Pogranitschny (, deutsch Hermsdorf, Kreis Heiligenbeil) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Bagrationowsk. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk.

Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 16 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt Mamonowo (Heiligenbeil) und sieben Kilometer westlich der Siedlung Kornewo (Zinten). Zwei Kilometer südlich der Ortschaft verläuft die polnisch-russischen Grenze.

Geschichte mini|Hermsdorf (Hermsdf.), südwestlich von Königsberg i. Pr. und ostsüdöstlich der Stadt Heiligenbeil, auf einer Landkarte von 1910 Am 1. August 1337 wurde Hermsdorf erstmals urkundlich erwähnt, als der Komtur von Balga (nach 1945 russisch Wessjoloje, heute keine eigenständige Ortschaft mehr), Heinrich von Muro (Heinrich von der Mauer), dem Lokator Hermann die Handfeste für den neu zu gründenden Ort Hermannsdorf ausstellte. Von dieser Bezeichnung leitet sich die spätere Namensform Hermsdorf ab. 1782 war Hermsdorf ein königliches Dorf mit einer Mühle, einer Kirche und 42 Feuerstellen (Haushaltungen).Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 66 (Google Books).

Hermsdorf lebte von Viehzucht und Ackerbau sowie auch ein wenig von Garnspinnerei. Es gab eine Kirche, einen Krug, eine Wassermühle und eine Schmiede. Auch verfügte der Ort über eine Schule.

1874 bildete man aus den beiden Landgemeinden Hermsdorf und Stolzenberg sowie dem Gutsbezirk Lauenfeld den Amtsbezirk Hermsdorf. Er gehörte zum Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Das zuständige Amtsgericht war das in Zinten.

Im Jahre 1910 hatte Hermsdorf 965 Einwohner. Ihre Zahl sank bis 1933 auf 814 und betrug 1939 noch 837.

Aufgrund von Strukturveränderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten 1945 noch drei Landgemeinden zum Amtsbezirk Hermsdorf: Hermsdorf, Schönrade und Stolzenberg.

Bis 1945 gehörte Hermsdorf zum Landkreis Heiligenbeil im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Anschließend wurde Hermsdorf zusammen mit der gesamten nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich in eigene Verwaltung genommen.

Nach 1945 wurde der nun Pogranitschny genannte Ort in den Rajon Laduschkin innerhalb der Oblast Kaliningrad eingegliedert und Sitz eines Dorfsowjets. Seit 1963 gehört der Ort zum Rajon Bagrationowsk und wurde dort als Verwaltungssitz des unverändert benannten Dorfsowjets von Sowchosnoje abgelöst. Auch die von 2008 bis 2016 existente Landgemeinde Pogranitschnoje selskoje posselenije wurde von Sowchosnoje aus verwaltet. Seit 2017 gehört Pogranitschny zum Stadtkreis Bagrationowsk.

Pogranitschny selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Pogranitschny selski Sowet (ru. Пограничный сельский Совет) wurde im Juli 1947 im Rajon Laduschkin eingerichtet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad) Dessen Verwaltungssitz war zunächst die Siedlung Pogranitschny. Nach der Auflösung des Rajon Laduschkin zur Jahreswende 1962/1963 gelangte der Dorfsowjet in den Rajon Bagrationowsk. Möglicherweise in diesem Zusammenhang wurden die meisten Orte des bis 1954 bestehenden Nowo-Moskowski selski Sowet und die zwischenzeitlich zum Pjatidoroschny selski Sowet gehörten, in den Pogranitschny selski Sowet eingegliedert, sowie der Verwaltungssitz des Dorfsowjets nach Sowchosnoje verlegt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Pogranitschny selski okrug (ru. Пограничный сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen 13 Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Pogranitschnoje selskoje posselenije eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Berjosowka (Берёзовка) Grünwiese Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Er wurde vor 1975 verlassen. Bolschedoroschnoje (Большедорожное) Dagwitten, Julienhof und Laukittenumbenannt wurde nur Laukitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Gogolewo (Гоголево), seit 1993: Bolschedoroschnoje Kopainen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Er wurde vor 1975 an den Ort Bolschedoroschnoje angeschlossen Iljitschowka (Ильичёвка) Lank Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Iwanzowo (Иванцово) Deutsch Thierau Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen Jablotschkino (Яблочкино) Lokehnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Jasnaja Poljana (Ясная Поляна) Diedersdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen Jasnoje (Ясное) Lönhöfen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Er wurde vor 1975 verlassen. Krasnoarmeiskoje (Красноармейское),jetzt: Oktjabrskoje Patranken Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Später wurde er offenbar zunächst an den Ort Oktjabrskoje und schließlich an den Ort Muschkino angeschlossen Muschkino Lauck und Stobecken Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Nowo-Moskowskoje (Ново-Московское) Poplitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Nowo-Moskowski. Oktjabrskoje (Октябрьское) Wargitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Panfilowo (Панфилово) Preußisch Thierau Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Er wurde vor 1975 verlassen. Perwomaiskoje (Первомайское) Pottlitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Pogranitschny (Пограничный) Hermsdorf Der Verwaltungssitz vermutlich bis etwa 1963. Poretschje (Поречье) Ober/Unter EckerIm Umbenennungserlass mit Ecker bezeichnet. Möglicherweise also auch oder nur: Unter Ecker Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Kornewski. Er wurde vor 1975 verlassen. Priwolnoje (Привольное) Plössen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Kornewski. Er wurde vor 1975 verlassen. Proletarskoje (Пролетарское) Legnitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Puschkino (Пушкино) Wesselshöfen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Kornewski. Er wurde vor 1975 verlassen. Rasdolnoje (Раздольное) Adlig Pohren Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Skworzowo (Скворцово) Dösen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Kornewski. Er wurde vor 1975 verlassen. Sosnowka (Сосновка) Schwanis Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Sowchosnoje (Совхозное) Rippen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski. Er war seit vermutlich etwa 1963 Verwaltungssitz des Dorfsowjets Pogranitschny. Wetrowo (Ветрово) Schölen Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Nowo-Moskowski.

Zeitweise gehörte auch der Ort Woronowo (deutsch ursprünglich Alt Kainen und Louisenhof) zum Pogranitschny selski Sowet.

Auf Karten der 1970er und 1980er Jahre ist auch der weitere Ort Gorkowski (Perwilten) eingezeichnet. In amtlichen Verzeichnissen ist er bisher nicht nachgewiesen worden. Er gehört evtl. heute zu Muschkino.

Pogranitschnoje selskoje posselenije 2008–2016 miniatur|Lage der Landgemeinde Pogranitschnoje selskoje posselenije im Westen des Rajon Bagrationowsk Die Landgemeinde Pogranitschnoje selskoje posselenije (ru. Пограничное сельское поселение) wurde im Jahr 2008 eingerichtet.Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 253 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Багратионовский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 253: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung „Stadtkreis Bagrationowsk“) Wie schon beim Dorfsowjet Pogranitschny selski Sowet war auch hier Pogranitschny nur der namensgebende Ort, während der Verwaltungssitz dieser Landgemeinde sich in Sowchosnoje befand. Die 25 jeweils als Siedlung (russisch: possjolok) eingestuften Ortschaften gehörten vorher zu den Dorfbezirken Kornewski selski okrug, Pjatidoroschny selski okrug und Pogranitschny selski okrug. Im Jahr 2017 ging die Gemeinde in den neu geschaffenen Stadtkreis Bagrationowsk auf.

