Rechtebach ist ein Stadtteil von Waldkappel im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographische Lage Rechtebach liegt im Stölzinger Gebirge etwa 3 km (Luftlinie) südlich der Waldkappeler Kernstadt am Rechtebach, einem kleinen Zufluss des nahen Schemmerbachs. Etwas südwestlich erhebt sich das Ziegenküppel und nordnordöstlich der Mäuseberg, auf denen jeweils ein Aussichtsturm steht. Durch das Dorf führt die Kreisstraße 29 (Waldkappel/Friemen–Thurnhosbach).

Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Rechtebach erfolgte unter dem Namen Rettebach im Jahr 1320. Zu dieser Zeit war der Ort Lehen der Grafschaft Ziegenhain, das im Besitz der Herren von Boyneburg war. Nach 1440 war eine Hälfte des Orts hessisches Lehen der Herren von Boyneburg-Stedtfeld, die andere Hälfte war Lehen der Freiherren von Bemmelberg, einer Linie der Boyneburger, und wurde 1660 an Hessen abgetreten. Als „Mengedorf“, in dem die Landgrafen von Hessen-Kassel und die Herren von Boyneburg Besitzungen hatten, gehörte der Ort seit 1654 zum landgräflichen Amt Bischhausen. Seit 1821 gehörte Rechtebach zum Kreis Eschwege. Im Jahr 1974 wechselte der Ort mit Waldkappel in den Werra-Meißner-Kreis. Die Kirche in der heutigen Gestalt wurde 1820 errichtet.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Rechtebach zum 1. Oktober 1971 auf freiwilliger Basis in die Stadt Waldkappel eingemeindet. Für Rechtebach, sowie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Waldkappel und die Kerngemeinde, wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rechtebach angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel ab 1654: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Bischhausen ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Bischhausen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Bischhausen ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Bischhausen ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 72 f.Trennung von Justiz (Justizamt Bischhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Eschwege ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege, Stadt WaldkappelAm 1. Oktober 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Waldkappel. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Stadt Waldkappel

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Rechtebach 81 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 12 Einwohner unter 18 Jahren, 30 zwischen 18 und 49, 21 zwischen 50 und 64 und 18 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 36 Haushalten. Davon waren 12 Singlehaushalte, 9 Paare ohne Kinder und 12 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 6 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 18 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Im Jahr 2025 sind 76 Einwohner gemeldet.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1585: 12 Hausgesesse • 1745: 18 Häuser mit 93 Bewohnern • 1747: 18 Haushaltungen

Kulturdenkmäler Rechtebach zeigt eine weitgehend ungestörte historische Bebauung, die Gesamtanlage des historischen Ortskerns ist daher als Baudenkmal geschützt. Die Häuser in Fachwerkbauweise entstanden überwiegend Ende des 18. und zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Geschützt sind insbesondere die größeren Hofanlagen mit giebelständigen Wohnhäusern entlang der Holunderstraße und des Haselweges. Südlich der exponiert auf einer Hügelkuppe liegenden Kirche erstreckt sich eine dichte Staffel kleinmaßstäblicher Bebauung. Als Einzeldenkmäler geschützt sind die evangelische Kirche in Fachwerkbauweise, mit massivem Turm und einem in den Bau des frühen 19. Jahrhunderts integrierten kleinen spätgotischen Chor aus massivem Sandstein-Mauerwerk. Als Einzeldenkmal geschützt ist außerdem die Hofanlage Holunderstraße 3, aus einem um 1750 erbauten Wohnhaus in Fachwerk über massivem Untergeschoss und zwei Fachwerkscheunen. In unmittelbarer Nähe zur Kirche befindet sich der Dorfanger, ein runder Platz von etwa 9 m Durchmesser, der von einer bis zu 50 cm hohen Mauer aus Sandsteinquadern umgeben wird. In dessen Mitte erhebt sich eine seit 1936 als Naturdenkmal geschützte Linde, deren Alter auf mehr als 140 Jahre geschätzt wird. Außerhalb des ummauerten Bereiches steht eine zweite, vermutlich gleichaltrige Linde und ein Gerichtstisch. Gerichtsplatz in Rechtebach In: Gerichtsstätten in Hessen. Website des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS); abgerufen am 12. Mai 2023.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Peer Zietz und Thomas Wiegand: Kulturdenkmäler in Hessen. Werra-Meißner-Kreis I, Altkreis Eschwege. Reihe Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis I (gleichzeitig Denkmalbuch im Sinne von § 9 Abs. 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz). Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden, Friedrich Vieweg & Sohn, Braunschweig und Wiesbaden 1991. ISBN 3-528-06240-1. Waldkappel-Rechtebach, S. 510–512.

Weblinks

Stadtteil Rechtebach. In: Webauftritt der Stadt Waldkappel.

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