mini|Franz Josef Gießibl 2022 am Center for Quantum Nanoscience in Seoul.

Franz Josef Gießibl (* 27. Mai 1962 in Amerang) ist ein deutscher Physiker und Universitätsprofessor an der Universität Regensburg.

Leben Gießibl studierte von 1982 bis 1987 Physik an der Technischen Universität München und an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. 1988 diplomierte er an der Technischen Universität München bei Professor Gerhard Abstreiter mit einer Arbeit über experimentelle Halbleiterphysik. Die Promotion erfolgte 1991 bei Nobelpreisträger Gerd Binnig an der Universität München über Tieftemperatur-Rasterkraftmikroskopie. Nach der Promotion entwickelte er bei Park Scientific Instruments im Silicon Valley, Sunnyvale, USA das erste Rasterkraftmikroskop, das reaktive Oberflächen wie Silizium atomar auflösen konnte. Danach arbeitete er als Senior Associate zur Unternehmensberatungsfirma McKinsey von 1995 bis 1996 und erfand er in seiner Freizeit den qPlus Sensor, eine Sonde für die Rasterkraftmikroskopie. Danach wandte er sich wieder vollständig der Forschung an der Rasterkraftmikroskopie bei Professor Jochen Mannhart an der Universität Augsburg zu und wurde 2001 habilitiert.

2006 erhielt er einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Angewandte und Experimentelle Physik an die Universität Regensburg, den er annahm. Von 2005 bis 2010 verbrachte er mehrere Forschungsaufenthalte am IBM Research Laboratory in Almaden, Kalifornien. Von Herbst 2015 bis Frühjahr 2016 war er Visiting Fellow am NIST in Gaithersburg, Maryland, USA und Gastprofessor an der University of Maryland in College Park. Von 2023 bis 2025 verbrachte er mehrere Forschungsaufenthalte und ein Forschungssemester an der National University of Singapore mit Arbeiten zur Höchstauflösung zu Graphen-Nanostrukturen sowie Graphen-Janusnanobändern (Nature 2025). Zudem ist er Research Professor (Teilzeit) an der Universität Kanazawa.

Gießibl ist verheiratet mit einer Grundschullehrerin und hat zwei Söhne.

Wissenschaftliche Beiträge Gießibl arbeitet seit dem Beginn seiner Promotion 1988 mit der Rasterkraftmikroskopie, verbessert sie seitdem kontinuierlichSpiegel Online – 27. Juli 2000: Wissenschaft Nanophysik: Atome unterm Mikroskop.Die Welt. 24. Januar 2003: Nanophysiker Franz Giessibl hantiert mit Apfelsinen.The New York Times. 22. Februar 2008: Scientists Measure What It Takes to Push a Single Atom. und hat grundlegende experimentelle, instrumentierungsbezogene und theoretische Arbeiten zur Rasterkraftmikroskopie verfasst.

ScholarGPS zählt ihn zu den sechs am höchsten bewerteten Rasterkraftmikroskopikern (Lifetime) und unter die 14 bedeutendsten Mikroskopiker (Lifetime).

Basierend auf seinen grundlegenden Forschungen zur Rasterkraftmikroskopie erfand er den qPlus Sensor, seinen wohl bedeutendsten Beitrag zu diesem Gebiet.F. J. Giessibl: Device for noncontact intermittent contact scanning of a surface and a process therefore. US-Patent 6240771.F. J. Giessibl: Sensor for noncontact profiling of a surface. US-Patent 8393009. Dieser ursprünglich auf einer Quarzstimmgabel basierende Sensor ist etwa um einen Faktor 100 steifer als herkömmliche Silizium-Kraftdetektoren und kann dadurch selbst annähernd im Kontakt mit einer Oberfläche stabil mit kleinen Amplituden von Bruchteilen eines Atomdurchmessers schwingen. Der qPlus Sensor wird heute in vielen kommerziellen und selbstgebauten Rasterkraftmikroskopen weltweit eingesetzt und hat es zum Beispiel ermöglicht, subatomare Ortsauflösung auf einzelnen Atomen und submolekulare Auflösung auf organischen Molekülen zu erreichen sowie die Bindung zwischen natürlichen und durch Quantum Corrals gebildeten künstlichen Atomen zu vermessen.