Zur Pogranitschnoje selskoje posselenije gehörten: Ortsname deutscher Name Ortsname deutscher Name Bolschedoroschnoje (Большедорожное) Dagwitten, Julienhof, Kopainen und Laukitten Pjatidoroschnoje (Пятидорожное) Bladiau Iljitschowka (Ильичёвка) Lank Pogranitschny (Пограничный) Hermsdorf Jablotschkino (Яблочкино) Lokehnen Primorskoje (Приморское) Wolittnick Kornewo (Корнево) Zinten Proletarskoje (Пролетарское) Legnitten Kossatuchino (Косатухино) Barsen und Sollecken Rasdolnoje (Раздольное) Adlig Pohren Kunzewo (Кунцево) Weßlienen Schukowka (Жуковка) Quilitten Medowoje (Медовое) Sollnicken und Tykrigehnen Snamenka (Знаменка) Groß Hoppenbruch Moskowskoje (Московское) Partheinen und Mükühnen Sowchosnoje (Совхозное) Rippen Muschkino (Мушкино) Lauck und Stobecken Sosnowka (Сосновка) Schwanis Nowo-Moskowskoje (Ново-Московское) Pörschken, Poplitten und Louisenhof Timirjasewo (Тимирязево) Rauschnick, Poplauken und Newecken Nowosjolowo (Новосёлово) Groß Rödersdorf Tropinino (Тропинино) Heide Kr. Heiligenbeil Oktjabrskoje (Октябрьское) Wargitten und Patranken Wetrowo (Ветрово) Schölen Perwomaiskoje (Первомайское) Pottlitten

Kirche Dorfkirche Die Hermsdorfer Kirche hatte die Kriegshandlungen 1945 weitgehend unbeschadet überstanden. Sie wurde in der Folgezeit allerdings als Lagerhalle benutzt und verfiel – mangels notwendiger Pflegemaßnahmen – immer mehr. In den 1970er Jahren wurde sie dem Erdboden gleichgemacht, lediglich das Fundament des Turmes ist noch erkennbar.

Kirchspiel Hermsdorf ist von vornherein als Kirchdorf konzipiert worden. Das Kirchspiel bestand somit bereits in vorreformatorischer Zeit. Bis 1945 war Hermsdorf Pfarrort für das evangelische Kirchspiel Hermsdorf-Pellen im Kirchenkreis Heiligenbeil der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Zum Kirchspiel gehörten:

Sprengel Hermsdorf (heute auf russischem Staatsgebiet): Bartlangen Diedersdorf (russischer Name: Jasnaja Poljana) Erichswalde Hermsdorf* (Pogranitschny)mit Wohnplatz Steinberg Lauenfeld Lokehnen (Jablotschkino) Marienhöhe Ritterhof* Schönrade Stolzenberg* Sprengel Pellen (heute auf polnischem Staatsgebiet): Eigensinn Hasselpusch* (polnischer Name: Zagaje) Hirschken (Jelonki) Lauterbach* (Mędrzyki) Pellen* (Piele) Schönwalde* (Grabowiec).

Pfarrer In Hermsdorf amtierten von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945: NN., 1527 NN., 1552 Johann Zimmermann, bis 1554 Michsel Hube, 1592–1607 Hans Wels, 1615 David Meltzer N. Freymuth Andreas Hollstein, 1651–1667 Ernst Fromholtz, 1667–1680 Friedrich Erdmann, 1680–1696 Christian Wiprecht, 1696–1731 Arnold Brüning, 1731–1753 Christoph Werner, 1753–1776 Johann Daniel Kranz, 1776–1789 Johann Carl Huhn, 1790–1800 Ludwig Nathanael Krickendt, 1801–1809 Johann Lomoth, 1808–1812 Karl Ludwig Streck, 1812–1822 Johann Karl Friedrich Engel, 1823–1826 Gottlieb Bernhard Schiemann, 1826–1830 Eduard Schwatlo, 1830–1834 Karl Ferdinand S. Reyländer, 1834–1855 Franz Leopold Korallus, 1856–1870 Ernst Wilhelm Fischer, 1870–1885