch provisorisch errichtete Holztribünen nochmals auf 97.500 Zuschauer erhöht, was teilweise zu erheblichen Sicherheitsproblemen führte. Aufgrund von zahlreichen Verletzungen bei den Besuchern der immer wieder hoffnungslos überfüllten Großveranstaltungen bewilligte der Stuttgarter Gemeinderat 1951 den Ausbau der Untertürkheimer und Cannstatter Kurve. Als die Umbaumaßnahmen abgeschlossen waren, hatte das Neckarstadion eine Kapazität von annähernd 100.000 Zuschauern.
Am 3. Juni 1959 fand dort vor 80.000 Zuschauern das Endspiel im Europapokal der Landesmeister zwischen Real Madrid und Stade Reims und am 5. September 1962 eins der beiden Finalspiele im Europapokal der Pokalsieger zwischen Atlético Madrid und dem AC Florenz statt. Am 29. Juni 1963 wurde das letzte Endspiel um die Deutsche Meisterschaft vor Einführung der Bundesliga zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund in Stuttgart ausgetragen. Um die bereits sportlich vollzogene Qualifikation des VfB Stuttgart zur Bundesliga vollends zu sichern, musste im Sommer 1963 eine Flutlichtanlage im Neckarstadion installiert werden. Die Stadt Stuttgart setzte alle Hebel in Bewegung, um das finanziell aufwändige Projekt kurzfristig umzusetzen. Schließlich wurde die neue Flutlichtanlage Anfang August 1963 mit einem Freundschaftsspiel zwischen dem VfB und dem FK Partizan Belgrad feierlich eröffnet. 1967 und 1971 fand jeweils das Finale des DFB-Pokals in Stuttgart statt.
1974–1993: Große Veranstaltungen und umfassende Umbaumaßnahmen Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 wurde die Haupttribüne abgerissen sowie an ihrer Stelle eine neue dreigeschossige Tribüne errichtet. Die Gegentribüne wurde überdacht, und in der Mitte der Untertürkheimer Kurve wurde eine alphanumerische Anzeigetafel errichtet. Diese wurde oberhalb des Marathontores, zwischen Unter- und Oberrang, stehend installiert. Diese Platzierung der Tafel wurde trotz Wegfall der hinter ihr liegenden Plätze gewählt, weil dort im Gegensatz zu einem Standort ganz oben der wegen ihrer Masse nötige Unterbau vorhanden war und die Sicht darauf von den Geraden nicht durch die Tribünenüberdachung behindert war. Das Stadion fasste nunmehr 72.000 Zuschauer, bei internationalen Spielen mit erhöhter, aber platzraubender Kapazität für die Presse, knapp 70.000 Zuschauer, davon knapp 40.000 Sitzplätze. Während des Turniers fanden im Stadion vier Spiele statt: in der Vorrunde die Partien Polen gegen Argentinien (3:2), Argentinien gegen Italien (1:1) und Polen gegen Italien (2:1) sowie in der 2. Runde der Gruppe B Polen gegen Schweden (1:0).
1976 fand nach zweijähriger Vorbereitungszeit im Neckarstadion das erste Freiluftkonzert in einem deutschen Fußballstadion statt, bei dem die Rolling Stones und andere Bands auftraten. Promoter dieses Ereignisses waren Jürgen Weber, Rainer Pörtner und Fritz Rau. Um der Stadt beweisen zu können, dass der Fußballrasen nicht unter den Besuchern leidet, mussten umfangreiche Gutachten von der Landwirtschaftlichen Universität Hohenheim erstellt werden. Das gesamte Feld, einschließlich der Tartanbahn wurden mit PVC-Küchenbelägen belegt.
1981 fand letztmals das Finale des DFB-Pokals in Stuttgart statt. 1986 erhielt die Arena anstelle der alten Anzeigetafel als erstes deutsches Stadion eine Vollmatrix-Farb-Videowand, wodurch die Kapazität auf knapp unter 70.000 Zuschauer sank, da durch die größere Breite weitere Stehplätze in der Untertürkheimer Kurve ausfielen. Im selben Jahr war das Stadion Austragungsort der Leichtathletik-Europameisterschaften 1986. Trotz schlechten Wetters besuchten insgesamt 300.000 Zuschauer die Veranstaltungen. Für die Organisation der Europameisterschaften erhielt die Stadt Stuttgart den Olympic Cup des IOC.
