mini|rechts|Evangelische Stadtkirche Schramberg, erweitert 1896–98, in 2021 Die evangelische Stadtkirche Schramberg ist eine 1874 erbaute Buntsandsteinkirche in Schramberg, Kreis Rottweil im Mittleren Schwarzwald. Sie ist das Zentrum der evangelischen Kirchengemeinde in Schramberg, die zum Kirchenbezirk Rottweil der Evangelischen Landeskirche in Württemberg gehört.
Geschichte mini|rechts|Evangelische Stadtkirche Schramberg, eingeweiht 1874 Im 19. Jahrhundert zogen nach und nach mehr Protestanten in das mehrheitlich katholische Schramberg. Diese wurden zunächst von der evangelischen Kirchengemeinde im nahen Schönbronn mit betreut. Am 14. Dezember 1851, dem dritten Advent, fand der erste evangelische Gottesdienst im umgebauten Grünerschen Gartensal auf dem Bocksberg durch den Schönbronner Pfarrverweser Julius Ferdinand Christoph Schüz im Beisein von Dekan Dr. Karl Gottlieb Hegelmajer aus Sulz und Oberamtmann Johannes von Dettinger aus Oberndorf statt. Durch Königliche Entschließung vom 25. Januar 1866 wurde die Trennung vom Verband mit Schönbronn vollzogen und die vorerst durch einen Pfarrverweser zu versehende Pfarrei Schramberg neu errichtet. Erster Schramberger Pfarrverweser war ab 1. August 1866 Matthäus Mann, dem am 26. Januar 1869 Carl Gustav Gunsser folgte. Erst mit dem Konsistorial-Erlass vom 13. Mai 1868 wurde der Umfang des evangelischen Stadtpfarrbezirks Schramberg geregelt, der zunächst aus 26 Parzellen bestand. Das Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg von 1866 mit der Angabe der 26 Parzellen, nannte für dieses Jahr 158 evangelische und insgesamt 3204 Einwohner. Durch Königliches Dekret vom 23. Januar 1888 wurde die Schramberger Stadtpfarrverweserei zur definitiven Stadtpfarrei. Erster Stadtpfarrer war Theodor Traub.Schneeweiss, Helmut (Hrsg.): Evangelische Kirchengemeinde Schramberg. 1850-1960. Der Weg der Diasporagemeinde Schramberg. Martin-Luther-Haus Schramberg. Schramberg 1960. Graphische Werkstätten Gatzer & Hahn Schramberg, 1960. Mit Texten von Gerhard Riecke, Max Schlenker, Julius Schmidt, Helmut Schneeweiss, Hartmut Teuffel.
Die Stadtkirche wurde von 1872 bis 1874 erbaut und war geostet. Grundsteinlegung war am Montag, den 8. Juli 1872, am 18. Juni 1873 wurde der Dachstuhl aufgerichtet. Der Plan für die Kirche mit 350 Sitzplätzen stammte vom Königlichen Bezirksbauinspektor Gottlob Herzog (1821 – 1911) von Rottweil, Bauführer war Bippus von Sigmarswangen. Eingeweiht wurde die neuerbaute evangelische Kirche am Freitag, den 9. Januar 1874 im Beisein von Prälat Georg Heinrich von Merz, Generalsuperintendenten von Reutlingen, Königlich evangelisches Konsistorium Stuttgart, und Dekan Ulrich Finckh von Sulz, Kirchenbezirk Sulz am Neckar. Die Festpredigt hielt Stadtpfarrverweser Eduard Ruß.Evangelisches Kirchen- und Schulblatt für Württemberg. No. 3, Jg. 35, Stuttgart, 21.01.1874, S. 27. Der Gesamtaufwand einschließlich Glocken und Orgel belief sich auf 26.000 fl. Nachdem die Kirche für die Gemeinde zu klein geworden war, wurde sie von 1896 bis 1898 durch den württembergischen Kirchenarchitekten Heinrich Dolmetsch um das heutige Hauptschiff, das quer zur ursprünglichen Kirche steht, und den großen Turm erweitert.
Ausstattung
Chorfenster Der Glasmaler Gustav van Treeck entwarf 1897/1898 das Ostfenster im Chor, ein fünfteiliges, spitzbogig schließendes Maßwerkfenster, das die Bergpredigt zum Thema hat. Christus ist predigend mit ausgebreiteten Armen dargestellt, umringt von einer Menschenmenge, die teils in antikisierenden Gewändern und teils in zeitgenössischer Tracht gezeigt wird. Die Frauen und Mädchen im Vordergrund tragen bäuerliche Kleidung mit langen Röcken und Schürzen, ein Mädchen am rechten Bildrand trägt den aus dem Schwarzwald bekannten „Bollenhut“. 2014 wurden die Glasmalereien restauriert und mit einer Schutzverglasung versehen.
Orgel
Die erste Orgel der Kirche war eine Kegelladenorgel mit mechanischer Traktur und 8 Registern, die von Heinrich Conrad Branmann (1840 – 1882) aus Ulm erbaut wurde und ein Jahr nach der Kircheneinweihung am 7. April 1875 durch Orgelrevident Adolf Kaim aus Biberach in Dienst genommen wurde. Sie kostete 1220 fl. Nachdem diese Orgel nach der Kirchenerweiterung 1896 für den neuen Raum zu klein geworden war, wurde sie durch Vermittlung von Kirchenarchitekt Heinrich Dolmetsch 1897 von der evangelischen Johanniskirche Göggingen übernommen und befindet sich dort heute noch in Benutzung. Sie wurde 1898 durch einen Neubau der Orgelbaufirma E. F. Walcker (Opus 809) mit 15 Registern ersetzt.
