mini|Das Kleine Museum Hagnau Zinnküche um 1850

Eine Puppenküche ist eine verkleinerte Nachbildung einer echten Küche als Spielzeug mit Lerncharakter.

Geschichte und Entwicklung Die ersten Puppenküchen waren Teil großer, aufwendig gestalteter und ausgestatteter Puppenhäuser im Zeitalter der Renaissance und des Barocks. Sie waren vor allem Prestigeobjekte ihrer wohlhabenden erwachsenen Besitzer. Kinder durften die Puppenküchen zwar bewundern, aber nicht mit ihnen spielen, weil diese teuer und empfindlich waren und sich nicht für Kinderhände eigneten. Die vermutlich erste Erwähnung einer Spielküche ist im „Frauenzimmerlexikon“ von 1739 zu finden.Vgl., Eva-Maria Günther: Den Anfang macht das Puppenhaus - Einführung in die Puppenküchen. In: Wilfried Rosendahl, Christoph Lind, Eva-Maria Günther: Kinderträume. Spielen - Lernen - Leben um 1900. Katalog zur Sonderausstellung (10. September 2023 – 26. Mai 2024, Museum Zeughaus) Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, S. 48. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich die Puppenküche zu einem eigenständigen Spielzeug, wurde aus dem Puppenhaus herausgelöst und Kindern zum Spielen gegeben.Vgl., Eva-Maria Günther: Den Anfang macht das Puppenhaus - Einführung in die Puppenküchen. In: Wilfried Rosendahl, Christoph Lind, Eva-Maria Günther: Kinderträume. Spielen - Lernen - Leben um 1900. Katalog zur Sonderausstellung (10. September 2023 – 26. Mai 2024, Museum Zeughaus) Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, S. 48. Da das Thema Küche innerhalb der Puppenhäuser die meisten Spielmöglichkeiten bot, wurden Puppenküchen schon bald als separates Spielzeug gebaut und vertrieben.https://www.moers.de/C12572210040C568/html/264E00060B8B10FDC125732E0049CEC0?opendocument&nid1=55421_06786.

Materialien und Hersteller Puppenküchen wurden früher aus Holz hergestellt.

Während es sich bei den ersten Puppenküchen noch um handwerklich gefertigte und somit teure Einzelstücke handelte, die vor allem für die Kinder wohlhabender Bürger hergestellt wurden, begann um die Mitte des 19. Jahrhunderts die serienmäßige und damit kostengünstigere Produktion von Puppenküchen.Vgl., Eva-Maria Günther: Den Anfang macht das Puppenhaus - Einführung in die Puppenküchen. In: Wilfried Rosendahl, Christoph Lind, Eva-Maria Günther: Kinderträume. Spielen - Lernen - Leben um 1900. Katalog zur Sonderausstellung (10. September 2023 – 26. Mai 2024, Museum Zeughaus) Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, S. 48. Dadurch wurde dieses Spielzeug auch für die Kinder von Familien, die weniger wohlhabend waren, erreichbar, wenn auch in weniger opulenter Form.

Bau- und Erscheinungsformen Viele Puppenküchen haben einen rechteckigen oder einen trapezförmigen Grundriss und sind zur Vorderseite und nach oben hin offen, was der besseren Bespielbarkeit dient. Es kann zwischen einräumigen Küchen und zweiräumigen Küchen unterschieden werden, teilweise gibt es auch zweistöckige Puppenküchen. In den Puppenküchen folgte die Anordnung der Möbel dem dreiseitigen, nach vorne offenen Gehäuse. An der hinteren Schauwand befand sich meist zentral die Kochstelle in Form eines Herdes, links und rechts davon fanden sich in symmetrischer Anordnung Tellerborde, Regale und Schränke.

Puppenküchen im Wandel der Zeit miniatur|Puppenküchen im Museum Boxenstop, Tübingen

Grundsätzlich können Puppenküchen anhand ihrer Bauweise, Gestaltung und Ausstattung bestimmten Zeiträumen zugeordnet werden. Genaue Datierungen sind jedoch, insbesondere bei frühen Puppenküchen, kaum möglich. Manche Unterschiede waren lediglich regional- oder herstellerbedingt. Musterbücher und Spielwarenkataloge lassen gewisse Rückschlüsse auf Entstehungszeiten und mögliche Hersteller zu; viele Puppenküchen waren jedoch jahrzehntelang nahezu unverändert im Angebot. Puppenküchen wurden oft von Generation zu Generation weitergegeben, vielfach renoviert, modernisiert und manchmal auch massiv umgebaut. Dadurch wurde ihr Aussehen mitunter sehr verändert. Schreinergehäuse oder Eigenbauten wirken oft deutlich "altmodischer", als es ihrer Entstehungszeit entsprechen würde. Dafür tragen sie manchmal Jahreszahlen, die genau verraten, wann sie gebaut oder umgebaut wurden.

