mini|400px|Karte der Siedlungsgebiete der Donauschwaben einschließlich des Sathmarerlands mini|400px|Komitat Sathmar 1782–85

Die Sathmarer Schwaben () sind eine deutschsprachige Minderheit, die vorwiegend im Nordwesten Rumäniens, im Kreis Satu Mare (Sathmar), angesiedelt ist. Die rumäniendeutsche Bevölkerung aus den Kreisen Bihor (vor allem in und um Oradea/Großwardein), Sălaj und Maramureș, Die Sathmarer Schwaben wird ebenso dieser Volksgruppe zugeordnet.

Drei sathmarschwäbische Dörfer (Mérk, Vállaj und Zajta) liegen in Ungarn,genealogienetz.de, Sathmarland, Karte ihre deutschsprachigen Bewohner zählen damit auch zu den Ungarndeutschen. Zusammen mit anderen deutschsprachigen Minderheiten zwischen Ostmitteleuropa und Südosteuropa gehören die Sathmarer Schwaben der übergeordneten Gruppe der Donauschwaben an.

Sathmarland Das Sathmarland liegt heute im Nordwesten Rumäniens. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gehörte das Sathmarland zu Österreich-Ungarn, fiel 1920 durch den Vertrag von Trianon an das Königreich Rumänien, gelangte 1940 durch den Wiener Schiedsspruch wieder an Ungarn und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneut Rumänien angeschlossen. Seinen Namen erhielt es von der an der Samosch (Someș), einem Nebenfluss der Theiß, liegenden Kreisstadt Sathmar. Zum Siedlungsgebiet der Sathmarer-Schwaben werden nicht nur die sich im heutigen Verwaltungskreis Sathmar befindenden schwäbischen Ortschaften gezählt, sondern auch Orte mit deutscher Bevölkerung, in den Kreisen Bihor, Salasch und der Maramuresch., abgerufen am 25. Januar 2014

Geschichte mini|Burgruine Erdeed Die Sathmarer Schwaben sind Nachfahren von den im 18. Jahrhundert hauptsächlich aus Oberschwaben ausgewanderten Bauern. In den Jahren 1712 bis 1815 warben Graf Alexander Károlyi und seine Nachfahren Kolonisten aus dem Königreich Württemberg an. Viele Auswanderer stammten aus den heutigen Landkreisen Ravensburg und Biberach.Landratsamt Ravensburg: vom 17. Oktober 2010, abgerufen am 20. Mai 2010

Vorgeschichte Die ersten deutschen Siedler kamen bereits gegen Ende des 11. Jahrhunderts ins Sathmarland. König Andreas II. stellte 1230 den deutschen „Gästen“ von Sathmar „dilectis et fidelibus nostris hospitibus Teutonicis de Zathmar Nemethi“ einen Freibrief ähnlich dem Goldenen Freibrief der Siebenbürger Sachsen aus. Damals entstanden entlang der Samisch von Zillenmarkt (Zalău) bis Burglos (Dej) eine Reihe von deutschen Siedlungen, deren Bewohner sich ähnlicher Rechte und Freiheiten wie die Siebenbürger Sachsen erfreuten. Ebenso sind in den Bergwerksstädten Frauenbach (Baia Mare) und Mittelstadt (Baia Sprie) deutsche Siedler bestätigt. Wie aus Prozessunterlagen des Großwardeiner Bistums aus dem Jahre 1215 zu erkennen ist, gab es deutsche Siedlungen auch um Großwardein (Oradea). Um Großwardein waren auch die Vorfahren Albrecht Dürers beheimatet. Aus der Familienchronik des bekannten Kupferstechers und Malers ist zu entnehmen, dass sein Vater aus einem „Geschlecht geboren“ „nit ferr von einem kleinen stättlein, genannt Jula (Gyula), acht meil wegs unter Wardein, auß ein Dörflein zu negst darbej gelegen, mit namen Eytas. ..“ Die deutschen Einwohner dieser mittelalterlichen Siedlungen gingen jedoch im Laufe der Zeit in der anderssprachigen Bevölkerung auf. Die heute im Sathmarland, in den Kreisen Maramuresch, Bihor und Salasch lebenden Deutschstämmigen sind demnach nicht die Nachkommen dieser mittelalterlichen Siedler. Ihre Vorfahren wurden erst im 18. Jahrhundert in diese Gegenden gerufen. Die mittelalterliche deutsche Siedlung Sathmar erlosch als Folge von Assimilierung oder Überfällen von Tataren und später Türkenkriegen. Die Burg Sathmar wurde 1565 durch Lazarus von Schwendi als Generalkapitän der kaiserlichen Truppen in Ungarn neu errichtet. Der Begründer der neuzeitlichen deutschen Siedlung Sathmar ist Graf Alexander Károlyi.Deutsche Siedlungsgebiete in Südosteuropa nach der Türkenzeit, abgerufen am 26. Januar 2014

