mini|hochkant|Ein segnender John of Bridlington inmitten von Teufeln und gefolterten Seelen im Purgatorium illustriert den Beginn des Textes in der Royal 17 B xliii (f. 132v).Vgl. Textausgabe von Easting, S. xxxiii: Dass es sich hierbei um eine Darstellung von John of Bridlington handelt, wird von Easting als wahrscheinlich erachtet. The Vision of William of Stranton ist ein mittelenglischer Prosatext aus dem 15. Jahrhundert, der eine Vision anlässlich eines Besuchs des Purgatoriums des heiligen Patrick am 20. September 1409 schildert.Vgl. Textausgabe von Easting, S. lxxiv. Die Datierung entspricht der MS Royal. Die MS Additional gibt den 14. April 1406 an (Ostern). Easting schätzt jedoch, dass die Datierung der MS Royal eher stimmen dürfte. Diese Datierung wird auch von Leslie übernommen, siehe S. 28. In der dem Tractatus de Purgatorio Sancti Patricii folgenden Tradition der Visionsliteratur ist es der einzige ausführliche in Englisch erstellte Bericht.Vgl. Aufsatz von Easting, S. 80. Die im Text geäußerte Kritik an der untätigen und eitlen Oberschicht, den Auswüchsen der Mode und den Missständen des Klerus folgt den zeitgenössischen Predigten und Visionen.Vgl. Aufsatz von Easting, S. 78.

Handschriften Es sind nur zwei handschriftliche Kopien des Texts bekannt, die beide zum Bestand der British Library gehören: Royal 17 B xliii und Additional 34193. Beide Handschriften sind voneinander unabhängig entstandene Kopien der nicht erhalten gebliebenen Urschrift. Die Abschriften enthalten unterschiedliche Übertragungsfehler und weichen in ihrer Ausführlichkeit voneinander ab, so dass sie sich ergänzen, es jedoch vielfach unklar bleibt, welche der beiden Fassungen dem unbekannten Original näherkommen könnte.Vgl. Textausgabe von Easting, S. lxxiv–lxxvii. Dabei ist anzunehmen, dass die beiden Fassungen sich nicht direkt aus dem Ursprungstext ableiten, sondern vielmehr das Resultat einer Kette von Übertragungen sind.Vgl. Eastings Aufsatz, S. 67. Beide Handschriften ordnen die geschilderten Ereignisse in die gleiche Reihenfolge, lassen aber einzelne Abschnitte weg, die jeweils in der anderen Handschrift noch erhalten sind. In beiden Fällen wurden Texte umformuliert und Ergänzungen eingefügt, wobei es unklar bleibt, inwiefern dies bei diesen Handschriften oder den unbekannten Vorläufern erfolgte.Vgl. Textausgabe von Easting, S. lxxvi. Die Sprache des Texts der Royal wurde dem westlichen Warwickshire zugeordnet,Vgl. Textausgabe von Easting, S. xxxv. während der Schreiber der Additional in das östliche Nottinghamshire oder östliche Leicestershire einzuordnen ist.Vgl. Textausgabe von Easting, S. xxxviii.

Royal 17 B xliii mini|hochkant|Folio 134r der Royal 17 B xliii Die Royal-Handschrift enthält insgesamt 187 durchgehend nummerierte Vellum-Blätter, wovon drei vorne und drei hinten zum Vorsatz gehören. Die nicht zum Vorsatz gehörenden Blätter sind im Quaternio-Format gebunden. Der Band besteht aus drei ursprünglich getrennten Teilen, die erst im 18. Jahrhundert in Leder zusammengebunden wurden.Vgl. Eastings Textausgabe, S. xxxiii; Ward, S. 484. Der erste Teil enthält eine unvollständige Kopie der Reisebeschreibung von Jehan de Mandeville ins Heilige Land (f. 4–115). Der zweite Teil folgt mit der Romanze Sir Gowther (f. 116–131) und Williams Text (f. 133–148). Beide Texte wurden wahrscheinlich von demselben Kopisten geschrieben. Dennoch verraten Gebrauchsspuren, dass auch die beiden Schriften des zweiten Teils ursprünglich getrennt gewesen sind.Vgl. Eastings Textausgabe, S. xxxiv. Der Band wird im dritten Teil mit einer unvollständigen Kopie der Visio Tnugdali (f. 150–184) abgeschlossen, die sich dank eines Kolophons auf das Jahr 1451 datieren lässt.Vgl. Ward, S. 434, und Textausgabe von Easting, S. xxxiii. Zu Beginn der beiden Jenseits-Visionen wurde jeweils ein Blatt mit einer Illustration auf der Rückseite eingefügt (f. 132v und f. 149v). Beide Bilder stammen wahrscheinlich von demselben Künstler.Vgl. Eastings Textausgabe, S. xxxiii.

