Das Bildungssystem in Thailand ist dreistufig und wird hauptsächlich durch das thailändische Bildungsministerium bereitgestellt. In der thailändischen Verfassung sind 12 Jahre freies Lernen in der Schule garantiert, wobei 9 Pflichtschuljahre vorgesehen sind.

Die zwölfjährige Schulzeit ist aufgeteilt in sechs Grundschuljahre und sechs Jahre in der Sekundarstufe, die wiederum in zwei dreijährige Phasen aufgeteilt wird. Vor den Grundschuljahren wird an vielen Orten eine Vorschulerziehung im Kindergarten von etwa zwei bis drei Jahren angeboten. Neben diesen Schulformen existieren auch meist kostenpflichtige unabhängige Schulen, die einen wesentlichen Beitrag zur Bildungsinfrastruktur beitragen, sowie berufsbildende Schulen.

Die Steuerung und Verwaltung öffentlicher und privater Universitäten obliegt dem Universitätsministerium.

Schulsystem in Thailand Im Rahmen der Schulausbildung gibt es vier Phasen: Prathom 1–3 (Alter: 6 bis 8), Schulpflicht Prathom 4–6 (Alter: 9 bis 11), Schulpflicht Matthayom 1–3 (Alter: 12 bis 14), Schulpflicht Matthayom 4–6 (Alter: 15 bis 17), aufgeteilt in einen akademischen und einen berufsbildenden Zweig

Schüler, die den akademischen Zweig wählen, setzen ihren Bildungsweg üblicherweise an der Universität fort. Berufsbildende Schulen bieten Programme an, die die Schüler auf die Arbeit oder für weiterführende Studien vorbereiten.

Der Zugang zu Matthayom 4–6 erfolgt über die erfolgreiche Ablegung eines Examens. Nach jeder Phase müssen die Schüler den nationalen Ausbildungstest (NET, National Education Test) bestehen, um in die nächste Phase übergehen zu können. Nach Matthayom 6 können die Schüler an zwei Tests teilnehmen: dem gewöhnlichen nationalen Ausbildungstest (o-NET, Ordinary National Educational Test) und dem fortgeschrittenen nationalen Ausbildungstest (A-NET, Advanced National Educational Test).

Öffentliche Schulen werden von der thailändischen Regierung unterhalten. Der private Schulsektor besteht aus profitorientierten Privatschulen und beitragspflichtigen nicht-profitorientierten Schulen, die meist von Wohltätigkeitsorganisationen unterhalten werden. So leitet beispielsweise die Erzdiözese Bangkok allein 43 größere Grund- und weiterführende Schulen.nittayo.org: (englisch) Schulen auf den Verwaltungsebenen Muban (Dorf) und Tambon (Gemeinde) bieten typischerweise Kindergarten (anubaan) und Grundschule an, während in den Städten des Landkreises Einheitsschulen bis zum Alter von 14 Jahren sowie getrennte Sekundarschulen für 11- bis 17-jährige angeboten werden.

Aufgrund der monetären Situation sind ländliche Schulen weit weniger gut ausgestattet als die Schulen in den Städten und auch der Ausbildungsstandard ist niedriger. Viele Sekundarschüler nehmen deshalb eine tägliche Anfahrt von 60 km und mehr in Kauf, um städtische Schulen besuchen zu können.

Ein massives Problem, das auch den Bildungssektor betrifft, ist die Korruption in Thailand. Vor allem in ländlichen Gegenden müssen sich Lehrer oftmals ihre Anstellung erkaufen. Die Schulleitung wählt dadurch die Lehrkräfte nicht nach deren Qualifikationen aus, sondern die Stellen werden an den oder die Meistbietenden vergeben.

Mit europäischen Standards ist die thailändische Bildungskultur nicht zu vergleichen oder zu verstehen. In vielen Schulen ist es Schülern, die etwas nicht verstanden haben, nicht gestattet diesbezügliche Fragen zu stellen. Dies gilt in der thailändischen Kultur als äußerst unhöflich und zieht für den Schüler meist negative Folgen nach sich. Als Unterrichtsmethodik herrscht der Lehrervortrag vor.

