Die Na’vi-Sprache ist eine konstruierte, fiktionale Sprache. Sie wird von den Na’vi, Ureinwohnern des Mondes Pandora, in der Filmreihe Avatar (mit den drei bisherigen Filmen Avatar – Aufbruch nach Pandora, Avatar: The Way of Water und Avatar: Fire and Ash) gesprochen. Sie wurde von dem Linguisten Paul Frommer für diesen Film entwickelt. Na’vi sollte von den Darstellern aussprechbar sein, aber keiner menschlichen Sprache ähneln.
Aussprache und Alphabet
Der Apostroph (’) ist ein Stimmabsatz (Glottisschlag) wie im Deutschen zwischen den zwei e des Wortes „beeilen“ oder wie die Pause zwischen dem a und dem o des Wortes „Aorta“. Das y wird wie j gesprochen, und das ì ist ein kurzes [ɪ] wie in Mitte. Das w wird wie ein englisches w gesprochen, das v mehr wie ein deutsches w wie in Wasser oder Vase.
Das z wird wie ein stimmhaftes s in Rose, ein s wird stimmlos wie in Essen gesprochen.
Bei tx, kx und px (sog. Ejektive) wird der Anfangslaut mit viel Druck ausgesprochen, dann folgt eine kurze Pause und erst dann beginnt der Vokal mit einem Knacklaut (man spricht den Buchstaben K, T, oder P praktisch aus, während man gleichzeitig die Luft anhält). Das bedeutet, das x selbst bezeichnet nur diese ejektive Aussprache, hat aber selbst keinen Lautwert.
In manchen Fällen wird die Betonung durch einen Akzent über dem Vokal angezeigt (dies geht aber beim ä und beim ì nicht).
Vokale
vorne zentral hintengeschlossen i [i] u [u] oder [ʊ] ì [ɪ]mittel e [ɛ] o [o]offen ä [æ] a [a]
Außer den sieben Vokalen gibt es vier Diphthonge aw [aw], ew [εw], ay [aj], ey [εj].
Zu den Vokalen muss man auch die beiden Doppellaute rr [r̩] und ll [l̩] rechnen, die anstelle eines Vokals silbenbildend vorkommen.
Generell wird das u [u] wie in gut oder Stuhl gesprochen. Nur wenn das u in einer geschlossenen Silbe vorkommt, kann es auch als [ʊ] wie in und oder Umleitung geformt werden.Diskussion bezüglich der u-Laute
Konsonanten
LabialAlveolarPalatalVelarGlottal Ejektive px [pʼ] tx [tʼ] kx [kʼ] Plosive p [p] t [t] k [k] ’ [ʔ] Affrikate ts (c) [t͡s] Frikative f [f]v [v] s [s]z [z] h [h] Nasale m [m] n [n] ng (g) [ŋ] Liquide w [w] r [ɾ]l [l] y [j]
Lenisierung
Vorsilben für die verschiedenen Pluralbildungen lösen Lenisierung (auch Lenierung, Erweichung oder Lenition) aus, das bei einigen Anfangskonsonanten eine Veränderung bewirkt.
Im folgenden Beispiel ändert sich das t zu s: tokx (ein Körper) → aysokx oder sokx (viele Körper)
Bei Wörtern, die auf diese Weise erweicht werden können, kann die Pluralkennzeichnung ay wegfallen, allerdings nur, wenn keine Mehrdeutigkeit verursacht wird, was mit Adpositionen auftreten kann, die ebenfalls Lenierung auslösen, so sind diese Substantive als Singular anzusehen, sofern die Mehrdeutigkeit nicht anders behoben wird.Frommers Blog: Thoughts on Ambiguity
ursprünglich erweicht px p tx t kx k p f ts s t s k h ' -
Die Erweichung kommt außer in den verschiedenen Pluralformen der Nomen auch nach bestimmten Präpositionen wie mì (in) vor.
Betonung
Welche Silbe eines Wortes betont wird, ist in Na'vi nicht vorhersehbar und sollte daher (falls bekannt) in Lernmaterialien durch das Unterstreichen der betonten Silbe dargestellt werden. Teilweise wird auch ein Akut (´) auf der betonten Silbe verwendet, was allerdings zu Verwechslungen mit dem Akzent (Gravis auf dem ì) führen kann und daher möglichst vermieden werden sollte.
Substantive
Numerus
Mit Hilfe von Vorsilben wird die Anzahl von Dingen oder Lebewesen derselben Art angegeben:
me- für genau zwei (Dual) pxe- für genau drei (Trial) ay- unbestimmte Anzahl (Plural)
Für weitere genaue Zahlangaben, siehe Zahlen der Na'vi.
Der Singular verfügt dabei über kein solches Präfix.
Beispiel:
nari (Auge) → menari (zwei Augen), pxenari (drei Augen), aynari (viele Augen) taronyu (Jäger) → mesaronyu (zwei Jäger), pxesaronyu (drei Jäger), aysaronyu (viele Jäger)
Bei Verwendung der Vorsilben ay-, me- und pxe- ist zu beachten, dass sich der folgende Anfangskonsonant verändern kann (siehe Lenisierung).
Genus
Es gibt kein grammatisches Genus. Das biologische Genus kann aber bei Lebewesen durch ein Suffix angezeigt werden.
männlich: -an weiblich: -e (Diese Endung verursacht manchmal eine Betonungsveränderung.)
Beispiel:
tsmukan (Bruder) tsmuke (Schwester)
Das Pronomen der dritten Person (po) kann für „er, sie, es“ verwendet werden. Nur wenn es betont werden soll, kann das Geschlecht mit einer zusätzlichen Endung angegeben werden:
poan (er) aus po und -an (männlich) poe (sie) aus po und -e (weiblich)
Kasus
Als Subjekt bezeichnet man den Urheber einer Handlung, dieser wird im Deutschen mit „wer (oder was)?“ (1. Fall, Nominativ) erfragt. In Na’vi wird allerdings eine Unterscheidung vorgenommen, je nachdem ob das Verb, das diese Handlung ausdrückt, transitiv (mit Objekt) oder intransitiv (ohne Objekt) verwendet wird.
Das Subjekt eines intransitiven Verbs wird nicht extra gekennzeichnet.
Das Subjekt eines transitiven Verbs erhält die Endung -l oder -ìl, den dazugehörigen Fall nennt man Ergativ. Für das Akkusativ-Objekt (4. Fall) verwendet man die Endung -t(i) oder -it.
Beispiele: Oe-l nga-ti kameie. Ich-Erg. du-Akk. sehen. Ich sehe dich.Ayoe ngar(u) srung sivi. Wir (alle) du-Dat. Hilfe machen. Wir alle helfen dir.
Für weitere Erläuterungen, wann ein Verb transitiv oder intransitiv ist, siehe Transitivität und Intransitivität.
Genitiv (wessen): -yä oder -ä Dativ (wem): -r(u) oder -ur Topic-Marker, Bezeichnung des Handelnden als eine Art Betonung: -ri oder -ìri
Bei dem letztgenannten Marker fällt der eigentliche Fallmarker weg und das Wort wird meist an den Satzbeginn gestellt.
Die Auswahl des richtigen Affixes bei mehreren angegebenen Möglichkeiten (z. B. -l oder -ìl für das Subjekt) hängt wahrscheinlich davon ab, ob ein Wort auf einen Vokal oder auf einen Konsonanten endet, jedoch wurden hierzu bisher keine exakten Regeln veröffentlicht.
Pronomen
Personalpronomen
Die Personalpronomen haben folgende Formen:
Pronomen Singular Dual Trial Plural ich/wir (exkl.) oe moe pxoe ayoe wir alle (inkl.) - oeng pxoeng ayoeng, awnga du/ihr nga menga pxenga aynga er/sie po mefo pxefo ayfo, fo
Als Singularformen gelten oe (ich), nga (du) und po (er/sie) ohne Genusunterscheidung.
Der Dual findet hier auch seine Anwendung und kombiniert sich wie folgend mit den Singularformen, moe (wir zwei), oeng (ich und du) und mefo (sie beide), analog dazu verhält sich der Trial.
Bei wir unterscheidet man, ob der Angesprochene mit eingeschlossen ist (inklusiv, in der Tabelle: wir alle), oder ob er nicht mit gemeint ist (exklusiv, in der Tabelle: ich/wir).
Feierliche bzw. höfliche Formen
Als förmliche Formen der Pronomen existieren folgende Variationen:
ohe (ich) ngenga (du)
Possessivpronomen
Die Possessivpronomen werden aus den Personalpronomen gebildet und enden immer mit -eyä.
oeyä (mein) ngeyä (dein) peyä (sein/ihr) ayoeyä (unser exkl.) awngeyä (unser inkl.) ayngeyä (euer) ayfeyä (ihr)
Interrogativ- und Demonstrativpronomen
Interrogativ Demonstrativ (nahe) Demonstrativ (entfernt) Negativ Alles Anderes Selbes Sache peu, ’upe „was? welche Sache?“ fì’u „dieses“ tsa’u „jenes“ ke’u „nichts“ fra’u „alles“ teng’u „dasselbe“ Person pesu, tupe „wer?“ fìpo „dieser“ tsatu „jener“ kawtu „niemand“ frapo „jeder“ lapo „jemand anderes“ Art/Weise pefya, fyape „wie?“ fìfya „so“ tengfya „auf dieselbe Art“ Handlung pehem, kempe „wie? welche Handlung?“ fìkem „diese (Handlung), so“ tsakem „jene (Handlung), so“ Zeit pehrr, krrpe „wann?“ set „jetzt“ tsakrr „dann“ kawkrr „nie“ frakrr „immer“ tengkrr „währenddessen“ Grund pelun, lumpe „warum?“ Ort peseng, tsengpe „wo?“ fìtseng „hier“ tsatseng „dort“ kawtseng „nirgendwo“ fratseng „überall“
Hinweis: Entscheidungsfragen enden mit einer Art gesprochenem Fragezeichen srak, das am Ende der Frage steht.
Adpositionen
Verhältniswörter können prinzipiell vor (Präposition) oder nach (Postposition) dem Bezugswort stehen und werden daher Adpositionen genannt.
Beispiel:
Eywa hu nga oder Eywa ngahu Eywa mit du Eywa du-mit Eywa mit dir
Folgende Adpositionen sind bekannt, wobei einige von ihnen, wenn sie vor dem dazugehörenden Substantiv oder Pronomen stehen, Lenierung verursachen:Mitteilung Frommers: Alle Adpositionen
ohne Lenierung äo unter eo vor (räumlich) io über uo hinter fa mit Hilfe von ftu aus (direktional) hu mit (Begleitung) ka über, quer, kreuzend (etwas) kip unter, zwischen, inmitten fkip oben zwischen/inmitten (räumlich) kxamlä durch (die Mitte von etwas) lok nahe bei/an luke ohne maw nach (zeitlich) mìkam zwischen (räumlich) mungwrr außer, ausgenommen ne nach, in Richtung (räumlich) nemfa hinein pxaw (um etwas) herum sìn auf, hinauf (?) [Bedeutung noch nicht festgelegt] ta von (verschiedene Verwendungen) takip von/aus (in)mitten tafkip von/aus oben zwischen/inmitten (räumlich, direktional) teri über, betreffend, bezüglich vay bis (zeitlich) verursacht Lenierung fpi wegen, zugunsten, zuliebe, um ... willen ìlä via, durch, entlang, mit Hilfe (von) mì in ro an, bei (räumlich) sre vor (zeitlich) wä gegen (wie in: gegen etwas kämpfen)
Adjektiv
Adjektive sind unveränderlich, haben also keine Mehrzahlformen. Sie werden mit einem a zwischen Substantiv und Adjektiv verbunden. Der Bindestrich im Beispiel steht nur zur Verdeutlichung:
ngim-a kilvan oder kilvan a-ngim lang-attr Fluss Fluss lang-attr der lange Fluss = ein langer Fluss
Die Silbe a wird nur bei attributiver Verwendung eingeschoben, nicht aber in prädikativer Funktion, das heißt nicht zusammen mit dem Verb lu (sein).