Der Band hat ein Seitenformat von 205 × 145 mm ( : 1). Einige sehr eng am Außenrand befindliche Anmerkungen im zweiten Teil lassen vermuten, dass dieser zurechtgeschnitten wurde, um mit den anderen beiden Teilen gebunden zu werden. Der durch Linien vorgegebene Satzspiegel umfasst 150 × 98 mm, wobei die oberste Zeile oberhalb des Rahmens geschrieben wurde, so dass die Schriftfläche in etwa das Format 5 : 8 hat. Insgesamt sind auf jeder Seite zwischen 23 und 27 Zeilen. Die Oberlängen der obersten Zeile und die Unterlängen der untersten Zeile sind rot tuschiert und kalligraphisch ausgeführt. Ebenfalls rot sind die Satzzeichen und Versalien.Vgl. Eastings Textausgabe, S. xxxiv–xxxv.

Der früheste bekannte Besitzer der Royal-Handschrift ist der Antiquar John Theyer († 1673), der diese an einen seiner Enkel vererbte, der sie später zusammen mit weiteren Werken der Bibliothek verkaufte, so dass sie in den Besitz des englischen Königshauses gelangte.Vgl. Katalogeintrag der BL (siehe Weblinks).

Additional 34193 mini|hochkant|Folio 122r der Additional 34193 Das Additional-Manuskript besteht aus 228 durchnummerierten im Quaternio-Format gebundenen Blättern – überwiegend Vellum, aber auch mit einigen Papierbögen. Hinzu kommen zwei zum Vorsatz gehörenden Blätter zu Beginn und am Ende. Der Band beginnt mit zwei urkundlichen Texten, die an York Minster gewährte Privilegien bestätigen (f. 2–3).Vgl. Ward, S. 487. Es folgt Pilgrimage of the Soul, eine Übersetzung eines Texts von Guillaume de Digulleville aus dem Französischen (f. 5r–98v). Danach beginnt auf Folio 99r in der linken Spalte die unvollständige Geschichte der Begegnung zwischen dem Apostel Jakob und dem Zauberer aus der Legenda aurea. Die rechte Spalte beginnt dann mit dem Text Williams, der sich über drei nicht zusammenhängende Abschnitte verteilt (99rb–100vb, 106ra–106vb und 119v–125v). Eingeschoben findet sich der Text Narratio de spiritu Guidonis, der erzählt, wie Guys Geist das Fegefeuer verlassen darf, um vor seiner Frau zu erscheinen und sie um Gebete für ihn zu bitten (101r–106r). Der zweite Einschub enthält lateinische und englische Fassungen des Hymnal de Tempore (107r-119v). Am Ende jedes der drei getrennten Teile findet sich ein Hinweis des Kopisten auf den Folgeteil. Der dritte Teil verweist dabei auf einen fehlenden vierten Teil, so dass der Text nicht ganz vollständig ist. Im Vergleich mit der Royal fehlen die Abschiedsworte des Bischofs im irdischen Paradies. Danach folgt die Vision of Edmund Leversedge (f. 126ra–130vb), die eine Vision in Frome in der Grafschaft Somerset im Mai 1465 schildert.Vgl. Eastings Textausgabe, S. xxxvii. Zu den weiteren Texten gehören die Regeln eines Eremiten (f. 131), eine englische Übersetzung des Liber de moralibus philosophorum (f. 137), Epistola beati Barnadi ad Raimundum nepotem suum militem (f. 202), ein Bericht der Kirchensynode von Westminster am 9. September 1125 (f. 202), ein Brief eines Baltizar ... Soudayn of Surry, Emp[er]our of Babulon (f. 203), eine englische Fassung der Catonis Disticha (f. 204) und ein religiöses Gedicht (f. 223). Neben der mit einem Bleistift geschriebenen Nummerierung existiert auch noch eine ältere mit Tinte erfolgte Seitennummerierung, die den Folia 2r–4r die Nummern 1–5 gibt und ab der Seite 5r beginnend mit dem Text der Pilgrimage of the Soul die verbleibenden Seiten getrennt durchnummeriert: 1–446.

Die Schrift des Kopisten von Williams Text erscheint nicht sehr fein und findet sich auch nicht in den weiteren Texten des Bands. Die ersten vier Zeilen des Texts, das lateinische Gebet und die meisten Versalien sind in roter Tinte geschrieben. Die Blattgröße umfasst 280 × 185 mm (3 : 2) und die Schriftfläche 195 × 145 mm (4 : 3). Der Text ist zweispaltig mit 33 oder 34 Zeilen.

Die frühe Geschichte des Bands ist nicht bekannt.Vgl. Eastings Textausgabe, S. xxxvi. Einige Namen aus dem 17. und 18. Jahrhundert finden sich an den Rändern: Geo. Corquerell (f. 98v), Charles Henchman (f. 169v) und Geo. Goodman (f. 228v). Der früheste identifizierte Besitzer ist Richard Heber (1773–1833). Aus dessen Nachlass wurde es 1836 von John Fuller Russell (1814–1884) ersteigert, dessen Exlibris im Buch verblieben ist.

