mini|Bus der Marke Thornycroft Thornycroft war eine britische Marke des gleichnamigen Herstellers für Automobile, Lastkraftwagen und Omnibusse aus Basingstoke. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Chiswick gegründet, endete die Fahrzeugproduktion des Unternehmens praktisch mit der Übernahme durch Associated Commercial Vehicles im Jahre 1961, wenn auch Sonderfahrzeuge unter der Marke Thornycroft noch bis 1977 hergestellt wurden.

Markengeschichte Das Schiffbauunternehmen John I. Thornycroft & Company aus Basingstoke begann 1896 unter Leitung von John Isaac Thornycroft auch mit der Produktion von Automobilen und Nutzfahrzeugen. Davon abweichend gibt eine Quelle an, dass zwischen 1896 und 1904 die Steam Carriage and Wagon Company, später umbenannt in Thornycroft Steam Wagon Company, der Hersteller war, bevor die Übernahme durch das Schiffsbauunternehmen erfolgte. Die ersten Modelle waren Lastkraftwagen mit Dampfmotor. 1903 wurde mit der Produktion von Pkw begonnen. Ab 1914 konzentrierte sich die Firma auf den Bau von Lastkraftwagen und wurde im und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg einer der größten Nutzfahrzeughersteller im Vereinigten Königreich. In den 1930er Jahren stellte Thornycroft einige Lkw mit innovativen Konzepten vor. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Produktion der Vorkriegstypen zunächst ohne wesentliche Veränderungen fortgesetzt, erst ab Mitte der 1950er Jahre kam es zu Modellpflege und Neukonstruktionen. Das Unternehmen setzte bei den von ihm produzierten Lkw bis auf wenige Ausnahmen selbst konstruierte Motoren ein, seit 1933 auch Dieselmotoren, diese überzeugten durch ihre Leistungsfähigkeit. Vorreiter war das Unternehmen bei Entwicklung und Produktion geländegängiger Lastkraftwagen.

Im Zuge des Konzentrationsprozesses der britischen Nutzfahrzeugindustrie wurde das seit 1948 als Transport Equipment (Thornycroft) firmierende Unternehmen 1960 von Associated Equipment Company übernommen. Unter dem Dach der Associated Commercial Vehicles waren die ursprüngliche AEC, Crossley Motors, Maudslay Motor Company, Park Royal Vehicles und Charles H. Roe vereint. Im Gesamtverbund bestand kein Bedarf an einer weiteren Lkw-Typenreihe, war doch die Bereinigung der Typenvielfalt zur Erreichung wirtschaftlicher Losgrößen in der Serienproduktion eines der Ziele des Konzentrationsprozesses. Die Produktion von normalen Lastkraftwagen dieser Marke wurde beendet, während der Bau von Spezialfahrzeugen, wie Flughafenfeuerwehren, Baustellenfahrzeugen und Fahrzeugen für den Einsatz auf Ölfeldern und des allradgetriebenen Nubian zunächst fortgesetzt wurde. ADV wurde schließlich 1962 von Leyland Motors übernommen. 1968 wurde das Werksgelände in Basingstoke verkauft. Die noch verbliebene Produktion wurde in das ehemalige Scammell-Werk in Watford transferiert.

Personenkraftwagen mini|Pkw 1903 erschienen die ersten Personenkraftwagen. Dabei handelte es sich um die Modelle 10 hp und 20 hp. Das Modell 10 hp hatte einen Zweizylindermotor mit 1779 cm³ Hubraum und das Modell 20 hp einen Vierzylindermotor mit 3558 cm³ Hubraum. Die Motoren waren wassergekühlt und hatten - für die damalige Zeit durchaus ungewöhnlich - obenliegende Ventile. Nach diesen ersten, eher experimentellen Charakter tragenden Fahrzeugen wandte sich das Unternehmen dem Bau größerer Fahrzeuge zu.

