Marendaz war ein britischer Hersteller von Automobilen.

D. M. K. Marendaz Limited Donald Marcus Kelway Marendaz hatte 1919 mit Charles A. Seelhoff (1893–?) in Coventry die Marseal Motors Limited als Getriebebauer und Zulieferer für die Automobilindustrie gegründet. Ab 1920 stellte das Unternehmen leichte Fahrzeuge der Marken Marseel und Marseal her.

Kurz nach der Schließung dieses Betriebs 1926 gründete Marendaz in London erneut ein Unternehmen, die D. M. K. Marendaz Limited, die sich auf Sportwagen.motorbase.com: Manufacturers/Marendaz Der Firmensitz lag an der Brixton Road (London SW9; Stadtteil Camberwell im Bezirk Southwark). Da die Kapazitäten mit seinem Marendaz Special bei Weitem nicht ausgelastet waren, übernahm Marendaz auch Wartung und Tuning von Fremdmarken und bemühte sich erfolgreich um eine Vertretung für US-amerikanische Graham-Paige-Personenwagen,marendazspecial.co.uk: Donald Marcus Kelway Marendaz die im selben Gebäude untergebracht wurde. Dieses Gebäude beherbergte außerdem die Londoner Bugatti-Vertretung.gracesguide.co.uk: Donald Marcus Kelway Marendaz

Obwohl Marendaz ein aufwendiges Rennteam unterhielt und damit vor allem in nationalen Wettkämpfen recht erfolgreich war, wurden nur wenige Marendaz Special verkauft. Wenig hilfreich dürfte sich Marendaz’ notorisch schlechtes Verhältnis zur Presse ausgewirkt haben; er stand im Ruf, gegen missliebige Artikel und Kommentare schnell die Gerichte anzurufen.

mini|hochkant=1.4|Marendaz Special 13/70 2-Seater Sports von 1932 Die gesamte Produktion von 1926 bis 1932 wird auf 20 bis 50 Fahrzeuge geschätzt; die Marendaz-Homepage legt sich etwas präziser auf „etwa 30“ fest. Diese geringe Zahl verteilt sich auf vier Modelle – sechs, wenn die entsprechende Kompressor-Variante ebenfalls als Modell gewertet wird. Der 9/90 hatte einen Vierzylindermotor von Anzani mit 1087 cm³ Hubraum und war mit Kompressor erhältlich.marendazspecial.co.uk: Marendaz Special Models Somit dürfte das Auto im Hinblick auf eine Teilnahme an den Coupes des Voiturettes entstanden sein. 1930 oder 1931Culshaw/Horrobin: Complete Catalogue of British Cars wurde das Modell aufgegeben.

Das „Rückgrat“ der kleinen Produktion bildete der 11/55 mit einem 1,5-Liter-Vierzylindermotor, ebenfalls geliefert von Anzani. Dieses Modell war auch Basis für Rennsportwagen.

Ein eigener Reihen-Achtzylindermotor (14/55) nach dem Vorbild des Bugatti Type 35 wurde entwickelt, aber kaum verkauft; es ist fraglich, ob mehr als ein Exemplar gebaut wurde. Mangels zeitgenössischer Quellen ist unklar, ob von der im Katalog angebotenen Kompressorversion 14/120 überhaupt je ein Fahrzeug fertiggestellt wurde. Der Achtzylinder scheint ein von Anzani aufgegebenes Projekt gewesen zu sein, das Marendaz weiterentwickelte. Die Kurbelwelle lieferte denn auch Anzani, den Motorblock entwarf Marendaz neu.

Marendaz Special Cars Limited mini|Marendaz Special 15-90 von 1935

Ab 1931 begann die Entwicklung eines größeren Modells. Verwendet wurde ein 1,8-Liter-Sechszylinder von Continental; dieser wurde von Marendaz überarbeitet. Bevor das Unternehmen von London wegzog, wurden mindestens fünf dieser 13/70 genannten Fahrzeuge fertiggestellt.

Dieser Umzug erfolgte 1932 und ging einher mit der Umbenennung auf Marendaz Special Cars Limited. Marendaz bezog Räumlichkeiten in den Cordwallis Works in Maidenhead, Berkshire, England. Die immer wieder kolportierte Feststellung, dass hier zuvor G.W.K.- oder Burney-Automobile hergestellt worden waren (z. B. Motorbase) ist schwer nachvollziehbar denn die Produktionsdauer der drei Hersteller überschneidet sich: G.W.K. bestand von 1911 bis 1931 und produzierte hier ab 1914, Burney von 1927 bis 1934 resp. 1936. Das passt nicht zur Produktionszeit des Marendaz in Maidenhead. Während denkbar ist, dass Marendaz in den frei gewordenen Anlagen von G.W.K. arbeitete, erscheint das für Burney ausgeschlossen sofern deren Produktion nicht gemeinsam erfolgte. Dies wiederum kann nicht belegt werden. Die Anlage Cordwallis Park besteht als Industriepark bis heute.The Sun: Directory; Eintrag 11152607; Cordwallis Park sodass der Rückschluss erlaubt ist, dass zwar die drei Hersteller hier eingemietet waren, aber nicht in denselben Räumen.

