mini|Die Klosterkirche mit dem Kreuzgang mini|Blick vom Priesterchor mit dem Chorgestühl in den Brüderchor mini|hochkant|Innenraum von 1957 bis 1993

Die ehemalige Klosterkirche St. Maria,Stadt und Landkreis Memmingen, S. 85. auch St. Mariä Himmelfahrt,Buxheim, Kartause und Pfarrkirche, S. 1 und 15. der aufgehobenen Reichskartause Maria Saal ist eine barocke Saalkirche im oberschwäbischen Buxheim.

Vom Vorgängerbau, der vermutlich aus dem 11. Jahrhundert stammte, ist nichts mehr erhalten. Der Priesterchor aus dem 13. Jahrhundert ist der älteste Baukörper der Kirche, der Brüderchor stammt aus dem 15. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert gestalteten die Gebrüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann den Kirchenraum grundlegend im Barockstil um. Es war ihr erstes gemeinsames Werk.Dehio, S. 223.

Die ehemalige Kartausenkirche kam mit der Säkularisation an Graf Maximilian von Ostein und nach dessen Tod 1809 an die Grafen Waldbott von Bassenheim, die in der Kirche ihre Grablege einrichteten. Heute ist die Kirche im Besitz des Freistaates Bayern, der sie 1916 erwarb. Die Salesianer Don Boscos hatten von 1955 bis 1994 das Nutzungsrecht an der Kirche. Seitdem ist sie Teil des Deutschen Kartausenmuseums und vor allem wegen des barocken Buxheimer Chorgestühls von Ignaz Waibel bekannt.

Lage mini|Grundriss des heutigen Klosterkomplexes Die Kirche steht geostet zentral im ehemaligen Klosterkomplex auf einer Anhöhe des Illertales, dem sogenannten Memminger Trockental, einem Bestandteil der Donau-Iller-Lech-Platte.

Geschichte Der erste Kirchenbau ist wohl bei der Klostergründung um 1100 entstanden. Der Priesterchor stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert; man geht davon aus, dass er die Kirche des Kollegiatstifts war.S. 59 und 60. Es war ein unverputzter Ziegelbau mit spitzbogigen Maßwerkfenstern und wahrscheinlich einem Spitzbogengewölbe auf dem aufgehenden Mauerwerk. Eine Stiftung ermöglichte den Kartäusern 1435 die Anschaffung eines großen Altarblattes. Die umfangreichste bauliche Veränderung war der Anbau eines Brüderchors mit Kreuzganglettner um das Jahr 1450 durch den Laienbruder Collmanus zur räumlichen Trennung der Laienmönche oder Brüder von den Priestermönchen. Nördlich des Priesterchores wurde eine zweistöckige Sakristei angebaut, in deren Obergeschoss das Klosterarchiv untergebracht war.S. 61. Mit Hilfe einer Stiftung konnte 1512 im Brüderchor eine Westempore eingebaut werden, zu der eine Wendeltreppe aus gebranntem Ton führte. Auf der Empore, die den Gästen des Klosters vorbehalten war, standen zwei Altäre, die 1955 an das Kloster Ottobeuren abgegeben wurden. Von der Empore gelangte man direkt in das Gästehaus des Klosters. 1680 begannen die Planungen für die Barockisierung der Kirche, die von 1709 bis 1711 durchgeführt wurde. Dabei wurden Bilder des Memminger Malers Johann Friedrich Sichelbein erworben und von 1687 bis 1691 baute Ignaz Waibel das berühmte barocke Chorgestühl ein.Dehio, S. 224. Im Priesterchor wurden die Rippen des spätgotischen Kreuzrippengewölbes abgenommen, im Brüderchor wurden sie umgestaltet. Die Fenster barockisierten die Gebrüder Zimmermann, die zwischen 1709 und 1741 für die Kartause tätig waren. Dabei wurden die gotischen Maßwerkfenster durch rundbogige stuckierte Fenster ersetzt.S. 67. Dominikus Zimmermann erneuerte die Dachkonstruktion unter Leitung des Klostermaurermeisters Christian Wiedemann aus dem Kloster Elchingen. Dabei wurden im Dachspeicher über dem Priesterchor gemauerte Bögen eingebaut, die noch heute als eine kühne architektonische Leistung gelten.Das Buxheimer Chorgestühl, S. 68.