Schuljahr Das Schuljahr in Thailand ist in zwei Semester eingeteilt. Für Grund- und Sekundarschulen beginnt das Schuljahr um den 15. Mai und endet im März des folgenden Jahres. Zwischen den Semestern sind im September zwei- bis dreiwöchige Ferien. Die lange schulfreie Zeit im Sommer (in Thailand März, April, Mai) korrespondiert mit der heißen Jahreszeit und dem jährlichen Wasserfest (Songkran) Mitte April, dem thailändischen Neujahrsfest. Schulen beachten alle öffentlichen und buddhistischen Feiertage; internationale Schulen schließen üblicherweise über die Weihnachtsfeiertage bis zu Neujahr.

Schuluniformen Das Tragen von schulischen Uniformen ist für alle Schüler und die meisten Angestellten und Lehrer Vorschrift.

Schüler und Studenten mini|hochkant=1.5|Thailändische Schülerinnen und Schüler in Schuluniformen Jungen tragen typischerweise weiße kurzarmige Hemden mit offenem Kragen und knielange dunkelblaue, braune oder schwarze Hosen sowie lange Strümpfe und braune oder schwarze Turnschuhe. Mädchen tragen eine weiße Bluse mit einer hängenden Fliege, knie-lange dunkelblaue oder schwarze Röcke, kurze weiße Socken und schwarze Halbschuhe. Nach Matthayom 4 wird die Bluse und die Fliege durch ein hellblaues Hemd mit offenem Kragen ersetzt. Oft sind die Namen des Schülers sowie die Abkürzung der Schule auf dem Hemd oder auf der Bluse aufgenäht.

Auch im Kindergarten tragen die Kinder Uniformen, die aus weißen Hemdchen besteht. Für die Jungen sind rote kurze Hosen und für die Mädchen rote Röcke Vorschrift. In allen thailändischen Schulen ist der Donnerstag typischerweise der Pfadfinder-Tag. Dann werden von den Jungen beige Pfadfinder-Uniformen und von den Mädchen dunkelgrüne Anführer-Trachten als Kombination oder Kleid getragen. Dazu trägt man üblicherweise gelbe Halstücher. Manche Schulen variieren die Farben ein wenig.

Die Uniformen der Universitätsstudenten sind im ganzen Land: lange schwarze Hosen und weiße langärmelige Hemden für die Männer, weiße Blusen und glatte oder gefältelte Röcke für die Frauen. Ab dem dritten Studienjahr tragen Männer eine dunkle Krawatte.

Angestellte und Lehrer In den unteren Dienstgraden der öffentlichen Bediensteten trägt man Uniformen im Militärstil. An privaten Schulen werden die Angestellten und Lehrer gebeten, diskrete attraktive Uniformen zu tragen, während an Universitäten keine Kleidervorschrift herrscht. Hier genügt büromäßige Kleidung.

Primar- und Sekundarstufe Das Curriculum der Primarstufe umfasst acht Fächer: Thai Mathematik Naturwissenschaften Sozialkunde Gesundheit und Sportunterricht Kunst und Musik Technologie Fremdsprachen

Im Rahmen der One Child, One Tablet-Politik der Regierung von Yingluck Shinawatra werden seit dem Herbst 2012 alle Erstklässler an staatlichen Schulen mit Tablet-PCs mit dem Android-Betriebssystem ausgestattet.thaigov.go.th: (englisch) Ab Matthayom 4 können die Schüler ein oder zwei Wahlfächer belegen. Am populärsten sind heutzutage die Naturwissenschaften und die Mathematik. Daneben werden auch weitere Fremdsprachen und Vertiefung der Sozialkunde angeboten.

Berufsausbildung Die Kommission für Berufsunterricht leitet derzeit 404 Berufsschulen und -kollege, – Vocational Education Commission (unter "Englisch" auf "Colleges" klicken; abgerufen am 7. Januar 2010) davon 21 in Bangkok. Etwa eine Million Schüler besuchen die berufsbildenden Schulen des Landes, die nach dem deutschen Vorbild der dualen Ausbildung ausgerichtet sind.

Die technische und berufliche Ausbildung beginnt ab Matthayom 4, wenn die Schüler entweder in den beruflichen oder den akademischen Zweig eingeteilt werden. Derzeit lernen etwa 60 % im akademischen Zweig und 40 % im beruflichen Zweig. Die Regierung unternimmt Versuche, zu einer gleichgewichtigen Zahl der Schüler zu gelangen.

Die technische und berufliche Ausbildung wird in drei Ebenen angeboten: Zeugnis der Berufsausbildung (Bo Wo Cho) während der höheren Sekundarstufe das technische Diplom (Bo Wo So), nach der Schulausbildung erreicht das höhere Diplom, das zur Hochschulreife führt und dem in Deutschland geläufigen Zweiten Bildungsweg entspricht.