Regionale Bezüge des Texts

Der Protagonist William of Stranton ist nur durch diesen Text bekannt. Nach seinen Angaben kommt er aus der Diözese Durham, wo es in der Tat eine Küstensiedlung mit dem Namen Stranton südlich von West Hartlepool gab.Vgl. Textausgabe von Easting, S. lxxviii. Weitere Bezüge ergeben sich durch die beiden im Text erwähnten Heiligen Hilda von Whitby und John of Bridlington, die beide der gleichen Region entstammen. Insbesondere der Bezug zu John ist aus der Sicht des Textes sehr aktuell, da dieser erst 1379 verstorben ist und bereits 1401 heiliggesprochen wurde – fünf Jahre vor dem Zeitpunkt der Vision.

Die MS Royal weicht von der MS Additional in einem wesentlichen Punkt ab, indem Hilda von Whitby durch Seint Ive, my suster, þat woned in QuitikeZitiert von der Textausgabe von Easting, S. 80, Zeile 54, Folio 134r. ersetzt wird. Allgemein wird Quitike der Ortschaft Quethiock in Cornwall gleichgesetzt.Vgl. Ward, S. 485; Leslie, S. 29; Textausgabe von Easting, S. 221, Anmerkung zu SR52-54; De Wilde, S. 155, Fußnote 16. Da sich jedoch eine Heilige mit dem Namen Ive nicht direkt dem Ort Quethiock zuordnen lässt, gab es mehrere unterschiedliche Erklärungsversuche. Ward und Easting sehen den Bezug in der Quethiock benachbarten Ortschaft St Ive, die nach dem Heiligen Ivo benannt ist. Ward argumentiert hier, dass das Geschlecht von Ivo ohnehin nicht sichergestellt sei.Vgl. Ward, Fußnote auf S. 485, worin er auf den Text einer Inspektion im Jahr 1294 verweist: Ecclesia Sancti Ivonis in Decanatu de Eastwellshire. Krapp und De Wilde vermuteten, dass die kornische Heilige Ia gemeint sein könnte, nach der die Stadt St Ives benannt wurde.Vgl. Krapp, S. 58; De Wilde, S. 155, Fußnote 16.

Der Text beschreibt nicht die genaue Lage des Purgatoriums. Stattdessen wird nur angegeben, dass es in der Diözese Clogher liegt. Ebenfalls wird auf eine Beschreibung der Örtlichkeiten verzichtet und stattdessen nur der Name des Priors genannt, der dem Augustiner-Chorherrenstift vorstand, der die Pilger zu dem Purgatorium betreute.Vgl. Eastings Textausgabe, S. lxxx. Die wenigen genannten Details lassen es jedoch als sehr wahrscheinlich erachten, dass der Autor des Texts tatsächlich an dem Ort gewesen ist.Vgl. Eastings Aufsatz, S. 78.

Inhalt

Instruktionen des Priors Obwohl der Autor des Texts offensichtlich mit dem Tractatus de Purgatorio Sancti Patricii vertraut gewesen ist und einige Strukturen daraus übernommen hat, ist es ein unabhängiges Werk. Die Erzählung beginnt mit der Vorstellung des Protagonisten und den Instruktionen des Priors vor dem Eintritt in das Purgatorium. Insbesondere wurde ihm aufgetragen, das Gebet Jesu Christe Fili Dei vivi miserere mihi peccatori zu sprechen (übersetzt: „Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, sei mir Sünder gnädig“), wenn er einem Geist, sei er gut oder böse, in dem Purgatorium begegnen würde. Das gleiche Gebet findet sich bereits in dem früheren Pilgerbericht des ungarischen Ritters Georgius Crissaphan aus dem Jahr 1353.Vgl. John D. Seymour: Saint Patrick's purgatory: a mediaeval pilgrimage in Ireland. Dundalgan Press, 1918, S. 28, Digitalisat; Michael Haren: Two Hungarian Pilgrims. Aus: Michael Haren, Yolande de Pontfarcy: The Medieval Pilgrimage to St Patrick's Purgatory Lough Derg and the European Tradition. Clogher Historical Society, Enniskillen 1988, ISBN 0-949012-05-X, S. 135.

Begegnung mit den beiden Heiligen zu Beginn der Vision Im Gegensatz zum Ritter Owein aus dem Tractatus erhebt William nicht den Anspruch, selbst körperlich das Fegefeuer besucht und erlebt zu haben. Stattdessen zeichnete er nach seinen eigenen Angaben die Vision auf, die sich ihm zeigte, nachdem in der Höhle einschlief: