Reiterswiesen ist ein Gemeindeteil der Großen Kreisstadt Bad Kissingen im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen in Bayern. Die Gemarkung Reiterswiesen hat eine Fläche von 9,188 km². Sie ist in 2049 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4484,16 m² haben.

Geographische Lage Das Kirchdorf Reiterswiesen liegt an der Ostseite Bad Kissingens Finsterberg, auf dem sich Reste des vom Badearzt Franz Anton von Balling angelegten Ballinghains befinden; nördlich von Reiterswiesen liegt der Stationsberg. In Reiterswiesen befindet sich der Lollbach, der in den Bad Kissinger Stadtteil Arnshausen fließt.

Die Durchfahrtsstraße von Reiterswiesen startet an der Bad Kissinger Umgehungsstraße und führt nach dem Ortsausgang des Gemeindeteils als Kreisstraße KG 6 nach Eltingshausen; die von der KG 6 abzweigende KG 8 führt u. a. zur Schwarzen Pfütze, nach Rannungen, Maßbach und Thundorf i.UFr.

Geschichte Anfänge Die ältesten Spuren von Besiedelung in der Gemarkung Reiterswiesen stammen in Form von Pfeilspitzen, Tonscherben und Steinwerkzeugen aus der Jungsteinzeit.Arnold Greubel: Reiterswiesener Chronik – Geschichtliches zur Burg Bodenlauben, dem Weiler Unterbodenlauben und dem Dorfe Reiterswiesen. Reiterswiesen 1975 Der durch hier siedelnde Bandkeramiker ausgeübte Ackerbau erforderte eine vorübergehende Sesshaftigkeit; hinzu kam dann Viehhaltung. Aus der Glockenbecherkultur stammt eine auf dem Reiterswiesener Finsterberg gefundene Streitaxt aus Basalt. Dreißig am Beilberg gelegene Hünengräber stammen höchstwahrscheinlich aus der Hallstattzeit. Zahlreiche in der Gemarkung Reiterswiesen gefundene Scherben keltischen Ursprungs entstammen der Latènezeit.

Während der römischen Kaiserzeit ging der keltische Anteil an der Bevölkerung zugunsten elbgermanischer Einwanderer zurück; im Lauf des 5. Jahrhunderts stieg der Anteil von Thüringern in der Bevölkerung, die aber – ebenso wie die elbgermanischen Alamannen – durch die Schlacht an der Unstrut in Sachsen gegen König Theuderich I. im Jahre 531 durch die Franken ein Stück weit verdrängt wurden.

Der fränkische Einfluss verstärkte sich im Jahre 741 durch die Gründung des Bistums Würzburg.

Reiterswiesen ist für den 4. März 1234 das erste Mal schriftlich verbürgt. Die damalige Bezeichnung Ritanswiesen bezieht sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine Person namens R(a)itant, der für die Zeit zwischen 802 und 837 in der Region dreimal urkundlich erwähnt wird. Diese Vermutung wird gestützt durch die Tatsache, dass, durch die Genitivform des Namens bedingt, für die Zeit der Ersterwähnung (1234) eigentlich die Schreibung Ritan(t)eswisen zu erwarten gewesen wäre; mit Ritanswiesen hat man sich bei der Ersterwähnung aber an die Schreibweise des 9. Jahrhunderts gehalten.

Der heutige Spitzname für die Reiterswiesener Einwohner, Linsenspitzer, stammt aus der Zeit, als die Bauern des Ortes Linsen anbauten.Heimatverein Botenlauben Reiterswiesen e. V. (Hrsg.): „Von Linsenspitzern und Minnesängern …“ – Geschichte und Geschichten aus Reiterswiesen, Bad Kissingen 2009, S. 19 Demnach verbrachten die Reiterswiesener Bauern die Sonntage auf den Feldern und schauten den Linsen beim Wachsen zu. Wenn Auswärtige vorbeikamen und mit einem ironischen Unterton fragten: „Was machen die Linsen?“, so lautete die Antwort des hiesigen Bauern: „Sie spitzen schon!“.