mini|hochkant|Querschnitt der Kirche St. Maria nach der Renovierung 1956 Die Seitenwände des Brüderchors wurden mit dem Material der abgebrochenen Kreuzrippengewölbe erhöht. Das ist noch an den Wänden im Dachstuhl sichtbar. Lediglich das Vorzeichen an der Westfassade wurde nicht umgebaut. Für den Katakombenheiligen Quartillus gestaltete Dominikus Zimmermann von 1737 bis 1741 die Marien- und Hugokapelle neu.Das Buxheimer Chorgestühl, S. 53. 1802 wurde die Reichskartause im Zuge der Säkularisation aufgehoben und Graf Maximilian von Ostein übergeben. Die noch bis 1812 in der Kartause lebenden Priestermönche benutzten den Priesterchor weiterhin als Kirche. Die letzte Primiz eines Kartäusers wurde im Juni 1804 in der Kirche vollzogen. Der letzte Reichsprior und vorletzte Prior der Kartäusergemeinschaft der ehemaligen Reichskartause starb im Januar 1806 im 85. Lebensjahr und wurde in der Kirche bestattet.Das Buxheimer Chorgestühl, S. 55. Der Kartäuserfriedhof, der vor dem Chor der Kirche lag, wurde 1815 profaniert.

Nach dem Tod von Graf von Ostein 1809 wurden die Grafen von Bassenheim Besitzer des Klosters. Sie ließen 1830 im Priesterchor eine Familiengruft einbauen, in der im selben Jahr als Erster Graf Friedrich Waldbott von Bassenheim bestattet wurde. Die Familiengruft mit zwei Eingängen war mit einem kunstvoll geschmiedeten Eisengitter umfriedet. Wegen der Verschwendungssucht der Grafen von Bassenheim wurden nach und nach die Kulturgüter und Kunstschätze des Klosters und der Klosterkirche verkauft. Der größte Verlust war die Beschlagnahme und Versteigerung von Einrichtungsgegenständen mit dem Chorgestühl im Priester- und Brüderchor, den Altären, dem Kirchensilber und einigen Ölgemälden durch die Gläubiger.

1916 erwarb der bayerische Staat die Kirche. Er überließ sie 1955 den seit 1926 in Buxheim tätigen Salesianern Don Boscos für den gottesdienstlichen Gebrauch und als Heimkirche. Bei der Renovierung der Kirche wurde der letzte verbliebene Kreuzganglettner der Kartause durch Beseitigung der Kreuzgangwände erheblich entwertet.S. 56. Joseph Lutz aus dem nahen Leutkirch restaurierte 1956 alle Fresken der Kirche.Gisela Richter, S. 187. Die abgebrochenen Wände des Kreuzganges wurden durch Säulen ersetzt. So entstand aus den beiden Chören ein großes Kirchenschiff mit einem Lettner. Die umgestaltete Kirche wurde 1956 durch den Augsburger Bischof Joseph Freundorfer geweiht. Das 1883 versteigerte Chorgestühl des Priesterchores, das mehrmals den Besitzer gewechselt hatte und zuletzt in einer nach den Maßen des Buxheimer Priesterchores errichteten Kapelle in England stand, konnte 1980 vom Bezirk Schwaben zurückgekauft werden. Der Kaufpreis betrug etwa zwei Millionen DM. Das Gestühl wurde bis 1994 wieder am ursprünglichen Ort eingebaut. Dabei wurden die 1955/56 abgebrochenen Teile des Kreuzganglettners wieder errichtet und Zeugnisse des Rückkaufs und Rückbaus, darunter Zeitungsausschnitte der Memminger Zeitung, eingemauert. Heute gehört die Kirche mit der Sakristei zum Deutschen Kartausenmuseum.

Baubeschreibung Die Kirche ist in Priesterchor, Brüderchor, Marienkapelle und Sakristei gegliedert und hat gotische Strebepfeiler mit Wasserschlag. Der Kreuzgang mit dem Lettner trennt den Priesterchor vom Brüderchor. Die Fassade ist schlicht gestaltet und weiß verputzt.

Priesterchor mini|Grundriss der Kirche Der Priesterchor ist etwas eingezogen, hat drei Joche sowie einen 5/8-Schluss. Er ist etwa 18 Meter lang, elf Meter breit und 11,75 Meter hoch. Er ist an der Westseite durch einen etwa fünf Meter hohen Kreuzganglettner vom Brüderchor getrennt und kann vom Kreuzgang aus durch eine barocke Holztür im Chorgestühl betreten werden. Von der Sakristei gelangt man zum Priesterchor und zum Kreuzgang. Ein Gang auf dem Kreuzganglettner ist durch eine Balustrade aus Kunstmarmor gesichert und führt auf beiden Seiten zu einem Rückpositiv der Orgel und einem Lettneraltar.

Die Chorfenster sind hoch mit geschwungenen Stürzen. Der früher spitze Chorbogen ist jetzt abgerundet. An der Nordseite, schräg gegenüber dem Zelebrantensitz, liegt der Eingang zur Sakristei.

