mini|hochkant=1.6|Beilngries vom Schloss Hirschberg
Beilngries [] ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Eichstätt. Sie ist die flächenmäßig zweitgrößte Kommune im Landkreis und nach Einwohnern die drittgrößte. Die Gemeindeteile Beilngries, Biberbach und Hirschberg sind staatlich anerkannte Erholungsorte.
Geographie Lage Die Stadt liegt in der Altmühl-Jura-Region. Die Altmühl fließt am Südrand der Stadt entlang, die Sulz fließt durch die Stadt und der Main-Donau-Kanal verläuft nördlich der Stadt.
Es ist die nördlichste Gemeinde des Regierungsbezirks Oberbayern. Ihre Gemarkung grenzt an die Landkreise Roth im Regierungsbezirk Mittelfranken und Neumarkt im Regierungsbezirk Oberpfalz.
Gemeindegliederung Es gibt 24 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Amtmannsdorf, Arnbuch, Aschbuch, Beilngries, Biberbach, Eglofsdorf, Grampersdorf, Hirschberg, Irfersdorf, Kevenhüll, Köttingwörth, Litterzhofen, Neuzell, Paulushofen, Wiesenhofen und Wolfsbuch.
Nachbargemeinden
Geschichte Eines der hallstattzeitlichen Gräberfelder von Beilngries wurde beim Bau des Main-Donau-Kanals zerstört.
Im Jahr 1007 wurde der Ort als „Bilingriez“ erstmals urkundlich erwähnt, als König Heinrich II. den Ort an das Bistum Bamberg schenkte.Die Urkunden der Deutschen Könige und Kaiser, Bd. 3, Die Urkunden Heinrichs II. und Arduins, H. Bresslau u. a., Hannover 1900--1903, Nr. 159, S. 189, 1. Nov. 1007, Frankfurt. Nicht eindeutig belegbar wurde Beilngries, wahrscheinlich um 1016, dann dem Bistum Eichstätt übereignet.Erich von Guttenberg, Regesten d. Bischöfe und des Domkapitels von Bamberg (1963), Nr. 131, S. 62f., [1016 Oktober 11--17], Frankfurt. Die Kirche von Beilngries wurde 1138 bei der Einweihung von Plankstetten dem Benediktinerkloster unterstellt.Philipp Jedelhauser, Die Regesten der Grafen von Hirschberg (-Ottenburg, -Grögling, -Dollnstein), Kempten 2024, Nr. 36, S. 31f., 1. Nov. 1138, Plankstetten. Der zum Bistum Eichstätt gehörende Ort erhielt auf Veranlassung des Bischofs Gebhard I. und späteren Papstes Viktor II. 1053 von König Heinrich III. Markt- und Zollrecht.H. Bresslau, Paul F. Kehr, Die Urkunden der Deutschen Könige und Kaiser, Bd. 5, Die Urkunden König Heinrichs III., Berlin 1931, Nr. 306, S. 415f., 6. Juni 1053, Goslar. Um 1300 wurde der Bau der Kirche St. Walburga vollendet, die Stadt erhielt im Spätmittelalter eine Befestigung mit Mauer und Graben, die im Bauernkrieg die Zerstörung der Stadt verhinderten.
Während der Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt wurden mindestens zwei Frauen aus Beilngries als vermeintliche Hexen angeklagt und 1623 bzw. 1625 zum Tode verurteilt.
Im Jahre 1633 ergab sich die Stadt kampflos den Truppen Bernhards von Weimar. Im Jahre 1802 dankte der letzte Eichstätter Fürstbischof ab und Beilngries wurde von bayerischen Truppen besetzt. Unter bayerischer Verwaltung wurde Beilngries Sitz eines Landgerichts, aus dem nach 1862 das Bezirksamt, 1939 der Landkreis Beilngries hervorging.
Der 1835 bis 1846 erbaute Ludwig-Donau-Main-Kanal führte durch Beilngries, und es gab dort eine Ladestelle (Anlände) für den Güterumschlag. Diese diente hauptsächlich für den Holz- und Viehhandel. 1950 wurde der Ludwigskanal wieder aufgelassen. Die Lände und die dortigen Bauten sind ebenso wie die Schleuse 22 als Baudenkmale erhalten geblieben, liegen heute jedoch trocken.
Verbunden mit der Geschichte der Stadt sind auch die dort lebenden Familien. Keine der gegenwärtigen Familien kann ihr Bestehen in Beilngries im Mannesstamm über die Schwelle des Jahres 1600 zurückführen. Aus der Güterbeschreibung von 1644 haben sich nur noch die Namen Walthierer und Schattenhofer erhalten, sieht man von häufigeren Namen wie bspw. Müller oder Schneider ab. Die Familie der Walthierer darf man als die älteste in Beilngries bezeichnen. Sie ist mit Lienhard Walthierer 1561 in Pfraundorf nachzuweisen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Amtmannsdorf, Aschbuch, Eglofsdorf, Hirschberg, Kevenhüll, Litterzhofen, Oberndorf, Paulushofen und Wiesenhofen eingemeindet. Irfersdorf und Wolfsbuch kamen am 1. Juli 1972 hinzu. Biberbach, Grampersdorf und Kottingwörth folgten am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 7152 auf 9768 um 2616 Einwohner bzw. um 36,6 %.