Mittelalter mini|250px|Graf Otto von Botenlauben (links)

Der früheste Nachweis für die Herrschaft der Henneberger in der Region und damit auch über Reiterswiesen stammt aus dem Ende des 11. Jahrhunderts. Möglicherweise war es auch deren Burggraf Berthold I., der mit dem Bau der wahrscheinlich im 12. Jahrhundert entstandenen Burg BotenlaubenDenis A. Chevalley, Stefan Gerlach: "Denkmäler in Bayern - Stadt Bad Kissingen, 1998Georg Dehio, Tilmann Breuer: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken – Die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken. 2., durchgesehene und ergänzte Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1999, ISBN 3-422-03051-4Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hrsg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801-2001, Facetten einer Stadtgeschichte. (= Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung / Sonderpublikation des Stadtarchivs Bad Kissingen). Verlag T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 2001, ISBN 3-929278-16-2 begann. Für das Jahr 1206 ist der Henneberger Burggraf Otto I. in einer Würzburger Urkunde als „Otto de Bodenlouben“ verbürgt. Nach langen Wanderjahren ließ er sich gemeinsam mit seiner Gattin Beatrix von Courtenay, die er während seines Aufenthalts im Orient im Anschluss an den gescheiterten Kreuzzug Heinrichs VI. kennengelernt hatte, im Jahre 1220 auf der Burg nieder. 1231 – dem Todesjahr von Ottos Cousine, der Heiligen Elisabeth von Thüringen – begannen Otto und Beatrix mit dem Bau des Klosters Frauenroth (der Sage nach hatte Beatrix versprochen, an dem Fundort ihres vom Winde fortgewehten Schleiers ein Kloster zu errichten).Edi Hahn: Bad Kissingen und seine Umgebung die schönsten Sagen, Legenden und Geschichten, Bad Kissingen 1986 Nach dem Eintritt ihres Erben, ihres Sohnes Otto II., in den Deutschen Orden verkauften Otto und Beatrix am 4. März 1234 die Botenlaube an den Bischof Hermann I. von Lobdeburg. Durch den Verkauf konnten Otto und Beatrix den Unterhalt des Klosters Frauenroth finanzieren. Nach Erwerb der Burg errichtete der Bischof das Amt Botenlauben, um die hennebergische Vormachtstellung einzugrenzen.

Aus Geldnot wurden Amt und Burg im Lauf der nächsten Jahrhunderte von den Würzburger Fürstbischöfen mehrfach verpfändet. In dieser Zeit kam es im Jahr 1402 zu gewaltsamen Auseinandersetzungen durch die von-Hutten-Brüder, die vom Fürstbischof wegen Unterdrückung ihrer Untertanen abgesetzt worden waren und aus Rache mehrere Raubzüge auch im Amt Bodenlauben unternahmen.

Während die Bewohner des unterhalb der Burg gelegenen Weilers Unterbotenlauben wahrscheinlich die Gottesdienste in der Burgkapelle der Bodenlaube besuchten, ist über die frühmittelalterliche Situation in Reiterswiesen nichts bekannt. Erst aus dem Jahr 1464 stammt die Aussage von Peter von Herbilstadt, Amtmann der Bodenlaube, dass unter Graf Friedrich I. von Henneberg (1402–1422) Gläubige u. a. aus Reiterswiesen den Gottesdienst in einer den Aposteln Petrus und Paulus geweihten Kirche im Nachbardorf Arnshausen besuchten, das um 1230/1240 unter Einfluss des Hochstifts Würzburg zum festen Kirchdorf geworden war. Da die Stadt Kissingen ab 1394 zum Hochstift gehörte und an Bedeutung gewann, wurde die Pfarrei Arnshausen 1464 aufgelöst; zu deren letzten bekannten Pfarrern gehörten, so Peter von Herbilstadt, u. a. ein Johannes Mörlein und ein Peter von Werpergshausen. An die Zeit der gemeinsamen Pfarrei von Reiterswiesen und Arnshausen erinnert eine Verbindungsstraße, die heute als „Totenweg“ bekannt ist und damals dem Transport der Verstorbenen aus Reiterswiesen zum Friedhof von Arnshausen diente.

Reiterswiesen zu Beginn der Neuzeit Später wurde Reiterswiesen auch vom Bauernaufstand von 1525 sowie seiner blutigen Niederschlagung in Mitleidenschaft gezogen. Mit dem Bauernaufstand begann der Zerfall der Burg Botenlauben zur Ruine, nachdem sie von Bauern aus Aura an der Saale gestürmt worden war (der Sage nach wurden die Bauern vom verräterischen Burgkoch eingelassen, die diesen blendeten und umbrachten; seitdem soll sein Geist in stürmischen Nächten auf der Burg herumirren und auf seinem Holzbrett hacken). Die Kapelle im Nordturm scheint auch nach dem Bauernaufstand unbeschadet geblieben zu sein, denn aus dem Jahr 1584 ist eine Verpflichtung des Kissinger Pfarrers bekannt, pro Woche zwei Messen auf der Bodenlaube zu lesen.

