mini|hochkant=1.6|München im Jahre 1642, Stich von Matthäus Merian. Deutlich zu sehen sind der Festungsring und der Doppelring aus zweiter Stadtmauer und Zwingermauer und seinen Toren und Türmen. Der Verlauf der ersten Stadtmauer ist an dem halbelliptischen Straßenverlauf in der Stadtmitte und den fünf Tortürmen zu erkennen.
Die Münchner Stadtbefestigung war ein System aus mehreren Stadtmauern, Gräben und Bastionen, mit denen die Stadt München im Laufe ihrer Geschichte umgeben wurde. Bereits im 12. Jahrhundert wurde eine Ringmauer mit vorgelagertem Wassergraben um die noch junge Siedlung gelegt.
Als dieser Ring zu eng wurde, folgten zunächst im frühen 13. Jahrhundert eine erste Erweiterung der Stadt zur Isar hin ins Tal, die vermutlich nur mit einer Graben-Wall-Anlage befestigt war, und dann im späten 13. bis ins 14. Jahrhundert eine zweite Erweiterung in alle Richtungen und der Bau einer zweiten Ringmauer mit Wassergraben. Diese Mauer wurde Anfang des 15. Jahrhunderts durch eine Zwingermauer verstärkt. Um diesen Doppelmauerring herum wurde im 17. Jahrhundert eine Wallbefestigung errichtet.
Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Festungseigenschaft Münchens aufgehoben und mit der Abtragung der Befestigungsanlagen begonnen, im 19. Jahrhundert wurde dann auch die Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen weitgehend abgerissen. Heute sind von der Stadtbefestigung nur noch wenige Reste erhalten, darunter drei der ursprünglich vier Haupttore der zweiten Stadtmauer.
Geschichte Erste Stadtmauer Schon bald nach der Gründung der Stadt München durch Heinrich den Löwen wurde die Stadt befestigt, vermutlich zuerst nur durch einen Erdwall mit vorgelagertem Graben. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde diese Befestigung durch eine Stadtmauer ersetzt, vor der ein wassergefüllter Graben angelegt war. Ob diese Mauer bereits unter Heinrich dem Löwen oder erst unter seinen Wittelsbacher Nachfolgern begonnen wurde, ist ungeklärt. So deuten einige Historiker einen 1175 erwähnten Ortolf „qui praeest muro“ (der der Mauer vorsteht) als Vorsteher des Baus der Stadtmauer, andere beziehen die Mauer auf die Burgmauer des Alten Hofs, der ersten Pfalz der bayerischen Herzöge in München.
Die erste Stadtmauer hatte eine Länge von etwa 1400 m, die von ihr umschlossene Fläche betrug etwa 17 ha. Der Verlauf der Mauer ist im heutigen Straßenbild noch ungefähr an dem Verlauf folgender Straßen zu erkennen: Sparkassenstraße, Viktualienmarkt, Rosental, Färbergraben, Augustinerstraße, Schäfflerstraße, Marienhof, Hofgraben, Pfisterstraße (bis zur Sparkassenstraße). Der unregelmäßige Verlauf der Stadtmauer ergab sich daraus, dass die ursprüngliche Stadt am Rand einer Terrasse gelegen war, die wegen der Stadtgründung auf dieser Terrasse später als Altstadtterrasse bezeichnet wurde und auf deren Ostseite das Terrain um einige Meter zur Hirschauterrasse hin abfiel. Deshalb verlief die Stadtmauer dort in gerader Linie entlang der Hangkante, während sie auf der Altstadtterrasse selber einem Bogen folgte.
Die Mauer besaß eine Stärke von etwa 1,70 bis 2,00 m und war vermutlich etwa 5–6 m hoch. Sie war als zweischalige Ziegelmauer ausgeführt, die mit Kies gefüllt und mit Mörtel ausgegossen war. Statt auf einem tief gegründeten Fundament stand die Mauer fast immer auf einer flachen Kies-Mörtel-Unterlage.
mini|hochkant|Pfisterbach 1907 an der Stelle der heutigen Sparkassenstraße Der Wassergraben verlief in einem Abstand von etwa 10 bis 15 m vor der Stadtmauer und wurde durch den Großen Angerbach gespeist, der etwa entlang dem heutigen Oberanger floss und an der Stadtmauer nach Osten ins Rosental abbog. Ecke Rosental/Viktualienmarkt vereinigte er sich mit dem Roßschwemmbach zum Pfisterbach und floss im Stadtgraben entlang der Hangkante nach Norden. Da der andere Teil der Stadtmauer oben auf der Altstadtterrasse verlief, musste ein 5 m tiefer Graben gegraben werden, um mindestens 2 m Wassertiefe und das nötige Gefälle zu haben, einen Teil des Großen Angerbachs nach Westen abzuzweigen und um die Stadtmauer herumzuleiten. Am nördlichen Ende der heutigen Sparkassenstraße mündete dieser zunächst Färbergrabenbach und dann Hofgrabenbach genannte Bach wieder in den Pfisterbach.
