miniatur|Entwicklung der Nominal- und Reallöhne in DeutschlandStatistisches Bundesamt: Verdienste und Arbeitskosten - Reallohnindex und Nominallohnindex, Erläuterungen Seite 3, Daten Seite 5, PDF miniatur|Änderung der Nominal- und Reallöhne in Deutschland
Der Nominallohn ist in der Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft als nominale Größe der in Geldeinheiten gemessene Arbeitslohn eines Arbeitnehmers ohne Berücksichtigung der realen Kaufkraft. Pendant ist der Reallohn – eine reale Größe.
Allgemeines Mit „Lohn“ sind sämtliche Arbeitseinkommen gemeint. Diese sind die in Geld bewerteten Arbeitsentgelte eines Arbeitnehmers, ohne dass die Kaufkraft berücksichtigt wird.Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Management, 2013, S. 255 Der Nominallohn lässt keine Aussagen über die Kaufkraft des Geldes (Geldwert) zu, weil die Veränderungen des Preisniveaus in Form von Inflation oder Deflation nicht berücksichtigt werden.Bundeszentrale für politische Bildung, Stichwort: Nominallohn
Nominallohn kann das Brutto- oder Nettoeinkommen sein, wobei das Bruttoeinkommen für statistische Erhebungen transparenter ist. Es handelt sich um einen Nominalwert, bei dem weder Inflation noch Deflation berücksichtigt werden. Während der Nominallohn auf der Mikroebene der Mikroökonomie angesiedelt ist, gehört das Nominaleinkommen zur Makroebene der Volkswirtschaftslehre. Der aggregierte Nominallohn ist der durchschnittliche Betrag, den ein durchschnittlicher Arbeitnehmer am Ende eines Monats auf sein Konto überwiesen bekommt.Oliver Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, München, 2006, S. 189; ISBN 3-827372097
Nominallöhne in den Theorien
Ähnlich wie auf den Gütermärkten die Marktpreise im Regelfall von Güterangebot und Güternachfrage abhängig sind, werden auch die Arbeitsentgelte auf dem Arbeitsmarkt durch Arbeitsangebot (Arbeitnehmer) und Arbeitsnachfrage (Arbeitgeber) bestimmt.Hans Schönefeld, Beitrag zu Grundsatzfragen der Leistungsentlohnung vorzugsweise bei mechanisierter und teilweise automatisierter Fertigung, 1965, S. 14 Neben Angebot und Nachfrage ist der Arbeitslohn auch von der Verhandlungsmacht der Arbeitgeber und Gewerkschaften sowie von der Entwicklung der Lebenshaltungskosten abhängig. Die Grenze des Nominallohnes (und damit auch des Reallohnes) „nach unten“ ist das Existenzminimum des Arbeitnehmers, „das nicht unterschritten werden darf, wenn nicht der Produktionsfaktor Arbeit … geschädigt werden soll und damit die gesamte Volkswirtschaft“.Günther Klöber, Die ökonomische Bedeutung der Prämienlohnsysteme, 1933, S. 6
Mit dem Nominallohn haben sich sämtliche Lohntheorien befasst. Bereits François Quesnay erkannte 1760, dass die Nominallöhne steigen würden, wenn die Getreide- und Lebensmittelpreise steigen, so dass die Landwirte ihre Arbeitsnachfrage erhöhen würden.François Quesnay, Allgemeine Grundsätze der wirtschaftlichen Regierung eines ackerbautreibenden Reiches, 1760/1921, S. 60 ff. David Ricardo unternahm 1817 ersichtlich als erster die Unterscheidung zwischen Nominal- und Reallohn. Nominallohn war für ihn „die Anzahl von Pfund Sterling, die dem Arbeiter im Jahr gezahlt wird“; Reallohn ist „die Zahl der Arbeitstage, die erreicht wird, um diese Pfunde zu produzieren“.David Ricardo, On the Principles of Political Economy and Taxation, 1817, S. 152
John Maynard Keynes ging 1936 davon aus, dass das Arbeitsangebot der Privathaushalte der Geldillusion unterliege und das Arbeitsangebot bei steigendem Nominallohn zunimmt und sich bei Inflation nicht oder nur mit Time-Lag verzögere.Michael Hohlstein, Lexikon der Volkswirtschaft, 2009, S. 280 Die Geldillusion sei die Ursache für einen unendlich elastischen Verlauf der Arbeitsangebotskurve, weil die Arbeiter einen gegebenen Nominallohn als Reallohn interpretieren würden.Gerhard Graf, Beschäftigungstheore, in: Willi Albers (Hrsg.), Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft, Band 1, 1977, S. 529 Außerdem sei der Nominallohn „nach unten“ wegen vereinbarter Tarifverträge starr, so dass er selbst bei Arbeitslosigkeit nicht sinke. Damit weist die gesamtwirtschaftliche Angebotskurve eine Steigung auf, bis die Kapazitätsgrenze erreicht ist.
Paul A. Samuelson und Robert M. Solow unterstellten 1960 eine feste Beziehung zwischen der Veränderung des Nominallohns und des Preisniveaus, wodurch sie die ursprüngliche Form der Phillips-Kurve (1958) in die heutige modifizierten.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre, 2009, S. 341 1960 ersetzten Samuelson/Solow die Variable „Anstieg der Nominallöhne“ durch die Inflationsrate. Da die Lohnkosten in der Regel der wichtigste Bestandteil der Herstellungskosten sind, gingen beide davon aus, dass ein Anstieg der Arbeitskosten zu einem Anstieg des Preisniveaus führe.Reimut Zohlnhöfer/Kathrin Dümig, Politik und Wirtschaft, 2011, S. 25 Die Grundlagen der Lohn-Preis-Spirale waren hierdurch geschaffen. Der modifizierten Form käme eine ausschlaggebende Bedeutung zu, wenn sie sowohl annähernd exakt quantifizierbar als auch im Zeitablauf nachweislich stabil wäre. Der Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenquote hat sich jedoch empirisch erwiesen. Arbeitslosigkeit entsteht nach der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie dadurch, dass Nominal- oder Reallohn bei gegebenem Preisniveau gegenüber dem Gleichgewichtsreallohn zu hoch sind.Dirk Piekenbrock, Gabler Kompakt-Lexikon Volkswirtschaftslehre, 2009, S. 281
Systematisierung Eine Theorie zur Erklärung und Quantifizierung des Zusammenhangs zwischen Lohnhöhe und Beschäftigung liefert Wolfgang Franz, der neue Erkenntnisse über diesen Sachverhalt auf mikro- und makroökonomischen Ebene untersucht hat.Wolfgang Franz/Knut Gerlach/Olaf Hübler, Löhne und Beschäftigung: Was wissen wir mehr als vor 25 Jahren?, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 4/2003, S. 399–410 (PDF; 66 kB) In den 1970er und 1980er Jahren bemühten sich die Ökonomen speziell darum, eine Vielzahl von Verhaltensgleichungen für makroökonomische Großprojekte zu definieren. Diese Anstrengungen erwiesen sich ex post aufgrund von Ungleichgewichten als übertrieben. Heute werden makroökonomische Großmodelle eher vernachlässigt, da es einerseits schwerfällt, die Modellannahmen auf eine Volkswirtschaft zu übertragen, und andererseits können Quantifizierungsprobleme bei einigen Merkmalen auftreten. Zunehmend untersucht werden daher die Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Beschäftigung im internationalen Kontext. Die Lohnpolitik muss ihre Verantwortung nun zunehmend auf die internationale Integration der Arbeits-, Finanz- und Gütermärkte und den beschleunigten technischen Fortschritt, verursacht durch die Einführung sich rasant ausbreitender Informations- und Kommunikationstechnologien und einer weltweiten Arbeitsteilung, ausrichten.
Im Rahmen einer Systematisierung wird zwischen dem Brutto- und Netto-Nominallohn unterschieden. Ein nominaler Bruttolohn (Lohn einschließlich Steuern und Sozialabgaben) stellt das zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbarte Arbeitsentgelt dar. Der Netto-Nominallohn (umgangssprachlich Nominallohn) ist der nach Abzug von Steuern sowie von Beiträgen zur Sozialversicherung und zur privaten Vorsorge verbleibende Betrag, den der Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt bekommt. Wirtschaftssubjekte, die den Zusammenhang zwischen Nominal- und Reallohn nicht erkennen, unterliegen der Geldillusion.
Eine Beispielrechnung anhand von Prozentsätzen im Wirtschaftsraum der Bundesrepublik Deutschland erläutert den Zusammenhang:Meinulf Kolb, Personalmanagement, Berliner Wissenschafts-Verlag, 2002, S. 262; ISBN 3-834909076 Da der Nominallohn allgemein das Entgelt für den Produktionsfaktor Arbeit ist, werden verschiedene Formen der Löhne unterschieden. So gibt es den Zeitlohn, der sich nach der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden bemisst, oder den sich an der hergestellten Menge orientierenden Akkordlohn. Es werden auch Begriffe wie der Prämienlohn bei Arbeitern und Angestellten, der Unternehmerlohn für unternehmerische, dispositive Tätigkeiten und der Investivlohn verwendet.
Die Methoden zur Bestimmung der Nominallöhne Die Höhe der Nominallöhne bestimmt sich zum überwiegenden Teil durch kollektive Lohnverhandlungen in Form von Tarifverhandlungen zwischen Arbeitnehmern (Gewerkschaften) und Arbeitgebern (Arbeitgeberverband) und zum Teil durch individuelle Lohnverhandlungen in Form von allgemeinen Erklärungen.Wolfgang Franz, Arbeitsmarktökonomik, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York, S. 275; ISBN 3-540003592
Bei der individuellen Bestimmung der Nominallöhne kann die Lohnhöhe auf der Vorgabe des Arbeitgebers oder des Arbeitnehmers oder auf gemeinsamen Verhandlungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber basieren.Oliver Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, München, 2006, S. 184 Die Vorgehensweise ist sehr variabel in Abhängigkeit von der historischen Episode, des Qualifikationsniveaus und der Länderspezifikationen. Es existiert jedoch eine allgemein gültige Theorie.Oliver Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, München, 2006, S. 185
Zum einen wird davon ausgegangen, dass der Nominallohn meist über dem Reservationslohn liegt, also dem Lohnsatz, der gerade indifferent ist zwischen den Alternativen Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit. Dieser ist umso höher, je mehr Güter und Dienstleistungen sich der Arbeitnehmer ohne Beschäftigungsverhältnis leisten kann. Zum anderen besagt der Grundsatz, dass die Lohnhöhe abhängig von der Lage am Arbeitsmarkt ist, das heißt je niedriger die Arbeitslosigkeit, desto höher sind die Löhne und umgekehrt.
Um die allgemeinen Beobachtungen zu erklären, existieren zwei Ansätze:Oliver Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, Pearson Studium, München, 2006, S. 185 f.
Der erste Ansatz ist auf der Seite der Arbeitnehmer zu finden, deren Lohnverhandlungen abhängig von deren Verhandlungsmacht sind. Diese bestimmt sich zum einen aus den Kosten, die dem Unternehmen entstünden, wenn der Arbeitnehmer das Unternehmen verlässt (Wechselkosten) und zum anderen aus der Ersetzbarkeit des Arbeitnehmers, also wie schwer es für den Arbeitnehmer ist, eine neue Arbeit zu finden. Je höher die Kosten sind, die dem Unternehmen entstünden, wenn der Arbeitnehmer das Unternehmen verlässt und je einfacher es für den Arbeitnehmer ist, eine neue Beschäftigung zu finden, umso höher seine Verhandlungsmacht. So hat beispielsweise eine gut ausgebildete Arbeitskraft, welche die Abläufe des Unternehmens gut kennt, eine höhere Verhandlungsmacht und kann höhere Lohnforderungen durchsetzen. Die Verhandlungsmacht bestimmt sich ebenfalls nach der Lage am Arbeitsmarkt. Bei einer geringen Arbeitslosigkeit ist es für die Unternehmen schwer, qualifizierte Arbeitskräfte in das Unternehmen zu bekommen, und gleichzeitig haben es die Arbeitnehmer leichter, eine alternative Beschäftigung zu finden und einzugehen. Die steigende Verhandlungsmacht wirkt sich auf die dementsprechend höheren Lohnforderungen aus.
Neben den Interessen der Arbeitnehmer, die Löhne aufgrund ihrer Verhandlungsposition anzuheben, haben die Arbeitgeber in einem zweiten Ansatz Interesse daran, die Löhne oberhalb des Reservationslohnes zu zahlen. Gründe für dieses Verhalten der Arbeitgeber sind vor allem die Arbeitsproduktivität und Arbeitsmotivation der Mitarbeiter mit der positiven Folge, dass sich eine Verringerung der Fluktuation einstellt und das Unternehmen für seine Arbeitnehmer attraktiver ist.
Ein Fazit zeigt, dass Nominallöhne nicht voll flexibel sind, da die Formen der Lohnverhandlungen zumindest die Lohnuntergrenze nahezu definieren.Wolfgang Franz, Arbeitsmarktökonomik, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg / New York, S. 275
Einflussgrößen der Nominallöhne