mini|hochkant=1.3|Eine mögliche Vorgänger-Figur aus dem Kurzfilm The Spirit of ’43

Dagobert Duck (häufig auch Onkel Dagobert, Kosename Bertel, im englischen Original Scrooge McDuck oder Uncle Scrooge bzw. $crooge McDuck, Uncle $crooge; Kosename Scroogey) ist eine ursprünglich US-amerikanische Comicfigur in anthropomorpher Entengestalt. Carl Barks, der einflussreichste Disney-Zeichner von Geschichten rund um die Familie Duck, erfand die Figur 1947; sie gilt als seine wichtigste Schöpfung. Nachdem Dagobert dabei zunächst nur gelegentlich als Nebenfigur in den Geschichten um seinen Neffen Donald Duck aufgetreten war, schrieb Barks in den 1950er Jahren immer mehr Geschichten mit Dagobert in der Hauptrolle und widmete ihm schließlich eine eigene Heftreihe. Neben Barks hat der Comiczeichner Don Rosa entscheidend zur Fortentwicklung der Figur beigetragen, indem er sie immer wieder zum Protagonisten seiner umfangreichen Geschichten machte und ihr in den Jahren 1991 bis 1994 eine zwölfteilige Biografie mit dem Titel Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden widmete.

Heute wird die Figur von zahlreichen Zeichnern des Disneykonzerns verwendet und ist als „reichste Ente der Welt“ berühmt für ihren extremen Geiz sowie ihr riesiges Vermögen, das sie in einem Geldspeicher lagert. In einer Barks-Geschichte stellt sie sich als „Großbankier, Großindustrieller, Großhändler“ mit dem folgenden Slogan vor:

Entwicklung der Figur Entstehung Sein Erfinder Carl Barks ließ Dagobert Duck zum ersten Mal in der Weihnachten 1947 erschienenen Geschichte Christmas on Bear Mountain (dt.: Die Mutprobe)Carl Barks: Christmas on Bear Mountain (dt.: Die Mutprobe), Erstveröffentlichung in Walt Disney’s Four Color Comics # 178: Donald Duck (1947). auftretenVgl. Andreas Platthaus: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck! In: 60 Jahre Onkel Dagobert, S. 4–7 (S. 4).Vgl. Andreas Platthaus: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 4 f. (S. 4). – möglicherweise in Anlehnung an eine namenlose schottische Figur aus dem Disney-Kurzfilm The Spirit of ’43, die Donald daran hindern will, sein Geld zu verprassen.Vgl. Peter Mühlbauer: Dagobert Duck wird 60. In: heise.de, 24. Dezember 2007, aufgerufen am 15. April 2022. Vorlage war neben Ebenezer ScroogeVgl. etwa Alberto Becattini: Barks und die Quellen seiner Inspiration, in: Carl Barks – Der Vater der Ducks, S. 138–145 (S. 138). – Hauptfigur aus Charles Dickens A Christmas Carol (dt.: Eine Weihnachtsgeschichte) – auch Uncle Bims aus der Comicreihe The Gumps.Vgl. Alberto Becattini: Die Figuren des Meisters: Das muntere Völkchen des Carl Barks, in: Carl Barks – Der Vater der Ducks, S. 182–185 (S. 185).

Sein Name im englischen Original, Scrooge McDuck, setzt sich dementsprechend aus einer „schottischen“ Variante des Nachnamens Duck (in Anspielung an das Klischee vom geizigen Schotten) und einem Namensteil von Ebenezer Scrooge zusammen.Andreas Platthaus: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 4 f. (S. 5).Vgl. auch David Kunzle: Carl Barks Dagobert und Donald Duck – Welteroberung aus Entenperspektive, S. 10. Seinen deutschen Vornamen entlehnte die Übersetzerin Erika Fuchs den gleichnamigen Mitgliedern des fränkischen Königsgeschlechts der Merowinger.Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten – Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte, S. 191.Vgl. Matthias Heine: Enten wie Dagobert sind keine Heuschrecken. In: Die Welt online, 24. Dezember 2007, aufgerufen am 15. April 2022.

Dagobert bei Carl Barks mini|Der Dagobert-Erfinder Carl Barks (1982) In Christmas on Bear Mountain war Dagobert noch eine Nebenfigur, „auf die Barks nicht allzu viele Gedanken verschwendet hatte“.Andreas Platthaus: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 4 f. (S. 4). Sein erster Auftritt beginnt mit den Worten:

Dagobert war eine Klischeefigur: „Ein grämlicher Menschenfeind“,Andreas Platthaus: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck! In: 60 Jahre Onkel Dagobert, S. 4–7 (S. 4). „ein reicher, unfreundlicher älterer Verwandter“, der „zum Fest geläutert werden [sollte].“ Barks selbst bekannte später:

