Ein Kriegerdenkmal oder Gefallenendenkmal erinnert an die im Krieg ums Leben gekommenen Soldaten einer Nation, einer Schlacht, eines bestimmten Wohnortes oder militärischen Truppenteils. Kriegerdenkmäler – manchmal auch Ehrenmale genannt – gehören in vielen Ländern zum Stadt- und Landschaftsbild. In Mitteleuropa sind besonders Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs verbreitet. Viele davon wurden um Gedenkinschriften zu den Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erweitert. Kriegerdenkmale sind zu unterscheiden von Siegesdenkmalen.
Entstehung der Kriegerdenkmäler
Kriegerdenkmale, die nicht nur an Feldherren oder Offiziere, sondern auch an einfache Soldaten erinnern, entstanden nach der Französischen Revolution mit der Levée en masse. In Deutschland haben sie seit den Befreiungskriegen große Bedeutung. Eine Nebenform bilden Schlachtendenkmäler, welche den Tod namentlich ausgewiesener oder anonymer Soldaten veranschaulichen, wie etwa das Winkelrieddenkmal (1865) in Stans oder das St. Jakobs-Denkmal (1872) in Basel, beide von Ferdinand Schlöth.Arnold Winkelried, sein Denkmal in Stans. Ausstellungskatalog. Nidwaldner Museum Stans, Stans 1986; Brigitte Meles: Das St. Jakobs-Denkmal in Basel. Bern 2012; Stefan Hess: Zwischen Winckelmann und Winkelried. Der Basler Bildhauer Ferdinand Schlöth (1818–1891). Berlin 2010.
Die Funktion eines Kriegerdenkmals ist vielfältig. Es soll die Angehörigen trösten, indem es dem Tod ihrer Verwandten einen Sinn verleiht, es soll die Überlebenden auf das Vorbild der Opfer verpflichten und den Staat und seine Ideale repräsentieren. Deshalb gab es um die Aufstellung von Kriegerdenkmalen auch häufig Konflikte. Verschiedene gesellschaftliche Gruppen versuchen noch heute, ihr Verständnis von Krieg und Gesellschaft in den Vordergrund zu stellen. Zu den vielen Stichworten gehören Dankbarkeit, Trauer, Totenkult, Helden, Nation, Volk und Freiheit.Clemens Gruber: Die Kriegerdenkmäler in Aschach an der Donau und Waizenkirchen-Stillfüssing. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Band 164, Linz 2019, S. 351–392 (kritische Auseinandersetzung mit der Erinnerungskultur, ).
Kriegerdenkmäler in Deutschland miniatur|Obelisk am Karolinenplatz, München (1833)
Die Geschichte der Kriegerdenkmale beginnt in Deutschland mit kurz nach Mitte des 19. Jahrhunderts u. a. aus Anlass der Befreiungskriege 1813–1815 und des Deutschen Kriegs 1866. Danach kam es zu zwei hauptsächlichen„Wellen“Kurt Pätzold: Kriegerdenkmale in Deutschland. Eine kritische Untersuchung. Spotless, Berlin 2012, ISBN 978-3-360-02076-5, S. 8 f. der Entstehung von Kriegerdenkmälern: Die erste Welle erfolgte nach dem für Deutschland siegreichen Deutsch-Französischen Krieg 1870–1871. Die zweite, viel größerer Welle der deutschen Kriegerdenkmäler setzte mit einigem Abstand vom Ende des verlorenen Ersten Weltkriegs etwa 1920 ein und hielt während der Weimarer Republik an.miniatur|Kriegerdenkmal Nossentin 1806|links|234x234px In Deutschland sollen sich, Gedenktafeln inbegriffen, über 100.000 Kriegerdenkmäler befinden.Carola Nathan: „Für die, so im Kampfe blieben“. In Deutschland gibt es mehr als 100.000 Kriegerdenkmäler. In: Monumente, Jg. 2014, Heft 5, S. 54–59, hier S. 55. Die ältesten deutschen Kriegerdenkmale im heutigen Sinne sind Denkmale und Gedenktafeln für in den napoleonischen Kriegen gefallene Soldaten. Hiervon ist das York-Blücher-Denkmal in Nossentin von 1806 eines der ersten.
