Das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle (KKL) – kurz Liederhalle oder Stuttgarter Liederhalle – ist ein Kultur- und Konferenzzentrum am Berliner Platz in Stuttgart. Das Gebäude-Ensemble besteht aus einem Konzerthaus mit drei Sälen und einem Kongressgebäude mit zwei weiteren Sälen sowie 14 Konferenz- und Tagungsräumen.

Die Liederhalle im engeren Sinn ist die Neue Liederhalle, ein Konzerthaus, das 1956 von Rolf Gutbrod und Adolf Abel erbaut wurde und als einer der wichtigsten deutschen Kulturbauten der Nachkriegszeit gilt.Christian Holl: Liederhalle Stuttgart. Stadtwandel Verlag, 1. Auflage, Berlin 2007, ISBN 978-3-86711-019-8. Sie vereint Elemente der expressionistischen und organischen Architektur mit der Bildenden Kunst und steht zu einem Großteil seit 1987 unter Denkmalschutz.

Mit der Fertigstellung eines zusätzlichen Kongressgebäudes 1991 wurde die Liederhalle zum Kultur- und Kongresszentrum erweitert. Heute finden hier u. a. Kongresse, Tagungen, Versammlungen und Messen sowie Empfänge und Tanzveranstaltungen statt.

mini|hochkant=1.5|Der obere (westliche) Eingang des Konzertgebäudes, dahinter der Beethoven-Saal, rechts der Mozart-Saal mini|hochkant=1.5|Blick auf die Südseite des Beethoven-Saals (2005) mini|hochkant=1.5|Blick von Osten auf das Kongressgebäude (Bildmitte). Links dahinter Gebäude des Bosch-Areals. Vorne links ein Teil des Beethoven-Saals.

Lage Das Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle befindet sich im Stadtteil Universität des Stadtbezirks Stuttgart-Mitte, Berliner Platz 1–3. Das Konzertgebäude liegt in einem rechteckigen Areal zwischen der Straße „Berliner Platz“ im Westen und entgegen des Uhrzeigersinns der Schloss-, Büchsen- und Breitscheidstraße. Etwa die Hälfte dieser Fläche wird vom Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle eingenommen.Berliner Platz und Liederhalle bei Google Maps. Unmittelbar nördlich, mit etwa zwanzig Metern Abstand, steht das Kongressgebäude (siehe Lageplan).

Das Maritim-Hotel Stuttgart schließt direkt an der Nordseite des Kongressgebäudes an und ist über einen unterirdischen Gang zu erreichen. Westlich des Kongressgebäudes befindet sich das Bosch-Areal mit dem Literaturhaus, einem Kino, Bars, Bistros, Restaurants, Einkaufsläden und einer Disco. Das Staatstheater Stuttgart und die Internationale Bachakademie Stuttgart sind zu Fuß zu erreichen.

Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr besteht über mehrere Stadtbahnlinien, die die Haltestelle Berliner Platz (Liederhalle) bedienen. Der Flughafen Stuttgart ist fünfzehn Kilometer entfernt.

Geschichte Alte Liederhalle mini|Geplante Grundrisse in der Broschüre Die Errichtung einer Liederhalle in Stuttgart (1859) mini|Alte Liederhalle von 1864 Die ursprüngliche Liederhalle, heute „Alte Liederhalle“ genannt, wurde in den Jahren 1863/64 auf Initiative des bereits 1824 gegründeten Stuttgarter Liederkranzes als Gesellschaftshaus erbaut. Errichtet wurde sie von dem Architekten Christian Friedrich von Leins, der in Stuttgart zuvor schon die Villa Berg und den Königsbau gebaut hatte. Die Einweihung der Liederhalle fand am 11. Dezember 1864 statt.

In einem zweiten Bauabschnitt kam 1875 der große Festsaal dazu, errichtet erneut von Christian Friedrich von Leins.Sian Brehler: Neue Liederhalle im Stadtlexikon Stuttgart, Stadtarchiv Stuttgart, 19. April 2018. Konzipiert wurde der Saal als „Fachwerk-Massivhaus mit Galerien“, der bis zu 2500 Menschen auf dem 1320 Quadratmeter großen Raum aufnehmen konnte. Gerühmt wurde in der Presse die besondere Akustik des Saals. Um 1894/95 wurde in den Festsaal schließlich noch eine Konzertorgel von Friedrich Weigle mit 54 Registern eingebaut.

Zwischen den Jahren 1906 und 1910 wurde die Liederhalle umgebaut. Die Wirtschaftsräume und der Gesellschaftssaal wurden erweitert, der Eingangsbereich im Jugendstil modernisiert. Zwischenzeitlich war das Gebäude Tagungsort des Internationalen Sozialistenkongresses (1907). In den folgenden Jahrzehnten erreichte Stuttgart mit seiner Liederhalle den Glanz anderer großer Städte. So traten die Comedian Harmonists auf, die chilenische Sängerin Rosita Serrano, die österreichische Revuetänzerin und Sängerin La Jana, der zum „Polkakönig“ avancierte Akkordeonist Will Glahé, der Geiger und Kapellmeister Barnabás von Géczy. Die „Stuttgarter Bassstimme“ Wilhelm Strienz war ebenso zu erleben wie der italienische Operntenor Beniamino Gigli. Die Liederhalle umfasste zuletzt 14 Säle. Bei einem Bombenangriff in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1943 wurde sie zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab der Stuttgarter Liederkranz ein Konzert in den Ruinen und warb für die Errichtung einer neuen Liederhalle.Geschichte liederhalle-stuttgart.de

Vor dem Krieg befanden sich neben dem Konzerthaus Privathäuser und ein Schwimmbad. Die Grundstücke wurden zur Einheit „Berliner Platz“ zusammengelegt.

Neue Liederhalle 1954 erwarb die Stadt Stuttgart das Grundstück. Sie wollte den alten Widmungszweck erhalten und engagierte die Architekten Adolf Abel und Rolf Gutbrod für einen Neubau. In den Jahren 1955/56 wurde die „Neue Liederhalle“ gebaut, die am 29. Juli 1956 eingeweiht wurde. Im selben Jahr wurde beschlossen, dem Gelände den Namen Berliner Platz zu geben; gleichnamig verläuft westlich der Liederhalle ein Straßenabschnitt.

Die Neue Liederhalle beherbergt drei Säle, den Beethoven-, den Mozart- und den Silcher-Saal. Zum Neubau schrieb die Los Angeles Times: „Ein avantgardistisches Auditorium, das einer Weltstadt Ehre macht.“ Der Stuttgarter Dirigent Karl Münchinger sagte: „Kein Konzertsaal auf dem Kontinent hat so eine Akustik.“

Die Neue Liederhalle entwickelte sich zu einem der führenden Konzerthäuser in Deutschland und zum Zentrum des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens in der Stadt. Bedeutende Orchester, wie die Wiener Philharmoniker, die Berliner Philharmoniker, das Royal Symphonic Orchestra aus London oder die New York Philharmonics waren zu Gast. Auch Jazz-, Rock- und Popmusik wird regelmäßig in der Liederhalle gespielt. Als besonderen Höhepunkt erlebte die Stadt den Auftritt von Jimi Hendrix am 19. Januar 1969.Programm des Konzerts von Jimi Hendrix am 19. Januar 1969 auf hendrix.free.fr.

mini|zentriert|hochkant=5| mini|Kongressgebäude von 1991

Kongressgebäude Die seit den 1950er Jahren veränderten Ansprüche führten zu der Frage, ob ein Kongressgebäude dazu gebaut werden sollte, um zusätzliche Räume etwa für Vorträge und Podiumsdiskussionen anbieten zu können. 1978 stellte der Architekt Gutbrod dazu seine Überlegungen an, die ein ehemaliger Mitarbeiter, Wolfgang Henning (1927–1994), umsetzte. Eine Entwurfsskizze Hennings „Erweiterung der Liederhalle Stuttgart“ aus dem Jahr 1981 befindet sich in der Städtischen Galerie Neunkirchen.Entwurfskizze Hennings, abgebildet in: Schenkung Wolfgang Kermer: Bestandskatalog. Hrsg. von der Städtischen Galerie Neunkirchen, Neunkirchen 2011, ISBN 978-3-941715-07-3, S. 72.

Das vieleckige Kongresszentrum befindet sich nördlich der Neuen Liederhalle. Es wurde 1991 eröffnet. Seither spricht man bei dem Gesamtensemble vom Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle. Ebenfalls 1991 wurde das Logo entwickelt. Es besteht aus dem Namen „Kultur- & Kongresszentrum Liederhalle“ kombiniert mit den stilisierten Formen des Mozart-Saals und des Beethoven-Saals.Logo liederhalle-stuttgart.de.

21. Jahrhundert Im Juli 2006 wurde das Jubiläum „50 Jahre Konzerthaus Stuttgarter Liederhalle“ gefeiert. Höhepunkt war ein Festkonzert am 20. Juli 2006, zu dem rund 500 Ehrengäste eingeladen wurden. Anne-Sophie Mutter spielte mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter der Leitung von André Previn im Beethovensaal. Es folgte ein Tag der offenen Tür mit Architekturführungen und Familienprogramm.50 Jahre Konzerthaus Stuttgarter Liederhalle: Beschlussvorlage (PDF) Referat Kultur/Bildung und Sport der Landeshauptstadt Stuttgart, 3. Mai 2006.