Politik
mini|Rathaus Beilngries
Stadtrat Der Stadtrat setzt sich aus 20 Mitgliedern zusammen.
Bei der Kommunalwahl am 8. März 2026 ergab sich folgende Sitzverteilung: {| cellpadding="2" cellspacing="0" |- style="background:#EEEEEE" align="center" ! Liste: || style="width: 5em" | CSU || style="width: 5em" | BL/FW* || style="width: 5em" | SPD || style="width: 5em" | Bündnis 90/Die Grünen || Gesamt |- align="center" | Sitze: || 11 || 10 || 2 || 1 ||24 Sitze |} * Bürgerliste / Freie Wähler
Bürgermeister ab Mai 2020: Helmut Schloderer (Bürgerliste-Parteiloser Block/Freie Wähler) 2014–2020: Alexander Anetsberger (CSU); ab Mai 2020 Landrat des Landkreises Eichstätt 2008–2014: Brigitte Frauenknecht (Freie Wähler) 1994–2008: Franz Xaver Uhl (CSU), dieser war von 2008 bis zu seinem Tod (2011) Landrat des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen. 1978–1994: Willy Muschaweck (CSU) 1966–1978: Max Walthierer (parteilos), Träger des Ehrenrings der Stadt Beilngries mini|Urkunde der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Beilngries an Bürgermeister a. D. Max Walthierer vom 22. Juni 1978
Wappen Wappenbeschreibung Bis 2006: 40px|Altes Wappen von Beilngries Gespalten von Blau und Silber. Vorne und hinten je ein aufrechtes, abgewandtes Beil in verwechselten Farben.
Seit 2007: 40px|Neues Wappen von Beilngries In Rot zwei schräg gekreuzte und abgewendete silberne Beile mit schwarzem Stiel, dahinter ein senkrechter, wachsender goldener Bischofsstab.
Wappenannahme Das Wappen wurde der Stadt durch Entschließung des Bayerischen Ministeriums des Königlichen Hauses und des Äußeren vom 18. März 1819 verliehen. Vorher führte Beilngries ein Wappen mit zwei schräggekreuzten Beilen, dahinter ein senkrechter Bischofsstab. Der älteste Abdruck dieses Stadtsiegels stammt vom Jahre 1406. Die Benutzung eines eigenen Siegels ist allerdings schon 1378 bezeugt. Im Jahre 2007 wurde aus Marketinggründen wieder das ursprüngliche Wappen eingeführt:
Wappenbegründung Das Stadtwappen ist ein redendes Wappen, weil die Beile im Wappen auf den ersten Wortbestandteil von Beilngries anspielen. In Wirklichkeit dürfte allerdings „Bilingriez“, das 1007 in Zusammenhang mit der Güterausstattung des neu geschaffenen Bistums Bamberg erstmals erwähnt wurde, von Gries (= sandiges Schwemmgeröll) des Bilo herzuleiten sein. Durch Tausch gelangte Beilngries wohl 1016 an die Bischöfe von Eichstätt, die schon 1053 von Kaiser Heinrich III. Markt- und Zollrechte erwirkten. Der Bischofsstab im ursprünglichen Wappen erinnerte an die fürstbischöfliche Herrschaft, nach deren Ende (1803) er 1819 im Stadtwappen weggelassen wurde. Nach der Auflösung des Landkreises Beilngries und die Eingliederung der Stadt in den Landkreis Eichstätt im Rahmen der Gebietsreform in Bayern 1972 wurde der Bischofsstab mit der Neueinführung des ursprünglichen Wappens 2007 wieder im Wappen ergänzt.Altmühlnet
Städtepartnerschaften StädtepartnerschaftenStadt Beilngries – Städtepartnerschaften bestehen mit Biberbach (Niederösterreich) seit dem 6. September 1980, Garda (Venetien) seit dem 28. November 2003, Mayrhofen (Tirol) und Burgeis (Südtirol) seit 2008.
Eine weitere partnerschaftliche Beziehung gibt es zum Grafengeschlecht der Khevenhüller in Österreich. Seit dem 18. Juni 1994 ist Beilngries Partner des Naturparks Sierra de María-Los Vélez in Spanien.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-Aktiengesellschaft hat ihren Sitz in der Stadt.
In Beilngries gibt es einen Flugplatz und am Main-Donau-Kanal einen Yachthafen.