Historischer Hintergrund mini|Originalurkunde des Friedens von Sathmar unterzeichnet am 1. Mai 1711

Nach dem Sieg des Prinzen Eugen von Savoyen in der Schlacht bei Zenta im Jahre 1697, der den Weg für den Frieden von Karlowitz (1699) bereitete, wurden die Grenzen zwischen dem Habsburgischen und dem Osmanischen Reich durch die Flüsse Theiß und Donau sowie Donau, Bosut und Save festgelegt.Kurt Diemer: Auswanderungen aus Oberschwaben im 18. Jahrhundert, abgerufen am 26. Januar 2014

Der Aufstand von Franz II. Rákóczi, der 1703 in Ungarn ausbrach und in dessen Verlauf die Kuruzzen nach Westungarn und in die Südsteiermark, ja sogar bis Wien vordrangen, fand 1711 mit dem Frieden von Sathmar sein Ende. Für die Aufständischen unterzeichnete ihn Rakoczis Stellvertreter Graf Alexander Károlyi, dessen Güter im ungarischen Komitat Sathmar verwüstet worden waren. Graf Alexander Károlyi und seine Nachfolger warben für die Wiederbesiedlung ihrer Güter Katholiken aus Oberschwaben an, vorwiegend aus den Landkreisen Biberach und Ravensburg. Auch nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahre 1714 besserte sich die wirtschaftliche Lage in Oberschwaben nur langsam. Auch wenn Oberschwaben zwischen 1707 und 1796 von unmittelbaren Kriegshandlungen verschont blieb: Missernten, Viehseuchen und die Kriege des 18. Jahrhunderts – der Polnische Thronfolgekrieg (1733–1735), die beiden Schlesischen Kriege (1740–1748) und der Siebenjährige Krieg (1756–1763) – belasteten die Bevölkerung immer wieder von neuem. Das Anerbenrecht in Oberschwaben, durch welches Höfe, Lehengüter und Selden ungeteilt an einen einzigen Erben weitergegeben wurden, sicherte zwar den Erhalt der landwirtschaftlichen Struktur mit einer großen Zahl mittel- und großbäuerlicher Höfe, hatte aber auch die Verarmung derer, die ausgesteuert wurden oder nur ein geringes Erbe erhielten, zur Folge. Schlechte Ernten und Viehseuchen, die zur Teuerung der Lebensmittel führten, taten den Rest.

Ansiedlung mini|Erzherzog-Wilhelm-Artilleriekaserne in Großwardein mini|hochkant|links|Graf Alexander Károlyi mini|Das Schloss der Károlyis in Großkarol mini|hochkant|Römisch-katholische Kirche in Oberwischau

Nach dem durch den Frieden von Sathmar 1711 beendeten ungarischen Kuruzzen-Aufstand (1703–11) begann 1712 eine planmäßige Ansiedlung deutscher Kolonisten aus Oberschwaben, jedoch nicht staatlich gelenkt, sondern durch die örtliche Magnaten-Dynastie der Károlyis., Die Sathmarer Schwaben, abgerufen am 25. Januar 2014 Graf Alexander Károlyi und seine Nachfahren riefen in den Jahren 1712–1815 Kolonisten aus dem damaligen Königreich Württemberg, hauptsächlich aus Oberschwaben ins Sathmarer Land, um das von Krieg, Naturkatastrophen und Epidemien entvölkerte Gebiet neu zu besiedeln., abgerufen am 25. Januar 2014