Die erste Stadtmauer hatte fünf Tore: das Hintere Schwabinger Tor (Wilbrechts-/Scheffler-/Tömlinger-/Nudelturm) im Nordwesten (am Ende der Weinstraße) das Vordere Schwabinger Tor (Krümleins-/Muggenthaler-/La-Rossee-/Polizeiturm) im Nordosten (am Ende der Dienerstraße) das Talburgtor (Unteres Tor, Talbrucktor, Rathausturm) im Osten (neben dem Alten Rathaus) das Innere Sendlinger Tor (Pütrich-/Blauenten-/Ruffiniturm) im Süden (am Ende der Rosenstraße) das Kaufingertor (Oberes Tor, Chufringer Tor, Schöner Turm) im Westen (am Ende der Kaufingerstraße) Gelegentlich wird auch die Bezeichnung Inneres Schwabinger Tor verwendet, die jedoch nicht eindeutig ist und manchmal auf das Hintere Schwabinger Tor und manchmal auf das Vordere Schwabinger Tor bezogen wird.
Aufgebaut waren diese Tore als mehrgeschossige Türme mit einer Tordurchfahrt. Die Grundfläche betrug etwa 5 × 5 m, das Mauerwerk war wie bei der Stadtmauer eine zweischalige Ziegelmauer mit Kies-Mörtel-Füllung.
Ob die erste Stadtmauer neben diesen Tortürmen weitere Türme zur Beobachtung und Verteidigung aufwies, ist nicht bekannt. Entgegen früheren Vermutungen war der heute noch stehende Löwenturm kein Wehrturm dieser Stadtmauer, sondern direkt über dem Stadtgraben erbaut und diente vermutlich zur Regelung der Wasserstände des Stadtgrabens durch Stauwehre.
Stadterweiterung ins Tal Der Raum innerhalb der ersten Stadtmauer wurde schon bald zu eng. So erfolgte bereits Anfang des 13. Jahrhunderts unter Herzog Ludwig I. eine erste Erweiterung des Stadtgebiets ins Tal hinein bis zum Kaltenbach, der später Katzenbach genannt wurde und etwa entlang der Linie Hochbrückenstraße-Radlsteg verlief. Teil dieser Stadterweiterung war das 1208 östlich der Peterskirche außerhalb der Stadtmauer errichtete Heilig-Geist-Spital.
Durch die Erweiterung wurde das Stadtgebiet auf etwa 26 ha vergrößert. Das Gebiet vor der ersten Stadtmauer war jedoch vermutlich nicht von einer festen Mauer umgeben, sondern von einer Wall-Grabenanlage. Das Kaltenbachtor bei der späteren Hochbrücke, wo die Salzstraße den Kaltenbach überquerte, bot als Vorwerk des Talburgtors Zugang zu dem umgrenzten Bereich. Maut und Zoll wurden nach wie vor erst am Talburgtor erhoben. Vermutlich waren auch der Rosenturm am Übergang zwischen Rosental und Viktualienmarkt und das Graggenauer Tor, das spätere Wurzer- oder Kosttor, bereits Stadttore dieser ersten Stadterweiterung.
Zweite Stadtmauer mini|hochkant=1.5|Stadtplan Münchens von Tobias Volckmer, 1613 Nachdem Ludwig der Strenge nach der ersten bayerischen Landesteilung im Jahr 1255 als Herzog von Oberbayern seine Residenz nach München verlegt hatte, nahm die Bevölkerung schnell weiter zu. Ludwig begann daher mit einer erneuten Erweiterung der Stadt, diesmal in alle Richtungen. Zum Schutz der neuen Gebiete wurde 1285 mit dem Bau eines zweiten Mauerrings begonnen, der aber erst unter Ludwig IV. mit der Fertigstellung des Isartors 1337 und damit auch der Einbeziehung der Talvorstadt (ehemals Gries = Kiesbank genannt) in das befestigte Stadtgebiet vollendet wurde. 1478–1499 wurde das von der Stadtmauer umschlossene Gebiet um das Gelände zwischen Marstallplatz und Marstallstraße erweitert.
Die zweite Stadtmauer hatte eine Länge von etwa 4000 m, das von ihr umschlossene Gebiet hatte eine Fläche von etwa 91 ha, also mehr als das Fünffache des ursprünglichen Stadtgebiets. Auf der Altstadtterrasse verlief die Mauer bogenförmig etwa 400 m von der ersten Stadtmauer entfernt, auf der Hirschauterrasse sprang sie wie eine Nase nach Osten zur Isar hin vor. Vom Schwabinger Tor, dem nördlichen Stadttor aus verlief die Mauer ungefähr entlang den heutigen Straßen Hofgartenstraße, Marstallplatz, Falkenturmstraße (ab Ende des 15. Jahrhunderts Hofgartenstraße, Marstallstraße), Am Kosttor, Neuturmstraße, Marienstraße, Lueg ins Land, Isartor, Westenriederstraße, Viktualienmarkt, Blumenstraße, An der Hauptfeuerwache, Herzog-Wilhelm-Straße, Herzog-Max-Straße, Maxburg, Nordteil der Rochusstraße, Rochusberg, Jungfernturmstraße und dann direkt nördlich an der Theatinerkirche vorbei zurück zum Schwabinger Tor.
