mini|BUGA 2005 in München-Riem mini|hochkant|BUGA 2005 in München-Riem mini|Riemer See - Nordufer

Die Bundesgartenschau (BUGA) 2005 fand auf 130 Hektar Fläche in der Landeshauptstadt München vom 28. April bis zum 9. Oktober 2005 im neu angelegten Landschaftspark Riem im Stadtviertel Messestadt Riem statt. Fast 8.000 Veranstaltungen wurden geboten und täglich bis zu 60.000 Besucher gezählt.

Statistik 130 Hektar Gesamtfläche – wovon etwa 43 Hektar blühende Wiesen waren Neupflanzungen: 26.000 Bäume, 8.650 Sträucher, ca. 2 Millionen Blumenzwiebeln 3 Millionen Besucher – etwa 1 Million weniger als angenommen Ca. 65 Millionen Euro Investitionssumme Radlring von ca. 170 Kilometern

Zentrale Gestaltungselemente BUGA-Badesee mit fast 14 ha Gesamtfläche (See und Landschaftspark) und einer Tiefe von bis zu 18 Metern Zellengarten – Im „Garten der Potenzen“ wird der Zellenaufbau einer Sumpfdotterblume in 10 Millionen-facher Vergrößerung dargestellt Parallele Gärten, wobei auf 1 Hektar Fläche über 40.000 Stauden gepflanzt wurden Blattgarten (Entwurf: Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten) – Motto: „Die Zähmung der Pflanze – Dahlien und ihre Begleiter“ Senkgarten

BUGA-Badesee

Hauptartikel: Riemer See

Der BUGA-2005–Badesee (heute: Riemer See) hat eine Gesamtfläche von fast 14 Hektar (Wasserfläche: 7,7 Hektar, Landschaftspark: ca. 6 Hektar), ist bis zu 18 Meter tief und verfügt über einen Kiesstrand. Er kann nicht nur für den Wassersport genutzt werden, da er auch über eine Tribüne (700 Plätze) und eine Seebühne verfügt. Zusammen mit einer Kinoleinwand wurde hier während der BUGA 2005 ein Open-Air-Kino veranstaltet.

Jedes Ufer erhielt einen eigenen Charakter. So wurden rund um den See für die BUGA 230.000 Stauden am Süd- und Westufer gepflanzt – Umsetzung und Gestaltungsplan durch Heiner Luz. Gilles Vexlard (Latitude Nord, Paris) hat den Landschaftspark entworfen.

Nordufer Das Nordufer befindet sich an der Stadtseite, die gezielt städtisch gehalten wurde: mit Promenade, Strand-Café und Tribüne. Das Nordufer teilt sich in den „Oberen Kai“ (20 Meter breite Promenade für Fußgänger) und den um zwei Meter tiefer liegenden „Unteren Kai“, welcher zum Spazieren am Wasser und Sonnenbaden einlädt.

Ostufer Hier befindet sich der Kiesstrand für Wassersportler und Sonnenhungrige, der einen besonders flachen Zugang zum See bietet. Direkt angrenzend befinden sich hier eine große Liegewiese und ein Beach-Volleyball-Spielfeld.

Südufer Hier wurden über eine Länge von 800 Meter Stauden der Iris-Minze gepflanzt, die sich am Südufer an der steilen Böschung befinden und angrenzend großflächig in den Landschaftspark übergehen. Dieses Ufer wurde eher landschaftlich geprägt – mit Gehölzpflanzungen und extensiven Wiesen, wobei hier intensiv duftende Minzearten und Schwertlilien den Hauptanteil ausmachen.

Westufer Dieses Ufer wurde mit Röhricht, Binsen, Seerosen und lila-blauer Katzenminze bepflanzt. Es entstand ein etwa 30 Meter breiter Schilfgürtel, in den ein Holzsteg führt, um Besuchern einen Einblick in diese Pflanzenwelt zu geben. Dahinter befinden sich zwei Sickerbecken in der „Riem-Haide“, die abwechselnd geflutet werden, um als natürliche Kläranlage den Badesee zu reinigen und für eine gleich bleibende Wasserqualität zu sorgen. Unzählige gelb blühende Sumpfschwertlilien filtern hier das Wasser, indem sie für die eigene Photosynthese die Abfallstoffe aus dem Wasser ziehen, bevor es im Grundwasser versickert. Die Uferböschungen wurden u. a. mit Lichtnelken, Katzenminze, Karthäuser, Astern, Glockenblumen und verschiedenen Salbeiarten bepflanzt.

