mini|SS-Brif K. W. Albert
Karl Wilhelm Albert (* 8. September 1898 in Hessenthal; † 21. April 1960 in Erndtebrück)Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 11. war ein deutscher SS-Führer und Polizeipräsident, zuletzt im Rang eines SS-Brigadeführers und Generalmajors der Polizei.
Leben und Wirken Albert wurde als Sohn eines Oberlehrers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und eines humanistischen Gymnasiums nahm er ab 1916 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Im Krieg erlitt er eine schwere Gasvergiftung. 1919 ging er als Leutnant der Reserve beim Militär ab.
Von 1919 bis 1921 gehörte Albert dem Freikorps Epp an.Klaus-Peter Friedrich (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung) Band 4: Polen – September 1939 – Juli 1941. München 2011, ISBN 978-3-486-58525-4, S. 539, Fn. 3. Anschließend absolvierte er ein Studium der Elektrotechnik.Julien Reitzenstein: Himmlers Forscher. Wehrwissenschaft und Medizinverbrechen im „Ahnenerbe“ der SS. Schöningh, Paderborn 2014, S. 224f. Nach dem Studium arbeitete er als Betriebsingenieur in Würzburg und dann bei den Städtischen Elektrizitätswerken in Frankfurt am Main.
Albert war schon ab 1930, ohne Parteimitglied zu sein, für den Nachrichtendienst der NSDAP tätig.Hans-Christian Harten: Die weltanschauliche Schulung der Polizei im Nationalsozialismus. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2018, ISBN 978-3-657-78836-1, S. 96f. Er trat zum 1. Mai 1932 in die NSDAP (Mitgliedsnummer 1.122.215)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/261208 und zum 19. September 1932 in die SS ein (SS-Nummer 36.026), in der er zunächst der SS-Standarte 2 in Frankfurt angehörte.Bundesarchiv R 9361-III/514258 Außerdem wurde er beim Sicherheitsdienst (SD), dem Geheimdienst der SS, tätig.
Im Herbst 1933 übernahm Albert als SS-Sturmführer die Leitung des SD-Oberabschnitts West in Düsseldorf und später den SD-Oberabschnitt Rhein in Frankfurt am Main. 1935 wurde er als Nachfolger von Werner Best Personal- und Organisationschef des SD-Hauptamtes. Nach der Reorganisation des SD im Januar 1936 übernahm Albert die Leitung des neugegründeten Amtes I (Verwaltung), eines der drei SD-Ämter.Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden, Bd. 1, S. 216. Damit war er neben Reinhard Heydrich, Werner Best, Heinz Jost und Franz Six zeitweise einer der fünf institutionell ranghöchsten SD-Führer. Zum 20. April 1939 stieg er zum SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei auf, seinem höchsten Rang, den er bei SS und Polizei erreichte. 1939 wurde Albert von Heydrich neben Werner Best, Walter Schellenberg, Herbert Mehlhorn und Kurt Pomme zu einem von fünf Direktoren der Nordhav-Stiftung ernannt.
Im Zuge der Gründung des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) sollte Albert das geplante Amt II „Nachwuchs und Erziehung“ übernehmen, in dem unter anderem Lehrpläne und Richtlinien für die Laufbahnen an SD- und Siposchulen entwickelt werden sollten. Albert, der von Heydrich im Sommer 1939 in die Planungen einbezogen worden war, fiel bei diesem jedoch in Ungnade. Ob dies an mangelnder Eignung lag, bleibt zweifelhaft. Hans-Christian Harten vermutet eher, dass eine mutmaßliche Affäre Alberts mit Heydrichs Ehefrau in diesem Zusammenhang eine Rolle gespielt haben könnte.Hans-Christian Harten: Die weltanschauliche Schulung der Polizei im Nationalsozialismus. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2018, ISBN 978-3-657-78836-1, S. 574.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Albert im September 1939 mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Polizeipräsidenten in Oppeln betraut. Ab Juli 1940 war er Polizeipräsident in Litzmannstadt (Łódź). In dem Heft 3/1941 der Fachzeitschrift Die deutsche Polizei veröffentlichte er einen antisemitischen Artikel, indem er Łódź wegen des hohen Anteils jüdischer Bevölkerung in der Stadt als „eine der kriminellsten Städte Europas“ bezeichnete. Albert wurde 1940 an der Universität Erlangen bei Hans Wenke und Horst Wagenführ mit einer berufspädagischen Dissertation promoviert.
