Hausen () ist ein Gemeindeteil der Großen Kreisstadt Bad Kissingen im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen in Bayern. Die Gemarkung Hausen hat eine Fläche von 4,667 km². Sie ist in 1525 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3060,35 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Altenburgerhaus, Götzenmühle, Saline Kissingen und Steinhof.

Besonderheiten Große Bedeutung erwarb Hausen, in dem bereits für das Jahr 823 die Existenz zweier Salinen verbürgt ist, durch die Salzproduktion, die von den Fürstbischöfen Friedrich von Wirsberg, Julius Echter von Mespelbrunn, Johann Philipp von Schönborn und Adam Friedrich von Seinsheim gefördert wurde; es entstanden Anlagen wie die Untere Saline und die Obere Saline. Unter Fürstbischof Friedrich von Wirsberg, der im Jahr 1562 die Handelsleute Kaspar Seiler (Augsburg) und Berthold Holzschuhmacher (Nürnberg) zu Pächtern der Salzhütte machte, kam die neu aufgekommene Technik der Strohgradierung in Hausen zu ihrem ersten Einsatz überhaupt.Salz und Salzgewinnung, in der Reihe: Peter Weidisch (Hrsg.): Bad Kissinger Museumsinformationen, Heft 1, Bad Kissingen 2008, ISBN 3-934912-09-5

Nachdem Reichskanzler Otto von Bismarck 1874 bei einem Kuraufenthalt in Bad Kissingen Opfer eines Attentats geworden war, absolvierte er ab 1876 seine Kuraufenthalte in Hausen; die 14. und letzte Kur des Reichskanzlers in Hausen fand im Jahr 1893 statt. Auch während seiner Kuraufenthalte führte Bismarck von Hausen aus wichtige Staatsgeschäfte; so verfasste er hier das „Kissinger Diktat“ und empfing als Geste der Versöhnung mit der katholischen Kirche nach dem „Kulturkampf“ u. a. den vatikanischen Nuntius Gaetano Aloisi Masella sowie Kardinal Edward Henry Howard.

Im Jahr 1913 kam in Hausen Julius Döpfner zur Welt, der im Jahr 1958 von Papst Johannes XXIII. zum Kardinal ernannt wurde und während seiner Amtszeit als Erzbischof von München und Freising zunächst als Mitglied der Zentralen Vorbereitungskommission und dann als Sitzungsmitglied beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) mitwirkte.

Im Jahr 1972 wurde Hausen im Rahmen der Gebietsreform in Bayern ein Gemeindeteil von Bad Kissingen.

Geographische Lage Das Pfarrdorf liegt nördlich von Bad Kissingen in Nachbarschaft zum Bad Kissinger Ortsteil Kleinbrach. Die Durchfahrtsstraße des Stadtteils führt nach dem Hausener Ortsausgang u. a. nach Kleinbrach, Bad Bocklet und Steinach. Das an der Fränkischen Saale gelegene Hausen wird vom Nüdlinger Bach durchflossen, der in die Fränkische Saale mündet. Durch Hausen führt der Fränkische Marienweg.

Geschichte

Anfänge Bereits für das Jahr 823 sind zwei Salinen bei Kissingen verbürgt (ein Bericht des römischen Geschichtsschreibers Tacitus über einen 58 n. Chr. stattgefundenen Kampf zweier Germanenstämme bezieht sich möglicherweise auf die im heutigen Hausen gelegenen Salzquellen).Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 1, 2009"Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 2, 2010 Mit dieser fons ebulliens (aufwallende Quelle) könnte der Runde Brunnen in der ehemaligen Heinz-Kalk-Klinik gemeint sein, vielleicht aber auch der Anfang des 19. Jahrhunderts versiegte Reiche Brunnen.

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung der Gemarkung Hausen datiert auf den 16. November 1150, als Papst Eugen III. dem Kloster Aura einige Besitzungen in Hausen bestätigte. Die erste Erwähnung Hausens als Dorf fällt in das Jahr 1380; zum ersten Mal als Gemeinde ist Hausen für das Jahr 1556 bezeugt.

Laut örtlicher Überlieferung bestand Hausen anfangs aus drei Siedlungen, und zwar Klosterhausen, einer Siedlung an der Götzenmühle sowie einer namentlich zunächst unbekannten Siedlung zwischen Hausen und Nüdlingen. Im Jahr 2009 identifizierte Heinrich Wagner aus Heustreu diese dritte Siedlung als die heutige Wüstung Erlehes.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 3, 2011"Heinrich Wagner: Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Reihe 1, Heft 36, München 2009 Eine Hausener Flurkarte aus dem Jahr 1880 weist den Namen Erles auf und lässt den Standort der Wüstung Erlehes südlich der Götzenmühle (heute Bocksmühle genannt) vermuten.

Mittelalter Der Würzburger Bischof Heinrich II. von Stühlingen kauft einem Heinrich von Henneberg den Ort mit Namen „Husen“ ab. In diesem Zusammenhang schenkt Heinrich von Henneberg dem Bistum Würzburg auch ein selbst errichtetes Prämonstratenserinnen-Kloster, das Kloster Hausen, das berechtigt war, im Dorf Hausen die Niedergerichtsbarkeit auszuüben. Im Jahr 1250 erfolgte auch die Schenkung einer der beiden Hausener Salinen; in dieses Jahr fällt auch eine größere Schenkung von Grundbesitz an das Kloster, wodurch dieses zu den größten Grundbesitzern in Hausen zählte.

Neuzeit Im Jahr 1563 entstand die Untere Saline; deren Verpachtung durch Fürstbischof Friedrich von Wirsberg an die Handelskaufleute Kaspar Seiler (Augsburg) und Berthold Holzschuhmacher (Nürnberg)Bayerisches Stadtarchiv Würzburg, WU 48/99a (1562 September 30) schlug jedoch fehl, da der gewünschte Profit ausblieb. Mehr Erfolg hatte die Verpachtung durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn an den Münnerstädter Bürger Jobst DeichmannBayerisches Staatsarchiv Würzburg, HV Ms.f.175 I. ab dem 6. Dezember 1575, die dem Hochstift Würzburg auch nach Deichmanns Tod Wohlstand brachte.

mini|300px|Die Pestkreuze von Hausen.

Zwischen Kiliani 1568 und Lichtmess 1569 forderte die Pest insgesamt 245 Todesopfer aus Kissingen. Unter ihnen befanden sich auch die Pestopfer aus Hausen, die gemeinsam mit den Toten aus Kissingen auf dem Kapellenfriedhof bestattet wurden (in der zum Kapellenfriedhof gehörenden Marienkapelle wurden bis zum Jahr 1900 Gottesdienste für die Pestopfer abgehalten)Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 6, 2022". Der Legende nach rührt der Standort der am Ortseingang von Hausen gelegenen Pestkreuze daher, dass an dieser Stelle beim Leichentransport ein Leichnam vom Karren fiel (Im Jahre 1970 erfolgte eine Restaurierung der Pestkreuze).Elisabeth Keller: Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen, Band 1, Eigenverlag des Landkreises Bad Kissingen, 1978 Bis zum Jahr 1961 bestand eine Tradition der Hausener, jedes Jahr nach Lichtmess eine Wallfahrt nach Kissingen zu unternehmen.

Bischof Julius Echter von Mespelbrunn teilte Hausen, das vorher wahrscheinlich zu Aschach gehörte, im Jahr 1588 der Pfarrei Kissingen zu. Nach erfolglosen Versuchen in den Jahren 1594, 1630 und 1923 wurde Hausen erst am 14. Oktober 1941 unter Bischof Matthias Ehrenfried selbstständige Pfarrei.

Der Dreißigjährige Krieg äußerte sich in Hausen durch Pest, Hungersnot (die nach einem Bericht des Pfarrers Pistorius soweit führte, dass Hunde und Katzen geschlachtet wurden) und Plünderungen. In den Jahren 1641 und 1645 fiel Hausen Brandkatastrophen zum Opfer. Einwohner von Oberthulba und Burkardroth flohen 1640 nach Hausen; im Jahr 1647 wiederum suchten Hausener Zuflucht in Aschach.

Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges machten eine erneute Belebung der Salzgewinnung in Hausen erforderlich, diesmal unter dem Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn. Im Rahmen der durch Schönborn veranlassten Maßnahmen wurde ein neues Brunnenhaus namens Schönbornturm errichtet, das sich neben dem 1831 ebenfalls nach dem Fürstbischof genannten Schönbornsprudel befand.

Laut Hausener Leichhofbuch des damaligen Hausener Bürgermeisters Michael Joseph Meder von 1896 grassierte Mitte des 17. Jahrhunderts eine im Tagebuch eines Hausener Bürgers als „Nervenfieber“ bezeichnete Typhus-abdominalis-Epidemie (eine weitere Typhus-Epidemie erfolgte laut Leichhofbuch im Jahr 1813 und war der Auslöser für die Anlage des Hausener Friedhofs).

Im Gegensatz zur Unteren Saline verfügte Hausen zu dieser Zeit selbst über keine zentrale Wasserversorgung, sondern, neben einigen privaten Brunnen, lediglich über zumindest drei öffentliche Gemeindebrunnen, den Rasenbrunnen, den Stangenbrunnen, den Hammel(s)brunnen sowie einen Dorfbrunnen.

mini|250px|Die Obere Saline während der Bad Kissinger Theatertage.

Von 1767 bis 1772 erbaute Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim die Obere Saline (die spätere Bismarck-Wohnung) (bereits drei Jahre vorher hatte der Fürstbischof zwischen Hausen und dem Wildpark Klaushof das Kaskadental errichten lassen, indem der in dem dortigen Tal fließende Bach um künstliche Kaskaden ergänzt wurde). In dem Anwesen richtete der Fürstbischof auch die Salinenkirche ein, in der er während seiner Kuraufenthalte Gottesdienste abhielt. Nach dem Krieg von 1866 musste Bayern dem Norddeutschen Bund beitreten und seine Schutzzölle auf Salz aufgeben. Die Gradierwerke zwischen Hausen und der Oberen Saline wurden wegen der daraus resultierenden Unrentabilität 1868 abgerissen. Durch diese Entwicklungen bedingt, wurde auch die Salinenkirche nicht mehr gebraucht; ihr Altar wurde nach Trimberg verkauft.

Im Jahr 1788 wurde bei der Suche nach Solequellen der spätere Theresienbrunnen entdeckt. Neben dem Standort der neuen Quelle, deren Wasser im Kloster Hausen als Tafelgetränk Verwendung fand, wurde lediglich eine Strohhütte errichtet; ansonsten erfuhr sie bis zum Jahr 1830 nur wenig Beachtung.

Bayerisches Königreich Eine im Leichhofbuch bezeugte Typhus-Epidemie erforderte im Jahr 1813 die Anlage eines Friedhofs in Hausen (vorher waren die Verstorbenen des Ortes auf dem Kissinger Kapellenfriedhof bestattet worden). Der Friedhof wurde mehrfach erweitert (1853, 1889 und 1985).

1805 kam Hausen unter dem Großherzog von Würzburg Ferdinand III. in den Besitz des Großherzogtums Würzburg, neun Jahre später an das Königreich Bayern. Unter der Verwaltung des Großherzogs von 1805 bis 1814 begann das Salzwerk zu florieren. In die Folgezeit fällt eine Bohrung des Schönbornsprudels im Jahr 1831, die jedoch nach 23-jähriger Bohrung im Jahr 1854 abgebrochen wurde, als das Bohrgestänge bei einer Tiefe von 584,22 Metern brach. Das Jahr 1867 bedeutete durch die Aufhebung des Salzmonopols eine Wende für den Salzhandel, da Bayern keine Schutzzölle für Salz mehr erheben konnte. In den 1830er Jahren begann Hofrat Franz Anton von Balling nach einem Gutachten des Chemikers Dr. Kastner, die Sole von Hausen für Bäder einzusetzen. Zu diesem Zweck wurde das Wasser in Fässern nach Kissingen transportiert beziehungsweise in Leitungen nach Kissingen geleitet. Im Jahr 1963 wurde die Produktion endgültig eingestellt.

mini|250px|Ehemaliges Schulgebäude in der Hausener Straße 13 in Hausen

Als Hausen noch über keine eigene Schule verfügte, wurden die Hausener Kinder im Privathaus des Lehrers unterrichtet; die Kinder der Salinenarbeiter durften die Salinenschule besuchen. Laut einem Schulplan in der Statistischen Sammlung des Staatsarchivs Würzburg war die Salinenschule ein eingeschossiger Trakt zwischen dem Mittel- und dem Nordpavillon der Oberen Saline. Die ersten Bemühungen um ein eigenes Schulgebäude reichen bereits in das Jahr 1807 zurück; nach Meinung der großherzoglichen Landesdirektion waren die Salinenpächter nicht verpflichtet, eine allgemeine Schule für Hausen zu unterhalten. Bemühungen im Jahr 1835 scheiterten, weil kein geeigneter Standort gefunden werden konnte. Zur Debatte standen hierbei die möglichen, jeweils in Privatbesitz befindlichen Standorte Klosterweg Hausener Straße und Schafgasse sowie am Schönborn. Am 9. Mai 1845 fasste die Gemeinde den Beschluss zu einem Schulneubau, der am 6. Juli 1846 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern genehmigt wurde und 1847 vollendet wurde. Das ehemalige Schulgebäude befindet sich unter der heutigen Adresse Hausener Straße 13.Denis A. Chevalley, Stefan Gerlach: "Denkmäler in Bayern - Stadt Bad Kissingen, 1998 Steigende Schülerzahlen machten im Jahr 1885 neue Schulräume im Schüttbau des ehemaligen Klosters Hausen erforderlich; ein angedachter Schulhausneubau im Klostergarten wurde im Jahr 1914 sowie endgültig im Jahr 1923 abgelehnt.