Die McDonnell Douglas AV-8B Harrier II ist ein senkrechtstartendes Kampfflugzeug und stellt die zweite Generation der britischen Hawker Siddeley Harrier dar.

Entwicklung und Geschichte McDonnell Douglas begann mit der Entwicklung der AV-8 Harrier II Ende der 1970er Jahre, nachdem das United States Marine Corps (USMC) eine kampfstärkere Version gefordert hatte. So sollte ein größeres Arsenal an Waffen einsetzbar sein und besonders die Überlebensfähigkeit im Luftkampf verbessert werden. Des Weiteren wurden allgemeine Verbesserungen bei den Flugleistungen, besonders bei der Einsatzreichweite, sowie modernere Avionik gefordert. Es wurden zwei AV-8A umgebaut und als YAV-8B bezeichnet. Der Erstflug erfolgte am 9. November 1978. Da British Aerospace bereits im Jahr 1976 begonnene eigene Weiterentwicklungen sowie zwei im Jahr 1979 umgerüstete GR.3 Harrier nicht finanzieren konnte, schloss man sich ein Jahr später der Harrier II von McDonnell Douglas an. Nach den Erfahrungen mit den Sea Harriers im Falklandkrieg wurden weitere Modifikationen an der Avionik, den Triebwerken und den Waffensystemen vorgenommen. Die stärkeren Triebwerke ermöglichen eine größere Abflugmasse und eine größere Anzahl von verfügbaren Waffen. Die neuere Avionik und ein modernes Glas-Cockpit vereinfachten die Arbeiten des Piloten. So konnte das USMC die erste Harrier II am 12. Januar 1985 in Dienst stellen. Die von BAE Systems hergestellte britischen Version des Harrier II, der Harrier GR.5, absolvierte am 30. April 1985 ihren Erstflug und wurde im Juli 1987 in Dienst gestellt. Neben dem USMC wird die Harrier II auch von der spanischen und italienischen Marine eingesetzt. Die britische Royal Navy (RN) verwendet eine weiterentwickelte Variante der Hawker Siddeley Sea Harrier, die FA.2. Die britische Royal Air Force (RAF) hingegen setzt auf eine landgestützte weiterentwickelte Variante der Hawker Siddeley Harrier GR.3, den nun von BAe gebauten Harrier GR.5.

Erfahrungen der RAF und der RN im Falklandkrieg flossen in die Entwicklung der AV-8B Harrier II Plus ein. In diesem hatte der Harrier seine grundsätzliche Eignung für den Luftkampf unter Beweis gestellt. Daher forderte das USMC, dass der Harrier II auch neue Langstrecken-Luft-Luft-Lenkwaffen einsetzen können sollte. Dafür musste das Raytheon-AN/APG-65-Radar eingebaut werden, was nur mit einer Vergrößerung des Bugs möglich war. Damit ist der Einsatz der Raytheon AIM-120B AMRAAM möglich, womit der Harrier erstmals BVR-Fähigkeiten besitzt. Des Weiteren wurde das Northrop Grumman Litening II targeting and reconnaissance pod eingebaut, das auch den Einsatz von lasergelenkten Bomben ermöglicht. Das USMC stellte den ersten Harrier II Plus im Juni 1993 in Dienst. Der Harrier GR.9 ist mit dem Harrier II Plus vergleichbar.

