mini|Değle, Blick auf die Klosterruinen in der Dorfmitte. mini|Kirchenruine Nr. 1 in Madenşehri Als Binbirkilise () wird ein Gebiet in der antiken Region Lykaonien um den Vulkan Karadağ in der heutigen türkischen Provinz Karaman bezeichnet. In dem Areal liegen etwa 50 byzantinische Kirchenruinen. Das Gebiet liegt am Nordhang des Karadağ-Massivs etwa 30 km nördlich der Provinzhauptstadt Karaman. Die Ruinen konzentrieren sich weitgehend bei und in den Orten Madenşehri und Üçkuyu (ehemals Değle).
Generelles zu den Bauten Die Gegend war im dritten bis zehnten Jahrhundert ein kulturelles Zentrum der byzantinischen Christen. Es finden sich Reste von Kirchen, Klöstern, Befestigungsanlagen, Zisternen und Wohnhäusern, die zum Teil in die heutigen Dörfer integriert sind oder deren Steine als Baumaterial verwendet worden sind. Dadurch hat der Bestand der Gebäude kontinuierlich abgenommen. Architekturgeschichtlich interessant sind die mehrfach vertretenen Kuppelbasiliken vom syrischen Typ. Die Mauern wurden aus großen Quadern errichtet. Wegen des Holzmangels wurden hier anstelle des üblichen flachen Holzdachs Steinkuppeldächer verwendet. Über den Seitenschiffen sind hinter der oberen Säulenreihe Emporen gebaut. In den Apsiden finden sich Doppelarkadenfenster, die Eingangsbereiche haben meist Doppelarkaden und werden von einer einzelnen Säule in der Mitte getragen. In einigen der Kirchen, vornehmlich in Madenşehir, sind Reste von Wandmalereien zu sehen. Auch aus hethitischer, hellenistischer und römischer Zeit sind vereinzelte Relikte in der Umgebung vorhanden.Marianne Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe Türkei. Droemer-Knaur, 1987, S. 334, ISBN 3-426-26293-2
Forschungsgeschichte mini|Gertrude Bell’s Arbeiter bei den Ausgrabungen in Madenşehri 1907 Im Jahr 1904 veröffentlichte Carl Holzmann seine Archäologischen Skizzen zu Binbirkilise. Kurz darauf wurde es von der britischen Reisenden und Archäologin Gertrude Bell erneut beschrieben, die 1905 die Region im Zuge ihrer Reise durch Kleinasien erforschte. Sie veröffentlichte ihre Reiseberichte einschließlich zahlreicher Fotos in einer Artikelserie in der Revue archéologique. Auf derselben Reise lernte sie in Konya den Archäologen William Ramsay kennen und die beiden beschlossen, in Binbirkilise Ausgrabungen durchzuführen. 1907 fanden die Grabungsarbeiten statt, die Ergebnisse wurden, wiederum mit vielen Bildern, von beiden in einem Buch veröffentlicht.Getzel M. Cohen, Martha Sharp Joukowsky: Breaking Ground: Pioneering Women Archaeologists. University of Michigan Press, 2006, S. 167, ISBN 978-0-472-03174-0 bei Google Books Bereits als Bell zwei Jahre später zurückkehrte, stellte sie fest, dass ein großer Teil der dokumentierten Gebäude durch Steinraub verschwunden warRobert G. Ousterhout: A Byzantine settlement in Cappadocia. Dumbarton Oaks, 2006, S. 171, ISBN 978-0-88402-310-4 bei Google Books. Bells Bilder zeigen, dass in der Zwischenzeit die Zerstörung der Bausubstanz weiter fortgeschritten ist. Der türkische Kunsthistoriker Semavi Eyice untersuchte das Gebiet und veröffentlichte 1971 seine Forschungsergebnisse.
Madenşehir (Madenşehri, Madanşar) Das Dorf Madenşehir liegt bei 37° 26′ 23” Nord und 33° 9′ 52” Ost, grenzt an die Dörfer Eğilmez, Karacaören, Çoğlu, Dinek, Kılbasan und Üçkuyu (Değle) und liegt 30 km nördlich von Karaman auf 1237 m Höhe in einer Senke, die vom Kızıldağ (2652 m, nicht zu verwechseln mit dem Kızıldağ bei Adakale im Kreis Çumra) im Osten, vom Göz Dağı (Maden Dağı, 1502 m) im Westen und vom Çet Dağı (1549 m) im Norden in Richtung Konya-Ebene begrenzt wird.
