Herbert Reichel (auch Textilwerk Herbert Reichel oder Reichel-Werk) war ein deutsches Textilunternehmen.
Geschichte Herbert Reichel (* 15. März 1920 in Hohenstein-Ernstthal; † 23. Juli 1977) gründete nach Absolvierung der Handelsschule und einer kaufmännischen Lehre 1937 in Heinersdorf an der Tafelfichte im Sudetenland sein Textilunternehmen Herbert Reichel. Das Unternehmen stellte Dekorationsstoffe her. Nach dem Einmarsch der Roten Armee wurden 1945 die Werksanlagen nach Hohenstein-Ernstthal verlegt.
Angesichts drohender Enteignung, die 1951 erfolgen sollte, begann Herbert Reichel bereits 1948 mit dem Aufbau der Produktion in Rheinberg. Zahlreiche Mitarbeiter stammten aus dem sächsischen Hohenstein-Ernstthal. Neben dem Werksgelände entstanden über 1000 Wohnungen für Betriebsangehörige, die Reichel-Siedlung, die heutzutage offiziell Rheinland-Siedlung heißt.Uwe Plien, Rainer Kaussen: Rheinberg: Wie ausgestorben. In: Rheinische Post Online, 3. März 2008.
1955 stellte das Unternehmen seine Produkte in einer Ausstellung deutscher Textilien und Tapeten im Victoria and Albert Museum in London aus. In den 1960er Jahren wurde die Produktion von Teppichen und Teppichböden aufgenommen. Herbert Reichel leitete das Unternehmen bis 1976. Er war Senator h. c. und Mitglied des Beirats Düsseldorf/Krefeld der Deutschen Bank AG. (PDF) Deutsche Bank, S. 95.
1975 erhielt das Unternehmen einen staatlichen Zuschuss von 9,4 Mio. DM, dessen Vergabe möglicherweise mit Spenden von Herbert Reichel an die FDP-Kreisverbände Düsseldorf und Wesel zusammenhing; Reichel soll auch Führungspersonal der FDP wie den damaligen Bundesvorsitzenden Walter Scheel großzügig beschenkt haben.
Das Werk in Rheinberg war bis zu seinem Niedergang in den 1980er Jahren mit 1.800 Mitarbeitern Europas größtes Werk für Heimtextilien.
Nach der Schließung des Unternehmens war es zeitweilig Standort der US-Armee. Einige Hallen wichen später einer Wohnbebauung, andere werden von der Messe Niederrhein genutzt.Rainer Kaussen: In: Rheinische Post online.
Schriften Herbert Reichel: Berühmte Orientteppiche aus historischer Sicht. Rheinberg, 1969.
Literatur Dagmar Kift (Hrsg.): Aufbau West - Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder. Katalog zur Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum Zeche Zollern II/IV in Dortmund, 2005–2006, ISBN 3-89861-542-1. Herbert Reichel-Textilwerk. In: Jutta Beder: „Zwischen Blümchen und Picasso“ – Textildesign der fünfziger Jahre in Westdeutschland, S. 221 (books.google.de) 10 Jahre Aufbauarbeit. Die Firma Herbert Reichel, Textilwerk in Rheinberg. Deutz, Köln 1958. 25 Jahre für textile Heimkultur. Herbert Reichel, Textilwerk Rheinberg. Festschrift. o. V., o. O. 1963. Herman Jung: H. R. Der Mensch und sein Werk. Herbert Reichel zu seinem 50. Geburtstag. Stritt + Osterieth, Frankfurt am Main 1970. Herbert Reichel - Textilwerk - Rheinberg. In: Hans Tischert: Stätten deutscher Arbeit. Band 2. Europa-Pressedienst, Berlin 1955, S. 122–128.
Weblinks „Reichels Werke“
Einzelnachweise
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