Dennoch behielt Dagobert zunächst die Rolle des „skrupellosen, menschenverachtenden Großkapitalisten“, des „Fiesling[s] und Bösewicht[s], der vor illegaler Geldbeschaffung nicht zurückschreckt.“Jochen Bölsche: Das Ende der Ente. In: Spiegel Online / Spiegel Geschichte 4, 28. Juli 2009, (PDF; 668 kB), 2. Teil: Ein Comic als Lehrbuch, aufgerufen am 15. April 2022. Bereits seit seinem dritten AuftrittCarl Barks: Foxy Relations (dt.: Die Fuchsjagd). als reichste Ente der Welt bekannt, trat er bis 1950 lediglich in 15 Geschichten als Nebenfigur auf;Vgl. I.N.D.U.C.K.S.-Index: Scrooge McDuck (abgerufen am 11. Dezember 2011). erst danach begann Barks, die Figur häufiger einzusetzen.Vgl. Andreas Platthaus: Wer wird Milliardär, in: Barks’ Onkel Dagobert – Band 1, S. 4 f. (S. 5). Nachdem Barks 1952 mit der Geschichte Only A Poor Old Man (dt.: Der arme reiche Mann),Carl Barks: Only A Poor Old Man (dt.: Der arme alte Mann). die Dagobert in kürzester Zeit zum Mythos werden ließ,Vgl. Geoffrey Blum: Bodenschätze, in: Carl Barks Library Special: Onkel Dagobert 14 (2000), S. 29–31 (S. 29). erfolgreich getestet hatte, ob die Leser Dagobert auch als Hauptfigur annahmen, machte er ihn 1953 schließlich zum Protagonisten der nach ihm benannten Heftreihe Uncle ScroogeVgl. Andreas Platthaus: Im Schatten des Geldspeichers, in: Onkel Dagobert – Milliardenraub in Entenhausen, S. 5–10 (S. 7). – und „erfand“ ihn dabei laut Don Rosa neu.Don Rosa: Drei Jubiläen, in: Onkel Dagobert – Milliardenraub in Entenhausen, S. 11–14 (S. 11).

Mit der starken Zunahme der Auftritte der Figur gingen zwei bedeutsame Weiterentwicklungen einher. Zum einen schien Dagobert im Laufe der Zeit immer jünger zu werden – und immer freundlicher.Vgl. Henning Hagerup: Don Rosa – Gründlichkeit und Begeisterung, in: Hall of Fame 7: Don Rosa, S. 4–8 (S. 6 f.). Er mutierte so „allmählich zum lustigen Onkel und schließlich zum schrulligen, fast bemitleidenswerten Alten“, der am Ende sogar bereit war, sein eigenes Geld für seine Neffen zu opfern (etwa in Oddball Odyssey (dt.: Die Irrfahrten des Dagobert Duck)Carl Barks: Oddball Odyssey (dt.: Die Irrfahrten des Dagobert Duck).). Zum anderen verlieh Barks Dagobert häppchenweise eine eigene Biografie,Vgl. Andreas Platthaus: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck! In: 60 Jahre Onkel Dagobert, S. 4–7 (S. 5). indem er (wie schon zuvor in The Old Castle’s Secret (dt.: Das Gespenst von Duckenburgh)Carl Barks: The Old Castle’s Secret (dt.: Das Gespenst von Duckenburgh). und Voodoo Hoodoo (dt.: Wudu-Hudu-Zauber oder ein Zombie geht durch die Stadt)Carl Barks: Voodoo Hoodoo (dt.: Wudu-Hudu-Zauber oder Ein Zombie geht durch die Stadt).) immer wieder Rückblenden auf Dagoberts Vergangenheit in seine Geschichten einbaute.

Zudem ließ Barks Dagobert nun regelmäßig seinen wohl berühmtesten Ausspruch wiederholen:

