mini|Häuser der Siedlung in der Wittelsbacherallee mit Straßenbahn-Strecke in der Mitte der Allee

Die Siedlung Bornheimer Hang ist eine Wohnsiedlung in Frankfurt-Bornheim oberhalb des Bornheimer Hangs. Sie wurde in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre im Rahmen des Wohnungsbauprojektes Neues Frankfurt durch den Architekten und Stadtplaner Ernst May geplant. Bauträger war die Aktienbaugesellschaft für kleine Wohnungen. Umliegende Wohngebäude wurden unter anderem von der Nassauischen Heimstätte errichtet.

Beschreibung und Geschichte mini|Ladenzeile am Ernst-May-Platz in Häusern der Siedlung an der Wendeschleife der Straßenbahn, Zustand 2009 mini|Wohngebäudeensemble von 1925/26 mit Spitzgiebeldächern der Nassauischen Heimstätte an der Ecke Löwengasse/Florstädter Straße, Zustand Januar 2021 vor einer Modernisierung

Der Frankfurter Baustadtrat Ernst May plante zusammen mit Herbert Boehm in der Zeit von 1925 bis 1930 am Bornheimer Hang diese große Wohnsiedlung. Diese wurde in vier Bauabschnitten zwischen 1926 und 1930 gebaut. Anders als die zu einer ähnlichen Zeit konzipierten Wohnsiedlungen wie der Siedlung Römerstadt, die ab 1927 entstand, handelte es sich um eine Erweiterung bestehender Bebauung, nicht um eine räumlich getrennt davon errichtete Trabantenstadt. Diese besondere Situation berücksichtigte Ernst May in seiner Planung, wie in der Gesamtraumplanung mit den zentralen Straßenachsen und in der Bauweise bestimmter Gebäude. In der Florstädter Straße und der Pestalozzistraße sowie am Pestalozziplatz entstanden zur besseren optischen Anpassung an die zeitnah entstandenen umliegenden Bebauung anderer Bauträger für Ernst May untypische Häuser mit Spitzgiebel-Dächern, im Gegensatz zu den sonst üblichen Flachdächern. Diese Häuser weisen senkrechte Fensterstreifen der Treppenhaus-Fenster auf. Nur einige Häuser in der Florstädter Straße haben bis heute die ursprüngliche Form der Treppenhaus-Fensterstreifen bis fast auf den Boden bewahrt. Bei den anderen Häusern wurden im Laufe der Jahrzehnte die Haus- und Hoftüren erneuert und damit die Fensterbänder über den Türrahmen gekappt. Der Bau wurde durch die Verwendung industriell vorgefertigter Teile beschleunigt, sodass in vier Jahren 1234 Wohnungen fertiggestellt werden konnten. Die Gebäude mit Flachdächern besitzen funktional optimierte Grundrisse und einen hohen Freiraumbezug mit einer aufgelockerten Zeilenbauweise und Dachterrassen. Neben Wohnblocks wurden in der Siedlung auch einige Reihenhäuser errichtet. Insgesamt umfasst die Siedlung etwa 1540 Wohnungen (2- und 3-Zimmer-Wohnungen von 55 bis 65 m², ausgestattet mit Frankfurter Küche und Zentralradio). Neben der Siedlung Bornheimer Hang war östlich davon im Riederwald die Rotenbuschsiedlung geplant, die nicht zur Ausführung kam. Das am Ende der Wittelsbacherallee geplante Gemeinschaftshaus wurde ebenfalls nicht verwirklicht, sodass der Platz für den Bau einer Kirche zur Verfügung stand. Die Fläche unter den in zwei Reihen stehenden Platanen in der Wittelsbacherallee diente lange Zeit als Marktplatz. Ein von Carl-Hermann Rudloff geplantes Hallen-Schwimmbad am Pestalozziplatz wurde nicht gebaut. Später wurde der für das Pestalozzibad vorgesehene Platz für einen Kindergarten und heute für eine Kindertagesstätte genutzt.

Bei der Planung der Wohnsiedlung wurde die spezifische topographische Struktur des Geländes berücksichtigt. Im Osten geht das bebaute Gebiet bis zum Abhang zum Riederbruch. Ursprünglich war von der Wohnsiedlung der Blick in das zu der damaligen Zeit unbebaute Land möglich. Umgekehrt fiel der Blick von unterhalb des Hangs auf die bebaute Silhouette oberhalb des Hangs. Beides wurde von Ernst May und seinen Mitarbeitern bei der Planung der Architektur der Wohnsiedlung integriert. Die Heilig-Kreuz-Kirche war ein bewusst auf Fernwirkung konzipierter Teil der Bebauung. Der Bornheimer Hang selbst war als Freifläche zur Erholung und Nutzung für Kleingärten zur Selbstversorgung der Bewohner vorgesehen.