1906 folgten die Vierzylindermodelle 14/20 HP mit 2694 cm³ Hubraum und 24 HP mit 4655 cm³ Hubraum sowie das Sechszylindermodell 36 HP mit 6983 cm³ Hubraum. 1907 kam der 30 HP mit Vierzylindermotor und 5187 cm³ Hubraum dazu. 1908 erschien als Nachfolger des 14/18 hp der 18 hp mit dem gleichen Motor, dessen Hubraum 1909 auf 3233 cm³ und 1911 auf 3652 cm³ erhöht wurde. Ebenfalls 1908 erschien als neues Sechszylindermodell der 45 hp mit 7780 cm³ Hubraum. Wie viele andere Firmen in der damaligen Zeit beteiligte sich Thornycroft an Motorsportveranstaltungen, allerdings ohne durchschlagenden Erfolg. Ab dem Jahre 1913 wandte man sich verstärkt dem Bau von Nutzfahrzeugen zu, deren Produktion höhere Gewinnmargen versprach. Die Produktion von Pkw wurde 1914 eingestellt.

Insgesamt entstanden etwa 450 Pkw.

Lastkraftwagen mini|Dampf-Lkw von 1899 mini|Thornycroft Type J, Lkw des Ersten Weltkrieges mit Flugabwehrkanone (1914) mini|Thornycroft Manly, Baujahr 1934 mini|Thornycroft Nubian mini|Thornycroft Bison mini|Schwerlastsattelzugmaschine Mighty Antar mini|Feuerwehrfahrzeug mini|Lkw-Abschleppwagen mini|Chassis eines Dampfwagens von Thornycroft, Baujahr 1905. Links Draufsicht, rechts das Fahrgestell von unten Dampfwagen Das erste Straßenfahrzeug, das das Unternehmen produzierte, war ein dampfgetriebener Lkw. Das 1896 vorgestellte Fahrzeug erwies sich als gelungene Konstruktion, so dass eine relativ große Anzahl dieser Fahrzeuge gefertigt wurde. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts wandte man sich zunächst dem Bau von Personenkraftwagen mit Benzinmotor zu, produzierte aber in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts auch weiterhin Dampfwagen.

Erste Lastkraftwagen mit Verbrennungsmotor Als Wendepunkt in der Geschichte des Unternehmens erwies sich der 1912 erschienene J-Type. Für eine Nutzlast von 4,5 ton ausgelegt, wurde das Fahrzeug von einem 30 bhp leistenden Benzinmotor mit seitlich stehenden Ventilen angetrieben. Das Fahrzeug war ein Langhauber, eine Ausführung, die damals im Vereinigten Königreich als normal control bezeichnet wurde. Bereits seit 1908 bestand eine Regelung, das britische Speditionsunternehmen staatliche Zuschüsse erhalten können, wenn sie Fahrzeuge betrieben, die nach militärischen Anforderungen ausgelegt waren und während eines Notstandes innerhalb von 72 Stunden verfügbar gemacht wurden. Der J-Type fiel unter diese Regelung, was den Absatz des Fahrzeuges förderte. Während des Ersten Weltkrieges wurden über 5000 Lastkraftwagens dieses Typs ausgeliefert. Nach Ende des Krieges wurde die Motorleistung auf 50 bhp angehoben. Der J-Type blieb bis 1926 in Produktion.

Bereits ab 1924 bot Thornycroft mit dem A1 einen kleineren Lkw für eine Nutzlast von 30 cwt an, ebenfalls ein Langhauber. Aus dem A1 wurde das Chassis für den A2 abgeleitet, der für eine Nutzlast von 2 ton ausgelegt war. Beide Fahrzeuge wurden vorrangig als Pritschenfahrzeuge ausgeliefert, konnten aber mit einer Vielzahl von Aufbauten versehen werden. Auch von diesen Typen wurden mehrere tausend Stück gebaut. Spätestens mit dem A1/A2 hatte sich Thornycroft als einer der führenden Nutzfahrzeughersteller im Vereinigten Königreich etabliert. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde der zivile Fahrzeugmarkt durch die ausgesonderten Militär-Lkw förmlich überschwemmt, so dass der Absatz für Neufahrzeuge förmlich einbrach. Diese Entwicklung brachte viele britische Nutzfahrzeughersteller in finanzielle Schwierigkeiten. Thornycroft überstand aber nicht zuletzt wegen des A1 diesen Zeitraum unbeschadet.

Der 1928 erschienene PB-Type war als erster Lkw des Unternehmens als Frontlenker ausgelegt. Bei der durch die damaligen Zulassungsbeschränkungen begrenzten Gesamtlänge der Fahrzeuge versprach diese Bauweise eine größere Länge der Ladefläche. Nicht zuletzt deswegen setzten sich Frontlenkerfahrzeuge in Großbritannien bereits in den 1930er Jahren als vorherrschende Bauweise für Lastkraftwagen durch.