Eisenbahn Von 1888 bis 1987 war Beilngries im Personenverkehr auf der Bahnstrecke Neumarkt–Beilngries (–Dietfurt bis 1967) erreichbar. 1929 bis 1957 bestand über die normalspurige Bahnstrecke Eichstätt–Beilngries ein Anschluss durch das Tal der Altmühl bis nach Kinding in Richtung Eichstätt. Bis 1988 bestand noch der im Güterverkehr bediente eigene Bahnhof. Im Juli 2020 wurde die Bahnstrecke im Positionspapier des VDV als zu reaktivierende Bahnstrecke neu aufgenommen. Außerdem wurde ein Streckenneubau und Anschluss an die Bahnstrecke Nürnberg-Ingolstadt angedeutet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kirche St. Walburga mini|hochkant|Kaiserbeckhaus mini|Gasthaus mit Treppengiebel und Kalkplattendach mini|Gasthaus mit Fachwerkgiebel mini|Kanaldenkmal am Main-Donau-Kanal
In Beilngries befindet sich die neubarocke katholische Stadtpfarrkirche St. Walburga, die nach Abriss der Vorgängerkirche in den Jahren 1912 bis 1913 nach Plänen des Münchener Architekten Wilhelm Spannagel neu erbaut wurde.Gedenktafel in der Kirche. Laut dieser Tafel wurde die Kirche am 13. August 1913 konsekriert. Der nördliche Turm ist mittelalterlich und wurde im 16. Jahrhundert erhöht. Die beiden 50 Meter hohen Türme sind mit buntglasierten Ziegeln gedeckt. In den Seitenwänden befinden sich große Radfenster. Die Vorhalle verfügt über Arkaden. In der Kirche steht eine Bittner-Orgel von 1913.
Die Frauenkirche wurde im Jahr 1683 errichtet. 1753 wurde sie durch einen Neubau von Mauritio Pedetti erheblich vergrößert.
Die ehemalige Franziskaner-Klosterkirche St. Trinitas wurde von 1725 bis 1736 erbaut. Im Hof des Franziskanerklosters befindet sich der Eingang des Spielzeugmuseums Beilngries.
Die gotische katholische Gottesackerkirche St. Lucia (Bühlkirche) war ursprünglich eine von 1469 bis 1576 erbaute Pfarrkirche, die im Jahr 1740 barockisiert wurde. Seit 1995 ist sie wieder mit einem neugotischen Hauptaltar ausgestattet.
Die katholische Kapelle St. Johann befindet sich auf dem Friedhof der Stadt. Sie wurde 1496 erbaut und birgt ein Gedächtnisbuch für die Gefallenen und Vermissten der Stadt.
Die Herrgottswieskapelle in der Kelheimer Straße ist mit einem neuen Passionsbild Heiland an der Geißelsäule und einem Spruchband auf Blechtafeln aus dem 18. Jahrhundert ausgestattet. Einst war diese Kirche eine Station der barocken Beilngrieser Karfreitagsprozession. Eine Original-Plastik von Jesus an der Geißelsäule steht jetzt in der Frauenkirche.
Am Sportgelände der Stadt steht die Kapelle Seefigur von etwa 1700, die ein neues Maria-Himmelfahrt-Bild besitzt.
Von der Wehranlage ist eine Ringmauer um den Ort aus dem Mittelalter erhalten. Außerdem bestehen noch zwei viereckige Türme und ein runder Turm.
Mehrere Häuser an der Hauptstraße haben sehenswerte Fassaden und Treppengiebel, beispielsweise das Kaiserbeckhaus. Neben Häusern mit den typischen flach geneigten Kalkplattendächern des Altmühl-Jurahauses finden sich im Zentrum auch Gebäude mit steileren Dächern und Fachwerkhäuser, wie sie häufig in Franken vorkommen.
Das Beilngrieser Rathaus wurde in den Jahren 1740 bis 1742 nach Plänen von Gabriel de Gabrieli erbaut.
An der Schiffsanlegestelle am Main-Donau-Kanal befindet sich das Kanaldenkmal, das 2002 zum 10-jährigen Jubiläum des Durchstichs errichtet wurde.
Der Flugplatz Beilngries beherbergt auch einige historische Flugzeuge.
Sehenswürdigkeiten in den Gemeindeteilen mini|Wehrtürme von Schloss Hirschberg mini|Mittelalterliche Fresken in der St. Vituskapelle
Schloss Hirschberg oberhalb der Stadt, das im 20. Jahrhundert zum Bistumshaus umgestaltet wurde. In Kottingwörth ein Zyklus mittelalterlicher Wandmalereien in der Kapelle der Kirche St. Vitus. Dargestellt sind unter anderem das Jüngste Gericht sowie verschiedene Heiligenlegenden. In Kevenhüll die Pfarrkirche St. Ulrich
Baudenkmäler
Vereine und Sport