Der Leclerc [] ist ein vom französischen Rüstungsbetrieb Nexter hergestellter Kampfpanzer, benannt nach Philippe Leclerc de Hauteclocque, Generalmajor im Zweiten Weltkrieg und Befreier von Paris. Er ist gegenwärtig der Kampfpanzer des französischen Heeres und außerdem bei den Streitkräften der Vereinigten Arabischen Emirate in Dienst. Im Jahr 2011 betrug sein Stückpreis 9,3 Millionen Euro., defensenews.com, 9. Mai 2011 (englisch).

Entwicklung und Bau miniatur|links|Prototyp Foch im Musée Général Estienne, Saumur miniatur|links|Leclerc der Serie 1

Im Jahr 1977 begannen in Frankreich die Planungen für einen völlig neuartigen Kampfpanzer, der den 1966 eingeführten AMX-30 ablösen sollte. Dieser Entwurf des EPC (Engin Principal de Combat – Hauptkampfwagen) sollte der französischen Panzertruppe auf lange Sicht eine Überlegenheit gegenüber den Panzermodellen des Warschauer Pakts garantieren. Eine volle Panzergeneration, die durch den Leopard 2 und M1 Abrams repräsentiert wird, sollte dabei übersprungen werden. Dies führte zum deutsch-französischen Kampfpanzer-90-Programm. Trotz einer Einigung bei wichtigen Grundfragen und den Erfahrungen aus der ersten Zusammenarbeit beim Leopard 1 erwiesen sich erneut die unterschiedlichen taktischen Vorstellungen als Hindernisse für das Projekt. Die deutsche Entscheidung, das entwickelte Flachturmkonzept auf einem Leopard-2-Fahrgestell zu verwenden, wurde von Frankreich abgelehnt. Streitigkeiten über die Nutzungsrechte bei Exportaufträgen erschwerten zusätzlich die Zusammenarbeit.

miniatur|Serie 2 – die zweigeteilte Verstärkung der Frontpanzerung kennzeichnet diese und folgende Serien.

Die eigentliche Entwicklung des Leclerc begann 1982 mit der Unterzeichnung des Entwicklungsauftrages. Die Gesamtkosten für 1400 Fahrzeuge wurden auf 35 Milliarden französische Franc geschätzt, was damals einem Stückpreis von 4,25 Millionen Euro entsprach.Stefan Marx: LECLERC – Der französische Kampfpanzer des 21. Jahrhunderts. Verlag Jochen Vollert-Tankograd Publishing, Erlangen 2005. Vorgesehen war eine komplette mit dem EPC und entsprechenden Bergepanzern ausgestattete Division. Der zweite Versuch eines gemeinsamen Kampfpanzers mit Deutschland galt damit als gescheitert. Finanzielle Engpässe hemmten jedoch die Entwicklungsarbeiten, erst 1985 wurde das endgültige Konzept des neuen Panzers festgelegt. Man entschied sich für einen konventionellen Drehturm und ließ damit die Variante mit drehbarer Scheitellafette fallen. Die Hyperbar-Technologie für den Antrieb wurde bei MTU Friedrichshafen aus Deutschland eingekauft.

Am 30. Januar 1986 erhielt das Projekt die Bezeichnung Leclerc. Der 1987 in Versailles-Satory vorgestellte Gesamtversuchsträger ähnelte den anderen westlichen Kampfpanzern, war jedoch durch das kompaktere Hyperbartriebwerk um 100 Zentimeter kürzer; zudem war der Turm kompakt und flacher, was die Gesamthöhe reduziert. Sechs weitere Prototypen folgten ab 1989, wobei in der Serienvorbereitung die niedrige Gesamthöhe nicht eingehalten werden konnte. Das erste Serienfahrzeug wurde von der Rüstungsindustrie im Dezember 1991 übergeben und lag damit, wie auch die Prototypenfertigung, im Zeitplan des Auftraggebers. Die Nutzung in der Truppe erfolgte ab Januar 1992. Als Generalunternehmen fungierte die damalige Giat Industries in Roanne.

Die ersten Kampfpanzer der Serie 1 wurden bis 1996 ausgeliefert und in fünf Liefertranchen (T1 bis T5) unterteilt. Die Gesamtstückzahl belief sich auf 132 Fahrzeuge. Die aus 178 Fahrzeugen bestehende verbesserte Serie 2 folgte 1997 bis 2003 und wurde in vier Tranchen (T6 bis T9) abgewickelt. Die Änderungen betrafen vorwiegend die Software des Computersystems, elektrische Anlagen und die Nachrüstung einer Klimaanlage im Turmheck. Die letzten 96 Leclerc (T10 bis T11) für das französische Heer gehörten zu den Serien 2+ beziehungsweise 3 und verfügten über eine verbesserte Panzerung, ein Führungs-Informations-System vom Typ ICONE sowie leistungsstärkere Wärmebildgeräte der dritten Generation des Typs IRIS TGS für Richtschütze und Kommandant. Die 2001 bestellten Fahrzeuge wurden bis 2005 ausgeliefert. Vom Hersteller selbst wird diese Ausbaustufe auch als Leclerc S XXI bezeichnet. Die Leclerc der Serie 1 von Tranche 3 bis Tranche 5 wurden in dieser Zeit zur Serie 2 kampfwertgesteigert. Die Panzer der Vorserie (T1 und T2) befinden sich seither nicht mehr im Dienst. Fünf der Fahrzeuge der Tranche 3 wurden zum Bergepanzer Moyen Adapté de Remorquage Spécifique (MARS) umgerüstet.