Mittelschwere Lkw Die Ursprünge des ab 1927 gebauten XB reichen bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges zurück, als erstmals ein größerer Bedarf an geländegängigen Lkw entstand. Basierend auf dem A1 hatte Thornycroft 1926 mit dem A1 RSW einen geländegängigen Lkw mit zwei angetriebenen Hinterachsen entwickelt, dabei stand RSW für rigid six wheeler (dreiachsiges Pritschenfahrzeug). Der FB4-Motor des A1 wurde beibehalten. Angetrieben wurde die zweite Achse über ein Schneckengetriebe, von dort aus die dritte Achse. Thornycroft ließ sich dieses Antriebsprinzip patentieren. Zur Verbesserung der Fahreigenschaften im Gelände kam ein außen eingesetztes Vorgelege zur Anwendung. In Kombination mit dem serienmäßigen Vierganggetriebe standen damit acht Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge zur Verfügung. Der A1 RSW mit einer Nutzlast von 2,5 ton wurde ab 1926 durch den A3 RSW abgelöst, der eine Nutzlast von 3 tons tragen konnte. 1927 folgte der XB mit 5 tons Nutzlast im normalen und 3 tons im schweren Gelände. Mit Einführung der Baureihennamen wurde 1931 aus dem XB der Amazon. Konzeptionell war der Amazon ähnlich wie der A3 RSW ausgelegt. Auch hier wurden beide Hinterachsen angetrieben, ebenso wurde ein Vorgelege eingesetzt. Das Fahrzeug entsprach den Forderungen des britischen War Office für geländegängige Fahrzeuge. Durch die Verwendung bereits vorhandener Komponenten konnten die Produktionskosten gering gehalten werden. Angetrieben wurde der Lkw von einem Vierzylinder-Ottomotor. Der MB4 genannte Motor gab eine Leistung von 60 bhp zum Einsatz. Eine Version mit längerem Radstand wurde ebenfalls angeboten, allerdings blieb die Nutzlast gleich. 1931 wurde die Nutzlast auf der Straße auf 6 tons erhöht. Parallel zum XB wurde ab 1929 der EC gebaut. Die Nutzlast auf der Straße betrug zwar nur 5 tons, dafür war das Fahrzeug mit dem stärkeren, 78 bhp leistenden Sechszylindermotor WB6 ausgerüstet. Mit normalen und verlängertem Radstand erhältlich, wurde der EC ab 1932 als Sechszylinder-Version des Amazon mit einer auf 6 tons angebhobenen Nutzlast auf der Straße vermarktet. Aus der Baureihenbezeichnung EC wurde XB, die Motorisierungsvarianten wurden durch den in der Bezeichnung angehängten Motortyp unterschieden. Ab 1933 gab es den Amazon auch mit dem CIND4-Dieselmotor. Der Typ wurde bis einschließlich 1936 gebaut.

Beim 1931 vorgestellten Taurus lag der Motor vor der Vorderachse des Fahrzeuges. Bei vorgegebenem Radstand konnte so die Länge der Ladefläche maximiert werden, außerdem war der Wendekreis gegenüber anderen Fahrzeugtypen mit gleicher Nutzlast geringer. Ab 1933 waren die Lkw von Thornycroft auch mit Dieselmotor erhältlich, nachdem bereits zwei Jahre vorher erste Versuchsmodelle mit derartigen Motoren ausgerüstet wurden. Die Nutzlast lag je nach Ausführung zwischen 6 und 6,5 ton. Ursprünglich wurde die als JD4 bezeichnete Version vom MB/4, einem Vierzylinder-Ottomotor mit einer Leistung von 60 bhp angetrieben. Alternativ war mit dem JD6 auch ein Fahrzeug mit einem Sechszylinder-Ottomotor und einer Leistung von 76 bhp bei einem Hubraum von 6,9 l erhältlich. Erstmals erhielt dieser Typ eine gebremste Vorderachse. Die Unterdruck-Bremsanlage stammte von Westinghouse. Das Vierganggetriebe war nicht synchronisiert. Die Hinterachse wurde über ein Schneckenradgetriebe angetrieben. Die Hinterachse war zwillingsbereift, Luftreifen gehörten zur Standardausrüstung.