Von der Feuerstelle zum Puppenherd mini|Puppenherd

Der Puppenherd, der anfangs noch Teil der Puppenküche war, konnte später als eigenständiges Spielzeug erworben werden.

Die ersten Puppenherde aus gewalztem Blech gab es um 1800.Sabine Reinelt: Puppenküche und Puppenherd in drei Jahrhunderten. Weingarten, 1985, S. 93. Im Lauf des 19. Jahrhunderts entstanden dann Kinderkochherde in sehr großer Vielfalt, aus Schmiedeeisen, Gusseisen und vor allem aus Schwarzblech und Weißblech. Die ersten Kochmaschinen für Kinder waren Einzelstücke und wurden von Handwerkern angefertigt. Schon ab 1820 könnten aber erste Blechspielzeug-Fabrikanten mit der seriellen Herstellung von Kinderkochherden aus Schwarzblech begonnen haben.Sabine Reinelt: Puppenküche und Puppenherd in drei Jahrhunderten. Weingarten, 1985, S. 94. Diese frühen Puppenherde waren noch sehr schlicht in den Formen und wurden außerhalb der Puppenküche bespielt. Je nach Herdgröße konnten sie mit Talglichtern oder mit Holz und Kohle beheizt werden.Sabine Reinelt: Puppenküche und Puppenherd in drei Jahrhunderten. Weingarten, 1985, S. 95. Regelrechtes Kochen war mit diesen Puppenherden also noch nicht gut möglich, da sie entweder nicht warm genug wurden oder so viel Rauch entwickelten, dass sie nur im Freien verwendet werden konnten - oder auf den großen Herd in der elterlichen Küche unter den Rauchfang gestellt werden mussten.Eva Stille: Puppenküchen 1800–1980. Ein Buch für Sammler und Liebhaber alter Dinge, Verlag Hans Carl, Nürnberg 1985, S. 184.

Das änderte sich mit der Einführung der Spiritus-Befeuerung: In den Jahren zwischen 1840 und 1850 wurden erstmals kleine Weingeist-Lampen für das Kochen mit dem Puppenherd verwendet, was jedoch keineswegs ungefährlich war.Sabine Reinelt: Puppenküche und Puppenherd in drei Jahrhunderten. Weingarten, 1985, S. 96. Es existieren etliche Berichte von Explosionen und Zimmerbränden. Die kleinen Kochherde waren nun voll funktionsfähig, aber das Spiel damit war aus Sicherheitsgründen ohne Hilfe und Aufsicht von Erwachsenen nicht mehr möglich. Später wurden dann allerlei Verbesserungen an den Spiritusbrennern vorgenommen und weitere Erfindungen gemacht, die das Kochen mit dem Puppenherd weniger gefährlich machen sollten.

Um die Jahrhundertwende gab es auch elektrifizierte Puppenherde, die als besonders sicher galten, aber auch dementsprechend deutlich teurer waren.Vgl., Eva Maria Günther: Eigener „Puppen“- Herd ist Goldes wert, in: Wilfried Rosendahl, Christoph Lind, Eva-Maria Günther: Kinderträume. Spielen - Lernen - Leben um 1900. Katalog zur Sonderausstellung (10. September 2023 – 26. Mai 2024, Museum Zeughaus) Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Nünnerich-Asmus Verlag, 2023, S. 64.

Traditionen Im Gegensatz zu heute wurden Puppenküchen früher meist nur in der Zeit zwischen Weihnachten und Mariä Lichtmess aufgebaut und danach wieder bis zum nächsten Weihnachtsfest weggepackt.https://web.archive.org/web/20160306030241/https://www.badische-zeitung.de/ausstellungen/die-kleine-schoenheit--17826188.html. Die Adventszeit diente dazu, die Puppenküchen zu reinigen und zu modernisieren. So wurden die Puppenküchen mit neuen Tapeten und Möbeln versehen, die Wände und Möbel teilweise neu gestrichen und lackiert sowie Neuerungen aus der realen Küchenwelt wie beispielsweise neue Küchengeräte auf die Miniaturküchen übertragen, wodurch es für die Kinder jedes Jahr zu Weihnachten etwas Neues in der Puppenküche zu entdecken gab, was sie bestaunen und mit dem sie spielen konnten. Oft wurden zur Freude der Kinder kleine Leckereien wie Zuckerhüte in der Puppenküche verteilt.