Unüblich für Häuser der May-Siedlungen sind die durchgängigen Fensterbänder an den Häusern der Wittelsbacherallee. Den Bewohnern der Siedlung wurden Gärten am Bornheimer Hang zur Pacht angeboten.Helen Barr, Ulrike May, Rahel Welsen: Das Neue Frankfurt – Spaziergänge durch die Siedlungen Ernst Mays und die Architektur seiner Zeit. B3 Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-938783-20-7 Die Häuser in der Ketteler Allee zwischen Löwengasse und Buchwaldstraße sind mit Dachgärten ausgestattet, die von den Bewohnern genutzt werden können, deren Wohnungen keine Balkone haben. Die Parkanlagen am Bornheimer Hang wurden von dem Frankfurter Gartenbaudirektor Max Bromme und seinem Mitarbeiter Ulrich Wolf gestaltet.

Bei den Luftangriffen auf Frankfurt am Main im Zweiten Weltkrieg wurden verschiedene Gebäude wie die Heilig-Kreuz-Kirche beschädigt oder zerstört, wie zum Beispiel das Wohnhaus Florstädter Straße 20, das 1949/1950 in veränderter Form als Doppelhaus wieder aufgebaut wurde (siehe Gedenktafel in der Galerie).

1995 wurde im Zentrum der Siedlung ein Platz an der Einmündung der Inheidener Straße in die Wittelsbacherallee nach Ernst May benannt. Die dortige Endhaltestelle der Linie 14 der Frankfurter Straßenbahn wurde durch den Betreiber Stadtwerke Frankfurt von Inheidener Straße nach Ernst-May-Platz umbenannt.

Die 2004 vorgesehene Übergabe eines Ladengeschäfts in der Siedlung als Geschäftsstelle an die Ernst-May-Gesellschaft blieb aus.Artikel. In: FAZ, 30. September 2004

Architektur weiterer Gebäude mini|„Hangkrone“ Heilig-Kreuz-Kirche und Häuser der Siedlung von der Wittelsbacherallee aus gesehen, 2009 mini|Die die vier Evangelisten symbolisierenden Figuren von Arnold Hensler an der Südseite des Turmgebäudes der Heilig-Kreuz-Kirche, 2011

Heilig-Kreuz-Kirche

Zu der Siedlung gehört auch die Heilig-Kreuz-Kirche des Kirchenbaumeisters Martin Weber, die 1929 am östlichen Ende der Wittelsbacherallee in Stahlskelettbauweise mit einem flachen Satteldach und Außenschmuck von Arnold Hensler fertiggestellt wurde. Wie auch bei anderen im Rahmen des Neuen Frankfurt entstehenden Bauprojekten nahm die Stadt Frankfurt über die Vergabe des Bauplatzes und des Genehmigungsverfahren gestalterischen Einfluss. Ernst May war auch Teil des Preisgerichtes des Architekturwettbewerbs. Martin Weber nahm für seinen Entwurf die klare Formensprache von den umgebenden Wohngebäuden Ernst Mays auf, der seinerseits Webers Kirchenbauprojekt mit großen Interesse verfolgte. Die Kirche bezeichnete der Architekt Weber als „Hangkrone“, da sie von unterhalb des Hangs gesehen den Hang „krönt“. Der Standort der Kirche wurde so gewählt, dass sie für den Betrachter, der die Wittelsbacherallee in Richtung Bornheimer Hang befährt, direkt in der Mitte des Blickfelds liegt. Durch den Knick, den die Wittelsbacherallee in Höhe der Straßenbahn-Wendeschleife macht, schaut der Betrachter auf die südwestliche Ecke des Kirchturms und die große Freitreppe. An der südlichen Außenwand des Turmes enden die den Glockenstuhl tragenden Balken in vier geflügelten Tierfiguren mit den Köpfen von Mensch, Löwe, Stier und Adler, die die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes symbolisieren. Am 20. August 2025 wurde bekanntgegeben, dass das in ihr angesiedelte Meditationszentrum des Bistums Limburg nach über 18 Jahren zum 4. Advent, dem 20. Dezember 2025, geschlossen wird und die Gründung eines Fachzentrums Spiritualität angekündigt. Die weitere Nutzung der Heilig-Kreuz-Kirche stand zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Unter anderem war auch ein Verkauf der Kirche im Gespräch.

Jugendhaus Zu der Siedlung gehört auch ein städtisches Jugendhaus, das sich an der Ecke Ortenberger Straße/Löwengasse gegenüber dem ehemaligen Pfarrhof der Heilig-Kreuz-Kirche befindet und ab 2010 saniert wurde.

Ladenzeile An der Wendeschleife und Einsteige-Haltestelle der Straßenbahn am Ernst-May-Platz befindet sich eine Ladenzeile, die auch heute noch dem ursprünglichen Zweck dient und sich im originalgetreuen Aussehen präsentiert. Die originales Fenster wurden 2009 jedoch durch ähnlich aussehende Fenster mit Isolierglas ersetzt.

Charles-Hallgarten-Schule

Die Charles-Hallgarten-Schule unterhalb des Bornheimer Hangs sollte sich wie auch die Heilig-Kreuz-Kirche im Zentrum der Siedlung befinden. Dadurch, dass die Rotenbuschsiedlung unterhalb des Hangs nicht gebaut wurde, befindet sie sich heute in einer Randlage. Sie ist eine Förderschule (Sonderschule für Lernhilfe), wurde von Ernst May entworfen und steht heute unter Denkmalschutz. Das Gebäude wurde als sogenannte Freiflächenschule im Dreieck zwischen den Stadtteilen Bornheim, Seckbach und Riederwald angelegt; es liegt auf einem großzügigen mit Bäumen bestandenen Grundstücks mitten in einer Reihe von Kleingärten unterhalb des Sportcenter Bornheim der Turngemeinde Bornheim.

Bekannte ehemalige Bewohner Mickey Bohnacker (1928–2017), legendärer Fotojournalist, Frankfurter Original Gerd Knebel (1953–2026), Musiker, Comedian und Schauspieler

Denkmalschutz Die Siedlung Bornheimer Hang wurde 1986 als Gesamtanlage mit der Heilig-Kreuz-Kirche unter Denkmalschutz gestellt. Die Gesamtanlage umfasst die Florstädter Straße 1-23, Inheidener Straße 2-44, 19-31, Karl-Albert-Straße 1-47, 2-48, Karl-Flesch-Straße 1-29, Kettelerallee 25-43, 51-75, Ortenberger Straße 1-57, 42-58, Pestalozzistraße 2-30, Saalburgallee 21-23, 25-37, Wittelsbacherallee 140-190, 157-179,195-201,203-205. abgerufen am: 25. Juli 2026. Die Kirche wurde außerdem als eigenständiges Kulturdenkmal abgerufen am: 25. Juli 2026. aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen im Zuge der Erstellung der Denkmaltopographie der Stadt Frankfurt am Main durch den Stadtkonservator der Stadt in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.

Würdigung in Veranstaltungen World Design Capital Im Mai und Juni 2026 war die Heilig-Kreuz-Kirche Startpunkt einer Reihe von acht Theater-Spaziergängen unter dem Titel Built To Break - Architektur für Alle durch die Siedlung Bornheimer Hang im Rahmen des Programms World Design Capital 2026 der World Design Organization für Frankfurt und der Metropolregion Rhein-Main, durchgeführt von der Performancegruppe Boys* in Sync.

100 Jahre Neues Frankfurt 2025 begann im Rahmen der Veranstaltungsreihe 100 Jahre Neues Frankfurt der Stadt Frankfurt am Main eine Serie von Veranstaltungen von 2025 bis 2030, die an das erste Lampionfest in Siedlungen des Neuen Frankfurt am 4. Juli 1931 erinnern sollen. Die Veranstaltungsreihe der Lampionfeste steht in der Verantwortung des Deutschen Architekturmuseums (DAM).

Am 5. September 2026 fand das insgesamt dritte als eines der beiden Lampionfeste des Jahres 2026 in der Siedlung Bornheimer Hang rund um die Heilig-Kreuz-Kirche ebenfalls im Rahmen von World Design Capital 2026 der World Design Organization (WDO) statt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Programms am 21. August 2026 war dem Veranstalter noch nicht bekannt, ob die Kirche als Veranstaltungsort zur Verfügung stehen würde, deswegen wurden zusätzliche Programminformationen auf einer Webseite ergänzt. Eine Woche vor dem Fest wurde bekannt, dass die Kirche im Rahmen des Lampionfestes nicht zugänglich sein würde. Inspiriert von den Lampionfesten der 1930er Jahre sind bei allen modernen Lampionfesten die Straßen, Plätze und Gärten der Siedlung in einem neuen Licht zu sehen. Ziel ist es ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen um die Geschichte, Gestaltung und die heutige Lebenswelt des Siedlungsprojektes aus dieser Zeit zu präsentieren. Bis 2030 sollen jeweils zwei weitere Lampionfeste in anderen Siedlungen des Neuen Frankfurt stattfinden.