mini|Gebäude der russischen Zentralbank in Moskau Die Gosbank: russ. Kurzw. für Gossudarstwenny Bank ( – Staatsbank der UdSSR; mit ca. 5000 Filialen größte Bank der Erde) war die Zentralbank der Sowjetunion und zwischen den 1930er Jahren und 1987 de facto ihre alleinige Bank. Sie unterstand dem Volkskommissariat für Finanzen (Narkomfin, später Ministerium für Finanzen) und war ein zentrales Instrument der Wirtschaftspolitik.

Aufgaben Der Gosbank oblag die monetäre Kontrolle, ob Unternehmen den Plan einhielten. Sie ergriff geldpolitische Maßnahmen, versorgte die sowjetische Volkswirtschaft mit Geld und verwaltete die staatlichen Goldreserven. Bis 1988 unterstanden ihr die Sparkassen der Union.

Plankontrolle Zur Zeit des Stalinismus mussten sämtliche bargeldlosen Zahlungen über die Gosbank abgewickelt werden. Diese wurden nur dann genehmigt, wenn sie mit den im Plan vorgesehenen Zahlungen übereinstimmten. Da Unternehmen untereinander niemals bar zahlen durften, lag jegliche Zahlungsverkehrsabwicklung und -verrechnung unter Produktionsbetrieben in den Händen der Staatsbank. Dies ermöglichte der Gosbank theoretisch eine vollständige Übersicht über das wirtschaftliche Geschehen und sie nahm als Kontrollinstanz der Unternehmen eine zentrale Rolle ein. Weitere Kontrollen waren beispielsweise durch Inspektion der Buchhaltung oder Parteifunktionäre im Unternehmen möglich.

Geldpolitik In ihrer Geldpolitik war die Gosbank systembedingt beschränkt: Preise und Löhne waren zentral festgelegt und aus politischen Gründen fixiert oder durften sich nur äußerst langsam ändern. Die Geldmenge ergab sich direkt aus den Vorgaben des Gosplan. Da kein unabhängiger Bankensektor existierte, kam eine Zinssteuerung nicht in Frage.

Geschichte Infolge der Oktoberrevolution stellten alle privaten Banken ihr Geschäft ein. Die Angestellten wurden zwar weiter entlohnt, erhielten aber, in der Hoffnung, hierdurch den Fall des bolschewistischen Systems zu erreichen, die Weisung, keinerlei Banktätigkeit mehr nachzukommen. Bis zum Ende des Jahres gelang es jedoch den Bolschewisten, sämtliche Banken durch militärische Kontrolle zu nationalisieren.

Präsidenten ZeitraumPräsident1921–1924Aaron Scheinmann 1924–1926Nikolai Tumanow1926–1929Aaron Scheinmann1929–1930Georgi Pjatakow1930–1934Moissei Kalmanowitsch1934–1936Lew Marjassin1936–1937Solomon Kruglikow1937–1938Alexei Gritschmanow1938–1940Nikolai Bulganin1940Nikolai Sokolow1940–1945Nikolai Bulganin1945–1948Jakow Golew1948–1958Wassili Popow1958Nikolai Bulganin1958–1963Alexander Korowuschkin1963–1969Alexei Poskonow1969–1976Mefodi Sweschnikow1976–1986Wladimir Alchimow1986–1987Wiktor Demenzew1987–1989Nikolai Garetowski1989–1991Wiktor Geraschtschenko

Literatur Wladimir Andreff: Economie de la transition. La transformation des économies planifiées en économies de marché. Éditions Bréal, Charenton 2007, ISBN 978-2-7495-0188-8.

Weblinks

Geschichte der Gosbank auf der Webseite der heutigen russischen Zentralbank https://www.globalsecurity.org/wmd/library/news/russia/2000/russia/part03.htm http://www.imf.org/pubs/ft/fandd/1998/12/balino.htm

Kategorie:Unternehmen (Sowjetunion) Kategorie:Unternehmensgründung 1921