mini|Haltestelle Estación Mundo Aventura mit Gelenkbus und exklusiven Fahrspuren TransMilenio ist der Name eines schnellen Massentransportsystems mit Bussen (, als Fachausdruck abgekürzt BRT) in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá. Es wurde im November 2000 eröffnet.

Mit mehr als acht Millionen Einwohnern in der Agglomeration ist Bogotá eine der größten Metropolregionen Südamerikas. In den 1950er Jahren wurde der Straßenbahn-Betrieb in Bogotá beendet. Die Planungen für ein U-Bahn-System führten über Jahrzehnte hinweg zu keinem Ergebnis, als Metro Bogotá ist es seit dem Jahr 2020 in Bau. Nach dem Vorbild des Rede Integrada de Transporte der brasilianischen Stadt Curitiba wurde darum TransMilenio als ein städtebaulich integrierendes Massentransportsystem mit Bussen eingerichtet.

Charakteristik Das System besteht aus großräumigen Gelenkbussen für bis zu 260 Fahrgäste, eigenen Fahrspuren mit Überholspur und angehobenen Haltestellen mit Bahnsteigtüren, die sich erst bei Ankunft des Busses öffnen. Die Bezahlung erfolgt per Chipkarte bei Betreten der Haltestelle, so dass Umsteigen kostenlos möglich ist und keine Verzögerung durch einen Ticketkauf beim Einsteigen entsteht. Die Hauptlinien (troncales) werden sowohl von regulären Linien (facil) als auch Expresslinien bedient, die nicht alle Haltestellen anfahren. Zubringer-Busse (alimentadores) verbinden die Außenbezirke Bogotás mit den TransMilenio-Haltestellen. Der TransMilenio ist Teil des integrierten Verkehrsverbundes Sistema Integrado de Transporte de Bogotá (SITP), der Buslinien ohne exklusive Fahrspuren und eigene Haltestellen mit einschließt.

Weitere Teile des TransMilenio-Konzeptes sind ein neu angelegtes Netz von Fahrradwegen, neue Grünanlagen und Fußgängerzonen im Stadtgebiet und der zweimal jährlich stattfindende Tag ohne Auto. Als die Väter des TransMilenio werden Bogotás Bürgermeister Enrique Peñalosa und dessen Nachfolger Antanas Mockus bezeichnet.

Vor der Einführung des TransMilenio bestand der öffentliche Personennahverkehr der Stadt aus einer Vielzahl von Buslinien ohne Liniennetz, festen Haltestellen oder der Möglichkeit des kostenfreien Umsteigens. Eine Vielzahl frei operierender Unternehmen bediente diese Linien durch kleine Busse mit zehn bis 40 Passagierplätzen. Dieses dezentrale Bussystem besteht weiterhin parallel zum TransMilenio.

Das Bussystem wird von der öffentlichen Firma Empresa de Transporte Tercer Milenio S.A. geplant und betrieben. Der Verkehr selbst wird von einer Reihe privater Unternehmen ausgeführt. Die Linien wurden weltweit ausgeschrieben, getrennt nach troncal und alimentadores.

Das System gilt als Vorbild für viele Metropolen in Entwicklungsländern, beispielsweise den Transantiago in Santiago de Chile, den TransJakarta in Indonesiens Hauptstadt Jakarta sowie den Metrobús in Mexiko-Stadt, da es im Vergleich zu einer U-Bahn günstiger zu bauen und schneller zu realisieren ist.

Verkehrssystem Das Verkehrssystem ist auf den Transport einer großen Anzahl von Personen über relativ große Distanzen optimiert. Große (Express-)Busse mit vielen Türen verkehren auf exklusiven Fahrspuren. Ein- und Ausstieg erfolgt über geschlossene, erhabene Haltestellen. Bezahlt wird bei Betreten der Haltestellen.

Haltestellen mini|thumbtime=0:01.9|Haltestelle Calle 100 Die Haltestellen des TransMilenio sind in Hochbordbauweise errichtet. Dies verringert die Verweildauer an den Haltestellen und ermöglicht den Zugang für Rollstuhlfahrer. Die gläsernen Türen der Haltestelle öffnen sich erst, wenn der Bus zum Stillstand gekommen ist. Die Haltestellen befinden sich in der Mitte der Straße, so dass sich der Ausstieg trotz Rechtsverkehrs auf der linken Seite befindet. Dies ermöglicht das Umsteigen in die entgegengesetzte Fahrtrichtung, ohne dass der Fahrgast den Steig wechseln muss. Die Haltestellen sind auch für Behinderte zugänglich und über Fußgängerbrücken an beiden Straßenseiten angebunden. Alle Haltestellen haben elektronische Anzeigetafeln, die die ungefähre Ankunftszeit der Buslinien angeben.