Zum Namen Der Name Binbirkilise (Eintausendundeine Kirche) bezieht sich auf die Vielzahl der dortigen Kirchen und wurde in einer von Sir William Mitchell Ramsay (1851–1939) und Gertrude Margaret Lowthian Bell (1868–1926) 1909 verfassten Veröffentlichung, danach in der westlichen Welt benutzt und auch in die Literatur übernommen. Ramsay und Bell verwendeten in ihrem Werk zur Unterscheidung der einzelnen Lokalitäten die Bezeichnungen “Aşağı Şehir” (Unterstadt) für Madenşehir und “Yukarı Şehir” (Oberstadt) für das höher gelegene Dorf Değle. In Aufzeichnungen aus der osmanischen Zeit wird Madenşehir als „İne bzw. Aşağı Devle“ (Unteres Devle) bezeichnet. Während die Ruinen bei Madenşehir alle aus der spätrömischen und byzantinischen Zeit stammen, lieferte die Oberstadt (Yukarı Devle) auch vorhellenistische Funde.
Zur Ortsgeschichte von Madenşehir Die Geschichte des Dorfes Madenşehir am Nordrand des Karadağ-Vulkankomplexes ist sehr alt. Der antike Name des Siedlungsgebiets von Madenşehir ist Barata. Eine historische „bequeme“ Straße führte von Ikonion (Konya) nach Südosten durch den Norden des Karadağ nach Barata, Çoğlu, Akçaşehir, Kaleköy und Sidamaria (Ambar). Dieses Straßennetz hatte an Bedeutung gewonnen, nachdem Barata (Binbirkilise) ein religiöses Zentrum geworden war. Unterschiedliche Bezeichnungen, wie Barmeta, finden sich in hethitischen Hieroglyphendenkmälern ebenso wie Bareta in der klassischen Antike oder wie Baratha / Barata / Barattha / Bareta / Beret in anderen alten Quellen. Barata war ein strategischer Standort an den Verbindungen von Konya nach Ereğli, Karapınar und Silifke. Barata war eine jener Städte, die im Auftrag des Lykaonischen Koinon (Bund) der römischen Kaiserzeit (Barata, Dalisandos, Derbe, Hyde - vermutlich Mennek Kalesi, Ilistra/Yollarbaşı, früher İlisira, Koropissos und Laranda) Münzen geprägt haben. Aus der Zeit von Marcus Aurel und Lucius Verus zwischen 161 und 169 v. Chr. und von Philippus II. zwischen 244 und 249 n. Chr. wurden Münzen aus Barata gefunden. Wir sehen Barata 325 als Erzbistum im Konzil zu Nicaea (İznik). 451, im Konzil von Khalkedon (Kadıköy), wurde Bischof Eugenios von Barata zum Metropolit von Konya ernannt. In den Kirchenkonzilen von 536, 680–681, 692, 879–880 wurde Barata sowohl durch Bischof Konstantin als auch durch den Metropoliten von Konya vertreten.
In Zeiten religiöser Verfolgungen blieb das Dorf ein wichtiges, aber abgelegenes religiöses Siedlungszentrum. Der heutige Ort wurde auf den Resten dieser alten Siedlung gegründet, die von der hellenistischen Zeit bis zur byzantinischen Zeit existierte und deren Ruinen über ein weites Gebiet verstreut liegen. Das gesamte Siedlungsgebiet mit der modernen Bezeichnung Binbirkilise verteilt sich auf die Orte Madenşehir, die Wüstung Yukarı Ören und Değle.
Während im 5. und 6. Jahrhundert im damals christlichen Barata zahlreiche Bauten entstanden waren, hörte das Leben dort vom 7. Jahrhundert bis zur Mitte des 9. Jahrhunderts auf. Die Gebäude hier wurden, vielleicht durch Erdbeben oder anderen Katastrophen, wahrscheinlich aber eher aufgrund der Überfälle durch arabische Kriegshorden, zerstört und verlassen. Nur im abgelegenen Değle lebte die Siedlung weiter. Nach der Mitte des 9. Jahrhunderts wurde die Siedlung Barata wiederbelebt, da die Gefahr offenbar vorbei war. Der Ortsteil Değle (damals Devle) blieb mit 255 Einwohnern in den drei Stadtteilen Ahmedler, Kamereddin und İydalı, unter denen 79 nicht-muslimische Steuerzahler lebten, weiter bewohnt. Barata (Madenşehir) war im 10. Jahrhundert wieder eine bedeutende byzantinische Siedlung mit eigenem Bischofssitz. Aufgrund der zunehmend unsicher werdenden Lage im byzantinischen Grenzgebiet wurde die Gegend allerdings bald verlassen und die Baulichkeiten im 11. Jahrhundert von den vorrückenden Seldschuken weitgehend zerstört. Nach einer langen Periode des Zerfalls wurde das Gebiet von turkmenischen Nomaden besiedelt, die noch heute dort wohnen und das Baumaterial für ihre Häuser den alten Kirchenbauten entnommen haben. Heute sieht man ein buntes Nebeneinander von Ruinen und Bauernhäusern, was den Dörfern einen eigenartigen Charakter verleiht.