Historischer Hintergrund des Gefallenengedenkes ist der Wandel der Sölnderheere zu Armeen mit dem staatlichen Versprechen, dass der Tod auf Schlachtfeldern ehrendes Gedenken erfahren werde.Kurt Pätzold: Kriegerdenkmale in Deutschland. Eine kritische Untersuchung. Spotless, Berlin 2012, S. 23. Für das Königreich Preußen ist dies dokumentiert in der von König Friedrich Wilhelm III. am 5. Mai 1813 erlassenen „Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals für die, so im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland blieben“.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz (Berlin), Signatur: I. HA Rep. 74, Nr. 382: Stiftung eines bleibenden Denkmals für die Gefallenen der Befreiungskriege. Enthält u. a.:- Verordnung über die „Stiftung eines bleibenden Denkmals für die, so im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland fallen“, 5. Mai 1813 (Konzept) […] - Findbucheintrag auf archivdatenbank.gsta.spk-berlin.de, abgerufen am 2. Januar 2026. Dort heißt es u. a.: „§ 1: Jeder Krieger, der den Tod für das Vaterland in Ausübung einer Heldenthat findet, die ihm nach dem einstimmigen Zeugnis seiner Vorgesetzten und Kameraden den Orden des eisernen Kreuzes erworben haben würde, soll durch ein auf Kosten des Staats in der Regimentskirche zu errichtendes Denkmal auch nach seinem Tode geehrt werden. […] § 3:. Außerdem soll für alle, die auf dem Bette der Ehre starben, in jeder Kirche eine Tafel auf Kosten der Gemeinden errichtet werden, mit der Aufschrift: Aus diesem Kirchspiele starben für König und Vaterland; unter dieser Aufschrift werden die Namen aller zu dem Kirchspiel gehörig gewesenen Gefallenen eingeschrieben. Obenan die, welche das eiserne Kreuz erhalten, oder desselben würdig gewesen wären.“Zitiert nach Kurt Pätzold: Kriegerdenkmale in Deutschland. Eine kritische Untersuchung. Spotless, Berlin 2012, S. 23.Auf vielen Kriegerdenkmälern werden die Gefallenen und Vermissten eines Ortes namentlich genannt – das sind die Kriegerdenkmäler im Wortsinn. Wenn auf den Denkmälern lediglich ein Widmungstext ohne Namensnennung der Gefallenen zu finden ist, handelt es sich um kein Kriegerdenkmal, sondern um Ehrenmale oder Mahnmale. In größeren Städten, wo die genaue Ermittlung der Namen aller Kriegsteilnehmer der Stadt kompliziert oder unmöglich war, finden sich selten Denkmale mit Namenslisten.
Die vorwiegend verwendeten Baumaterialien wie Bronze, Granit, Marmor, Findlinge u. a. drücken den Wunsch nach der Dauerhaftigkeit des Denkmals aus. Die Denkmalsinschriften verweisen bei den bis 1945 entstandenen Denkmälern oft auf die Tugenden der gefallenen Soldaten: Tapferkeit, Mut, Vaterlandsliebe, Treue, Opferbereitschaft, Kameradschaft und Pflichterfüllung bis in den Tod. Dagegen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mehr die Rolle der Gefallenen als Kriegsopfer betont und dem Denkmal die Rolle eines Mahnmals für den Frieden zugedacht.
Kriegerdenkmäler 1864, 1866 und 1870/71 Viele Kriegerdenkmäler nach den Einigungskriegen 1864, 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 haben außer der Ehrung der Gefallenen auch die Ehrung der überlebenden Kriegsteilnehmer zum Inhalt. Nach der Reichsgründung und dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg werden die mit den Ehrenmalen bedachten Soldaten häufig in den Inschriften als „siegreiche Helden“ bezeichnet. Orte, die Kriegsteilnehmer entsandt hatten, gedachten ihrer Veteranen und Gefallenen häufig mit Denkmälern an zentralen öffentlichen Orten, beispielsweise am Rathaus, am Schulhaus, auf dem Marktplatz, im Stadtgarten usw. Die Denkmale wurden von Kriegervereinen und den Gemeinden gestiftet.
Dem damaligen nationalen Selbstverständnis zufolge zieren solche Ehrenmale oft die Nike (gr.) bzw. Victoria (lat.), Germania, oder Adler mit ausgebreiteten Schwingen, auch der Obelisk als uraltes Siegeszeichen ist häufig anzutreffen. Reine Toten-Ehrenmale weisen oft übertrieben schmuckvolle Sarkophag-, Aufbahrungs- oder Urnen-Darstellungen auf, die einem Staatsbegräbnis gerecht würden, aber nichts mit der tatsächlichen Beisetzungssituation zu tun haben. Die Darstellung soldatischer Figuren geschah auf den Ehrenmalen 1870/71 nur sehr selten.
Der Aufstellung von Denkmälern kam ein Gesetz von 1890 entgegen, das die Befugnis zur Errichtung von Denkmälern auf die Gemeinden übertrug. Danach wurden zahlreiche neue Ehrenmale für 1870/71 errichtet, insbesondere zu Jahrestagen des Sieges über Frankreich (Sedantag), wie dem 25sten Jubiläum 1896 oder dem 40sten Jubiläum 1911. Die Industrialisierung hatte inzwischen viele Gemeinden zu Geld kommen lassen, die überlebenden Veteranen waren nun im gesetzten Alter und setzten sich hiermit oft auch selbst ein Denkmal. Gleichzeitig sind viele nach 1900 errichtete Denkmäler für 1870/71 auch Zeichen der Militarisierung, die die Gesellschaft unter Kaiser Wilhelm II. erfuhr.