Busse mini|TransMilenio-Bus

Klassische Fahrzeuge Die dieselbetriebenen Busse werden von verschiedenen Firmen beschafft, unter anderem von Volvo, Scania, Volkswagen und Mercedes-Benz. Dabei handelt es sich größtenteils um Gelenkbusse, seit 2009 auch Doppelgelenkbusse, die auf 27,2 m Länge bis zu 260 Passagieren Platz bieten.Operación transmilenio.gov.co, abgerufen am 20. Mai 2019 (spanisch) Die TransMilenio-Busse werden mittels Satellitentechnik (GPS) verfolgt, wodurch Strecken und Auslastung optimiert werden. Die Busse werden rot lackiert ausgeliefert, die Doppelgelenkbusse rot-gelb. Die Aufträge für die Busse wurden anhand der Euro-2- und Euro-3-Normen ausgeschrieben.

Hybrid- und Elektrobusse Seit 2014 fuhren 40 Hybridbusse auf der Strecke zwischen Innenstadt und Flughafen sowie auf einzelnen weiteren Routen.Transmilenio llegará hasta El Dorado con buses híbridos, 10. Februar 2014, abgerufen am 7. August 2017 Im März 2016 waren 50 Hybridbusse auf einer weiteren Strecke im TransMilenio-System im Einsatz.Nuevos buses híbridos refuerzan alimentación en Portal de la 80, 8. März 2016, abgerufen am 7. August 2017 Während der zweiten Jahreshälfte 2015 wurde ein von BYD Auto entwickelter Elektro-Gelenkbus mit der Bezeichnung EBus Andino 18 im Probeeinsatz gefahren.ntn24 vom 23. Juni 2015 (spanisch) abgerufen am 27. September 2015

2022 wurde die Transportkapazität durch 1.485 zusätzliche Elektrobusse stark erhöht.https://www.itdp.org/wp-content/uploads/2022/02/STA-2022-Award-Ceremony-Press-Release.docx-1.pdf abgerufen am 28. September 2022https://www.itdp.org/2022/02/09/bogota-wins-2022-sustainable-transport-award/ abgerufen am 28. September 2022

Bezahlsystem mini|Eingang mit Zahlsystem der Haltestelle Calle 100Eine Fahrt mit dem TransMilenio kostete 2017 auf den Hauptlinien zum Vollpreis 2200 Pesos (etwa 65 Euro-Cent).Tarife: SITP Tarifas, 17. April 2017. Abgerufen am 18. Juli 2017. Innerhalb der Maximalfahrzeit von 95 Minuten sind mit der Tullave-Karte bis zu zwei Umstiege möglich. Die Fahrscheine sind Chipkarten, die am Eingang der Haltestellen gekauft werden und mehrere Fahrten enthalten können. Sie werden kontaktlos an den Haltestellen ausgelesen und dann wiederverwendet. Hierdurch entfällt das Zahlen oder Kontrollieren von Fahrscheinen beim Einsteigen, was die Fahrzeit reduziert. Es existieren konkurrierende Kartensysteme mit unterschiedlichen Umsteigeregelungen, die mittelfristig vereinheitlicht werden sollen.Natalia Gómez Carvajal: La pelea de dos privados que afecta a 2 millones de usuarios del SITP, in: El Tiempo, 25. Januar 2015. Abgerufen am 18. Juli 2017.

Betreiber Das Bussystem wird von der öffentlichen Firma Empresa de Transporte Tercer Milenio S.A. geplant und betrieben. Die Busse selbst werden von einer Reihe privaten Unternehmen gefahren. Die Linien wurden weltweit ausgeschrieben, getrennt nach troncal und alimentadores.

Zehn Firmen sind Betreiber der troncales:

SI99 S.A. Express del Futuro S.A. Ciudad Móvil S.A. Metrobús S. A. Transmasivo S.A. SI02 S.A. Connexión Móvil S.A. Gmóvil, S.A.S Coobus S.A.A Consorcio Express S.A.S.