Zellengarten Der 6,6 Hektar große Zellengarten und die Gesamtkonzeption der einzelnen Themengärten wurde von Rainer Schmidt (Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten und Stadtplaner München/Berlin) entworfen. Zentrale Anliegen des Zellengartens waren, durch den Perspektivwechsel eingefahrene Sicht- und Denkweisen aufzubrechen und nachhaltiges Denken zu fördern – vor allem in Bezug auf den Umgang mit Wasser, Luft und Erde. Hier sollten sonst kleine Elemente der Pflanzenwelt riesengroß dargestellt werden, so dass sich der Betrachter dazu im Verhältnis klein vorkommt.

Die zwölf Zellengärten zur Pflanzenwelt wurden durch Stege miteinander verbunden und waren von einem Blumenmeer umgeben. Jede Zelle war zwischen 600 m² und 1200 m² groß, sollte einen „erlebnisreichen Eventgarten“ in sich haben und war von 2,30 Meter hohen Kieswällen umgeben. Der gewünschte Effekt sollte das Eintreten in eine neue Natur-Welt sein, die alle Sinne anspricht – riechen, schmecken, fühlen, hören und sehen. Zu jeder Zelle gehörte ein „Haus des Wissens“ (Gestaltung durch die Münchner Agentur für Kommunikation WAR), das auf spielerisch-anschauliche Art und Weise Interessantes über die jeweilige Zelle vermitteln sollte.

Die Wiese Glück war das Thema im Zellgarten „Die Wiese“ (Entwurf: Rainer Schmidt, Landschaftsarchitekten, München): Auf gewundenen, schmalen „Mäusepfaden“ sollten die Besucher die Wiese aus der Perspektive einer Maus erleben. Zwischen meterhohem Bambus konnten die Besucher zu „Glückspunkten“ gelangen. Die Bepflanzung wurde durch Staudengewächse ergänzt, um die Enge und Dichte hohen Grases erlebbar zu machen. Zentrales Element war ein Hochbeet in Form eines vierblättrigen Kleeblatts („Glücksklee“), das auch mit Klee bepflanzt war, der auch gepflückt werden durfte.

Die Pfütze Der Grundriss dieses Zellgartens (Entwurf: Rainer Schmidt, Landschaftsarchitekten, München) wurde nach dem Vorbild einer Wasserlache mit zwei großen Fußabdrücken gestaltet. Die kleinen Wellen, die der Tritt in diese Pfütze hervorgerufen hat, wurden durch Wasserkreise dargestellt, die durch Wasserdüsen erzeugt wurden. Am Rande wurden diese Kreise durch die Bepflanzung mit Binsen- und Blumenbinsenstreifen weitergeführt – ergänzt durch Seerosen und Froschbiss.

Für Kinder wurde die Möglichkeit einer Schatzsuche angeboten. Dazu konnten sie mit einem blattförmigen Floß auf dem Wasser fahren.

Die Zelle Dieser Zellengarten (Entwurf: Bayerisches Landesamt für Weinbau und Gartenbau) sollte die Besucher in eine überdimensionale Pflanzenzelle führen. Das Transportsystem einer Zelle (endoplasmatisches Reticulum) wurde durch heckenartige Strukturen dargestellt. Sie sollte die Besucher zu den wichtigsten Elementen einer Pflanzenzelle leiten. Dabei wurde man an Chloroplasten, Chromoplasten und Mitochondrien vorbeigeführt (dargestellt durch charakteristische Pflanzen), wobei deren Funktionen innerhalb einer pflanzlichen Zelle erläutert wurden. Je näher man dem Zellmittelpunkt kam, desto üppiger und vielfältiger wurde die Bepflanzung, bis man zum kugelförmigen Zellkern gelangt.

Der Maulwurfshügel Dieser Zellgarten (Entwurf: Christian Wagner, Landschaftsarchitekten, München) stellte den Boden als Lebensraum für Pflanzen und Tiere in Form eines Höhlen- und Gangsystems aus Holz und Erde auf der Grundlage des sogenannten Möbiusbandes in zwanzigfacher Vergrößerung dar. Die Besucher sollten sich hier – wie ein Maulwurf – auf unterschiedlichen Gangsystemen und Ebenen durch die Erde bewegen können.