Frankreich plante, insgesamt 420 Leclerc in zwei Baulosen zu jeweils 310 und 110 Stück zu beschaffen. Bis zum Jahr 2006 übernahm das französische Heer tatsächlich 406 Panzer, das letzte Baulos kam also nicht mehr vollständig zur Auslieferung. Die ursprünglich geplanten 1400 Fahrzeuge wurden nicht erreicht. Der Auftragswert lag bei 40 Milliarden Französischen Franc und entsprach 2002 rund 4 Millionen US-Dollar pro Fahrzeug. Die Flotte umfasste im Jahr 2011 noch 254 Stück, ein Finanzbericht der Nationalversammlung aus dem Jahr 2016 führte noch einen Bestand an 200 renovierten Leclerc auf.

Der erste ausländische Kunde des Panzers waren die Vereinigten Arabischen Emirate, die zwischen 1994 und 1999 insgesamt 388Rolf Hilmes: Kampfpanzer heute und morgen. Motorbuchverlag Stuttgart, 2007, ISBN 978-3-613-02793-0, S. 40 bis 42. Leclerc, zwei Fahrschulfahrzeuge und zusätzliche 46 Leclerc-Bergepanzer für 3,8 Milliarden US-Dollar beschafften. Saudi-Arabien plante die Übernahme von bis zu 355 Leclerc, entschied sich jedoch für den amerikanischen M1 Abrams. 1993 unterlag er bei der Truppenerprobung des schwedischen Militärs im Rahmen des MBT-2000-Programms dem Leopard 2.

Der Leclerc ist als eine Panzerfamilie ausgelegt. Auf seinem Fahrgestell basieren der Bergepanzer DNG (Dépanneur Nouvelle Génération) und der Pionierpanzer EPG (Engin Principal du Génie). Eine Panzerschnellbrücke wurde von Giat in der Anfangsphase zwar konzipiert, wird aber seit 2004 nicht mehr angeboten. Der PTG (Poseur de Travure du Génie) war mit dem LEGUAN-Brückensystem bestückt.

Technische Beschreibung Bewaffnung Hauptwaffe und Munition

Der Leclerc ist – wie andere Kampfpanzer der NATO – mit einer 120-mm-Glattrohrkanone bewaffnet, bei der allerdings zum ersten Mal bei einem westlichen Panzer auf den Ladeschützen verzichtet wird. Die 52 Kaliber lange Kanone vom Typ CN 120-26/52 ist voll stabilisiert und wurde von GIAT ohne Rauchabsauger konzipiert; die Rauchgase werden durch Druckluft ausgeblasen. Die Rohrerhöhung beträgt −8 Grad bis +15 Grad. Eine Rohrschutzhülle verhindert eine Temperaturbeeinflussung durch Regen, Schnee oder Sonne. Am Rohrende befindet sich ein Kollimator für die automatisch und kontinuierlich arbeitende Feldjustieranlage.

Der Ladeautomat im Turmheck ist als Bandlader mit konstantem Ladewinkel konstruiert, der auch bei voller Fahrt in schwerem Gelände funktioniert. Mit ihm erreicht die Besatzung eine Feuergeschwindigkeit von zwölf Schuss pro Minute. Der Munitionsvorrat im Bandlader beträgt 22 Patronen Bereitschaftsmunition und wird durch eine Stahlschiebetür vom Kampfraum getrennt. Der Geschosskopf der Munition zeigt konstruktionsbedingt in Richtung Kampfraum. Die Lagerung ist durch einen Strichcode auf der Munition vollkommen automatisiert. Ist die Munition nicht mit einem Strichcode versehen, muss die jeweilige Sorte beim Nachladen des Magazins vom Bediener über ein Tastenfeld eingegeben werden. Weitere 18 Patronen befinden sich im Revolvermagazin rechts neben dem Fahrer. Während des Ladevorgangs nimmt die Kanone automatisch eine feste Ladeposition von −1,8 Grad ein. Ein Nachladevorgang dauert je nach Munitionsplatz rund vier bis sechs Sekunden. Bei einem Ausfall der Automatik kann auch manuell nachgeladen werden. Das System ist in der Lage, sechs Munitionstypen zu unterscheiden.