Ausstattung und Zubehör Puppenküchen konnten und können auch beleuchtet werden, anfangs mit Miniaturkerzen, später auch mit Petroleumlampen oder mit elektrischem Licht.

Spielen mit Wasser Teilweise gab es auch einen Wasseranschluss in Form eines an der Außenseite der Puppenküche angebrachten Wassertanks, mit dem Wasser mittels eines Rohres oder Schlauches in ein kleines Spülbecken eingeleitet werden konnte und somit die Möglichkeit bestand, das Puppengeschirr zu spülen.

Selbstversorgung und Vorratshaltung Die Ausstattung und das Zubehör von frühen Puppenküchen zeigen oft, wie viel damals in den Haushaltungen noch selbst hergestellt, haltbar gemacht und sorgsam eingelagert werden musste. Was selbst angebaut wurde, war oft reichlich vorhanden. Auch was beim Kaufmann oder auf dem Wochenmarkt gekauft werden musste, wurde meist in größeren Mengen eingekauft, denn dies galt als wirtschaftlicher. Aus Gründen der Sparsamkeit wurden auch Kerzen selbst gezogen, Brot auf Vorrat gebacken, Essig selbst angesetzt und in Fässern aufbewahrt, Obst und Kräuter getrocknet und vieles mehr.Angelika Markhoff: Faszinierende Puppenstuben. Große Welt im Kleinen. Die Sammlung der Prinzessin Monika von Hannover, Kunstverlag Weingarten, 1995, S. 91.

Die Möglichkeiten zur Aufbewahrung und Kühlung von frischen Lebensmitteln waren früher sehr begrenzt. Im Rauchfang hing mitunter ein schmiedeeiserner Speckkranz oder ein Schinken aus Masse oder Tragant, denn es wurde noch selbst geräuchert - und geschlachtet. In manchen Puppenküchen gab es deshalb einen Geflügelstall für Federvieh, das dort als lebender Fleischvorrat gehalten und gemästet wurde; mit dazugehörigem Hackklotz zum Schlachten des Geflügels. Es konnte auch mal ein Ferkel in einem solchen Stall untergebracht sein.Agnes Zelk: Große Welt in klein – Puppenstuben und Kaufläden aus der Sammlung Ott. Katalog zur Ausstellung auf Burg Altena vom 11. November 2012 bis 9. Juni 2013, Deutsches Drahtmuseum Altena, 2012. S. 101. In bäuerlich möblierten Puppenküchen hielt sich der Geflügelstall teilweise noch bis in die 1930er Jahre. In Herdnähe wurden dort verwaiste Küken warmgehalten und aufgezogen. Auch wenn in modern ausgestatteten Küchen der Jahrhundertwende nicht mehr selbst geschlachtet wurde, blieb der Hackklotz zum Zerteilen und Verarbeiten von Fleisch noch jahrzehntelang unverzichtbar.

Geflügelställe waren in den Rauchfangküchen zumeist festeingebaut. Diese kleinen Ställe wurden aber auch als eigenständiges Spielzeug angefertigt. Sie bestanden aus Holz oder Blech und waren manchmal so konstruiert, dass die Hühner oder Gänse darin nach Futter picken konnten, wenn man ein Stäbchen drehte oder mit dem Finger auf das Dach des Geflügelstalls klopfte.Johanna Kunz: Schöne alte Puppenstuben. Kunstverlag Weingarten, 1986. S. 14

Möbel für die Puppenküche Rauchfangküchen waren sehr sparsam möbliert; das Mobiliar war schlicht, zweckmäßig und zumeist festeingebaut. Arbeitstische, Hocker oder Bänke mussten möglichst niedrig sein, um beim Arbeiten im Sitzen dem Rauch, Ruß und Funkenflug möglichst zu entgehen. Sitzgelegenheiten waren in den frühen Puppenküchen ursprünglich meist gar nicht vorhanden. Kochgeschirr, Schüsseln, Anrichteplatten und Teller standen auf offenen Wandborden; Pfannen und Arbeitsgeräte hingen griffbereit an den Wänden. Krüge wurden oft über hölzerne Zapfen gestülpt. Sofern in Rauchfangküchen bereits geschlossene Schränke und Schubladen vorhanden waren, dienten sie der Aufbewahrung von Vorräten.Eva Stille: Puppenküchen 1800–1980. Ein Buch für Sammler und Liebhaber alter Dinge, Verlag Hans Carl, Nürnberg 1985, S. 20.