Die Arcandor AG in Liquidation (bis 30. Juni 2007 KarstadtQuelle AG) war ein Handels- und Touristikkonzern mit Unternehmenssitz in Essen mit den drei Kerngeschäftsfeldern Einzelhandel, Versandhandel und Tourismus. Einer der institutionellen Hauptaktionäre war die Privatbank Sal. Oppenheim, die 2009 von der Deutschen Bank übernommen wurde. Gegenwärtig ist Madeleine Schickedanz Hauptaktionärin.

Im Juni 2009 beantragte die Arcandor AG beim Amtsgericht Essen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Das Insolvenzverfahren wurde am 1. September 2009 eröffnet.Insolvenzinformation, aufgerufen am 2.6.19

Kennzahlen Vor der Restrukturierung des Konzerns wurde im Jahr 2004 mit über 100.000 Mitarbeitern ein Umsatz von 15,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Geschäftsbereiche Warenhaus Karstadt und die Versandhandelssparte Primondo trugen jeweils rund 20 Prozent zum Konzernumsatz bei. Der Touristik-Bereich Thomas Cook erzielte zirka 60 Prozent des Konzernumsatzes.

2008 2007 Bereiche Mitarbeiter Mitarbeiter als Vollzeitäquivalent Umsatzin Mio. € Mitarbeiter Mitarbeiter als Vollzeitäquivalent Umsatzin Mio. € Thomas Cook 34.290 31.264 11.378,5 32.286 29.070 11.758,5 Primondo 19.209 15.606 4.309,8 21.332 16.837 4.037,5 Karstadt 32.352 23.195 4.095,1 33.682 24.304 4.238,2 sonstige Bereiche(Dienstleistungen und Immobilien) 422 378 205,6 472 426 262,3 Summenlauf 86.273 70.443 19.989 87.772 70.637 20.296,5 Geschäftsjahr 2008: 1. Oktober 2007 bis 30. September 2008Geschäftsjahr 2007: 1. Oktober 2006 bis 30. September 2007 = Mitarbeiter inklusive Auszubildende zu den Stichtagen 30. September 2008 und 31. Oktober 2007

Geschäftsfelder Die Geschäftsfelder des Arcandor-Konzerns waren stationärer Einzelhandel in Deutschland, Versandhandel und Touristik: Stationärer Einzelhandel in Deutschland Warenhäuser: Durch die Übernahme von Karstadt durch die Berggruen Holding zum 1. Oktober 2010 ist Karstadt somit nicht mehr Teil der Arcandor-Gruppe. Spezial: 5 × WOM (World of Music), 115 × Quelle Technik Center, 3 × Küchen Megastore, 8 × Elégance, 15 × Peter Hahn Versandhandel Primondo mit: Universalversender: Quelle GmbH Beschluss der Liquidierung am 19. Oktober 2009 Vollständige Übernahme von Neckermann durch Sun Capital am 8. Oktober 2010. Somit ist Neckermann nicht mehr Teil der Arcandor-Gruppe. Spezialversand: unterteilt in die Bereiche Vollständige Übernahme vom Karstadt Quelle Mitarbeiter Trust e. V. im November 2010 Community Hess Natur Premium Bogner Homeshopping Golden Ager (Atelier Goldner Schnitt, Peter Hahn, Madeleine Mode, Emilia Lay und Afibel) Neue Medien: HSE24, myby (bis Dezember 2009) Touristik Thomas Cook Group: Im Rahmen der Insolvenz von Arcandor wurden die 2009 noch von Arcandor gehaltenen Thomas-Cook-Aktien von den Gläubigerbanken, denen diese Aktien gegen Kredite verpfändet waren, im September 2009 an der Londoner Börse veräußert. Somit ist Thomas Cook seit September 2009 nicht mehr Teil des Arcandor-Konzerns.

Geschichte Zeitleiste der wichtigsten Zusammenschlüsse und Abspaltungen von KarstadtQuelle beziehungsweise Arcandor Firma/Marke vor 1950 1950er 1960er 1970er 1980er 1990er 2000er 2010er 90 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Karstadt … „Karstadt“ zu KarstadtQuelle zu Arcandor HERTIE … „HERTIE“ „Karstadt“ „Karstadt kompakt“ zu KarstadtQuelle verkauft „Hertie“ insolvent Neckermann „Neckermann Textil-Versand KG“ zu Karstadt zu KarstadtQuelle zu Arcandor (Primondo) 51 % verkauft Valovis Commercial Bank „Karstadt Bank“ „KarstadtQuelle Bank“,zu KarstadtQuelle zu Arcandor zu Valovis Valovis Bank „Karstadt Hypothekenbank“ „Valovis Bank“ Quelle … „Quelle“ zu KarstadtQuelle zu Arcandor (Primondo) Markenrechte teilweise an die Otto Group verkauft ERGO Direkt Versicherungen „Quelle + Partner Versicherungen“ „KarstadtQuelle Versicherungen“,zu KarstadtQuelle an ERGO Condor „Condor Flugdienst GmbH“ zu C&N Touristic AG zu Thomas Cook zu Thomas Cook plc. Neckermann Reisen „Neckermann und Reisen GmbH“ (NUR) „NUR Touristic GmbH“,zu Karstadt Thomas Cook … „Thomas Cook“ MyTravel „Airtours“ „MyTravel Group plc“

Gründung der KarstadtQuelle AG (Januar 1999 bis September 1999) mini|Logo der ehemaligen KarstadtQuelle AG

Die KarstadtQuelle AG entstand 1999 durch die Fusion des Warenhauskonzerns „Karstadt AG“ mit dem Versandhaus „Quelle Schickedanz AG & Co.“ Die Fusion wurde im September 1999 rückwirkend zum 1. Januar 1999 nach einem Vergleich mit einigen Aktionären der Karstadt AG wirksam. Es entstand ein neuer Konzern mit 116.000 Mitarbeitern und 32 Milliarden DM Jahresumsatz.Spiegel Online: „Grünes Licht für die Fusion“, 30. September 1999

Krise und Konsolidierung (Juli 2000 bis März 2007) Im Juli 2000 legte der erste Vorstandschef Walter Deuss nach Kritik an seiner Arbeit sein Amt nieder. Nachfolger wurde Wolfgang Urban. Neckermann feierte im Jahr 2000 sein 50-jähriges Bestehen.

Im Januar 2001 kündigte Karstadt an, bis zu 7000 Stellen zu streichen. Der Konzern kaufte die Textilkette „SinnLeffers“. Im November 2001 wurde Christoph Achenbach Chef der Konzerntöchter „Quelle“ und „Neckermann“. Aus der „C & N Touristik AG“ wird die „Thomas Cook AG“, an der KarstadtQuelle gemeinsam mit der Lufthansa zu je 50 Prozent beteiligt ist. Die Touristik ist damit ein wichtiger Bestandteil des Konzerns geworden. Im Oktober erfolgte die Gründung der „KarstadtCoffee GmbH“, ein Joint-Venture mit Starbucks.

Zwischen 2002 und 2004 kam es zu Umsatzrückgängen und einem Einbruch beim Jahresüberschuss. Im Jahr 2002 feierte Quelle sein 75. Jubiläum und aus den Quelle Versicherungen werden die „KarstadtQuelle Versicherungen“. Im Jahr 2004 startete Quelle den landesweiten Versand in Russland.

Im Mai 2004 musste Vorstandschef Wolfgang Urban – dem wie seinem Vorgänger eine verfehlte Unternehmenspolitik vorgeworfen wurde – das Unternehmen verlassen (offiziell aus gesundheitlichen Gründen). Im Juni 2004 wurde Christoph Achenbach Konzernchef, Thomas Middelhoff wurde Aufsichtsratsvorsitzender.

KarstadtQuelle kämpfte mit den Problemen des gesamten Einzelhandels, aber auch hausgemachten Problemen. So hielt man entgegen dem Markttrend an dem umfangreichen Sortiment fest. Kritiker bemängeln, die Einrichtung sei nicht mehr zeitgerecht, das Programm nicht kundengerecht. Auch bei Quelle sei das Katalogkonzept überholt, die Marke müsse neu positioniert werden.

Im Oktober 2004 wurde bekannt, dass sich der KarstadtQuelle-Konzern in dramatischen finanziellen Schwierigkeiten befand. Nach mehreren verpassten Chancen zur Sanierung und Restrukturierung des Konzerns und auf Grund der anhaltenden Einzelhandelsflaute wurde angekündigt, 8500 Stellen abzubauen sowie 77 der 189 Warenhäuser (alle, die weniger als 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche aufweisen) in Deutschland, einen Großteil der Beteiligungen des Konzerns (Facheinzelhandel, Anteile an der Thomas Cook AG und dem DSF) zu verkaufen, um das Unternehmen zu retten.

Im November 2004 wurde veröffentlicht, dass im dritten Quartal 2004 ein Verlust von 1,1 Milliarden Euro entstanden sei. Der Konzern vollzog daraufhin die Trennung von Starbucks. Der Gesamtverlust 2004 betrug 1,625 Milliarden Euro.

Nach Abschluss eines Solidarpaktes zwischen Arbeitnehmern, Management, Anteilseignern und Banken erfolgt die Umsetzung des Konzeptes zur Restrukturierung und Neuausrichtung des KarstadtQuelle-Konzerns. Diese Neuausrichtung sah die Konzentration auf das Kerngeschäft und die Trennung von Randaktivitäten vor. Die Trennung von Starbucks war eine der ersten großen Veräußerungen des Konzernportfolios. Die Anteile am DSF wurden im Januar 2005 an EM.TV abgegeben. Im August 2005 wurden 75 Karstadt-Filialen (Karstadt Kompakt GmbH & Co. KG), 51 SinnLeffers-Modehäuser sowie die Fachhandelskette Runners Point verkauft. Für Quelle und Neckermann wurde die Neupositionierung auf neue Zielgruppen angestoßen. Die Anzahl der Kataloge pro Jahr wurde für beide Marken erhöht.

Seit März 2005 hält ein Aktionärspool um Madeleine Schickedanz über 50 Prozent der Aktien. Im Mai 2005 wurde Thomas Middelhoff nach Bitten von Quelle-Erbin und Großaktionärin Madeleine Schickedanz Vorstandschef. Zugleich verlor die AG in einem Musterprozess einen Vermögensstreit mit den Erben des Wertheim-Konzerns, die durch die Jewish Claims Conference vertreten waren. Die Aktie fiel um acht Prozent, da weitere Verluste in Höhe von 150 Millionen Euro im Rechtsstreit um das Grundstück Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz möglich waren. Für 4,5 Milliarden Euro verkaufte KarstadtQuelle inzwischen 51 Prozent seines Immobilienbestandes an Goldman Sachs, mit dem die AG nun zusammen den Immobilienfonds Whitehall hält.

2006 wurden im Zuge der Konsolidierung des Konzerns wichtige Importdienstleistungen der zum Konzern gehörenden Marken Karstadt, Quelle, neckermann.de und weiterer Spezialversender an das Handelshaus Li & Fung aus Hongkong übertragen, anstatt der bisherigen in Deutschland ansässigen Importhäuser. Eine Einkaufspreisreduktion um zehn Prozent und ein Importvolumen von über zwei Milliarden Euro pro Jahr wird angestrebt. Künftig sollen durch Li & Fung bei Arcandor bis zu zwölf Kollektionen im Jahr möglich werden. Zudem werde sich nach Angaben von Arcandor das benötigte Betriebskapital für Arcandor um eine halbe Milliarde Euro verringern, da Li & Fung gegenüber den Lieferanten ein längeres Zahlungsziel besäße, als es Arcandor oder die frühere KarstadtQuelle AG bisher hatte. Die bisherige Einkaufstochterfirma KarstadtQuelle International Services AG (KQIS, St. Gallen) wurde mitsamt 1100 Mitarbeitern für 60 Millionen Euro an die Li & Fung Ltd. verkauft. Li & Fung übernimmt insbesondere die Musterung und Qualitätssicherung der lohngefertigten Ware vor Ort und wickelt künftig den Zahlungsverkehr des weltweiten Importgeschäftes von Arcandor ab. Die Entwürfe für die Eigenmarkenkollektionen sollen jedoch durch den Aufbau eigener Designcenter in London und Asien in der Hand von Arcandor bleiben, ebenso die Konditionenverhandlungen mit den einzelnen Lieferanten.

Im Mai 2006 kündigte das Unternehmen an, für die Konzern-Holding einen neuen Namen zu suchen, da die große Bedeutung der Touristiksparte nicht im alten Namen berücksichtigt ist und der internationaler klingen soll. Nach den Schwierigkeiten der vergangenen Jahre und einer Umbruchphase befand sich der Konzern zur Jahresmitte 2006 erstmals wieder in der Gewinnzone. Im Herbst 2006 feierte das Unternehmen sein 125. Jubiläum. Ende November 2006 wurde bekannt, dass sich KarstadtQuelle von seinem Versandhaus neckermann.de trennen will.

2007 schuf das Unternehmen das weltweit drittgrößte Touristikunternehmen, indem es seine Tochterfirma Thomas Cook mit der britischen MyTravel plc fusionierte.

Ende März 2007 gab KarstadtQuelle in einer Pressemitteilung bekannt, dass nach einem Verlust von 316 Millionen Euro im Jahr 2005 im Jahr 2006 ein Gewinn von 346 Millionen Euro erwirtschaftet wurde und somit erstmals seit der Krise wieder schwarze Zahlen geschrieben wurden.

Die Ära Arcandor (ab März 2007) Am 29. März 2007 kündigte das Unternehmen an, dass die Holding des KarstadtQuelle-Konzerns künftig unter dem Namen Arcandor firmieren werde. Die Umbenennung kündigte der Vorstandsvorsitzende Middelhoff auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Düsseldorf an.29. März 2007 Aus KarstadtQuelle wird Arcandor

Die endgültige Bestätigung des neuen Namens der Holding fiel auf der Hauptversammlung des Unternehmens am 10. Mai 2007. Zudem kündigte Konzernchef Middelhoff an, dass er KarstadtQuelle Ende 2008 nach erfolgreicher Sanierung des Unternehmens verlassen werde. Am 23. April 2008 verlängerte er jedoch seinen Vertrag bis mindestens Jahresende 2009. Der neue Name Arcandor gilt seitdem jedoch nur für die Konzern-Holding. Die Traditionsnamen Karstadt für die Warenhäuser, Quelle für den Versandhandel und Thomas Cook für das Reisegeschäft sollten erhalten bleiben.