Bücher

Wissenschaftspreise 1994: R&D 100 Award 2000: Deutscher Nanowissenschaftspreis 2001: Rudolf-Kaiser-Preis 2009: Karl Heinz Beckurts Preis der Karl Heinz Beckurts-Stiftung 2014: Joseph F. Keithley Award for Advances in Measurement Science der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft 2015: Rudolf Jaeckel Preis der Deutschen Vakuumgesellschaft 2016: Feynman Prize in Nanotechnology 2023: Innovation in Materials Characterization Award der Materials Research Society (USA) 2024: Heinrich Rohrer Medal (Grand Medal) der Surface Science Society of Japan 2024: National Institute for Materials Science (Japan) Award – NIMS Award Weitere Ehrungen 2023: Fellow of the American Physical Society (USA) 2024: International Fellow of Japan Society of Vacuum and Surface Science (JVSS) 2025: Mitglied der European Academy of Sciences and Arts (EASA) 2025: Fellow of European Academy of Sciences (EurASc) 2026: Distinguished Fellow of International Engineering and Technology Institute (IETI)

Besondere Vorträge 2003: Vortrag in der Vertretung des Freistaates Bayern beim Bund in Berlin (22. Januar 2003) über Nanophysik 2010: Ehrenfest Kolloquium Leiden, Niederlande (27. Oktober 2010) 2013: Zernike Kolloquium Groningen, Niederlande (14. September 2013) 2023: Erster Blick in das Innere eines Atoms. Begegungen mit Gerhard Richter zwischen Kunst und Wissenschaft, Hotel Waldhaus (Sils), Schweiz (19. März 2023) 2024: Scanning probe microscopy with qPlus sensors, Distinguished Colloquium Peking-Universität, China (19. Juli 2024) 2025: Seeing Dents in the Atom, Plenarvortrag Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, Sektion Kondensierte Materie, Universität Regensburg, (17. März 2025)

Weblinks

Vorträge (Auswahl)

Presentation at California Nanosystems Institute. University of California, Los Angeles 14. Oktober 2014 Colloquium at Ecole Normale Superieure. Paris 6. Oktober 2016 Colloquium at Eidgenoessische Technische Hochschule Zuerich Zürich 30. Mai 2018

Interviews (Auswahl) Interview about beginnings, now and future of nanotechnology In: British Journal Nanotechnology mit James Gimzewski und Christoph Gerber Franziska Konitzer: Welt der Physik mit Giessibl (Podcast) Reviews of Scientific Instruments: advances in atomic force microscopy (Podcast) Interview about 30 years of atomic force microscopy von nanotech.org auf youtube

Zu Gießibl Webseite Lehrstuhl Gießibl (Uni Regensburg) Franz J. Giessibl bei Google Scholar Mark Wendman nanoscience blog Pressemitteilung Beckurts-Preis R&D 100 Award 1994 des R&D Magazine Deutscher Nanowissenschaftspreis Spiegel Online: Wissenschaft – Nanophysik: Atome unterm Mikroskop 27. Juli 2000 Die Welt: Nanophysiker Franz Gießibl hantiert mit Apfelsinen 24. Januar 2003 The New York Times: Scientists Measure What It Takes to Push a Single Atom 22. Februar 2008 Joseph F. Keithley Award for Advances in Measurement Science

Einzelnachweise

Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Erfinder Kategorie:Hochschullehrer (Universität Regensburg) Kategorie:Absolvent der Technischen Universität München Kategorie:Absolvent der Ludwig-Maximilians-Universität München Kategorie:Fellow der American Physical Society Kategorie:Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1962 Kategorie:Mann