Die SPD Schleswig-Holstein ist der Landesverband der SPD in Schleswig-Holstein.

Von 1946 bis 1950 und von 1988 bis 2005 stellte die SPD die Ministerpräsidenten: Hermann Lüdemann, Bruno Diekmann, Björn Engholm und Heide Simonis. Von 2005 bis 2009 war sie als „Junior-Partner“ im Kabinett Carstensen I an der Regierung beteiligt. Von Juni 2012 bis Juni 2017 stellte sie mit Torsten Albig erneut den Ministerpräsidenten.

Organisation mini|Zentrale der SPD Schleswig-Holstein in Kiel Ortsvereine und Kreisverbände Die SPD Schleswig-Holstein besteht aus über 400 Ortsvereinen, die in 15 Kreisverbänden analog zu den Landkreisen oder kreisfreien Städten in Schleswig-Holstein organisiert sind.

Der Landesparteitag Der Landesparteitag ist das oberste Organ des SPD-Landesverbands. Hier werden programmatische Entscheidungen getroffen und der Vorstand gewählt. Er setzt sich aus den von Kreisparteitagen gewählten 200 Delegierten zusammen. Die Verteilung der Mandate erfolgt nach der Mitgliederzahl, die Berechnung der Delegierten pro Kreisverband erfolgt nach dem Hare/Niemeyer-Verfahren. Zusätzlich entsenden die Arbeitsgemeinschaften (Jusos, AsF, AfA, ASG, AGS, AfB, ASJ und AG 60 plus) jeweils zwei Delegierte, die auf den Landeskonferenzen der Arbeitsgemeinschaften gewählt werden.

Die vom Landesvorstand eingesetzten Foren und Projektgruppen haben Antragsrecht auf Landesparteitagen und können je einen Delegierten mit beratender Stimme entsenden.

Landesparteirat Der Landesparteirat („Kleiner Parteitag“) besteht aus 55 stimmberechtigten Mitgliedern aus Kreisverbänden und Arbeitsgemeinschaften und ist das höchste beschlussfassende Organ der SPD Schleswig-Holsteins zwischen den Landesparteitagen. Die Vorsitzenden des Landesparteirates sind Niclas Dürbrook und Katrin Fedrowitz.

Der Landesvorstand Der Landesvorstand besteht aus der beziehungsweise dem Vorsitzenden, zwei Stellvertreterinnen oder Stellvertretern, dem Schatzmeister und sieben Beisitzern. Derzeitiger Landesvorsitzender ist Ulf Kämpfer. Ein Doppelspitze ist aber möglich.

Arbeitsgemeinschaften

In der SPD Schleswig-Holstein gibt es neben den Ortsvereinen und Kreisverbänden die klassischen Arbeitsgemeinschaften. Sie sind auch regional nach Ortsarbeitsgemeinschaften, Kreisverbänden und Landesverband organisiert. Hierbei handelt es sich um die Jusos; die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF); die Arbeitsgemeinschaft der Senioren (AG 60 plus). Des Weiteren gibt es noch die AfB, die AfA, die AGS, die AsJ und die ASG.

Die SPD Schleswig-Holstein hat 2008 auf einem Landesparteitag beschlossen, dass die Schwulen und Lesben in der SPD (Schwusos) den Status einer Arbeitsgemeinschaft haben sollen. Diese Position fand zunächst im November 2009 keine Mehrheit auf dem Bundesparteitag der SPD in Dresden, wurde jedoch auf dem 35. Parteitag in Berlin im Dezember 2011 angenommen. 2016 änderte die Bundes-Arbeitsgemeinschaft ihren Namen in „SPDqueer – Arbeitsgemeinschaft für Akzeptanz und Gleichstellung“. 2012 gründete sich in der SPD Schleswig-Holstein (wie auch in vielen anderen SPD-Landesverbänden) eine Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt.Neue AG Migration und Vielfalt gegründet

Foren Neben den Arbeitsgemeinschaften sind in der Schleswig-Holsteinischen Sozialdemokratie verschiedene Foren aktiv, so gibt es das Umweltforum, Forum Familie und das Europa Forum.

Geschichte Vorgeschichte mini|Wilhelm Hasenclever mini|Otto Reimer Die Geschichte der Sozialdemokratie begann auch auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863. Jedoch entstand erst nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und dem Deutschen Krieg 1866 die preußische Provinz Schleswig-Holstein.