Das a ist optional bei le-Adjektiven hinter einem Substantiv.
trr lefpom oder trr a-lefpom oder lefpom-a trr Tag friedlich Tag attr-friedlich friedlich-attr Tag friedlicher Tag
Verben
Die Verben werden je nach Tempus verändert, nicht aber nach der Person. Die Zeiten sind Vergangenheit, nahe Vergangenheit, Gegenwart (nicht markiert), Zukunft und nahe Zukunft. Es gibt zwei Stellungen für diese eingeschobenen Silben, zum einen nach den Anfangskonsonanten der vorletzten Silbe und zum anderen nach den Anfangskonsonanten der letzten Silbe.
+ Aspekt Perfektiv ol Imperfektiver Aspekt er+ Zeiten Futur ay Nahes Futur ìy Präsens (ohne Marker) Nahe Vergangenheit ìm Vergangenheit am+ Modus Subjunktiv iv
Beispiele:
taron, jagen (Präsens) t-ìm-aron, gerade gejagt haben (Perfekt) t-ay-aron, jagen werden (Futur) t-er-aron, dabei sein, zu jagen (Vorgang nicht beendet, imperfektiver Aspekt) t-ol-aron, gejagt haben (Vorgang beendet, perfektiv) t-ìrm-aron, gerade dabei gewesen sein, zu jagen (ähnlich unserem Präteritum)
Das letzte Beispiel tìrmaron zeigt die Kombination zweier Infixe (hier ìm und er).
Die folgenden beiden Silben stehen im Verb noch vor dem Zeit/Aspektmarker:
Partizip I us Partizip II awn Reflexiv äp
Beispiele für Partizipien
rey leben r-us-ey lebend ke-rusey tot (nicht lebend)
tslam verstehen tsl-us-am verstehend txan-tslusam weise (viel verstehend)
Subjunktiv
Eine Art Konjunktiv oder Möglichkeitsform kann mit iv ausgedrückt werden:
takuk schlagen t-iv-akuk soll/sollte/würde schlagen
oeri tìngayìl txe’lanit tivakuk oe-ri tìngay-ìl txe’lan-it t‹iv›akuk ich-top Wahrheit-erg Herz-akk treffen‹sjv› Die Wahrheit soll/möge mein Herz schlagen
Zusätzlich findet das Infix Verwendung in Verbindung mit Modalverben wie zene „müssen“, tsun „können“, new „möchten“ und fmi „versuchen“.
Stimmung/Affekt:
Die Stelle nach den Anfangskonsonanten der letzten Silbe kann mit den folgenden Affekt-Einschüben besetzt werden:
ei (gerne), positive Stimmung äng (ungerne), negative Stimmung
tar-ei-on (jagt gerne) tar-äng-on (jagt ungerne)
Oel ngati kam‹ei›e. ich-erg du-akk sehen‹approb› Ich sehe dich gerne.
Oel ngati kam‹äng›e. ich-erg du-akk sehen‹pej› Ich sehe dich ungerne.
Das Verb „sein“
Es gibt zwei Übersetzungen:
Mit Substantiven oder Adjektiven: lu (ähnlich wie im Spanischen ser), drückt eine Eigenschaft aus (A ist B).