Am 25. Mai 1988 fand dort das Endspiel im Europapokal der Landesmeister zwischen der PSV Eindhoven und Benfica Lissabon vor 70.000 Zuschauern statt.
Während der Fußball-Europameisterschaft 1988 war das Stadion Austragungsort von zwei Spielen: die Vorrundenpartie England gegen Irland (0:1) sowie das Halbfinalspiel zwischen Italien und der Sowjetunion (0:2).
Am 17. Mai 1989 spielte der VfB Stuttgart dort im zweiten Finalspiel des UEFA-Pokals gegen den SSC Neapel 3:3. Das Hinspiel hatte Stuttgart mit 1:2 verloren.
Am 19. Dezember 1990 fand das erste Heimspiel einer gesamtdeutschen Nationalmannschaft nach der Wiedervereinigung in Stuttgart statt.
1993–2008: Leichtathletik-Weltmeisterschaften und die zweite Fußball-WM 1990 wurde eine Rasenheizung installiert. Für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 wurden die Überdachungen von Haupt- und Gegentribüne abgerissen und durch die heute noch bestehende komplette Membran-Überdachung ersetzt. Zudem wurde eine neue Flutlichtanlage installiert. Die meisten Stehplätze wurden in Sitzplätze umgewandelt; die Kapazität sank dadurch auf 53.700 Plätze, davon 47.600 Sitzplätze. Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften wurden von insgesamt 585.000 Zuschauern besucht – die höchste je erreichte Zuschauerzahl bei Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Für „das große Zuschauerinteresse, die Fachkundigkeit und Begeisterung des Publikums“ wurden die Besucher der Weltmeisterschaften mit dem Fairplay-Preis der UNESCO ausgezeichnet.
Im Rahmen des Umbaus zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften erhielt das Stadion den Namen „Gottlieb-Daimler-Stadion“. Dies wurde durch einen Beschluss des Gemeinderats der Stadt Stuttgart gefasst. Der damalige Automobilkonzern Daimler-Benz finanzierte zwar für 10 Millionen D-Mark den Bau eines überdachten Übergangs bei der benachbarten Hanns-Martin-Schleyer-Halle, jedoch erfolgte die Umbenennung des Stadions auf freiwilliger Basis. Daimler-Benz lehnte eine Umbenennung zunächst ab, da es seitens des Konzerns keine Bedingungen für die Finanzierung des Baus gab. Dies waren die Informationen, welche die Öffentlichkeit seinerzeit erhielt.
Tatsächlich jedoch schloss die Stadt Stuttgart 1992 einen Geheimvertrag mit der damaligen Daimler-Benz AG, der eine Umbenennung des Stadions zu Gottlieb-Daimler-Stadion auf unbeschränkte Laufzeit vorsah. Das Stadion konnte somit nur noch mit Zustimmung von Daimler-Benz ein weiteres Mal umbenannt werden. Im Gegenzug bekam die Stadt Stuttgart als Eigentümerin des Stadions für den Ausbau des Areals rund 10 Millionen DM. Enthüllt wurde dieser Deal durch die Stuttgarter Zeitung im Zuge einer Untersuchung der EnBW, die unter Fans des VfB Stuttgart eine telefonische Umfrage durchführte, ob das Stadion künftig unter einem neuen Namen vermarktet werden sollte.
Die Bezeichnung Gottlieb-Daimler-Stadion stellt somit indirekt das erste Stadion-Sponsoring in der deutschen Fußball-Bundesliga dar.
Von 1994 bis 1997 fand der Eurobowl, das Endspiel des höchsten europäischen Wettbewerbs für Vereinsmannschaften in der Sportart American Football, jeweils im Gottlieb-Daimler-Stadion statt.