Seit dem 30. Mai 1864 fanden in Altona (damals die größte Stadt des Herzogtums Holstein) wöchentliche Sitzungen des ersten Arbeitervereins der Organisation von Ferdinand Lassalle statt. Mitte des Jahres zählte man 350 Besucher. Am 8. Juni 1865 erfolgte die Gründung in Kiel durch Karl von Bruhn, die innerhalb von vier Wochen 80 Mitglieder gehabt haben soll.Heinrich Laufenberg: Geschichte der Arbeiterbewegung in Hamburg, Altona und Umgegend. Hamburger Buchdruckerei und Verlagsanstalt Auer & Co., Hamburg 1911, S. 282. Bei der Wahl zum Norddeutschen Reichstag am 12. Februar 1867 stellte man erstmals Kandidaten in einigen Wahlkreisen auf, erreichte aber nicht einmal Achtungserfolge. Die 1869 gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei von August Bebel fand in Schleswig-Holstein nur sehr geringen Zuspruch. Nach der Reichsgründung erreichten beide sozialdemokratischen Organisationen zusammen 11.182 Stimmen bei der ersten Reichstagswahl 1871. Damit hatten die Genossen aus Schleswig-Holstein 10 % der sozialistischen Stimmen des ganzen Reiches geholt. Schleswig-Holstein war damit eine Hochburg der Sozialisten geworden, auch wenn kein Mandat erreicht werden konnte.

Bei der Reichstagswahl 1874 wurde die starke Stellung der Sozialdemokraten überdeutlich. In Schleswig-Holstein gelang es (unter dem Namen „Sozialistische Arbeiterpartei“), ein Drittel der abgegebenen Stimmen zu erzielen und erstmals zwei Reichstagsabgeordnete zu stellen. Wilhelm Hasenclever war im Wahlkreis Altona und Otto Reimer im Wahlkreis Oldenburg-Plön-Stormarn-Segeberg gewählt worden. Bei der Reichstagswahl 1877 konnten die Sozialdemokraten die beiden Mandate nicht verteidigen. Zwar fiel die Stimmenanzahl nur leicht von 44.593 auf 43.720, die anderen Parteien konnten ihre Stimmen jedoch stärker bündeln und damit nach dem Mehrheitswahlrecht die Mandate erringen.

Seit dem 1. Oktober 1877 erschien die „Schleswig-Holsteinische Volkszeitung“ als Parteizeitung. Mit einer Auflage von 2.200 Exemplaren war ihr Wirkungskreis jedoch gering.

Sozialistengesetz und Neuanfang Bei der Reichstagswahl 1878 erreichten die Sozialisten in Schleswig-Holstein nur noch 29.306 Stimmen. In diese Zeit fiel auch das Verbot der Sozialdemokratischen Vereine durch das Sozialistengesetz vom 19. September 1878, welches sich für die Partei als schwerer Einschnitt erweisen sollte. Um dem Vermögensverlust zu entgehen, hatten sich einige Vereine bereits vor einem Verbot selbst aufgelöst (z. B. der Kieler Volksverein am 9. Oktober 1878). Infolge des Verbots gründeten viele Sozialisten eine Reihe von Tarnvereinen, um ihre Organisation über das Verbot hinwegzuretten, und bildeten so eine Untergrundleitung, die jährliche Provinztagungen an wechselnden Orten unter freiem Himmel abhielt. Auch wurden einige Sozialdemokraten verhaftet oder ausgewiesen (die bekanntesten waren Otte Reimer und Hermann Molkenbuhr, die in die USA emigrierten).

Bei den Reichstagswahlen konnten die sozialistischen Kandidaten unter den gegebenen Umständen keinen Erfolg erringen. Erst bei der Reichstagswahl 1890 gelang der Sozialdemokratie eine Trendumkehr: Karl Legien, Karl Frohme und Hermann Molkenbuhr gewannen Reichstagsmandate.

Seit dem Herbst 1890 trägt die Partei den Namen „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“. Am 1. und 2. Februar 1891 fand in Neumünster der erste Parteitag der Partei für die Provinz Schleswig-Holstein, das Herzogtum Lauenburg und die Freie Hansestadt Hamburg statt. Erst 1905 trennte sich die Hamburger SPD nach einer Urabstimmung organisatorisch von der SPD Schleswig-Holstein ab.