Kriegerdenkmäler 1914/18 mini|hochkant=1.4|Löwendenkmal, studentisches Weltkriegsdenkmal
Errichtet bis 1933 Durch die ungleich höhere Zahl an Opfern, die der Erste Weltkrieg im Vergleich mit den vorangegangenen Kriegen gefordert hatte, stand in den Ehrenmälern für die Soldaten 1914–1918 zunächst das Totengedenken im Mittelpunkt. Stifter waren vielerorts die Gemeinden oder Kirchengemeinden und nur noch selten Kriegervereine. Die Denkmäler befinden sich darum auch zumeist an oder in Kirchen und beschränken sich auch oft auf die Auflistung der Namen der Gefallenen. Da nicht nur der Krieg verloren, sondern auch das Kaiserreich untergegangen und die alte Armee aufgelöst worden war, weisen die Denkmäler üblicherweise keine nationalen Symbole auf, vielmehr zeigen sie Eisernes Kreuz, Eichenlaub, Schwert und Stahlhelm sowie christliche Symbolik. Der Obelisk oder die Säule als Siegessymbol sind seltener anzutreffen. Figürliche Darstellungen zeigen bei Denkmälern um 1920 häufig mittelalterliche Figuren, später sterbende und trauernde Krieger.
Hierbei ist zu beobachten, dass mit zunehmender Größe der Gemeinde (Stadt) die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass ein Namensdenkmal vorhanden ist. Während fast in jedem Dorf in Deutschland und in Österreich heute noch an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert wird, findet man in praktisch keiner Großstadt ein derartiges Gesamtdenkmal. Anstelle dessen wurden für einige Städte wie Nürnberg, Stuttgart oder Würzburg „Gedenkbücher“ herausgegeben. Das wohl umfangreichste deutsche Großstadt-Gesamtdenkmal war das im Zweiten Weltkrieg beschädigte und nicht mehr im Ursprungszustand hergestellte Münchener Kriegerdenkmal mit 13.000 Namen. Das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Bremer dürfte das größte noch bestehende Namensdenkmal in Deutschland sein. Abgesehen von politischen Vorbehalten bereits in den 1920er Jahren stand in größeren Gemeinden der Errichtung von Denkmälern die Kostenfrage entgegen und/oder man scheute den Arbeitsaufwand für die Ermittlung der vielen Namen.
Bereits im Verlauf der 1920er Jahre setzte bei nachträglich errichteten Kriegerdenkmalen ein Trend zur vermehrten Darstellung figürlicher Szenen ein. Die Darstellungen wurden nun jedoch häufig antikisiert, d. h., sie zeigten idealtypische, oft auch nackte Kämpfer, die stellenweise die heroisierende Darstellung von Kriegern während der wenig später anbrechenden NS-Zeit vorwegnahmen. Dennoch gibt es auch hier bemerkenswerte Ausnahmen, etwa das 1929 in Golzheim errichtete Ehrenmal, in dessen Zentrum sich die Plastik einer Friedenstaube mit Ölzweig befindet. Auch das Kriegerdenkmal der SpVgg Fürth, welches 1923 zu Ehren der 144 gefallenen Vereinsmitglieder eingeweiht wurde, stellt eine Besonderheit dar. Es ist das weltweit einzige, welches in Form eines Fußballs gehalten wurde und aus zwei Granithälften zusammengesetzt ist. Es ist etwa zwei mal drei Meter groß und enthält eine Kassette mit zeitgenössischen Gegenständen, wie etwa Münzen und Zeitungsausschnitten sowie eine Liste mit den Namen der gefallenen Vereinsmitglieder. Auch an deutschen Hochschulen wurden derartige Denkmäler errichtet, z. B. das Löwendenkmal der Universität Leipzig.
Vor allem der Arbeiterbewegung nahestehende Organisationen versuchten, der teilweise kriegsverherrlichenden Ausdrucksform vieler deutscher Kriegsdenkmäler das Motto Nie wieder Krieg entgegenzusetzen. Ein Beispiel ist das vom Arbeiterturnverein Benningen für seine im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitgliedern 1928 errichtete Denkmal, das neben den üblichen Namenstafeln die Inschrift Nie wieder Krieg im Denkmalssockel enthält.Bernd Schmid: Kriegsdenkmäler – Ein Ausstellungsprojekt., in: puzzle – Zeitschrift für Friedenspädagogik, Ausgabe 1/1994, S. 12.