Des Weiteren betreiben neun Firmen die alimentadores:

Alnorte Fase II Alcapital Fase II SI 03 Citimóvil ETMA S.A TAO S.A. Gmóvil, S.A.S Coobus S.A.S Consorcio Express S.A.S.

Betriebszeiten Der TransMilenio fährt Montag bis Samstag von 05:00 bis 23:00 Uhr, am Sonntag und an Feiertagen von 06:00 bis 22:00 Uhr. Einzelne Linien weisen deutlich kürzere Betriebszeiten auf. Die Zubringer beginnen den Dienst von Montag bis Samstag eine halbe Stunde früher und fahren bis Mitternacht.

Linien

mini|300px|Plan des TransMilenio-Systems 2013 Bis Ende April 2006 konnten die Fahrgäste zwischen vier Arten von Buslinien entscheiden:

Normal (corriente): Hält an jeder Haltestelle Express (expreso, expreso dominical): Hält nicht an allen Haltestellen Super-Express (super expreso): Wurde 2005 eingeführt und fährt entweder nur in eine Richtung (asimétrico) oder wiederum in beide Richtungen (simétrico). Dieser Linientyp überspringt viele Haltestellen und wird zurzeit nur zu Stoßzeiten eingerichtet. Zubringerlinien (alimentador intermunicipal): Fahren von den Endhaltestellen in Orte in der Umgebung

Buslinie Strecken Frequenz Normal 25px|Corriente 1 25px|Corriente 2 25px|Corriente 3 25px|Corriente 4 25px|Corriente 5 Durchschnittlich alle drei Minuten Express 25px|Expreso 10 25px|Expreso 20 25px|Expreso 30 25px|Expreso 40 25px|Expreso 50 25px|Expreso 60 25px|Expreso 70 25px|Expreso 80 25px|Expreso 90 25px|Expreso 100 25px|Expreso 120 25px|Expreso 130 25px|Expreso 140 25px|Expreso 150 25px|Expreso 160 25px|Expreso 170 Durchschnittlich alle zwei Minuten Super-Express 25px|Súper Expreso 200 25px|Super Expreso 201 25px|Súper Expreso 300 25px|Súper Expreso 301 25px|Súper Expreso 400 Durchschnittlich alle zwei Minuten Expreso Dominical 25px|Expreso Dominical 15 25px|Expreso Dominical 25 25px|Expreso Dominical 35 25px|Expreso Dominical 45 Durchschnittlich alle drei oder vier Minuten Zubringerlinien Durchschnittlich alle fünf Minuten

mini|Brücke des Portal de Las AméricasIm Rahmen der zweiten Ausbauphase wurden zum 29. April 2006 Linienführung und -benennung geändert, um das Umsteigen zwischen den unterschiedlichen Linien zu erleichtern. Dazu wurden neun verschiedene Routen anhand ihrer Endstationen mit unterschiedlichen Buchstaben gekennzeichnet:

25px|Troncal Caracas Troncal Caracas zwischen Calle 76 und Tercer Milenio: 14 Haltestellen 25px|Autonorte Autopista Norte zwischen Portal del Norte und Héroes: 15 Haltestellen 25px|Suba Suba zwischen Portal de Suba und San Martín: 14 Haltestellen 25px|Calle 80 Calle 80 zwischen Portal de la 80 und Polo: 14 Haltestellen 25px|NQS Central NQS Central zwischen La Castellana und Ricaurte: 11 Haltestellen 25px|Américas Américas zwischen Portal de Las Américas und De La Sabana: 17 Haltestellen 25px|NQS Sur NQS Sur zwischen Comuneros und Portal del Sur: 12 Haltestellen 25px|Caracas Sur Caracas Sur zwischen Hospital, Portal de Usme und Portal del Tunal: 16 Haltestellen 25px|Eje Ambiental Eje Ambiental zwischen Museo del Oro und Las Aguas: 2 Haltestellen.

Zusätzlich werden die Buslinien weiterhin nach Corrientes, Expresos und Alimentadores Intermunicipales unterschieden. Die Super Expresos sind durch die Reform weggefallen.

Die TransMilenio-Busse verkehren folgendermaßen: