Heinrich Beta (eigentlich: Johann Heinrich Bettziech)Wilfried Eymer: Eymers Pseudonymen Lexikon. Realnamen und Pseudonyme in der deutschen Literatur. Kirschbaum Verlag, Bonn 1997, ISBN 3-7812-1399-4, S. 27. (* 28. März 1813 in Werben; † 31. März 1876 in Berlin) war ein deutscher Nationalökonom, Publizist und Atheist.
Leben Heinrich Beta war der Sohn von Christian Gottfried Bettziech und Marie Sabine Schröter. Der Vater war sorbischer Abstammung, der Name seiner Familie schrieb sich ursprünglich „Bettsciech“ oder „Budzitsch“.
Beta studierte von 1834 bis 1838 an der Universität Halle Philologie, Philosophie und Naturwissenschaften, wo ihn die philosophischen Ansichten Arnold Ruges beeinflussten. Er schrieb Beiträge in den von Ruge herausgegebenen Hallischen Jahrbüchern für Kunst und Wissenschaft, ein damals bekanntes Organ der „umstürzlerischen Gesellschafts- und Culturkritik“. In dieser Zeit war Beta Junghegelianer.
Nach seiner Promotion übersiedelte er 1838 nach Berlin und wurde Redakteur des literarisch-kritischen Teils von Friedrich Wilhelm Gubitz’ Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz. Im Jahr 1844 lernte er Julius Faucher und John Prince-Smith kennen, mit denen er 1846 den manchesterliberalen Berliner Freihandelsverein gründete. Unter dem Einfluss Feuerbachs und Ruges äußerte Beta 1845 den philosophischen Gedanken „Arbeit macht frei. […] Die Arbeit, der Fleiß, ist die nothwendige Bewegung alles Lebenden um seiner selbst willen, […] Bethätigung und Genuß der Freiheit, welche nur dadurch wirklich wird, dass sie sich jeder Freiheitsfähige täglich erwirke und erwerke.“Heinrich Bettzich: Geld und Geist. Versuch einer Sichtung und Erlösung der arbeitenden Volks-Kraft. A. W. Haydn, Berlin 1845, S. 57 f.
Heinrich Beta heiratete Franziska Thebesius (1817–1848), mit der er 1845 den Sohn Ottomar (1845–1913) hatte, der später als Autor antisemitischer Schriften bekannt wurde.
In den Erinnerungen eines FlüchtigenHeinrich Beta: Erinnerungen eines Flüchtigen [I. bis IV.]. In: Magazin für Literatur des Auslandes. Hrsg. von Joseph Lehmann. Berlin 1864; . berichtete er später: „Ja, ich kann mir hier öffentlich nachrühmen, daß ich vom König Friedrich Wilhelm IV. selbst der erste Märtyrer der Presse unter seiner Regierung genannt ward, und deren Geschichte – die der neuen Zeit – mit Confiscation meines ersten Buches anfing.“
Während der 1848er Revolution gab Beta Flugblätter heraus. Wegen des Verbotes des von ihm redigierten Berliner KrakehlersBerliner Krakehler. zlb.de soll ihm eine Verurteilung von „zwei bis neun Jahren“ Zuchthaus gedroht haben. Von Berlin emigrierte er nach eigenen Angaben ins dänische Lehmberg an der OstseeH. Beta: Erinnerungen eines Flüchtigen. I. In: Joseph Lehmann (Hrsg.): Magazin für Literatur des Auslandes, Berlin 1864, Nr. 25, S. 388. und 1849 nach London.
Im Londoner Exil hatte Beta 1850 mit Mathilde Rolf, die er 1852 oder 1853 heiratete, eine voreheliche Tochter namens Clara. Regelmäßige Beiträge aus London für Ernst Keils Gartenlaube und populärwissenschaftliche Zeitschriften sicherten seine Existenz und beeinflussten das Englandbild des deutschen Bürgertums. 1859 war er zusammen mit Gottfried Kinkel einer der Initiatoren des Londoner Schillerfestes. Beta zählte sich selbst zum bourgeoisen, antikommunistischenUm Gottfried Kinkel versammelten sich in London einige Gegner des Kommunistischen Manifests, die den darin von Marx und Engels heraufbeschworenen proletarischen Klassenkampf ablehnten. Londoner Freundeskreis Kinkels. Allerdings bezichtigte er Kinkel persönliche Intrigen gegen ihn zu initiieren, die ihn unter den deutschen Exilanten ins Zwielicht stellen sollten. Nach der allgemeinen Amnestie 1861 bei der Thronbesteigung Wilhelms I. von Preußen kehrte er zurück nach Deutschland und veröffentlichte Artikel in deutschen und ausländischen Zeitschriften. Sein Buch über Fischzucht fand die große Beachtung Alfred Brehms. Beta war in den letzten Lebensjahren an Gicht erkrankt und auf einen Rollstuhl angewiesen.
Dargestellt ist Beta auf einem Gruppenbild von Ludwig Löffler Berliner Schriftsteller auf einer Landpartie am Schlachtensee,In: Über Land und Meer, Band 15, 1866, S. 73 das ihn u. a. mit Fanny Lewald, Louise Mühlbach, Otto Roquette, Adolf Stahr, Julius Rodenberg und Theodor Fontane zeigt.Helmuth Nürnberger: Fontanes Welt. Siedler Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-88680-582-4, S. 217. Klaus-Peter Möller: Fern vom Wirbel der Großstadt in freier Natur ein Bruderfest. In: Fontane-Blätter, Potsdam, Heft 88, 2009, S. 20–48.
Beta – Freiligrath – Marx Beta verfasste einen Artikel über Freiligrath und startete zugleich einen persönlichen Angriff auf Marx.