Bereits einige Jahre vor dem ersten Banater Schwabenzug begann Alexander Károlyi seine Siedlungsaktion im Sathmarer Land. 1712 berief er die ersten Siedler aus Württemberg. 330 Familien, etwa 1400 Personen, folgten seinem Ruf. Der schlechten Wohnungsverhältnisse und des Ausbleibens der zugesagten Hilfsmittel wegen verließen nahezu tausend Personen das Sathmarer Land kurz nach ihrer Ankunft wieder. Von den 1400 Kolonisten blieben nur 450 zurück; davon überlebten etwa 250. Bereits 1720 erklärten sich einige der Siedler bereit, für Karolyi in Württemberg Neuauswanderer zu werben. Von diesem Jahr an verlief die Ansiedlung im Sathmarland durch die Grafen Alexander, Franz, Anton und Joseph Károlyi erfolgreich. Größere Siedlergruppen kamen 1726 mit 181 Familien, 1737 mit 106, 1760 mit 58 und 1774 mit 83 Familien. Zwischen 1744 und 1751 gründete Baron Wesselenyi die alemannische Siedlung Kriegsdorf (Hodod), in die er aus Baden-Durlach und aus der Schweiz Familien evangelischer Konfession rief. In Batartsch (Bătarci) wurden hauptsächlich Zimmerleute und Waldarbeiter aus Budweis in Böhmen angesiedelt. Nach Glashütte (Poiana Codrului) kamen 1801 Glasbläser aus Österreich. In Palota und in Kreisch-Tarjan bei Großwardein wurden Schwaben und Pfälzer angesiedelt. Nach 1810, als die letzte schwäbische Gemeinde Terem gegründet wurde, ebbte die Kolonisation langsam ab. Eine Neukolonisation mit Siedlern aus Oberösterreich und Böhmen erfolgte erst wieder um 1910 in Großtarna und in Batartsch. Zwischen 1770 und 1780 warb der Ärar Bergarbeiter und Handwerker aus dem Salzkammergut, Oberösterreich und der Zips für die Salzbergwerke im Teresvatal an. Zwischen 1778 und 1790 zog ein Teil dieser Siedler, die aus Bad Ischl, Gmunden, Ebensee und Zips stammten, nach Oberwischau (Vișeu de Sus) und Pfefferfeld (Băile Borșa), wo sie als Holzarbeiter in den Staatswäldern und als Zimmerleute arbeiteten. Ihre Nachkommen, heute als Zipser bekannt, leben vor allem in Oberwischau, aber auch in Altwerk (Ocna Șugatag), Teutschau (Tjatschiw), Sighet (Sighetu Marmației) und Umgebung. Nach Frauenbach, Mittelstadt, Kapnik (Cavnic) und in andere Bergwerksorte der Maramuresch kamen zwischen 1773 und 1812 hauptsächlich aus Österreich und Bayern Förster, Bergwerker und Fachleute für das Bergwerkswesen. Bei diesen Ansiedlungen wurden teils neue Dörfer gegründet, teils rumänische und ungarische Ortschaften erweitert.

Die Siedler erhielten vertraglich Ackerboden, Wiesen und Wald unentgeltlich zur Nutzung, dazu Zugvieh, Getreide und Bauholz, und sie waren in den ersten Jahren von Steuern und Frondiensten befreit. Es wurde ihnen eine selbst gewählte Gemeindeführung gewährt. Nach Ablauf der Freizeit waren sie verpflichtet, fünf rheinische Gulden Grundsteuer zu zahlen, den Neunten oder Zehnten abzuführen, 15–16 Tage Frondienst zu leisten und die üblichen „Geschenke“ (Geflügel, Eier, Butter) an großen Feiertagen abzuliefern. Hatten die Siedler diese Pflichten erfüllt, so konnten sie das Gut verlassen. Die Sathmarer Schwaben waren folglich keine schollenpflichtige Leibeigene, sondern Erbuntertanen oder „Vertragsfronbauern“.

Revolution von 1848 Die Revolution von 1848 und die kaiserlichen Leibeigenschaftsaufhebungspatente der 1850er Jahre, die letzten Endes von der Revolution erzwungen worden waren, befreiten die Sathmarer Vertragsfronbauern von den feudalen Verpflichtungen und bewirkten einen großen ökonomischen Aufschwung sowie die Umstellung auf einen modernen Landwirtschaftsbetrieb.

Von der Zwischenkriegszeit zur Nachkriegszeit Der Vertrag von Trianon schlug das mehrheitlich von Ungarn bewohnte Sathmar und sein östliches Hinterland Rumänien zu. Ungarn forderte eine Revision und konnte dieses Ziel im Zweiten Wiener Schiedsspruch vom August 1940 erreichen. Das nationalsozialistische Deutschland hatte den beiden Staaten, beides Bündnispartner des Deutschen Reiches, in den Zusatzprotokollen zugesichert, dass die Sathmarer Volksdeutschen nicht in den Bevölkerungsaustausch einbezogen werden. Vielmehr dürften sie dafür optieren, "heim ins Reich" umzusiedeln, und zwar unter Mitnahme ihres ganzen Vermögens.Götz Aly: „Endlösung“. Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen Juden. S. Fischer Verlag, Frankfurt 1995, Kapitel IV.

Im Herbst 1944 wurde die Stadt durch sowjetische Truppen eingenommen und gehört seither wieder zum rumänischen Staatsgebiet. Im September/Oktober 1944 begaben sich mehr als 3000 Sathmarer Schwaben unter dem Schutz der zurückfliehenden deutschen Wehrmacht auf die Flucht. Sie ließen sich hauptsächlich in Süddeutschland, Österreich und den Vereinigten Staaten nieder. Die Mehrheit blieb jedoch in ihrer angestammten Heimat zurück.