Der Harrier II durchlief während seiner Dienstzeit mehrere erhebliche Kampfwertsteigerungen. Er soll in seiner neuesten Version in einigen Ländern noch bis etwa 2020 im Einsatz bleiben. Danach wird die F-35B Lightning II den Harrier in den USA und Italien ersetzen. In Großbritannien wurde im Dezember 2010 aus Kostengründen beschlossen, alle Harrier II der RAF und RN stillzulegen; lange vor dem Zulauf der F-35C. Im November 2011 kaufte das US Marine Corps daraufhin fast alle außer Dienst gestellten britischen Harrier, insgesamt 72 Flugzeuge, als Ersatzteilspender.Christopher P. Cavas: . Defense News, 13. November 2011. (englisch)Dominic Perry: UK Harrier fleet sold as £115 million worth of spare parts. Flightglobal, 24. November 2011. (englisch)

Der Abschiedsflug zum Ende der Laufbahn der AV-8B bei den US-Marines wurde auf den 3. Juni 2026 in Cherry Point, North Carolina festgelegt. Das Ende des Flugbetriebs der verbleibenden Maschinen wurde per Ende September 2026 angekündigt.https://www.focus.de/politik/ausland/kult-jet-geht-us-marines-verabschieden-harrier-ii-nach-40-jahren-dienstzeit_3d187f5f-f238-443e-b9dc-cfce9c3442cf.html

Mediale Rezeption Im Film True Lies – Wahre Lügen (1994) rettet Arnold Schwarzenegger als Geheimagent mit einer Harrier II seine Tochter aus der Gewalt von Terroristen. Dieselbe Maschine ist auch in einer Szene von Marvel’s The Avengers (2012) zu sehen.

Lieferungen

Lieferungen der AV-8B Harrier II:Aerospace Industries Association: 1985/86 bis 1998/99 Aerospace Facts and Figures; United States General Accounting Office: GAO Report to the Secretary of Defense, February 1996: NAVY AVIATION AV-8B Harrier Remanufacture Strategy Is Not the Most Cost-Effective Option; DEPARTMENT OF THE NAVY FISCAL YEAR (FY) 1995-2003 AMENDED BUDGET SUBMISSION: Aircraft Procurement; VersionHerstellerBenutzer19841985198619871988198919901991199219931994199519961997199819992000200120022003SUMMEBemerkungAV-8B/TAV-8B DayMcDonnell DouglasUSMC1224303040395             180davon 18 TAV-8BEAV-8BSpanien   ca. 6ca. 6               12TAV-8BItalien       2            2AV-8B NightUSMC      18201816          72AV-8B Harrier II plus         8136        27Italien           3        3McDonnell Douglas/Alenia            58      13TEAV-8BCASASpanien            1       1EAV-8B Harrier II plus            ca. 4ca. 4      8AV-8B Day RemanMcDonnell DouglasUSMC            448111312121074Umbau auf Harrier II plusSUMME12243036463923221824139141681113121210392

Varianten US-Varianten mini|Prototyp YAV-8B im Juli 1979 mini|AV-8B beim Landen YAV-8B Prototyp der Harrier II. Zwei AV-8A wurden für Flugerprobungen umgebaut.

AV-8B Harrier II Initialversion der Harrier II. Vom US Marine Corps und der italienischen Marine eingesetzt, die 16 Stück erhielt.

AV-8B Night Attack Harrier II Aufgerüstete Version mit Wärmebildsichtgerät (FLIR), die 1991 in Dienst gestellt wurde (entspricht in etwa der britischen GR.7-Variante).

AV-8B Harrier II Plus Diese modernisierten AV-8B Harrier II sind mit Raytheon-APG-65-Radar und Northrop Grumman Litening II targeting and reconnaissance pod ausgestattet. Es wurden alle AV-8B Italiens und Spaniens umgerüstet.

EAV-8B Harrier II Variante der AV-8B Harrier II für die spanische Marine, die 20 Maschinen erhielt.

EAV-8B Matador II Doppelsitzige Trainervariante der TAV-8B Harrier II für die spanische Marine.

TAV-8B Harrier II Doppelsitzige Trainervariante der AV-8B für das US Marine Corps (22 Stück) und die italienische Marine (2 Stück).

Britische Varianten Harrier GR.5 Die GR.5 war die erste Version der zweiten Generation des Harriers für die Royal Air Force (RAF). Die erste Serienmaschine von BAE hatte am 30. April 1985 ihren Erstflug und wurde im Juli 1987 in Dienst gestellt. Die GR.5 unterschied sich von der AV-8B in einigen Punkten, so zum Beispiel bei der Avionik, der Bewaffnung und der Ausrüstung für elektronische Gegenmaßnahmen. Es wurden 41 GR.5 gebaut.

Harrier GR.5A Diese leicht verbesserte Variante der GR.5 erhielt bereits Teile des GR.7-Upgrades. Hiervon wurden 21 Stück gebaut.

Harrier GR.7 Die GR.7 ist eine weiter verbesserte Variante der Harrier. Ihr Erstflug fand im Mai 1990 statt, sie kam ab 1997 (Test ab 1994) auf den Flugzeugträgern der Invincible-Klasse zum Einsatz. 34 Stück wurden von 1990 bis 1992 neu gebaut, die letzten einsitzigen gebauten Harrier aus britischer Produktion. Hinzu kamen die modernisierten GR.5 und GR.5A.

Harrier GR.7A Als GR7A wurde die erste Stufe der Umrüstung auf den Standard der GR9 bezeichnet. Sie erhielt das leistungsfähigere Rolls-Royce-Pegasus-Mk-107-Triebwerk. Das neue Triebwerk lieferte etwa 13 kN mehr Schub, was die Zuladung vor allem unter extremen klimatischen Bedingungen, wie sie zum Beispiel in Afghanistan vorherrschen, erhöhte und die Kosten für die Einsätze reduzierte (geringere Wartung, Landung ohne Abwurf nicht benutzter Waffen). 40 GR.7 wurden derart umgebaut.

Harrier GR.9 Beim GR.9-Standard wurde die Avionik verbessert und es konnten neue Waffen benutzt werden. Dieses Upgrade (auch als Integrated Weapons Programme, IWP bezeichnet) erlaubte den Harriern den Einsatz von präzisionsgelenkter Munition und Avionik mit neuer Trägheits- und GPS-Navigation (INS/GPS) und Nutzung des Sniper-Zielbehälters.

Harrier GR.9A Ehemalige GR.7A mit dem Mk-107-Triebwerk, die später in Bezug auf Avionik und Waffeneinsetzbarkeit auf den GR.9-Standard gebracht wurden, behielten dabei den Buchstaben A und wurden als GR.9A bezeichnet.

Harrier T.10 Auf Basis der TAV-8B 1994/1995 neu gebaute zweisitzige Trainerversion für die RAF, die jedoch im Gegensatz zur TAV-8B voll kampftauglich ist. 14 Stück wurden neu gebaut, die letzten überhaupt neu gebauten Harrier aus britischer Produktion.

Harrier T.12 Modernisierte T.10, die auf den GR.9-Standard gebracht wurden.

Technische Daten mini|Dreiseitenriss mini|Eine AV-8B Harrier II+ des US Marine Corps beim Landen auf der Nassau Kenngröße Daten der AV-8B Harrier II+ Besatzung 1 Länge 14,55 m Spannweite 9,25 m Höhe 3,56 m Flügelfläche 22,18 m² Flügelstreckung 3,78 Leermasse 6.764 kg normale Startmasse VTO: k. A. STO: 10.728 kg max. Startmasse VTO: 9.415 kg STO: 14.061 kg Tragflächenbelastung minimal (Leermasse): 305 kg/m² nominal (normale Startmasse): 484 kg/m² (STO) maximal (maximale Startmasse): 634 kg/m² (STO) Tankkapazität 3.430 kg bzw. 4.320 l (intern) Kraftstoffverhältnis 0,32 Antrieb ein Mantelstromtriebwerk Rolls-Royce Pegasus-F402-RR-408/Mk-107 mit 105,87 kN Schub Schub-Gewicht-Verhältnis maximal (Leermasse): 1,60 nominal (normale Startmasse): 1,01 (STO) minimal (maximale Startmasse): 0,77 (STO) Höchstgeschwindigkeit Mach 0,91 auf optimaler Flughöhe Mach 0,86 auf Meereshöhe Dienstgipfelhöhe 15.240 m Einsatzradius 556 km Reichweite 1.780 km