Zitate
Werke (Auswahl) Werdelust des Hallischen Dichterbundes. Eduard Anton, Halle 1838 (darin Gedichte von Heinrich Bettziech) Heinrich Beta: Das Jubeljahr 1840 und seine Ahnen. Vergangenheit als Gegenwart. Berlin 1840 Heinrich Beta: Das Nibelungenlied als Volksbuch. In neuer Verdeutschung. Vereins-Buchhandlung, Berlin 1840; . Heinrich Bettzich (Beta): Geld und Geist. Versuch einer Sichtung und Erlösung der arbeitenden Volks-Kraft. A. W. Hayn, Berlin 1845; . Beta: Berlin und Potsdam. Ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. J. Poppel und M. Kurz, München 1846; . Faksimile-Ausgabe: Jürgen Schacht, Berlin 1977. Heinrich Beta: Beta’s Freihandels-Katechismus. A. Weinholz, Berlin 1847 Berlin’s Revolutions-Feier am 4. Juni 1848. Leopold Schlesinger, Berlin 1848 (Flugblatt) H. Beta: Sünden-Register der Preußischen Regierung seit der Revolution: Ehrlichkeit ist die beste Politik. Schlesinger, Berlin 1848 (Flugblatt). Beta: Herrn Schampelmeier’s humoristische Wallfahrten. Erste Fahrt. Schlesinger, Berlin (1848). H. Beta: Berlin an die Aufwiegler der Provinzen. Ein wahres Wort zur Scheidung zwischen Lüge und Wahrheit. Berlin ist an Allem Schuld! Der Bauer will zur Vernichtung Berlins beitragen. Hirschfeld, Berlin 1848 (Flugblatt) Beta: Die rothe Fahne wird über ganz Europa wehen! Eine Prophezeiung der neuen Preussischen Zeitung . Friedrich Gerhard, Berlin 1850; . Beta: Deutschlands Untergang und Aufgang durch Amerika. J. C. J. Raabé & Comp., Cassel 1851; hs-fulda.de Heinrich Bettziech-Beta: Benjamin Franklin. Sein Leben, Denken und Wirken. F. A. Brockhaus, Leipzig 1853 (Unterhaltende Belehrungen zur Förderung allgemeiner Bildung: Achtzehntes Bändchen) H. Bettziech-Beta: Der Kristallpalast zu Syndenham, seine Kunsthallen, sein Park und seine geologische Insel. J. J. Weber, Leipzig 1856 („Weber Illustrirte Reisebibliothek“) B.: Ferdinand Freiligrath. Lebensskizze mit Portrait. In: Die Gartenlaube, Heft 43, 1859, S. 618–620 H. Beta: Ein deutscher Freihandelsapostel. In: Die Gartenlaube, Heft 17, 1863, S. 266–270 H. Beta: Deutsche Früchte aus England. Erzählungen und Erlebnisse. 2 Bände. Grunow, Leipzig 1865 H. Beta: Aus dem Herzen der Welt. Erzählungen nach Erlebnissen. 2 Bände. Grunow, Leipzig 1866 H. Beta: Die Bewirthschaftung des Wassers und die Ernten daraus. Wintersche Verlagshandlung, Leipzig / Heidelberg 1868; H. Beta: Neue Werke und Winke für die Bewirthschaftung des Wassers (Hydronomie). Wintersche Verlagshandlung. Leipzig und Heidelberg 1870 Digitalisat H. Beta: Die Stadt-Gifte und deren Umwandlung in neue Geld- und Lebensquellen unter Leitung eines Deutschen Gesundheits-Parlamentes. Wilh. Logiers’ Buchhandlung, Berlin 1870, ubka.uni-karlsruhe.de Heinrich Beta: Das Neue Deutsche Reich auf dem Grunde Germanischer Natur und Geschichte. Wintersche Verlagshandlung. Leipzig und Heidelberg 1871 H. Beta: Die Geheimmittel- und Unsittlichkeits-Industrie in der Tagespresse. Lüderitz’sche Verlagsbuchh., Carl Habel, Berlin 1872 (Deutsche Zeit und Streitfragen I. Jahrgang Heft 11) H. Beta: Die Dichtkunst der Börse. Lüderitz’sche Verlagsbuchh., Carl Habel, Berlin 1873 (Deutsche Zeit und Streitfragen II Heft 32) H. Beta: Die Nixenhöhle. Erzählung aus dem Englischen Leben. F. Stamm’s Verlags-Expedition, Leitmeritz (1890) (Abend-Blätter. Lieferung 148–177)
Literatur
Eva A. Mayring: Heinrich Beta als Londonkorrespondent der „Gartenlaube“. In: Peter Alter (Hrsg.): Exilanten und andere Deutsche in Fontanes London. Stuttgart 1996, S. 327–339. Andreas W. Daum: Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert. Bürgerliche Kultur, naturwissenschaftliche Bildung und die deutsche Öffentlichkeit, 1848–1914. 2., erg. Auflage. Oldenbourg, München 2002. Beta, Johann Heinrich. In: Die deutschsprachige Presse: Ein biographisch-bibliographisches Handbuch. Walter de Gruyter, Berlin 2005, S. 86 f. Olaf Briese: Heinrich Bettziech / Beta (1813–1876). Berliner Journalist, Satiriker und Anarchist. Emigriert aufgrund philologischer Missverständnisse? In: Walter Schmidt (Hrsg.): Akteure eines Umbruchs. Männer und Frauen der Revolution von 1848/49. Band 4. Berlin 2009, S. 119–161.
Weblinks
Einzelnachweise
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