Bad Liebenzell (bis 1926 Liebenzell) ist eine Bäder- und Kurstadt im nördlichen Schwarzwald im Landkreis Calw; sie liegt rund 20 Kilometer südlich von Pforzheim, dabei gehört sie zur Region Nordschwarzwald und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Das zentrale Bad Liebenzell liegt westlich der Landesmitte von Baden-Württemberg im Nagoldtal. Das Stadtgebiet hat eine Höhenlage von 310 (Monbachtal) bis 714 Metern (Gemarkung Maisenbach-Zainen), erstreckt sich ungefähr 5,5 km entlang der Süd-Nord-Achse des Nagoldtales und quer dazu über die Schwarzwaldhöhen hinweg etwa 13 km weit. Es liegt zur Gänze im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. mini|Liebenzell 1899
Nachbargemeinden Reihum grenzen die Gebiete der folgenden Nachbarkommunen an: im Norden die Gemeinde Unterreichenbach im Nordwesten die Gemeinde Schömberg im Nordosten die Gemeinde Neuhausen im Enzkreis im Osten die Stadt Weil der Stadt im Landkreis Böblingen im Südosten die Gemeinde Simmozheim, dann zweimal, unterbrochen durch eine Simmozheimer Waldexklave, die Gemeinde Althengstett im Süden die Kreisstadt Calw und im Südwesten die Gemeinde Oberreichenbach. Kommunen, bei denen kein Kreis genannt wurde, liegen wie Bad Liebenzell selbst im Landkreis Calw.
Stadtgliederung Zur Stadt Bad Liebenzell gehören die ehemaligen Gemeinden Möttlingen, Beinberg, Maisenbach, Monakam, Unterhaugstett und Unterlengenhardt. Zur Stadt Bad Liebenzell in den Grenzen von 1970 gehören neben der Stadt die Häuser Monbachtal und Maisenbacher Sägemühle. Zu Beinberg gehört das Dorf Beinberg. Zu Maisenbach gehört das Dorf Maisenbach und die Siedlung Zainen. Zu Monakam gehört das Dorf Monakam. Zu Möttlingen gehört die Siedlung Möttlingen und das Gehöft Georgenau. Zu Unterhaugstett gehört das Dorf Unterhaugstett. Zu Unterlengenhardt gehört das Dorf Unterlengenhardt.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Bd. 5. Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, S. 482–485, ISBN 3-17-002542-2
Die ehemaligen Gemeinden sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem.
Geschichte
Mittelalter Im Jahr 1091 schenkte – wie dem Hirsauer Codex zu entnehmen ist – der Edle Hugo von Ostelsheim dem Kloster Hirsau eine „Hube Land zu Chele“. Dies war die erste urkundliche Erwähnung von Liebenzell. Um 1130 erhielt Gräfin Uta, eine Tochter des Pfalzgrafen Gottfried von Calw, als Mitgift unter anderem „Zelle samt zugehörigen Wald“. Ab 1196 war Burg und Städtchen Liebenzell im Besitz des Grafen von Eberstein. Der letzte Ritter von Liebenzell, Ludwig, verkaufte seinen Besitz 1272 an den Deutschen Orden und trat diesem bei.
Badische Zeit Schon wenige Jahre später begann mit dem Verkauf von Burg und Stadt an den Markgrafen Rudolf I. von Baden die bis 1603 dauernde badische Zeit. 1384 tritt Liebenzell zum ersten Mal als Stadt auf. Eng im Zusammenhang mit der Stadt Liebenzell stand nahezu 600 Jahre lang das Zeller Bad. Bereits 1403 wird das „Untere Bad“ zum ersten Mal erwähnt. Das einige Jahre später erbaute „Obere Bad“ führte anfangs den Namen „neues Wildbad zu Liebenzell“. 1603 verkaufte Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach Stadt und Amt Liebenzell an Herzog Friedrich von Württemberg. Seitdem war Liebenzell Bestandteil des Herzogtums Württemberg.
Württembergische Zeit Anfang des 18. Jahrhunderts ließ Erbprinz Ludwig Friedrich von Württemberg eine Lindenallee erbauen; 1727 entstand an dieser Allee ein Lusthaus mit prächtigem Kursaal. Nach dem großen Brand von 1785 wurde die Stadt von Johann Adam Groß in veränderter Gestalt wieder aufgebaut.
Das Amt Liebenzell wurde nach der Gründung des Königreichs Württemberg aufgelöst und 1807 dem Oberamt Calw unterstellt. 1810 kam Liebenzell zum Oberamt Neuenbürg und 1842 erneut zum Oberamt Calw.