Im April 1943 inspizierte Albert das Ghetto Litzmannstadt.Shmuel Krakowski: Das Todeslager Chełmno/Kulmhof: der Beginn der „Endlösung“. Wallstein-Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0222-8, S. 128. Nach seiner Ablösung wurde er noch 1944 Nachfolger des Regierungspräsidenten Hans Burkhardt im Regierungsbezirk Hohensalza des Warthegaus.
1945 wurde Albert in Husum festgenommen. Er wurde danach zunächst ins Internierungslager Neuengamme gebracht. Spätestens 1947 ist er im 3 Civilian Internment Camp (Lager Fallingbostel) nachweisbar. Aus diesem entwich er am 7. Januar 1948. Noch 1950 war er unbekannten Aufenthalts.
Ein Spruchgerichtsverfahren gegen Albert, der damals noch immer unbekannten Aufenthalts war (so dass es in Abwesenheit durchgeführt wurde), wegen kenntnisbelasteter Zugehörigkeit zur SS wurde durch Beschluss der I. Kammer des Spruchgerichts Bielefeld am 16. September 1950 gemäß dem Gesetz über die Gewährung von Straffreiheit vom 31. Dezember 1949 eingestellt, weil die ihm angelastete Straftat vor dem 15. September 1949 lag und eine über den Rahmen des § 3 hinausgehende Strafe nicht zu erwarten war.
Albert wurde in der Bundesrepublik Deutschland bis zu seinem Lebensende niemals im Zusammenhang mit NS-Verbrechen vernommen.Sascha Feuchert, Erwin Leibfried, Jörg Riecke (Hrsg.): Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt. Wallstein, Göttingen 2007, Band 5, S. 408. Dort Fundstellen zur Tätigkeit in Litzmannstadt.
Ehe und Familie
Albert war verheiratet mit Ursula Heinrich. Die Ehe war kinderlos.
Archivische Überlieferung
Das Bundesarchiv verwahrt eine Reihe von Akten zu Wilhelm Albert, darunter eine Spruchgerichtsakte zu ihm (Z 42-II/1288), die vom Archiv digitalisiert worden ist und von jedermann barrierefrei über die invenio-Datenbank des Archivs online eingesehen und gelesen werden kann.
Schriften mini|hochkant|Dissertation (1940) Auslese, Ausbildung und Beruf. Ein sozialpädagogischer Beitrag auf der Grundlage einer Reihenuntersuchung berufstätiger Erwachsener, Erlangen 1941. (Dissertation)Christian Ingrao: Believe and Destroy. Intellectuals in the SS War Machine, 2018, S. 349.
Literatur Shlomo Aronson: Reinhard Heydrich und die Frühgeschichte von Gestapo und SD, 1967. George C. Browder: Die Anfänge des SD. Dokumente aus der Organisationsgeschichte des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 27 (1979), S. 299–324 (PDF). Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Aktualisierte 2. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
Einzelnachweise
Kategorie:SD-Personal Kategorie:Person (Reichssicherheitshauptamt) Kategorie:Freikorps-Mitglied Kategorie:Person (deutsche Besetzung Polens 1939–1945) Kategorie:Polizeipräsident (Oppeln) Kategorie:Polizeipräsident (Lodz) Kategorie:Ghetto Litzmannstadt Kategorie:Täter des Holocaust Kategorie:Person (Wartheland) Kategorie:Regierungspräsident (Deutschland) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1898 Kategorie:Gestorben 1960 Kategorie:Mann