Die Glattrohrkanone kann die ganze Palette der NATO-Munition verschießen, die nach STANAG 4385 gefertigt ist. Die für Frankreich von GIAT (heute Nexter) entwickelte Munition beschränkt sich dabei auf folgende Typen: Das unterkalibrige Wolframcarbid-Wuchtgeschoss mit Leuchtspur (APFSDS-T) von Typ OFL 120 F1 entspricht der deutschen LKE 1 beziehungsweise DM43 und ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit Deutschland. Ergänzt wird die Munition durch die OFL 120 F2, ein Wuchtgeschoss mit abgereichertem Uran als Penetrator. Die Mündungsgeschwindigkeit beider Geschosse liegt mit der CN 120 bei 1790 m/s. Als Mehrzweckmunition dient die OECC 120 F1. Hierbei handelt es sich um ein Hohlladungsgeschoss mit Leuchtspur für leichte Bodenziele und langsame, niedrigfliegende Luftziele. Die internationale Bezeichnung lautet HEAT-MP-T für High Explosive Anti Tank Multi-Purpose Tracer. Ende 2003 entwickelte GIAT die OE 120 F1, eine Sprenggranate für Kampfentfernungen bis zu 5000 Metern. Ein Jahr zuvor im Juni 2002 wurde die Entwicklung einer Top-Attack-Munition gestartet. Das Geschoss mit der Bezeichnung Polynege erlaubt so die Bekämpfung der schwach gepanzerten Panzeroberseite. Die Reichweite beträgt 8000 Meter. Der Gefechtskopf verfügt über eine projektilbildende Ladung und einen im Infrarotbereich arbeitenden halbaktiven Laser zur Zielerfassung.120 mm Nexter ammunition for Leclerc tank gun (France), Tank and anti-tank guns, Kurzübersicht Jane's Ammunition Handbook zur Munitionspalette, abgerufen am 22. Januar 2011Nexter Munitions 120 mm Polynege guided projectile (France), Gun-launched guided projectiles, Kurzübersicht Jane's Ammunition Handbook zur 120-mm-Polynege, abgerufen am 22. Januar 2011

Sekundärbewaffnung Die Sekundärbewaffnung besteht aus einem 7,62-mm-Maschinengewehr AA-52 auf dem Turmdach und einem achsparallel links zur Hauptkanone installierten 12,7-mm-Browning M2HB. Für das 12,7-mm-MG werden 1100 und für das 7,62-mm-MG 3000 Patronen mitgeführt. Die Streitkräfte der VAE verwenden abweichend eine fernbedienbare Waffenstation auf dem Turmdach. An den hinteren Turmseiten ist die GALIX-Selbstschutz- und Nebelmittelwurfanlage installiert. Die Wurfbecher im Kaliber 80 Millimeter sind dabei in die Panzerung integriert. Die Anlage ist in der Lage, Nebel-, Spreng-Splitter-, Tränengas-, Leucht- oder IR-Täuschkörper zu verschießen.

Optiken, Feuerleit- und Zielausrüstung miniatur|links|Kanonenblende des Leclerc mit Staurohr für das Turmmaschinengewehr. Oberhalb der Glattrohrkanone der Austritt für die Feldjustieranlage. Auf dem Turmdach das Rundblickperiskop SAGEM HL-70. miniatur|Richtschützenplatz miniatur|links|Ausblick der Richtschützenoptik. Wärmebildkanal im runden Fenster. Tagsicht und Laser im Fenster daneben. miniatur|Kommandantenplatz Die Sensorausstattung des Leclerc entspricht dem modernsten Stand der Technik; annähernd die Hälfte der Herstellungskosten entfällt darauf. Die gesamte Waffen- und Feuerleitanlage ist digital vernetzt. Kommandant und Richtschütze können über Monitore ständig auf alle Werte wie zum Beispiel Zielentfernung, eigene Position, Geschwindigkeit oder Wetter zugreifen. Alle Hauptbedienteile der Turmbesatzung sind redundant ausgelegt, um einen Totalausfall bei Beschädigung zu verhindern. Das Feuerleitsystem ermöglicht, sechs Ziele innerhalb von 35 Sekunden zu bekämpfen, wobei durch das Leclerc-Gefechtsfeldsystem kein Ziel zweimal vom Zug bekämpft wird. Ein durchschnittlicher Bekämpfungsvorgang dauert zwischen fünf und sechs Sekunden mit einer Erstschusstrefferwahrscheinlichkeit von 95 Prozent. Diese hochmoderne Technologie verlangt allerdings ein hohes Maß an technischem Können von der Besatzung und ist bisher noch nicht unter realen Gefechtsbedingungen zum Einsatz gekommen.