Der Dachreiter auf dem westlichen Ende des Priesterchores hat eine Zwiebelhaube, auf die eine Laterne mit einer Glocke aufgesetzt ist. Die Spitze bildet ein Kreuz.

Brüderchor Der Kreuzganglettner trennt den einschiffigen Brüderchor vom Priesterchor. Das ehemalige Vorzeichen an der Westfassade wurde im Zuge der Kirchenerneuerung in den 1950er Jahren als Don-Bosco-Kapelle umgebaut, mit einem einfachen Tisch als Altar und einer Don-Bosco-Statue mit Kindern auf einem Sockel an der Westwand. Die Kapelle ist 3,65 Meter lang, 2,65 Meter breit und 4,76 Meter hoch. Im Westen des Brüderchors ist eine Orgelempore eingebaut, deren Brüstung früher das Einfriedungsgitter der Bassenheimgruft im Priesterchor war. Man kann den Brüderchor, der etwa 14,2 Meter lang, 10 Meter breit und etwa 13,3 Meter hoch ist, über eine Tür an der Nordseite oder über den Kreuzganglettner an der Ostseite betreten.

Ausstattung des Priesterchors Chorgestühl

Das Chorgestühl der ehemaligen Kartausenkirche schuf Ignaz Waibel von 1687 bis 1691. Graf Hugo Waldbott von Bassenheim ließ es 1883 versteigern. Wer es damals erwarb, ist nicht bekannt. Bei einer erneuten Auktion ersteigerte 1886 der Direktor der Bank von England das Gestühl. Er schenkte es den Schwestern des St. Saviour’s Hospital in London, die es mit schwarzem Bootslack streichen ließen. Der Orden verlegte 1963 seinen Sitz und baute in Hythe in der Grafschaft Kent eine Kapelle nach den Maßen des Buxheimer Priesterchores. Als der Stützpunkt in Kent aufgelöst wurde, konnte der Bezirk Schwaben durch Initiative des Bezirkstagspräsidenten Georg Simnacher das Chorgestühl zu einem Preis von 450.000 Pfund Sterling, was etwa 1,05 Millionen Euro entspricht, zurückkaufen.Chorgestühl der Kartause Buxheim. Website des Heimatdienstes Buxheim e. V., abgerufen am 16. Oktober 2023. Von 1980 bis 1994 wurde das Chorgestühl aufwendig saniert und restauriert. Dabei wurde der schwarze Bootslack entfernt, verloren gegangene Stücke wurden zum Teil nachgeschnitzt.Buxheim, Kartause und Pfarrkirche, S. 18.

Zelebrantensitz mini|hochkant|Der Zelebrantensitz Das Gehäuse des Zelebrantensitzes fertigte Ignaz Waibel zusammen mit dem Chorgestühl aus Eichenholz. Das Sitzmöbel wurde versteigert und ist seither verschollen. Es stand in einer Ausbuchtung, zu der zwei trapezförmige Stufen führen, und wurde durch einen Stuhl ersetzt, der nicht zur übrigen Ausstattung passt. Der Aufbau des Gehäuses ist naturbelassen, von Allegorien der drei theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe bekrönt und links und rechts von je zwei gedrehten Freisäulen mit Weinranken flankiert. Die inneren Säulen tragen Engelsköpfe. Geschnitzte Figuren auf den äußeren Säulen stellen Spes (mit Anker) und Fides (mit Kreuz) dar, die Allegorien von Hoffnung und Glaube. Zwischen den Säulenpaaren sind Nischen mit geschnitzten Statuen zweier Diakone, links der heilige Stephanus, rechts der heilige Laurentius von Rom. Die Figuren sind schlank und fein ponderiert. Die Sitznische für den Zelebrantensitz hat eine gerundete und gewölbte Rückwand und ist mit Muscheln und Blumen geschmückt. Ein hexagonaler Baldachin über dem Sitz ist von Blattvoluten mit Engelsköpfchen und einer Figur der Caritas bekrönt. Sie trägt ein langes wallendes Gewand und hält auf ihrem rechten Arm ein Kind. Ihre linke Hand ruht auf dem Kopf eines zweiten Kindes, das sich an ihre Seite schmiegt. Ein Foto, das nach der großen Renovierung in den 1950er bis 1980er Jahren aufgenommen wurde, belegt, dass bei der jetzigen Aufstellung Fides und Caritas vertauscht wurden. Früher stand die Fides im Zentrum der Bekrönung.S. 192.

Kredenz mini|hochkant|Die Kredenz im Priesterchor