Zwischen 1573 und 1617 erließ Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn mehrere Verordnungen, u. a. in Bezug auf Holzschlagen im Wald, die Einrichtung einer Dorfwacht, das Benutzen von Feuer sowie die Bewirtschaftung der Ackerflächen.

Auf Grund zweier geistlicher Rechtsprechungen (von 1584 und 1595), einer Aussage vom Pfarrverweser Wolfgang Scharpff (von 1598) sowie Einträgen im Bibra’schen Lehnbuch (1603) und der Kirchenmatrikel (1620) lässt sich die Existenz einer dem heiligen Laurentius von Rom geweihten Kirche vermuten. Diese war jedoch bald zu klein sowie zu dürftig ausgestattet, so dass Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Oktober 1607 die Anweisung zu einem Kirchenneubau erteilte. Im Jahr 1608 fand die Weihe der neuen, ebenfalls dem Heiligen Laurentius geweihten Kirche statt. Der Kissinger Pfarrer sollte abwechselnd in Reiterswiesen und Arnshausen Gottesdienst halten.

Nach weiteren Verwüstungen im Dorf und auf der Bodenlaube durch den Zweiten Markgrafenkrieg fielen von September 1610 bis August 1611 115 Einwohner aus Reiterswiesen und Arnshausen zum Opfer. In der Reiterswiesener Kirchenmatrikel von 1610 bis 1702 sind die der Pest zum Opfer gefallenen Reiterswiesener ausführlich verzeichnet.

Die Kirchenmatrikel dokumentiert auch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges. So wird berichtet, dass im September und Oktober 1632 aus Furcht vor schwedischen Truppen Bestattungen ohne Priester stattfanden. Eine weitere Pestepidemie erfolgte – während des Krieges – im Jahre 1634. Für das Jahr 1637 berichtet der Kissinger Pfarrer Pistorius von einer unermesslichen Hungersnot, während derer sich die Menschen gezwungen sahen, sich von Hunden und Katzen zu ernähren.

mini|225px|links|Ehemaliges Rathaus mini|200px|Kreuzschlepper in Erinnerung an Johann Mauder

Im Jahr 1703 wurde in der heutigen Ortsmitte das Reiterswiesener Rathaus errichtet. Das Entstehungsjahr lässt sich lediglich aus der über einem Eckständer eingeschnitzten Jahreszahl herleiten; urkundliche Nachweise fehlen. Ab diesem Jahr diente es auch als Schulgebäude. Im Jahr 1864 entstand hinter dem Rathaus ein eigenes Schulgebäude, die „große Schule“, die 1905 durch die „kleine Schule“ ersetzt wurde. Im Rathausgebäude von 1703 befindet sich heute die „Dorfstube“, ein dorfgeschichtliches Museum.Dr. Bernhard Renninger: 750 Jahre Reiterswiesen

Am 27. Januar 1721 kam Schultheiß Johann Mauder zu Tode, als er, so der Sterbematrikel, eine Eiche spaltete und sich dabei Verletzungen nahe dem Intimbereich zuzog. Ein Kreuzschlepper am heutigen Ortsausgang von Reiterswiesen erinnert an den ehemaligen Bürgermeister des Ortes.Elisabeth Keller: Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen, Band 1, Eigenverlag des Landkreises Bad Kissingen, 1978

In einem Dorfplan von 1741 stellte sich Reiterswiesen noch als ein Straßendorf mit geringen Ausbuchtungen dar und bestand aus den Teilen Hüßles, Mitteldorf und Oberndorf. In einer gewissen Entfernung von der Reiterswiesener Durchfahrtsstraße, der heutigen Kissinger Straße, befand sich, vom Standort der heutigen St.-Laurentius-Kirche ausgehend, eine kleine Häusergruppe namens Beglawe (Bodenlauben). Entgegen der lange vorherrschenden Meinung, es gebe seit dem Jahr 1820 einen eigenen Friedhof für Reiterswiesen, gab es diesen wahrscheinlich bereits vorher: So berichtet die Reiterswiesener Totenmatrikel von zwei Beerdigungen im Jahr 1623. Für 1741 wird in der Reiterswiesener Messungstabelle ein Kirchhof in der Flurstraße 8 erwähnt. Möglicherweise entstand im Zuge des Kirchenneubaus durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Jahr 1608 auch ein neuer Friedhof.

Bayerisches Königreich Der im Besitz des Hochstifts Würzburg befindliche Ort ging in den Jahren 1802/03 an Bayern über.