Unter Sondenentwöhnung versteht man die Umstellung von der künstlichen Ernährung per Sonde auf eine orale Ernährung. Der Begriff wird bei Säuglingen und Kleinkindern verwendet. Am häufigsten findet die Sondenentwöhnung daher auf neonatologischen Intensivstationen (NICU) statt. Sie wird in der Regel von Kinderkrankenschwestern in Zusammenarbeit mit den Eltern durchgeführt.

Problem In der Vergangenheit lag der Schwerpunkt auf der Verbesserung der mundmotorischen Fähigkeiten des Kindes um die Saugfähigkeit zu verbessern und – aufgrund des positiven kognitiven OutcomesLucas, A. Morley R. Cole TC (1992). Breast milk and subsequent intelligence quotient in children born preterm, Lancet; 339, S. 261–264. – der Übergang von der Sonde zum Stillen zu ermöglichen. In den letzten 20 Jahren ist eine dramatische Zunahme von Sondendependenz vom ersten bis in das sechste Lebensjahr zu beobachten. Diese Kindern entwickeln in der Folge von Pädiatrisch-Medizinischen Traumatischen Stress eine ausgeprägte und generalisierte Nahrungsaversion.

Säuglinge oder Kleinkinder, die eine Sondenentwöhnung durchleben, leiden sehr oft unter dem Phänomen der Sondenabhängigkeit bzw. -dependenz. Darunter versteht man die unbeabsichtigte physische und emotionale Abhängigkeit eines Betroffenen von einer ursprünglich als nur vorübergehend geplanten Sondierung bei gleichzeitigem Fehlen einer medizinischen Indikation. Die permanente Ernährung über eine Sonde hat ein Entwicklungsdefizit in der Entwicklung des Kindes zur Folge, weswegen ihre Entfernung oftmals als unabdingbar erscheint.M. Dunitz-Scheer, A. Huber-Zyringer, P. Kaimbacher, H. Beckenbach, E. Kratky, A. Hauer et al.: Sondenentwöhnung. In: Pädiatrie, 4+5, 2010, S. 7–13.

Behandlung Sondenentwöhnung in der frühen Kindheit lässt sich wirksam in einem home-based Verfahren durchführen, welches vom Institut für Sondendependenz in Essen angeboten wird. Aufgrund seiner Wirksamkeit von 90 %, der signifikanten Verbesserungen des Essverhaltens gilt das home-based Verfahren als der zentralen Standardverfahren für die Sondenentwöhnung. Die Behandlung findet entweder im häuslichen Umfeld des Kindes oder einer Ferienwohnung statt, um Infektionen und eine Re-Traumatisierung während der Therapie zu vermeiden. Die Sondenentwöhung verläuft in drei Phasen:

Reduzieren von Symptomen, Aversion und Angst. Vertrauen in die orale Nahrungsaufnahme schaffen. Eine Essensbeziehung und -routine aufbauen.

Im Rahmen dieser Behandlung wird ein Verständnis für die individuellen Motivationen der Säuglinge und Kleinkinder entwickelt auf der sich das weitere Vorgehen aufbaut. Gerade bei traumatisierten Kindern nach intensivmedizinischer Behandlung hat sich dieser Ansatz bewehrt.

Literatur M. Wilken (2022). Frühkindliche Nahrungsverweigerung: Ursachen verstehen und Behandlungswege finden. Psychosozial-Verlag, ISBN 978-3-8379-3139-6 M. Dunitz-Scheer et al.: Wie kommen wir von der Sonde los?! Diagnostische Überlegungen und therapeutische Ansätze zur interdisziplinären Sondenentwöhnung im Säuglings- und Kleinkindalter. In: Kinderkrankenschwester 19 (2000), S. 448–456.

Einzelnachweise

Kategorie:Neonatologie Kategorie:Künstliche Ernährung