1935 stellte Continental die Lieferung seiner Motoren ein. Ob die Ursache in einer Produktionsumstellung, die geringe Stückzahl oder offene Rechnungen bei Marendaz Special Cars lag ist unklar. Marendaz behalf sich, indem er den Motorblock erst nachfertigte und später weiter entwickelte. Getriebe wurden teils von der Moss Gear Company in Birmingham zugekauft und teils selber hergestellt.

Im Laufe des Jahres 1935 kam mit dem 15/80 eine weitere Version hinzu. Sie erhielt den Zweiliter-Motor von Coventry Climax. Dieses Modell löste also die Versionen mit Coventry-Motoren nicht ab. Beide wurden bis zur Produktionseinstellung gebaut.

Technik Das Unternehmen stellte attraktive, sportliche Fahrzeuge in geringen Stückzahlen her. Bei manchen Modellen erhöhte ein Kompressor die Motorleistung. Es gab eine schwer überschaubare Zahl von ähnlichen Modellen, die sich im Wesentlichen nur durch ihre Motorisierung unterschieden. Die meisten in London gebauten Wagen erhielten Anzani-Motorenmit mit 1087 cm³ oder 1495 cm³ Hubraum. Beim 1100er (Modell 9/90) könnte es der gleiche Motor gewesen sein, der auch im Collet-Anzani verwendet wurde; dieses aufwendig konstruierte Triebwerk bestand ganz aus Leichtmetall. Es hatte eine oben liegende Nockenwelle; Zylinderkopf und Zylinder waren ein gemeinsames Bauteil und die Nockenwelle wurde über Zahnräder angetrieben. Dazu kam noch eine Doppelzündung. Der Motor ließ sehr hohe drehen (über 6500/min) zu und auch einen Kompressor zu.anzani.de: Anzani

Der 1500er war mit stehenden Ventilen konventioneller konstruiertmotorbase.com: Marendaz 11/55, 14/55 and 14/125 und galt als sehr standfest; auch er ließ sich mit einem Kompressor ausrüsten. Marendaz scheint dabei auf Kundenwünsche eingegangen zu sein; zumindest ein 13/90Erstzulassung JB3702. erhielt einen Zoller-Kompressor.

Der Reihenachtzylinder war eine interessante Konstruktion. Den Motorblock fertigte Marendaz an, Kurbelwelle lieferte Anzani, wo ein ähnliches Projekt nicht weiterverfolgt worden war. Die Kompressor-Version 14/125 wurde zwar angeboten, es scheint aber, dass es bestenfalls zu einem Prototyp kam.

Unnötig verwirrend wirkte sich aus, dass das Werk sowohl die Vierzylinder 11/55 und 11/120 (Kompressorversion des 11/55) wie auch die Achtzylinder 14/55 und 14/125 alternativ als 1½ Litre bezeichnete.

Die meisten Marendaz Special erhielten jedoch einen von Marendaz mehr oder weniger überarbeiteten Sechszylindermotor des Typs 8F/9F von Continental. Das Triebwerk hatte zunächst 1869 cm³ Hubraum. Marendaz’ Beitrag zum Basismodell 13/70 bestand in Leichtmetall-Zylinderköpfen und -Auspuffkrümmern eigener Konstruktion. Zur Leistungssteigerung war ein Kompressor lieferbar; diese Ausführung hieß 13/85. Ab 1932 hatte Marendaz zunehmend Mühe, diese Motoren zu erhalten. Der 13/70 erhielt nun einen hauseigenen Motorblock, der vom Continental-Motor abgeleitet war. Schnell wurde eine auf 2454 cm³ Hubraum vergrößerte Variante nachgeschoben. Dieser 17/80 war auch als Kompressorversion 17/97 oder 17/100 erhältlich. Möglicherweise hatten auch diese Modelle Kompressoren unterschiedlicher Hersteller. Gelegentlich wird auch ein 17/115 genannt, der auf der Marendaz-Homepage allerdings nicht genannt ist.

Das letzte Marendaz-Modell erhielt einen Coventry-Climax-Motor. Der Zweiliter wurde von mehreren britischen Herstellern verwendet. Im Triumph Gloria Six 15.7 hp leistete er gemäß Werksangaben 55 bhp (40 kW) und in der Vitesse-Version 65 bhp 55 bhp (48 kW); Marendaz gab für den gleichen Motor 80 bhp (59.7 kW) ohne Kompressor an. Demnach wurde entweder in der Werbung etwas „geflunkert“ oder Donald Marendaz tunte auch diesen Motor, wofür allerdings keine Angaben vorliegen.

Fahrzeuge Die Typenbezeichnung in der nachstehenden Liste bezieht sich auf die Steuer-PS in Großbritannien zur Produktionszeit (vor dem Schrägstrich) und die Leistung in bhp (hinter dem Schrägstrich). Letztere Angaben sind bei kleinen Herstellern wie Marendaz nicht immer zuverlässig und gerade Captain Marendaz scheint gelegentlich etwas übertrieben zu haben.

