Soziale Frauenschule nannte man bestimmte zwischen der Jahrhundertwende und dem Anfang der 1920er-Jahre in Deutschland entstandene Bildungsinstitutionen.
Im Zuge der Frauenbewegung verfolgten sie das Ziel einer beruflichen Ausbildung für Frauen im wohlfahrtspflegerischen Bereich. Ein weiteres Ziel war die Überwindung der Not des Ersten Weltkriegs, von der besonders Frauen betroffen waren, die durch qualifizierte weibliche Kräfte unterstützt werden sollten.Klaus Burger: Prüfende Strenge statt blinder Weichherzigkeit. Zur Geschichte der Armut und der Sozialeinrichtungen in Freiburg in: Heiko Haumann, Hans Schadek (Hrsg.): Geschichte der Stadt Freiburg im Breisgau, Band 3, Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 3-8062-0857-3, S. 621 Die erste „Sociale Frauenschule“ entstand als Fortentwicklung einer Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen 1908 in Berlin, gegründet von Alice Salomon, die die Schule auch leitete.Peter Hammerschmidt (et al.): Der Weg zur Sozialarbeit: Von der Armenpflege bis zur Konstituierung des Wohlfahrtsstaates in der Weimarer Republik. In: Werner Thole (Hrsg.)Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch, S. 140 Sie bot eine breite zweijährige Ausbildung mit theoretischen und praktischen Anteilen nebeneinander. Die Lehrerinnen kamen aus dem Umfeld von Gesundheitsamt und Wohlfahrtsamt und unterrichteten zunächst ehrenamtlich. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland 14 Soziale Frauenschulen.Peter Hammerschmidt (et al.): Der Weg zur Sozialarbeit: Von der Armenpflege bis zur Konstituierung des Wohlfahrtsstaates in der Weimarer Republik. In: Werner Thole (Hrsg.)Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch, S. 1033, S. 80
Beispiele für solche Einrichtungen: heutiger Name der Schule Ort Gründungsdatum GründerinAlice Salomon Hochschule Berlin Berlin-Schöneberg, später Berlin-Hellersdorf 15. Oktober 1908 (PDF; 61 kB) Alice Salomon Friedrich-Fröbel-SchuleFachschule für Sozialpädagogik Mannheim 1916Gundula Pauli: Marie Bernays (1883–1939) und die „Soziale Frauenschule“ in Mannheim. Ein Beitrag zur Geschichte der Sozialen Arbeit in Deutschland. Unveröffentlichte Diplomarbeit. Freiburg 2004, S. 4. Marie BernaysElisabeth Altmann-GottheinerAlice BensheimerJulie Bassermann Sozialpädagogisches Institut der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg 1917 Gertrud Bäumer und Marie BaumStephan Larisch, Dieter Röh: Soziale Frauenschule und Sozialpädagogisches Institut Hamburg. Gründung, Krise und Fortbestand zwischen 1917 und 1933. In: Soziale Arbeit, 60 (2011) 9, S. 337–344. Hochschule Esslingenvormals Soziale Frauenschule des Schwäbischen FrauenvereinsFachhochschule für Sozialwesen Stuttgartspäter Esslingen 15. September 1917 Alice Salomon? Hochschule für angewandte Wissenschaften Münchenvormals Soziale Frauenschule MünchenFachschule für Sozialpädagogik München 1919 Frieda Duensingab 1921 Anna Heim-PohlmannKatholische Hochschule Nordrhein-Westfalen Abteilung Aachen Kölnspäter AachenFestschrift der Sozialen Frauenschule Aachen. Schwann, Düsseldorf o. J. 8. November 1916 Katholischer Deutscher Frauenbund durch Hedwig DransfeldGeschichte der Abteilung Aachen, katho-nrw.de, abgerufen am 18. Mai 2013. oder Helene WeberSoziale Frauenschule Aachen/Frauenschule für Volkspflege (PDF; 341 kB), lambertus.de, abgerufen am 18. Mai 2013.
Entwicklungen in der Zeit des Nationalsozialismus In Deutschland hatten jüdische Frauen bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten einen hohen Anteil an der Entwicklung der Sozialen Arbeit. In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu drastischen Veränderungen. Die Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit wurde 1933 auf Veranlassung Alice Salomons aufgelöst, der Jüdische Frauenbund bis 1939 liquidiert. Früher als an öffentlichen Schulen und Universitäten kam es zum Ausschluss von Menschen jüdischer Herkunft von den Wohlfahrtsschulen. So wurden an der Sozialen Frauenschule in Berlin unter Leitung von Charlotte Dietrich bis Frühjahr 1934 alle jüdischen Dozentinnen entlassen. Absolventinnen der Schulen, welche „nichtarischer Abstammung“ waren, wurde die staatliche Anerkennung als Wohlfahrtspflegerin durch Erlass verweigert.
Das Berufsbild wurde von der „Wohlfahrtspflegerin“ zur „Volkspflegerin“ umbenannt. Die Tätigkeit hatte im Sinne der NS-Ideologie auf die „Erhaltung“ und „Reinheit“ der „Volksgemeinschaft“ zu zielen.
Einzelnachweise
Kategorie:Bildung (Deutsches Kaiserreich) Kategorie:Bildungseinrichtung für Mädchen Kategorie:Geschichte der Sozialen Arbeit in Deutschland Kategorie:Historische Bildungseinrichtung (Deutschland)