Bewaffnung In Unterrumpfbehältern montierbare Rohrwaffen 1 × 25-mm-Gatling-Maschinenkanone General Dynamics GAU 12/U Equalizer mit 300 Schuss Munition (nur AV-8B) 2 × 30-mm-Revolver-Maschinenkanonen Royal Small Arms Factory ADEN Mk.4 in je einem externen Behälter mit je 130 Schuss Munition (nur Gr.5/7/9)

Abwerfbare Waffen an Außenlaststationen Bewaffnung bis zu 7000 kg an sieben Außenlaststationen unter den beiden Tragflächen und dem Rumpf

Luft-Luft-Lenkflugkörper 4 × LAU-38-Startschiene mit BOL-Täuschkörperwerfer Raytheon AIM-9L/M Sidewinder – infrarotgelenkt für Kurzstrecken 4 × LAU-128-Startschiene mit BOL-Täuschkörperwerfer Raytheon AIM-120B AMRAAM – radargelenkt für Mittelstrecken (nur AV-8B+)

Luft-Boden-Lenkflugkörper 2 × LAU-117-Startschiene mit Raytheon AGM-65D/E/G2/H Maverick – infrarotgelenkt gegen gehärtete bewegliche Ziele 2 × LAU-117-Startschiene mit Raytheon AGM-65JX Maverick – elektro-optisch gelenkt gegen gehärtete bewegliche Ziele 4 × LAU-68F/A -Raketen-Rohrstartbehälter für je 7 × AGR-19 APKWS – lasergesteuerte Luft-Boden-Lenkwaffen

Ungelenkte Luft-Boden-Raketen 4 × Raketenwerfer BAe LAU-5003 für je 19 × ungelenkte CRV-7-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 70 mm (nur Harrier Gr.5/7/9) 6 × Raketenwerfer LAU-68/69 für je 7 × ungelenkte FFAR-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 70 mm 6 × Raketenwerfer LAU-10/A für je 4 × ungelenkte Zuni-Luft-Boden-Raketen; Kaliber 127 mm

Gelenkte Bomben 4 × GBU-12 Paveway II (lasergelenkte Bombe; 227 kg) 4 × Raytheon Paveway IV (laser-, GPS- und INS-gelenkte 227-kg-/611-lb-Gleitbombe, basierend auf einer Mk.82-Sprengbombe mit Steuerung vorn und einem Lenksatz am Heck) (nur Harrier Gr.7/9) 2 × Raytheon Paveway II+ (laser-, GPS-gelenkte 454-kg-/1000-lb-Gleitbombe, basierend auf einer Sprengbombe Royal Ordnance MC/GP Mk.10) (nur Harrier Gr.7/9) 4 × GBU-32(V)2/B Joint Direct Attack Munitions (JDAM, satellitennavigationsgelenkte 454-kg-Bombe) (nur AV-8B+) 4 × GBU-38/B Joint Direct Attack Munitions (JDAM, satellitennavigationsgelenkte 227-kg-Bombe) (nur AV-8B+) 4 × GBU-54 Joint Direct Attack Munitions (JDAM, laser- und satellitennavigationsgelenkte 227-kg-Bombe) (nur AV-8B+)

Ungelenkte Bomben 16 × Mark 82 LDGP (227-kg-/500-lb-Freifallbombe) 7 × Royal Ordnance MC/GP Mk.20 (540-lb-/245-kg-Freifallbombe mit Airburst-Zünder) (nur Harrier Gr.5/7/9) 6 × Mk 83 LDGP (454-kg-/1000-lb-Freifallbombe)