Aufstieg und Spaltung Nach der Wiederzulassung begann ein Aufschwung für die Partei sowohl was die Mitgliederzahlen und die Organisation als auch was die Wahlergebnisse betraf. 1882 wurde die „Schleswig-Holsteinische Volkszeitung“ als Tageszeitung neu aufgelegt und trug dazu bei, die Ideen der SPD zu verbreiten. Bei der Reichstagswahl 1893 erreichte die SPD 37,3 % oder 75.746 Stimmen (und ein Mandat für Adolf von Elm und eines für Karl Frohme), 1898 bereits 81.940 Stimmen und 1903 108.810 Stimmen (und 5 Mandate). Auch der Aufbau der Partei konnte professionalisiert werden: In den größeren Wahlkreisen wurden ab 1906 hauptamtliche Parteisekretäre eingestellt. Im selben Jahr wies der Verband 91 Ortsvereine mit 28.175 Mitgliedern aus. Selbst in der Hottentottenwahl 1906, die für die SPD reichsweit mit Verlusten endete, gewann die SPD in Schleswig-Holstein 3559 Stimmen hinzu (wenn sie auch 3 der 5 Mandate einbüßte). Bei der 1912 schließlich waren es 127.400 Wahlberechtigte, die der SPD die Stimme gaben.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs stellte sich auch die Schleswig-Holsteinische SPD auf die Seite der Burgfriedenspolitik. Die innerparteiliche Opposition gegen diese Politik führte auch in Kiel zur Spaltung der Partei. Im März 1917 gründete sich die USPD, der sich 950 SPD-Mitglieder anschlossen. Führende Kräfte waren Lothar Popp, Wilhelm Schweizer und Friedrich Hansen.

Novemberrevolution und Weimarer Republik Karl Artelt und Lothar Popp (beide USPD) wurden im November 1918 Führer des Kieler Matrosenaufstandes. Gustav Noske (SPD) wurde zum Vorsitzenden des Soldatenrates gewählt. Dies wurde zum Auslöser der Novemberrevolution, an deren Ende die Weimarer Republik entstand.

Bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erreichte die SPD in Schleswig-Holstein 370.384 Stimmen und 5 (von 11) Mandaten aus Schleswig-Holstein. Die USPD erhielt lediglich 27.301 Stimmen und konnte kein Mandat erringen.

In dieser Zeit erfolgte eine organisatorische Neustrukturierung der SPD: Der Bezirksparteitag der SPD am 13/14. Juli 1919 verlegte den Sitz des Verbandes von Altona nach Kiel. Aus 22.722 Mitgliedern Anfang 1918 waren 81.899 Mitglieder in 256 Ortsvereinen Ende 1919 geworden. 1924 hatte die SPD 133 Ortsvereine und 55.107 Mitglieder, darunter 11.044 Frauen.

Deutsche und Dänen Infolge des Deutsch-Dänischen Krieges und der Angliederung des Herzogtums Schleswig an das Reich war in Schleswig nach 1864 eine dänische Minderheit entstanden, die in Nordschleswig jedoch eine Mehrheit darstellte. Die Haltung der SPD in dieser Frage war widersprüchlich. So hatte der Parteitag der SPD Schleswig-Holstein in Flensburg 1902 zwar den Paragraphen V des Friedensvertrages (der eine Volksabstimmung vorsah) als „widerrechtlich beseitigt“ bezeichnet und erklärt, dass es bei Stichwahlen in Nordschleswig nicht um die Nationalität des Kandidaten gehe. Dennoch wurden die Wahlen in Nordschleswig immer primär nach der Nationalität des Kandidaten entschieden. Die SPD konnte in Nordschleswig nie gute Wahlergebnisse erringen oder gar Kandidaten durchsetzen. Eine Konferenz der SPD Nordschleswigs am 20. Oktober 1919 in Apenrade forderte von den deutschen SPD-Anhängern eine Ablehnung der Abtrennung und gab die Abstimmung den dänischen Anhängern frei.

Nach der Volksabstimmung und der Abtretung Nordschleswigs an Dänemark am 15. Juni 1920 einigten sich die sozialdemokratischen Parteiführer Otto Wels (für die SPD) und Thorvald Stauning (für die dänischen Sozialdemokraten), dass die Sozialdemokraten auf beiden Seiten der Grenze keine nationalen Minderheitsparteien bilden sollten, sondern der jeweiligen sozialdemokratischen Partei angegliedert werden.

Weimarer Republik Die regulären Reichstagswahlen mussten in Schleswig-Holstein wegen der Volksabstimmung verschoben werden. Als sie am 20. Februar 1921 nachgeholt wurden, war die SPD mit vier von elf Mandaten erneut stärkste Kraft. Den 256.227 Stimmen der SPD standen 20.604 der USPD und 40.052 der KPD gegenüber. Auf dem Bezirksparteitag der SPD am 23. Juli 1922 schlossen sich SPD und USPD in Schleswig-Holstein wieder zusammen.

Für die erfolgsverwöhnten Sozialdemokraten waren die folgenden Wahlen enttäuschend. Bei der Reichstagswahl 1924 errangen sie nur noch drei Mandate, bei der Reichspräsidentenwahl 1925 erhielt Paul von Hindenburg eine breite Mehrheit in Schleswig-Holstein. Bei der Wahl zum Provinziallandtag Schleswig-Holstein am 29. November 1925 entschieden sich 19 Prozent der Wähler für die SPD.