In den Steuerregistern des 16. Jahrhunderts wird Madenşehir um 1500 als Dorf “Mazanşehri” im Kreis Lârende (Karaman) genannt, 1541 als „Mazanşehir“ und 1584 als Amtsbezirkszentrum „Mazanşehir“ bezeichnet zusammen mit dem Dorf Kılbasan. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Dorf Mazanşehri im Sandschak Larende laut dem Lehenbuch von Ruznamçe der Provinz Konya unterstellt. In diesem Dorf, das von den Bewohnern als „Madanşar“ (Bergbaustadt) genannt wurde, gab es allerdings keine Spuren verwertbarer Mineralien, noch irgendwelche Aufzeichnungen, die diesen Namen erklären würden. İbahim Hakkı Konyalı (1896–1984) gibt an, dass einige seldschukische Münzen an einem Ort namens „Maden Şehir“ geschlagen wurden. Nach Angaben von William John Hamilton (1805–1867), dem Sekretär des Britischen Archäologischen Instituts, wurden die beiden Gruben am Göz Dağı (Maden Dağı) unter den Einheimischen „Maden“ (Minen) genannt. Und İsmâ'îl Gâlip Bey, einer der ersten türkischen Numismatiker, vermerkte in seinem Werk „Takvim-i Meskûkât-ı Selçûkiyyesi“ (Kalenderbuch 1848–1895) unter den Orten, in denen Geld geprägt wurde, Maden Sehri, „eine Stadt in der Grafschaft Nefs-i Karaman. Wie der Name schon sagt, wurden Silbervorkommen in der Antike exportiert“. In Lârende (Karaman) wurden 1516 osmanische Silbermünzen von den Osmanoğulları im Namen von Selim I. (der Gestrenge) und 1519 im Namen von Süleyman I. (der Prächtige) geprägt. links|mini|Blick auf die Ortschaft Madenşehir/Madenşehri (Binbirkilise) mit den beiden Vulkanen Kızıldağ (rechts) und Göztepe (links). Am 2. Juni 1576 betrugen die Steuereinnahmen von Mazanşehri 10312 Akçe (erste von den Osmanen geprägte und über viele Jahrhunderte in Umlauf befindliche Silbermünzen), und weitere 5156 Akçe Stiftungserträge gingen an die Timare Mahmûdoğulları und an Aydın. Am 11. Dezember 1576 flossen 10312 Akçe Steuereinnahmen an den Staat und 5156 Akçe des Dorfes Mazanşehri in die Taschen der Şâhvirdi Timare. Am 8. Februar 1577 betrug der Steuerbetrag von Mazanşehri 10312 Akçe und ein Anteil von 5156 Akçe ging an den Timaren Yusuf. Im Steuerbuch von Madenşehri von 1840 wird angegeben, dass der Karadağ innerhalb des Timars „Ilgın Hâss“ liegt, und als Berufe fast aller Haushaltsvorstände wird Landwirt vermerkt. Für den Ort mit 26 Familien und 14 unverheirateten Männern wurden zudem 6 Kamele, 2 Mulis, 65 Schafe, 44 Kühe, 276 Ziegen, 19 Esel, 30 Ochsen, 18 Kälber sowie als Agrarland 1 Dekar (dönüm = 0,1 ha) Weinberg und 27 ha Ackerland, davon 14 ha Brachland angegeben. Léon de Laborde (1807–1869), der 1826 durch die Konya-Region reiste, hatte die Gelegenheit, die Ruinen von Binbirkilise genau zu sehen und veröffentlichte 1837 drei Stiche, die er 1826 gezeichnet hatte. Er verglich das Gebiet des Karadağ mit einem heiligen Berg und betrachtete ihn auch als Station von militärischer Bedeutung in der Antike.
Durmuş Ali Gülcan (1904–1996), der Karaman und seine Dörfer erforschte und seinen Artikel (z. B. „Karaman Mahalleleri ve Köyleri Tarihçesi“/ Geschichte der Karaman-Region und seiner Dörfer) über die Geschichte von Karaman in der Zeitung EKEKON (1947–50) veröffentlichte, erwähnte in seinem Buch, dass der Karadağ zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Eigenschaft eines „seltsamen Ortes“ erlangt hatte. Offensichtlich hatten sich Leute, die in Banditentum verwickelt waren oder aus irgendeinem Grund auf der Flucht waren, im Karadağ versteckt, wo eine systematische Suche und Überwachung kaum möglich war, und dort kleine Weiler errichtet. Dem englischen Reisenden John Macdonald Kinneir (1782–1830), der 1814 in die Region kam und zum Karadağ wollte, wurde geraten, den Berg nicht zu besuchen, weil es dort Verrückte gab, die Karawanen überfielen: