mini|hochkant=1.3|Einfahrt, Geschichtspark Si Thep mini|hochkant=1.3|Prang Si Thep Der Si Thep Historical Park (, Aussprache: []; englisch Si Thep Historical Park) umfasst die Ruinen und Grundmauern der Siedlung Si Thep (auch Sri Thep; Sanskrit: Śrī Deva, Thai: Mueang Si Thep) aus der Dvaravati- und Angkor-Zeit (5. bis 13. Jahrhundert) in der Nordregion von Thailand. Die Anlage wurde 2023 UNESCO-Weltkulturerbe.Bangkok Post (online): Two sites placed on Unesco 'tentative list'. Bericht vom 9. Juli 2019. Abgerufen am 4. Dezember 2019Si Thep Historical Park Declared World Heritage Site, Bangkok Post, 19. September 2023.

Lage und Beschreibung mini|hochkant=1.3|Parkplan, Geschichtspark Si Thep Der Geschichtspark Si Thep liegt im Tal des Mae Nam Pa Sak (Pa-Sak-Fluss) im Landkreis (Amphoe) Si Thep der Provinz Phetchabun, etwa 240 Kilometer nördlich von Bangkok.

Bei Ausgrabungen wurden Überreste einer historischen Siedlung freigelegt. Diese bestanden aus zwei verbundenen Anlagen auf einer Grundfläche von etwa 4,7 km². Der westliche Teil wurde als die „innere Stadt“ (Mueang Nai) bezeichnet. Sie liegt auf einer Grundfläche von etwa 2,08 km², ist fast Kreisförmig und hat einen Durchmesser von etwa 1,5 km. Die Stadt war von einer Mauer mit davor liegendem Wassergraben umgeben. Die Historiker vermuten, dass in der Stadt etwa 70 kleine Wasserbecken verteilt waren. In diesem Teil der Anlage stehen drei Bauwerke: der Prang Si Thep, der Prang Song Phi Nong und das Khao Klang Nai Monument, sowie etwa 45 kleinere archäologische Objekte.

An der östlichen Seite von Mueang Nai wurde auf einer Grundfläche von etwa 2,54 km² die „äußere Stadt“ (Mueang Nok) angebaut. Das Gelände hat eine rechteckige Form, mit an der Ostseite abgerundeten Ecken. Wieder wurde das Stadtgebiet mit Mauer und Wassergraben versehen. Etwa 30 kleine Wasserbecken und 54 archäologische Objekte wurden gefunden. In diesem Teil der Anlage sind keine Bauwerke erhalten geblieben. Durch Plünderungen und Wiederverwenden von Steinen für anderweitige Restaurierungen blieben nur noch Trümmer zurück.

Außerhalb des durch Mauern geschützten Stadtgebietes (dem heutigen Geschichtspark) werden noch etwa 50 archäologische Stätten unterhalten. Bemerkenswert ist das Khao-Khlang-Nok-Monument und der Prang Ruesi. Weit entfernt von diesen Anlagen liegt die Thamorat-Höhle.Parkdokumentation: Si Thep Historical Park Phetchabun Province, Thailand. The 4th Regional office of Fine Arts, Department of Fine Arts, Ministry of Culture (englisch)

Geschichte Die historische Stadt Si Thep wurde wahrscheinlich bereits im 5. Jahrhundert gegründet. Die vorherrschende Religion in dem Stadtstaat war den archäologischen Zeugnissen zufolge der Hinduismus. Es ist aber auch ein signifikanter buddhistischer Einfluss dokumentiert. Die in Si Thep gefundenen Skulpturen kommen indischen Vorbildern näher als die aller anderer Fundstätten aus dieser Zeit in Südostasien. Dieser Fakt hat zur Aufwerfung der These geführt, das Si Thep von indischen Kolonisten gegründet wurde.Stanislaw Czuma: Mon-Dvaravati Buddha. In: Bulletin of the Cleveland Museum of Art, September 1980, S. 235, zitiert nach Brown: The Dvāravatī Wheels of the Law. 1996, S. 33.

Das Gemeinwesen stand wahrscheinlich in engem Kontakt zu den Mon-Stadtstaaten der Dvaravati-Kultur im heutigen Zentralthailand wie auch zu Chenla, dessen Zentrum im heutigen Kambodscha lag, beziehungsweise dem späteren Reich der Khmer. Einer bislang unbewiesenen und von anderen Autoren bestrittenen Theorie der Historikerin Dhida Saraya ()Dhida Saraya: Si Thep khue Si Chanasa. [Si Thep war Sricanasa.] In: Muang Boran Journal Band 11, Nr. 1, 1985, S. 63–76. [Thai mit Abstract in Englisch]. Zitiert nach Nicolas Revire: Pierre Dupont’s „L’archéologie mône de Dvāravatī“ and Its English Translation by Joyanto K. Sen, In Relation with Continuing Research. In: Journal of the Siam Society, Band 99, 2011, S. 204.Dhida Saraya: (Sri) Dvaravati. The Initial Phase of Siam’s History. Muang Boran Publishing, Bangkok 1999. zufolge ist Si Thep identisch mit der Hauptstadt Cānāśapura des Staats Śri Canāśa, der in einer Inschrift in Mueang Sema erwähnt wird.Dougald J.W. O’Reilly: Early Civilizations of Southeast Asia. AltaMira Press, Lanham MD/Plymouth 2007, S. 82. Der auf Südostasien spezialisierte Kunsthistoriker Hiram Woodward schlägt dagegen vor, eine Verbindung zwischen Si Thep und dem in chinesischen Quellen beschriebenen Reich Wendan oder „Land-Zhenla“ zu ziehen.Woodward: Dvāravatī, Si Thep and Wendan. 2010.

Die Fundstücke aus Si Thep können grob in drei Phasen eingeteilt werden. Die erste Phase wird als die „indische“ bezeichnet, die Skulpturen aus dem 5. bis 7. Jahrhundert ähneln sehr ihren indischen Vorbildern und zeigen vorwiegend hinduistische Motive. Der britische Orientalist H.G. Quaritch Wales (1900–1981) vermutete, dass Si Thep in dieser Zeit zum Einflussbereich Funans gehörte. Es schließt sich eine Epoche vom 7. oder 8. bis 11. Jahrhundert an, in der die Kunst große Ähnlichkeit mit der Dvaravatis zeigt. Dieser Epoche werden die meisten buddhistischen Fundstücke zugeordnet, zur gleichen Zeit wurde aber auch weiterhin hinduistische Kunst geschaffen. Etwa im 11. Jahrhundert wurde Si Thep dem hinduistischen Khmer-Reich von Angkor einverleibt, in dem es bis zum 13. Jahrhundert als ein wichtiges Zentrum diente.Brown: The Dvāravatī Wheels of the Law. 1996, S. 34. Später wurde die Stadt aufgegeben und dem Dschungel überlassen.

Entdeckung und Forschungsgeschichte 1904 entdeckte der Amateurhistoriker Prinz Damrong Rajanubhab in den Aufzeichnungen von Ayutthaya und Rattanakosin Einträge über eine historische Stadt, die Si Thep benannt wurde. Seine Erkundigungen blieben erfolglos, niemand kannte diese Stadt. Durch seine Nachforschungen kam er zum Schluss, dass Si Thep zwischen Mueang Chai Badan und Mueang Phetchabun liegen müsste. So unternahm er 1905 eine offizielle Reise in den damaligen Monthon Phitsanulok. Schließlich fand er eine Ruinenstadt, die jedoch von den Dorfbewohnern Mueang Aphai Sali genannt wurde und viel älter schien als die, die Prinz Damrong zu finden hoffte. Gespräche mit Regierungsbeamten im nahen Wichian Buri bestätigten seine Vermutung. Er brachte in Erfahrung, dass Wichian Buri früher Si Thep benannt wurde. Er glaubte, dass die von ihm gesuchte Stadt an der Stelle von Wichian Buri lag. Archäologische Beweise fand er jedoch nicht. Der Prinz vernahm, dass in der Stadt als Wichian Buri noch als Si Thep benannt wurde, ein Gouverneur mit dem Titel Phra Si Thamorat amtierte. Der Name hatte eine Verbindung zum Berg Khao Tha Mo Rat der in der Nähe der Ruinen Stadt liegt. Der Prinz war sicher, dass die gefundene Ruinenstadt die gesuchte historische Stadt Si Thep war.

Nach der Wiederentdeckung im Jahre 1905 durch Prinz Damrong Rajanubhab wurden erst im Jahre 1935 durch H.G. Quaritch Wales großangelegte Grabungen durchgeführt. Er konnte den ovalen Grundriss der Stadt mit Stadtmauern und Wassergräben rekonstruieren. Mehrere Tore führten in die Stadt, die fünf Tempel mit Terrassen und Wasserbecken enthielt. Bei den Ausgrabungen wurden neben zahlreichen Skulpturen aus der Dvaravati-Zeit auch mehrere Standbilder der Hindu-Götter Vishnu, Krishna und Surya gefunden, die sich heute im Nationalmuseum Bangkok befinden. In einer Höhle im (Berg) Khao Tha Mo Rat wurden in die Wände gehauene Skulpturen gefunden.

Die Fundstätte Si Thep gibt Archäologen, Historikern und Kunsthistorikern zahlreiche Fragen und Rätsel auf. Diverse Theorien zu ihr werden teils kontrovers diskutiert.Revire: Pierre Dupont’s L’archéologie mône de Dvāravatī. 2011, S. 204. Fraglich ist unter anderem, warum eine anscheinend so wichtige Stadt so abgelegen von den Überresten anderer Siedlungen aus derselben Zeit liegt, zu welcher politischen Einheit sie gehörte, welcher Ethnie seine Bewohner angehörten und wie die Zeugnisse hinduistischer und buddhistischer Kunst zusammenpassen.Brown: The Dvāravatī Wheels of the Law. 1996, S. 33.

Eine trennscharfe Einteilung in buddhistischen Dvaravati-Stil und hinduistischen Khmer-Stil kann nicht getroffen werden. Die hinduistischen Darstellungen in Si Thep sind von einer Synthese von Khmer-, Dvaravati- und Srivijaya-Stil beeinflusst (obwohl Dvaravati und Srivijaya eigentlich buddhistisch waren). Andererseits gibt es auch Buddhastatuen, die diesem Stilmix folgen, der zunächst als typisch für die hinduistische Kunst Si Theps galt, und sogar Bodhisattva-Darstellungen, die überwiegend dem (eigentlich hinduistischen) Khmer-Stil folgen.Brown: The Dvāravatī Wheels of the Law. 1996, S. 35.

Sehenswürdigkeiten In der Mueang Nai:

Prang Si Thep mini|hochkant=1.3|Panorama von Prang Si Thep Der Prang Si Thep hat einen quadratischen Grundriss. Der Turm besteht aus Backsteinen und wurde auf einem etwa 1 Meter hohen Sockel aus Laterit erbaut. Er wurde mit einem lotusförmigen Oberteil aus Sandstein verziert, welches jedoch abgefallen ist. Auf der Westseite ist ein Eingang. Die Eingänge der anderen Seiten waren nur Attrappen. Der Turm war ursprünglich ein hinduistisches Heiligtum, welches zur Zeit von König Jayavarman VII. an den Mahayana-buddhistischen Kult angepasst wurde. Dies zeigt sich an der Dekoration zweier gefundenen Stürze. Weitere Spuren sind ein unvollendetes Antefix. Die Arbeiten wurden offensichtlich vor der Aufgabe der Stadt abgebrochen. Der Turm wurde um das 11. bis 12. Jahrhundert errichtet.Thailand Tourism Directory: Prang Sri Thep. Abgerufen am 4. Dezember 2019

Prang Song Phi Nong mini|hochkant=1.3|Panorama von Prang Song Phi Nong Der Prang Song Phi Nong besteht aus zwei Türmen. Einem großen und einem kleinen. Der Name in Thai bedeutet: Prang = Turm, Song = 2, Phi = großer Bruder oder große Schwester, Nong = kleiner Bruder oder kleine Schwester. Die Türme sind in der Khmer Epoche, im 12. Jahrhundert erstellt worden.

Beide Backsteintürme stehen auf demselben etwa 1 Meter hohen Podest aus Laterit. Der nach Westen ausgerichtete Turm Phi ist etwa 7 Meter hoch. Er besteht aus einem quadratischen Raum in dem einst eine heilige Figur stand. Die Wände weisen dreieckige Nischen auf, in die Kerzen oder religiöse Statuen gestellt wurden. Südlich des Turms Phi steht Turm Nong. Dieser Turm war bis auf die Grundmauern fast vollständig zerstört. Unter Verwendung vorhandener Baumaterialien und dem einzigen, unbeschädigt gefundenen Sturz, wurde durch das Department of Fine Arts of Thailand Turm Nong zur heutigen Form rekonstruiert.

Khao Klang Nai mini|hochkant=1.3|Panorama von Khao Khlang Nai Das Khao Klang Nai Monument ist nach Osten ausgerichtet. Es hat eine rechteckige Form, mit etwa folgenden Maßen: Länge 44,5 Meter, Breite 28,5 Meter. Höhe 12 Meter. Es besteht aus Laterit. Khao Klang Nai wird als buddhistische Stupa der Dvaravati-Epoche zugeordnet. Allfällige Strukturen oder Verzierungen an diesem Monument sind kaum mehr erkennbar. Lediglich auf der Westseite ist zu sehen, dass der Sockelbereich mit Mörtel überdeckt wurde. Hier sind noch diverse Stuckarbeiten vorhanden. Die dargestellten Affen, Löwen, Elefanten, Büffel und Ganas-Zwerge sind Karyatiden oder Atlanten die das Monument beschützen oder stützen sollen. Entsprechend ihrem Stil wird die Entstehungszeit auf das 6. oder 7. Jahrhundert gelegt.Tourism Thailand: Si Thep Historical Park (englisch). Abgerufen am 30. November 2019

Prähistorische Grabstätte mini|hochkant=1.3|Grab mit Frauenskelett