Am Marstallplatz und in der Blumenstraße lag die zweite Mauer in der Verlängerung der geraden Strecke der ersten Mauer. Am Marstallplatz verlief sie dabei wie die erste Mauer entlang der Hangkante, an der Blumenstraße wich die Hangkante jedoch nach Westen aus, so dass dort auch ein Gebiet auf der niedrigeren Hirschauterrasse in das ummauerte Stadtgebiet einbezogen war, der sogenannte Anger mit dem Großen und Kleinen Angerbach. Auch das Gebiet zwischen Talburgtor und Isartor (die Talvorstadt) lag auf der Hirschauterrasse und wurde von mehreren der Münchner Stadtbäche durchflossen. Im Rosental kamen sich die beiden Mauerringe sehr nahe, nur der Rosenturm stand hier als Durchgang zwischen der zweiten Stadtmauer und den Häusern, die entlang dem Stadtgraben der ersten Mauer erbaut worden waren.
In das neue Stadtgebiet war auch das ehemalige Dorf Altheim, eine vermutlich schon vor der Gründung Münchens bestehende Siedlung, mit einbezogen. Der Bezirk innerhalb des ersten Mauerrings wurde als Innere Stadt bezeichnet, der Bereich zwischen dem ersten und zweiten Mauerring als Äußere Stadt. Nach Fertigstellung der zweiten Stadtmauer diente die erste Stadtmauer keinen Verteidigungszwecken mehr. Dort, wo sie einer geänderten Verkehrsführung oder Neubauten wie z. B. der Frauenkirche im Weg stand, wurde sie abgerissen, ansonsten wurde sie in neu errichtete Häuser integriert. Der wassergefüllte Stadtgraben wurde wie die anderen Stadtbäche für die Brauchwasserversorgung und Abwasserentsorgung verwendet.
Die zweite Stadtmauer war auf der Altstadtterrasse etwa 2 m breit, in ihrem Ostteil auf der Hirschauterrasse nur etwa 1,50 m und hatte eine Höhe von etwa 8–10 m. Sie war auf einem Fundament aus Tuffsteinquadern errichtet und stand auf einem etwa 1 m hohen Erdwall. Wie die erste Stadtmauer war auch die zweite eine zweischalige Mauer aus Ziegeln mit Kies-Mörtel-Füllung. An der Innenseite der Mauer lief ein hölzerner Wehrgang um die Stadt herum.
Auch die zweite Stadtmauer war von einem mit Wasser gefüllten Graben umgeben. Davon ist jedoch heute nichts mehr erhalten, da an der Stelle dieses Grabens später eine Zwingermauer errichtet wurde. In dieser zweiten Stadtmauer gab es vier Haupttore. Da Theatiner- und Residenzstraße an ihrem Nordende zusammenlaufen, war im Norden nur noch ein Stadttor erforderlich. Die Haupttore waren: das Schwabinger Tor im Norden am Ende von Theatiner- und Residenzstraße das Isartor im Osten am Ende der Straße Tal das Sendlinger Tor im Süden am Ende der Sendlinger Straße das Neuhauser Tor (ab 1791 Karlstor genannt) am Ende der Neuhauser Straße.
Diese Tore bestanden zunächst wie die der ersten Stadtmauer aus einem mehrgeschossigen Torturm, wie er heute nur noch beim Isartor erhalten ist. Ihr späteres Aussehen mit dem von zwei Seitentürmen flankierten Vortor erhielten sie erst Anfang des 15. Jahrhunderts mit dem Bau der Zwingermauer. Anders als bei der ersten Stadtmauer hatten die Tortürme keinen quadratischen, sondern einen rechteckigen Grundriss und waren etwa doppelt so breit wie tief. Über der Tordurchfahrt befand sich ein Führungsschacht für ein Fallgitter, das aus etwa 10–15 cm starken Holzstangen bestand.
Neben den vier Haupttoren gab es noch kleinere Stadttore: das Wurzertor, später Kosttor genannt, weil hier eine Armenspeisung eingerichtet wurde das Taeckentor, das jedoch seit etwa 1400 zugemauert war das Schiffertor, später Einlasstor genannt, weil hier gegen Zahlung einer Gebühr noch nachts Einlass gewährt wurde, wenn alle anderen Tore verschlossen waren das Angertor, das Zutritt zum unteren Anger bot und wegen seiner geringen Verkehrsbedeutung oft zugesperrt blieb