Dagobert bei Don Rosa mini|Don Rosa, Verfasser der Dagobert-Biografie Sein Leben, seine Milliarden (2010) Auf Grundlage dieser Aussage, die er Dagobert ebenfalls regelmäßig wiederholen ließ,Vgl. z. B. Don Rosa: The Last of the Clan McDuck (dt.: Der Letzte aus dem Clan der Ducks), S. 7, 7. Panel. sowie der vielen Rückblenden in den Comics Carl Barks’ fertigte Don Rosa die zwölfteilige Biografie Dagoberts The Life and Times of Scrooge McDuck (dt.: Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden) an, der er später noch insgesamt fünf Zusatzkapitel hinzufügte.Vgl. Don Rosa: Vorwort zu Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden / Die Biografie von Don Rosa (2008), S. 5–7 (S. 5). Schon zuvor hatte Rosa, der mit Barks’ Geschichten um Dagobert aufgewachsen warVgl. Johnny A. Grote: Don Rosa – Der Lockruf Entenhausens, in: Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden (2003), S. 6–10 (S. 7). und ihn für „die größte Figur der Weltliteratur“ hält, zahlreiche Comics mit Dagobert Duck als Hauptfigur gezeichnet.Vgl. Ernst Horst: Nur keine Sentimentalitäten – Wie Dr. Erika Fuchs Entenhausen nach Deutschland verlegte, S. 265.Vgl. I.N.D.U.C.K.S.-Index: Don Rosa (abgerufen am 11. Dezember 2011). In Sein Leben, seine Milliarden – nach Rosas eigenem Verständnis keine „offizielle“ Biografie Dagoberts, sondern seine ganz persönliche Fassung von Dagoberts LebensgeschichteVgl. Don Rosa: Vorwort zu Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden / Die Biografie von Don Rosa (2008), S. 5–7 (S. 6). – zeigt er den jugendlichen Dagobert als Abenteurer und Selfmademan,Vgl. Jochen Bölsche: Das Ende der Ente. In: Spiegel Online / Spiegel Geschichte 4, 28. Juli 2009, (PDF; 668 kB), 2. Teil: Ein Comic als Lehrbuch, aufgerufen am 15. April 2022. der großen Wert darauf legt, sein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen.Vgl. Jochen Bölsche: Das Ende der Ente. In: Spiegel Online / Spiegel Geschichte 4, 28. Juli 2009, (PDF; 668 kB), 2. und 3. Teil, aufgerufen am 15. April 2022. Nach einer Rezension auf Spiegel Online handelt es sich um „eine Liebeserklärung an die Figur Dagobert und eine Hommage an deren Schöpfer.“Jörg Böckem: Dagobert-Duck-Biografie: Imagekampagne für Bankiers. In: Spiegel Kultur, 2. Februar 2009, aufgerufen am 15. April 2022. Um auch die frühe Barks-Geschichte Voodoo Hoodoo zu berücksichtigen, der zufolge Dagobert einmal ein skrupelloser Räuberbaron gewesen sein soll,Vgl. Don Rosa: Hinter den Kulissen von Der gewissenlose Geschäftsmann aus Entenhausen, in: Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden / Die Biografie von Don Rosa (2008), S. 239 f. (S. 239). zeigt Rosa aber auch, wie Dagobert „im Rausch seiner wachsenden Gier und seines wachsenden Zynismus den schmalen Grat zwischen Gut und Böse überschreitet und für einen kurzen Moment seines Lebens zu einer Art Mac Moneysac wird.“Don Rosa: Hinter den Kulissen von Der gewissenlose Geschäftsmann aus Entenhausen, in: Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden / Die Biografie von Don Rosa (2008), S. 239 f. (S. 239).Don Rosa: The Empire-Builder from Calisota/The Richest Duck in the World (dt.: Der Geschäftsmann ohne Gewissen/Der gewissenlose Geschäftsmann aus Entenhausen), S. 8–10. Gleichzeitig schließt er damit den Kreis zu Dagoberts erstem Auftritt bei Barks.Vgl. Don Rosa: Hinter den Kulissen von Der Einsiedler der Villa Duck, in: Onkel Dagobert – Sein Leben, seine Milliarden / Die Biografie von Don Rosa (2008), S. 262 f.

Dessen ungeachtet zeichnet Rosa sowohl in Sein Leben, seine Milliarden als auch in seinen übrigen Geschichten ein äußerst positives Bild von Dagobert,Vgl. Jochen Bölsche: Das Ende der Ente. In: Spiegel Online / Spiegel Geschichte 4, 28. Juli 2009, (PDF; 668 kB), 3. Teil: Wandlungen eines Erzkapitalisten, aufgerufen am 15. April 2022. das er damit erklärt, es nicht ertragen zu können, „Geschichten zu schreiben über einen Typen, der ewig gierig ist.“ Für ihn ist Dagobert „ein Abenteurer, und Geld ist seine Trophäe.“

Dagobert bei anderen Zeichnern Die ersten Zeichner nach Carl Barks, die Geschichten mit Dagobert Duck zeichneten, waren (in dieser Reihenfolge) Riley Thomson, Bob Moore, Paul Murry und Al Taliaferro. Stark geprägt haben die Figur ferner Daniel Branca (der Dagobert einst als seine Lieblingsfigur bezeichnete), (abgerufen am 13. Dezember 2011). José Colomer, William Van Horn und VicarVgl. Andreas Platthaus: Herzlichen Glückwunsch, Herr Duck! In: 60 Jahre Onkel Dagobert, 2007 S. 4–7 (S. 7).Vgl. zu Vicar auch Lidia Cannatella: Barks' „Vize“: Vicar, in: Carl Barks – Der Vater der Ducks, S. 248. sowie zahlreiche italienische Künstler, darunter Giorgio Cavazzano,Vgl. Lidia Cannatella: Mit Liebe aus Venedig: Giorgio Cavazzano, in: Carl Barks – Der Vater der Ducks, S. 208. Massimo De VitaVgl. Lidia Cannatella: Ein unkonventioneller Autor: Massimo De Vita, in: Carl Barks – Der Vater der Ducks, S. 198. und Romano Scarpa (der Erfinder von Gitta Gans).Romano Scarpa: Zio Paperone e l’ultimo balabù (dt.: Der letzte Gulu-Gulu).Vgl. I.N.D.U.C.K.S.: Gitta Gans (abgerufen am 14. Dezember 2011).