Die Berufsausbildung wird auch durch private Institutionen bereitgestellt.

Duale Ausbildung Die aktive Beteiligung des privaten Sektors ist entscheidend für den Erfolg der dualen Berufsausbildung. 1995 führte das Department of Vocational Education (Abteilung für Berufsbildung) nach dem deutschen Modell die duale Ausbildung im Berufsbildungssektor ein. Dabei lernen die Schüler sowohl die theoretischen Grundlagen ihres Faches als auch die praktischen Auswirkungen in Privatbetrieben.

Studentenzahlen Die thailändische Kommission für Berufsausbildung (Vocational Educational Commission) weist für das Jahr 2005 folgende Zahlen aus:moe.go.th: Technische Kollegs 290.058 Industrie- und Gemeinschaftskollegs 137.377 Betriebswirtschaftliche und Tourismus-Kollegs 3.480 Handelskollegs 16.266 Kollegs für Kunsthandwerk und Goldschmiedekunst 2.739 Polytechnische Kollegs 36.304 Kollegs für Landwirtschaft und Technologie 34.914 Kollegs für Industrie und Schiffbau 2.391 Fischerei-Kollegs 1.510 Zentren für landwirtschaftliches Ingenieurwesen 806 Private berufsausbildende Schulen 340.000

Tertiäre Ausbildung mini|hochkant=1.5|Haupteingangstor zum Gelände der Chulalongkorn-Universität Die öffentlichen und privaten Universitäten von Thailand stehen unter der Aufsicht des Universitätsministeriums. Zwischen etwa 2001 und 2006 nahm die Zahl der Universitäten im Land dramatisch zu, da die Regierung unter Thaksin Shinawatra viele öffentliche Institute in einem nicht unumstrittenen Schritt in Universitäten umbenannte.

Im Times Higher Education Supplement rangiert die Chulalongkorn-Universität in Bangkok auf dem 46. Platz für Sozialwissenschaft und auf dem 60. für Biomedizin. Die Kommission für Höhere Bildung vergab im September 2006 die Auszeichnung „exzellent“ an drei Universitäten des Landes: Chulalongkorn-Universität Universität Chiang Mai Mahidol-Universität

In mehr als der Hälfte der Provinzen gibt es Rajabhat-Universitäten, vormals Rajabhat-Institute, die traditionell für die Ausbildung von Lehrern sorgten.

Eine Übersicht über die Universitäten des Landes bietet die Liste der Universitäten in Thailand.

Zugang Zum Abschluss der Sekundarstufe müssen die Schüler das zentrale Universitätszulassungssystem (CUAS, Central University Admission System) absolvieren; es besteht zu 50 % aus den Ergebnissen der O-NET und A-NET Tests. die andere Hälfte ergibt sich aus dem Notendurchschnitt des Matthayom 4. Seit 2001 wurden viele Änderungen und Experimente am landesweiten Zulassungssystem für die Universitäten durchgeführt, doch ist noch keine von allen akzeptierte Lösung gefunden worden. Nach dem Sieg der Phak Palang Prachachon im Dezember 2008 und der Rückkehr zur Demokratie wurden erneut Änderungen am System angekündigt. Diese bestehen im 2009 eingeführten General Aptitude Test in Englisch mit den Bereichen Lesen, Schreiben, Analytisches Denken, Problemlösen und englische Sprache.

Gegenwärtig (2009) sichten die Universitäten etwa 70 % der Schüler in Eigenregie direkt, während die restlichen 30 % aus dem nationalen Zugangssystem verteilt werden.

Ausbildungsprogramme Das thailändische Universitätssystem ist am US-amerikanischen orientiert. Es gibt Bachelor- und Master-Studiengänge sowie Postgraduate-Programme.

Die meisten Bachelor-Studiengänge fordern vier Jahre Studium bei voller Anwesenheit. Ausnahmen bilden die Pharmazie und die Architektur, die fünf Jahre erfordern, sowie der Doktor der Zahnmedizin, der Medizin und der Tierheilkunde, die sechs Jahre erfordern. Die Masterstudiengänge dauern ein oder zwei Jahre. Zum Abschluss ist die Fertigung einer Abschlussarbeit oder eines Schlussexamens notwendig. Nach dem Master-Abschluss können sich die Studenten für ein zwei- bis fünfjähriges doktorales Programm bewerben. Es besteht aus Kursen, Forschung und dem erfolgreichen Anfertigen der Dissertation.

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