Die Fuge Dieser Zellgarten (Entwurf: Susanne Burger, Burger Landschaftsarchitekten, München) wurde Fugen eines Pflasterbelags nachempfunden – in fünfzigfacher Vergrößerung, damit sich die Besucher hier wie eine Ameise hindurchbewegen können. Die einzelnen Fugen wurden dabei sehr unterschiedlich gestaltet und bepflanzt, um die vielen Variationen in der Realität nachzuempfinden. So wurden z. B. die „Wände“ bzw. seitlichen Flächen der Pflastersteine ganz unterschiedlich gestaltet: glatt, gerillt, geschliffen oder durchbrochen. Sie wurden dabei teilweise mit Weiden bepflanzt oder es rann Wasser an ihnen herab. Manche Fugen waren sehr licht, mache schattig. Um aber auch einen Überblick über die gesamte Struktur des Pflasterbelags zu erhalten, konnten die Besucher auf einen Balkon in der Zellmitte steigen.

Das Nest mini|„Das Nest“ von Nils-Udo Dieser Zellgarten (Entwurf: Nils-Udo, Künstler, Riedering) stellte ein Vogelnest mit zwei bis drei Meter hohen Vogeleiern dar. Die kleinen Zweige, die ein Vogel zum Nestbau verwendet, wurden aufgrund der viel größeren Proportionen durch nicht entrindete Fichtenstangen, große Äste und Fichtenstämme ersetzt, die bis zu 18 m lang waren. Diese wurden in eine Talmulde eingepasst, die für diesen Zellgarten ausgehoben wurde. Dem Zellgarten wurde ein Platz vorgelagert, von dem aus der Zugang ins Innere des Zellgartens möglich war: Hier fanden sich die Besucher dann mitten im Nest wieder, wo auf weißem Kies, der den Flaum symbolisierte, riesige weiße Vogeleier lagen.

Das Waldlabor Dieser Zellgarten (Entwurf: Anette Dupper, Dupper Landschaftsarchitekten, Bad Friedrichshall, Künstlerische Oberleitung: Iris Dupper, München) sollte die Prozesse von Werden und Vergehen am Waldboden darstellen – wie sich aus abgestorbenem Holz wieder neues Leben entwickelt. Im Mittelpunkt stand eine Insel im Wasser, die aus Rindenstücke bestand, und die mit Hilfe einer Rindenpergola und Kiefern vor zu viel Sonnenlicht geschützt wurde, um ein feuchtes Waldklima zu erzeugen, das Pilzwachstum befördert. Auch die Wasserfläche sollte sich im Laufe der BUGA 05 verändern: Anfangs sollten nur Wasserlinsen die Wasseroberfläche um die Insel punktuell bedecken. Während des Buga-Sommers sollten sie sich zunehmend vermehren, bis sie schließlich die Wasseroberfläche vollständig bedecken. Drei Stege führten zu dieser Insel und wurden mit rotem Ziegelsplitt belegt, damit Ziegelstaub und -splitt an den Schuhen der Besucher haften blieb, damit diese auf der Insel wie Schnecken Spuren hinterlassen, die wieder vergehen.

Der Kick Dieser Zellgarten wurde von Nicole Preußner von der Abteilung Gartenbau des Baureferats der Landeshauptstadt München entworfen, um eine Brücke zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in München zu schlagen. Hier konnten die Besucher auf einem 400 m² großen Fußballfeld zu einem Spiel gegeneinander antreten: Hierfür wurden Kickerfiguren fest im welligen Untergrund verankert. Durch Schnippen konnten sie in die richtige Schussposition für den Ball gebracht werden. Die Rasenfläche wurde so gestaltet, dass der Ball nach einem Schuss immer wieder zu einer Kickerfigur zurück rollte.

Die Tierfährte Auf dem Boden dieses Zellgartens (Entwurf: Rainer Schmidt, Landschaftsarchitekten, München) konnten die Besucher überdimensionale Tierspuren von Wildschweinen, Hasen, Enten und Füchsen aus Beton entdecken. Bepflanzt wurde dieser Zellgarten mit Rhododendren, die selbst viel Feuchtigkeit brauchen und daher permanent mit Wasser aus Wasser- und Nebeldüsen besprüht wurden. Dadurch wurde auch der weiche Sandboden dieses Zellgartens befeuchtet, sodass auch die Besucher selbst deutliche Spuren hinterließen, die im Kontrast zu den überdimensionalen Tierspuren standen, so dass dadurch der Perspektivwechsel erneut deutlich wurde. Trat man auf die betonierten Tierfährten, verströmten sie den Duft des dazugehörigen Tieres. Das Dach des Zellgartens war eine Pergola, die mit einem giftgrünen Tarnnetz überspannt wurde, das langsam mit Klematis überwuchert wurde.

Der Wetterwechsel