Am 13. Dezember 2009 wurde eine neue Orgel eingeweiht. Das Instrument wurde von der Orgelbaufirma Heintz (Schiltach) erbaut und besitzt 22 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.
Die Disposition lautet:
I Hauptwerk C–g3 1. Principal 8′ 2. Rohrflöte 8′ 3. Salicional 8′ 4. Biffara (ab f0) 8′ 5. Octave 4′ 6. Traversflöte 4′ 7. Nazard ′ 8. Superoktave 2′ 9. Mixtur IV ′ 10. Trompete 8′ Zimbelstern II Rückpositiv C–g3 11. Bourdon 8′ 12. Praestant 4′ 13. Flute douce 4′ 14. Quinte ′ 15. Terz ′ 16. Waldflöte 2′ 17. Mixtur III 1′ 18. Dulcian 8′ Tremulant Pedal C–f1 19. Subbass 16′ 20. Oktavbass 8′ 21. Gedecktbass 8′ 22. Fagott 16′ Koppeln: II/I, I/P, II/P; II/I als Suboktavkoppel.
Geläut mini|rechts|Blick auf den Hauptturm der Stadtkirche Schramberg Die ursprüngliche Kirche hatte drei kleine Glocken im heutigen kleinen Glockenturm. Dabei handelt es sich um Stahlglocken des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation von 1873 mit den Schlagtönen e2, g2, h2.Jonas, Michael: Zur Geschichte der Glocken der Evangelischen Kirche in Schramberg. In: Sie kosteten ursprünglich 206 Thaler sowie Läutezubehör 72 Thaler.Jonas, Michael: Zur Geschichte der Glocken der Evangelischen Kirche in Schramberg. In: Wallraff, Martin: Predigt zur Glockenweihe in der Evangelischen Stadtkirche Schramberg am Fest Peter und Paul 2016 (MT 16,13-19). In:
Als 1898 der große Kirchturm gebaut wurde, erhielt er drei große Glocken, die Christusglocke, Lutherglocke und Taufglocke. Die große und mittlere Glocke fielen im Juni und Juli 1917 als Metallspenden dem Ersten Weltkrieg zum Opfer. Im Jahr 1921 wurden zwei neue Glocken gestiftet, die Friedensglocke und die Kriegsglocke, die 1942 im Zweiten Weltkrieg wieder als Metallspenden abgenommen und vernichtet wurden.
1949 wurde die evangelische Kirche im Nachbarort Lauterbach gebaut. Der neuen Kirche wurden die drei Stahlglocken des kleinen Turms geschenkt.
1952 wurde durch die Glockengießerei Kurtz drei neue Glocken für den Hauptturm gegossen, die am 21. Dezember 1952, dem 4. Advent, als nun schon drittes Geläut eingeweiht wurden. Die Glockenzier wurde von Helmuth Uhrig gestaltet.
Durch eine zweckgebundene Stiftung wurde 2016 das bisherige Geläut um vier weitere Glocken erweitert. Der Glockensachverständige der Landeskirche empfahl, weil die vorhandenen mächtigen Glocken aus dem Jahr 1952 im Hauptturm groß und tiefer gestimmt sind, vier kleinere und hell klingende Glocken anzuschaffen. Sie wurden Petrus-, Paulus-, Luther und Jubiläumsglocke genannt, da 2017 das Jahr des Reformationsjubiläums war. Die Größte der neuen Glocken hängt im Hauptturm, die drei kleineren im kleinen Turm. Die Glockenzier gestaltete der Künstler Daniel Roth. Das volle Geläut war erstmals zum Erntedankfest im Oktober 2016 zu hören. NameGussjahrGlockengießerSchlagtonGewichtDurchmesserInschriftChristusglocke1952Kurtzd11.593 kg 138 cmDas ist mein Gebot, daß ihr euch untereinander liebet, gleichwie ich euch liebe. Bildnis: Christus-MonogrammEvangeliumsglockef1953 kg116 cmIch schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben. Bildnis: Christus-MonogrammTaufglocke g1664 kg103 cmLasset die Kindlein zu mir kommen. Bildnis: Christus-MonogrammJubiläumsglocke2016Rinckerb1500 kg92 cm1517 – 2017 Zum Jubiläum der Reformation. O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!
Bildnis: Landkarte des Zweistromlandes, die in Flammen (des göttlichen Geistes) aufgeht.Petrusglocked2270 kg73 cmDu bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Bildnis: Stilisierter Dornbusch als Ort der Gottesoffenbarung; Aloe und Myrrhe als biblische HeilpflanzenPaulusglockef2174 kg64 cmIch lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Bildnis: Horn des nubischen Steinbocks (als Tier der Berge), Schatulle als Raum geschützten LebensLutherglockeg2136 kg58 cmIch werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen. Bildnis: Erd- oder Eisscholle als gefährdete Grundlage menschlicher Aufbauten
Weblinks
Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Schramberg Informationen zur Orgel auf OrganIndex
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Schramberg Kategorie:Kirchengebäude in Schramberg Schramberg Schramberg, Stadtkirche Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Heinrich Dolmetsch Kategorie:Geläut