Im Jahr 1900 fasste der Gemeinderat den Beschluss, Kuranlagen anzulegen. 1904 lud die Stadt, aus Anlass der 300-jährigen Zugehörigkeit Liebenzells zu Württemberg, König Wilhelm II. zu einem großen Fest ein, der auch tatsächlich kam. 1926 wurde der Namenszusatz „Bad“ genehmigt, was die starke Entwicklung der Stadt zum Heilbad und Kurort honorierte. 1928 wurde mit dem Abfüllen des „Liebenzeller Sprudels“ begonnen und 1933 das Freibad eingeweiht.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Bad Liebenzell 1938 zum Landkreis Calw.
Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Bad Liebenzell in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum neuen Land Baden-Württemberg.
1954 wurde das neue Kurhaus seiner Bestimmung übergeben und 1968 die Paracelsus-Therme eröffnet, die in den Jahren 2011 und 2012 energetisch saniert und renoviert wurde. Immer wichtiger geworden ist die Rolle als Naherholungsgebiet für den Großraum Stuttgart und Böblingen.
Ab 1971 wurden die heute insgesamt sechs Höhenstadtteile im Zuge der Gebietsreform auf freiwilliger Basis eingegliedert: Am 1. Januar 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Beinberg, Monakam, Unterhaugstett und Unterlengenhardt; zum 1. Januar 1972 folgte Möttlingen und am 1. Juli 1974 Maisenbach.
Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 erreichte der Landkreis Calw seine heutige Ausdehnung. Der Landkreis wurde gleichzeitig Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die dem damals neu umschriebenen Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Somit wird seither über die Angelegenheiten Bad Liebenzells auch aus Karlsruhe mitentschieden.
Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohner¹ 1871 3302 1880 2907 1890 2767 1900 2928 1910 3262 1925 3808 1933 3688 1939 3456 Jahr Einwohner¹ 1950 4404 1961 5021 1970 5806 1975 5945 1980 6277 1985 6845 1990 8087 1995 9049 Jahr Einwohner¹ 2000 9483 2005 9526 2010 9313 2015 9298 2020 9629 ¹ laut Angaben des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg; bis 1961 Volkszählungsergebnisse, ab 1970 Fortschreibungen (jeweils zum 31. Dezember); heutiger Gebietsstand.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat in Bad Liebenzell umfasst 18 Personen. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften Stimmenanteil2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 UL Unabhängige Liste 40,20 % 7 47,0 8 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 22,89 % 4 36,8 7 ZBL Zukunft Bad Liebenzell 23,02 % 4 – – Grüne BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 8,98 % 2 16,2 3 AfD Alternative für Deutschland 4,90 % 1 – – Gesamt 100 % 18 100 18 Wahlbeteiligung60,94 % 57,29 %
Bürgermeister Liste der Stadtschultheißen und Bürgermeister 1850–1854: Adolf Kratz 1854–1889: Karl Christoph Rau 1889–1895: Carl August Wilhelm Schneider 1895–1897: Johann Karl Kinzler 1897–1933: Hugo Mäulen 1933–1945: Gottlob W. Klepser 1946–1973: Gottlob W. Klepser 1974–1989: Helmut K. Schiek 1990–2013: Volker Bäuerle 2014–2021: Dietmar Fischer 2022–2026: Roberto ChiariBürgermeister von Bad Liebenzell scheidet aus dem Amt seit September 2026: Sebastian Kopp
Wappen und Flagge Seit 1914 lautet die Blasonierung wie folgt: In Blau unter einer liegenden schwarzen Hirschstange in einem silbernen Zelt, auf von Schwarz und Gold geschachtem Boden stehend eine goldene Badewanne, in der ein sitzender Mann zu sehen ist.
Zuvor war häufig eine Frau in der Badewanne zu sehen, vermutlich wegen der falschen Herleitung des Ortsnamens von der Heiligen Lioba. Die Bad Liebenzeller Stadtfarben sind Blau-Weiß.
Wappen der Ortsteile
Städtepartnerschaften Seit 1992 besteht eine Partnerschaft mit Villaines-la-Juhel in der französischen Region Pays de la Loire.
2019 ging Bad Liebenzell zudem eine Partnerschaft mit der portugiesischen Kleinstadt Lourinhã ein.Partnerschaft mit Lourinhã wird besiegelt, Artikel vom 24. Mai 2019 in der Regionalzeitung Schwarzwälder Bote, abgerufen am 20. Juli 2019
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Blick über die Stadt von der Burg Liebenzell aus In die um 1971 in die Stadtgemeinde eingegliederten sechs Höhenstadtteile und in die Altstadt wurden seit 1990 über 100 Millionen Euro investiert, um die Infrastruktur zu verbessern und den Fremdenverkehr zu fördern. Neben dem Bau von Schulen, Kindergärten, Dorfzentren und Mehrzweckgebäuden wurde auch die Sanierung der alten Stadtmauer und die Renaturierung des Lengenbachs durchgeführt. Zur Bebauung des ehemaligen Kurgärtnereigeländes mit Seniorenwohnungen kamen Fußgängerzonen und neue Geschäfte hinzu.
Verkehr Bad Liebenzell ist durch die Nagoldtalbahn (Pforzheim-Horb am Neckar) an das überregionale Streckennetz angeschlossen. Im 30/60-Minuten-Takt verkehren Züge nach Pforzheim bzw. Horb über Calw und Nagold.
Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Bad Liebenzell über Unterreichenbach mit Pforzheim und in der anderen Richtung mit Calw verbunden. Auf derselben Trasse verläuft als Landes-Radfernweg der Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg durch Bad Liebenzell, der insgesamt von Heidelberg nach Radolfzell führt.
Bildungseinrichtungen Die Reuchlin Schulen Bad Liebenzell verfügen über je eine Grund-, Haupt-, Real- und Förderschule. Außerdem besteht in den Ortsteilen Möttlingen und Unterhaugstett jeweils eine Grundschule. Am 1. September 2011 begann der Studienbetrieb der Internationalen Hochschule Liebenzell (IHL), am 22. Juli 2011 fand die Einweihung der IHL statt., liebenzell.org, Meldung vom 11. August 2011Bad Liebenzell ist Hochschulstandort, schwarzwaelder-bote.de. Meldung vom 27. Juli 2011
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Religionen Im Gebiet der Kommune Bad Liebenzell arbeiten die evangelischen Kirchengemeinden Bad Liebenzell,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Liebenzell Monakam-Unterhaugstett,Website der Evangelischen Kirchengemeinde Monakam-Unterhaugstett MöttlingenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Möttlingen und die Petruskirchengemeinde Beinberg, Maisenbach-Zainen und Unterlengenhardt.Website der Evangelischen Kirchengemeinde Beinberg, Maisenbach-Zainen, Unterlengenhardt
Die katholische Kirche St. Lioba in der Kirchstraße 5 gehört zur Seelsorgeeinheit Calw–Bad Liebenzell.
Die Stadt ist Sitz der weltweit arbeitenden evangelischen Liebenzeller Mission und der Geschäftsstelle des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes.
Bauwerke
Die Burg Liebenzell aus dem 13. Jahrhundert ist das imposanteste Bauwerk in Bad Liebenzell
Evangelische Kirchen An der Stelle der Stadtkirche St. Blasius stand bereits im 12. Jahrhundert eine Kirche. Der Turm wurde 1653 abgerissen und in der heute bestehenden Form wiedererbaut. Die Sonnenuhr an der Südwand stammt von 1778. Von 1891 bis 1893 wurde das Kirchenschiff durch Oberbaurat Karl von Sauter in neugotischem Stil errichtet und von der Münchner Hofglasmalerei Gustav van Treeck mit ornamentaler und figürlicher Glasmalerei ausgestattet (östliches Chorfenster: Kreuzigungsgruppe). Die Friedenskirche Beinberg wurde 1959 erbaut. Die Glaskünstlerin Anna-Dorothea Kunz-Saile schuf 1964/65 die bleiverglasten Farbfenster (Eingangsbereich: Gleichnis vom verlorenen Sohn, Chor: Der Auferstandene erscheint seinen Jüngern). Die Christuskirche Maisenbach wurde 1967 erbaut und vom Stuttgarter Glaskünstler Wolf-Dieter Kohler mit farbiger Bleiverglasung ausgestattet. In Monakam wird bereits 1477 eine Filialkirche zum Heiligen Kreuz erwähnt. Die heutige Kirche wurde 1802 neu erbaut. Dabei wurde der Flügelaltar der Vorgängerkirche aus dem Jahr 1497 übernommen. Im Jahre 2018 schuf der bekannte Glaskünstler Johannes Schreiter zwei Fenster mit den Themen Auferstehung und Pfingsten.