Modell Bauzeit Zylinder Hubraum (cm³) Leistung (kW) Bemerkung 11/55 HP 1925–1932 4 1496 41 Motor Anzani 11/120 HP 1925–1929 4 1496 89,5 Motor Anzani, Kompressor 9/90 HP 1926–1931 4 1094 67,1 Kompressor optional 14/55 HP 1929–1931 8 1495 41 Motor Marendaz/AnzaniEvtl. nur ein Prototyp gebaut, siehe marendazspecial.co.uk: Marendaz Special Models. 14/125 HP 1929–1931 8 1495 93,2 Motor Marendaz/Anzani, KompressorTatsächliche Produktion nicht belegt. 13/70 HP 1931–1932 6 1869 52,2 Motor Continental Typ 8F/9F 17/80 HP 1932–1936 6 2454 59,7 Motor Marendaz/Continental 13/85 HP 1934–1934 6 1869 63,4 Kompressor-Version des 13/70 17/97 HP 1934–1934 6 2454 72,3 Kompressor-Version des 17/80 13/90 HP 1935–1936 6 1969 67,1 Kompressor-Version des 13/70 17/85 HP 1935–1936 6 2500 63,4 Version des 17/80; Produktionsdauer unklar 17/100 HP 1935–1936 6 2500 74,6 Kompressor-Version des 17/85 17/115 HP 1935–1936 6 2454 85,8 Motor Marendaz/Continental (?); evtl. identisch mit 17/100 15/80 HP 1936–1936 6 1991 59,7 Motor Coventry Climax 15/90 HP 1936–1936 6 1991 67,1 Motor Coventry Climax

Da sich die einzelnen Modelle praktisch nur durch die Motorisierung unterschieden, dürften die Karosserien weitgehend austauschbar gewesen sein. Die vorderen Kotflügel waren entweder „helmförmig“ (d. h., ihr Profil ähnelte jenem eines antiken Helms) oder gestreckt. Letztere liefen etwa auf der Höhe der Tür aus. Spätere Ausführungen sind manchmal auch seitlich geschürzt. Es gab keine Trittbretter.

Die Literatur nennt keinen Hersteller für die Aufbauten; sie entstanden also wahrscheinlich im Werk. Das übliche Verfahren war, einen hölzernen Rahmen zu bauen und das von Hand geformte Karosserieblech darüber zu befestigen. So werden heute noch (Stand 2020) die Aufbauten für Morgan-Automobile hergestellt.

Lieferbar waren:

Marendaz 9/90 Roadster, 2-türig, 2-sitzig

Keine genauen Angaben.

Marendaz 11/55, 14/55 und 14/125 Roadster, 2-türig, 2-sitzig Roadster, 2-türig, 3-sitzig Coupé 2-türig, 2-sitzig

Marendaz 13/70, 13/100motorbase.com: Marendaz 13/70 and 13/100 Roadster, 2-türig, 2-sitzig Coupé 2-türig, 2-sitzig „Sportsman“ Coupé

Weitere Angaben zum „Sportsman“ Coupé fehlen.

Marendaz 15/90motorbase.com: Marendaz 15/90 Roadster, 2-türig, 2-sitzig

Marendaz 17/97, 17/80, 17/100motorbase.com: Marendaz 17/97, 17/80 and 17/100 Tourer, 2 + 2-sitzig Cabriolet, 2-türig, 2-sitzig Coupé 2-türig, 2-sitzig ("foursome") Saloon 4-türig, 4-sitzig

Tourer haben ein leichtes Notverdeck und in der Regel umklappbare Windschutzscheiben analog dem Roadster. Cabriolets haben eine feste A-Säule und ein schwereres Verdeck. Weitere Angaben zum „foursome“ Coupé fehlen; üblicherweise ist damit ein Viersitzer gemeint.

Produktion Anfang 1936 endete die Produktion. Insgesamt 45 Fahrzeuge (einschließlich fünf in London fertiggestellte) mit dem Continental-Motor (oder einem davon abgeleiteten) wurden gebaut. Dazu kommen 11 Exemplare mit Coventry-Climax-Motor. Geht man von 30 Fahrzeugen mit Anzani-Vierzylinder oder Marendaz-Achtzylinder aus, dann ergibt das eine Gesamtproduktion von nur 86 Fahrzeugen in zehn Jahren.

Am Rennsport hielt Marendaz bis zuletzt fest.

Rennsport Das erste Rennen, das ein Marendaz Special bestritt, war das Brooklands Handicap vom 13. April 1925, das er prompt gewann.marendazspecial.co.uk: Marendaz Racing Success Von diesem ersten Fahrzeug der noch nicht einmal gegründeten Marke ist nur bekannt, dass es einen viertürigen Tourer-Aufbau hatte. Es gab keine Ähnlichkeit mit späteren Marendaz Special, wohl aber eine große mit dem Marseal.marendazspecial.co.uk: Marendaz Special Cars; 1925