Nach 27 Jahren Dauerbetrieb wurde der Kongressbereich 18 Monate lang saniert und im Dezember 2020 wiedereröffnet. Anschließend diente der „Hegel“-Bereich des Kongresszentrums als Zentrales Impfzentrum der Stadt Stuttgart. Das Klinikum Stuttgart nahm hier bis Ende Juli 2021 rund 520.000 COVID-19-Impfungen vor.

Säle Das Raumangebot der Neuen Liederhalle umfasst drei Säle: Beethoven-, Mozart- und Silcher-Saal. Im Kongressbau kommen der Hegel-Saal und der Schiller-Saal hinzu, ferner 14 Konferenz- und Tagungsräume. Die nachfolgenden Angaben zu Sitzplätzen beziehen sich auf die bei Konzerten übliche Reihenbestuhlung.Raumangebot liederhalle-stuttgart.de

Beethoven-Saal Im Beethoven-Saal (2089 Sitzplätze) steigt aus dem Parkett einseitig eine weit geschwungene Empore auf. Der Gesamtraum fügt sich zu einer dreidimensionalen Skulptur, die an einen Flügel erinnert. Hier wurde zum ersten Mal ein asymmetrisch konzipierter Konzertsaal realisiert. Eine konvexe Betonwand ist plastisch gegliedert, mit Goldlinien durchzogen und durch Holztafeln mit abstrakten Kompositionen versehen, ebenso wie die Betonbrüstung der Empore. Der übrige Raum ist mit Teakholz ausgekleidet. Die Deckenbeleuchtung folgt in großen, breiten Schwüngen dem Grundriss. Die Bühne ist in das Ganze eingebunden. Die Orgel, rechts von der Bühne lässt sich hinter Drehflügeln verschließen. In der Mitte des Parketts kann ein Springbrunnen freigelegt werden. Die Betonwand verteilt den Schall in den Saal, die Oberflächen wurden aufgrund der akustischen Wirksamkeit unterschiedlich behandelt.

Mozart-Saal Der Mozart-Saal (752 Sitzplätze) folgt einer asymmetrischen Gestaltung auf der Basis eines unregelmäßigen Fünfecks. Die Bühne liegt vor einer dieser fünf Raumecken und wird von hinten von Schallreflektoren begrenzt. Im Saal befinden sich aufsteigende Sitzreihen auf verschiedenförmigen Terrassen, mit akustisch wirksamen Rückwänden, einer prismenförmig wirkenden Verkleidung aus schrägen Flächen, die Wände aus Eichenholz. Die Decke ist mit Esche vertäfelt. Die gesamte Anordnung ist auf die Bühne konzentriert. Die Zuhörer werden zu Gruppen zusammengefasst, die einander leicht zugewandt sind.

Silcher-Saal Der Silcher-Saal (320 Sitzplätze) ist mit einem rechteckigen Grundriss nüchterner gestaltet. Besonders ist die Verglasung aus Glasbausteinen, die ihn als einzigen Saal mit Tageslicht versorgt. Die an der anderen Längsseite – gegenüber der Glasbausteinwand – eingestellte Holzwand verengt den akustischen Raum zum Podium hin.

Hegel-Saal Der Hegel-Saal (1869 Sitzplätze) wird von einer verdunkelbaren Tageslichtkuppel überdacht. Außerdem bietet er zwei getrennte Emporen und eine hydraulisch verstellbare Bühne. Er ist für Kongresse, Tagungen und Messen geeignet, aber auch für Konzerte und Tanzveranstaltungen.

Da das gesprochene Wort für optimale Nachhallzeiten andere Oberflächenmaterialien an Wänden und Decken benötigt als die Klänge von Musikinstrumenten, gingen die Akustiker beim Bau neue Wege: Der Saal hat einen Grundriss in Form eines unregelmäßigen Siebenecks. Keine Wand verläuft parallel zu der gegenüberliegenden, der Schall verbreitet sich diffus – ein Vorteil für das gesprochene Wort. Die Decke ist für den gewünschten Lichteinfall zeltartig konstruiert, was ein Nachteil für das Hörerlebnis von Musik wäre. Die Lösung: Glassegel teilen den 30 Meter hohen Saal in ein oberes und ein unteres Raumvolumen, das so allen akustischen Ansprüchen gerecht wird.

Schiller-Saal Der Schiller-Saal ist für 406 Sitzplätze ausgelegt.

Architektur der Neuen Liederhalle Anordnung Die Architektur ist dem Gelände angepasst, das an der südlichen Längsseite des Gebäudes acht Meter höher ist als an der nördlichen Längsseite. Westlich der Liederhalle liegt eine Grünanlage, unter der sich die Tiefgarage Liederhalle/Bosch-Areal befindet.