mini|hochkant=1.5|Die Gruhe von Erligheim: eine alte Gruhe an einem typischen Standort Es gibt rund 60 Gruhen im Landkreis Ludwigsburg. Davon sind noch etwa die Hälfte zu wesentlichen Teilen in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Eine umfassende Bestandsaufnahme veröffentlichten Reinhard Wolf, Hans Dietl und Albrecht Gagsch im Jahre 1984.Wolf, Reinhard, unter Mitarbeit von Dietl, Hans und Gagsch, Albrecht: Gruhen im Landkreis Ludwigsburg. Ludwigsburger Geschichtsblätter 36/1984, S. 7–84 Eine detaillierte Bestandsaufnahme wird von Reinhard Wolf von Zeit zu Zeit aktualisiert.

Die vorliegende Aufstellung folgt in verkürzter Darstellung den Ausführungen von Wolf, Dietl und Gagsch. Daten aus der aktualisierten Bestandsaufnahme von Wolf wurden verwendet, um die Gruhen aufzufinden. Ferner wurden Angaben zur Bauweise und zum Erhaltungszustand der Gruhen sowie zur Bedeutung alter Wegverbindungen aus dieser Bestandsaufnahme verwendet.

Einführung mini|links|Bearbeitungsdetails einer alten Gruhe (Erligheim): Sturz mit Kehlprofil, kunstvolle Spitzerbearbeitung, breiter und akkurater Randschlag mini|Bearbeitungsdetails einer modernen, handwerklich sauber gefertigten Gruhe (Sersheim): abgerundete Kanten, maschinell gespitzte und überbeilte Flächen Die erhaltenen historischen Gruhen im Landkreis Ludwigsburg bestehen aus Sandstein, sehr häufig aus Schilfsandstein. Sie sind meist aus schlichten Quadern zusammengefügt. Rundungen aller Art sind nicht sehr häufig, oft hingegen sind die Stürze an der Unterkante mit einer umlaufenden Fase versehen. Die Flächen wurden durch Spitzen, Krönelung, Scharrierung, Überbeilen oder eine Kombination dieser Möglichkeiten gestaltet. Zusätzlich wurde oft ein Randschlag angebracht. Den ursprünglichen Bestand im Gebiet des heutigen Landkreises schätzen Wolf, Dietl und Gagsch auf rund 200. Ein Teil davon dürfte jedoch – weniger aufwändig – aus Holz gefertigt gewesen sein. Die Jahresrechnung der Gemeinde Tamm von 1781 bis 1782, die die Anfertigung von „2 Ruhstätt und -bänk“ unter „Zimmerarbeiten“ anführt, ist ein Indiz dafür.

Noch bis in die 1970er Jahre schenkte man diesen örtlichen Kleindenkmälern wenig Wertschätzung. Wo sie dem Verkehr oder der Landwirtschaft im Wege waren, wurden sie, beispielsweise bei Flurbereinigungen, bei Straßen- oder Hausbauten, als störende Hindernisse beseitigt. Die beschleunigte Verwitterung des Sandsteins im 20. Jahrhundert trug ebenfalls zum Schwund bei, ganz besonders an Standorten, an denen die Gruhen der Wirkung von Streusalz ausgesetzt waren.

Ein Umdenken setzte Anfang der 1980er Jahre ein, zeitgleich mit der und auch beeinflusst durch die Bestandsaufnahme von Wolf, Dietl und Gagsch: Man erkannte den historischen Wert dieser Raststellen an den damaligen Verkehrsverbindungen, die ein fester Bestandteil der Lebensumstände bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts waren. Bereits zuvor war damit begonnen worden, alte Gruhen zu restaurieren. In einigen Fällen wurden sie auch an Stellen versetzt, wo sie weniger gefährdet waren als am ursprünglichen Standort. Auch neue Gruhen wurden erbaut. Vorzugsweise wurden sie an Standorten errichtet, an denen eine historische Gruhe stand oder vermutet wird; in einigen Fällen auch einfach an Standorten mit markanter Lage. Diese neuen Gruhen bestehen aus gesägten und maschinell bearbeiteten Sandsteinblöcken.

Da Gruhen dem Absetzen von Lasten dienten, befindet sich die Sturzoberfläche regulär in Bauch- bis Brusthöhe, rund 1,20 m–1,30 m über dem Erdboden. Hin und wieder trifft man Gruhen an, die niedriger sind und eher wie eine Sitzbank wirken. Zum einen liegt das daran, dass Gruhen durch ihr Gewicht eingesunken sind oder dass Erde angeschwemmt wurde. Zum anderen ist es Unkenntnis geschuldet, dass Gruhen beim Umsetzen oder Neuaufbau zu tief eingegraben wurden.

Einzeldarstellungen Die Gliederung richtet sich nach den Gemeinden und innerhalb der Gemeinden nach Gemarkungen. Aufgrund dieser Systematik wiederholen sich in einzelnen Fällen die Überschriften.

Affalterbach Lage Beschreibung Bild Etwa 1 km nordnordöstlich des Ortskerns an der Abzweigung des Eselsweges von der Erdmannhäußer Straße. Die Stelle war einst eine bedeutende Wegabzweigung. Richtung Nordwesten führte der Weg über Erdmannhausen in Richtung Murr. Richtung Norden gelangte man zur Schweißbrücke über die Murr und von dort aus weiter Richtung Steinheim. Nach Södosten ging es in den Raum Winnenden. Die Gruhe liegt hinter einem Gebüschstreifen am Seitenweg von der Straße getrennt und ist von Gestrüpp umwachsen. Nach 1984 errichtete Gruhe am Standort einer historischen Gruhe, die Anfang der 1950er Jahre bei der Flurbereinigung beseitigt wurde. Zweigliedrig mit rechts angezapfter Sitzbank. Flächen maschinell fein aufgeraut, Kanten gerundet. mini|zentriert|hochkant=1.5

Benningen am Neckar Lage Beschreibung Bild An der Ludwigsburger Straße gegenüber dem Gewerbegebiet am Ortsrand. Die kerzengerade Straße, die nach Ludwigsburg-Hoheneck weiterführt, erreicht an dieser Stelle die Anhöhe und ist Richtung Südwesten weit zu überblicken. 1999 errichtete Gruhe anstelle einer um 1800 errichteten historischen Gruhe, die beim Ausbau der Ludwigsburger Straße beseitigt wurde. Stiftung von Amalie Seyfferle. Auf dem Sturz sind Inschriften eingraviert. Auf der Vorderseite: Erstellt 1800 von unseren Ahnen / Benningen am Neckar / Zum AusGruhen / erneuert 1999. Auf der rechten Außenseite, wegen Moos- und Flechtenbewuchs nur schwer lesbar: Durch Nachkommen F. u. W. Seyfferle / Bürgermeister Haaf / Bildh. Kirschler. Auf dem linken Pfeiler ist ein Wappen mit zwei gekreuzten Priorstäben als Symbol für das Kloster Backnang, auf dem rechten das Zehntzeichen BB für Benningen-Backnang eingraviert. Alle Flächen sind scharriert und die Kanten abgerundet. mini|zentriert|hochkant=1.5

Besigheim Lage Beschreibung Bild Unterhalb des Grundstücks Neckarblick 49; Zugang entlang des Hanges von der Ingersheimer Straße oder vom Besigheimer Hörnle her. Der kleine, heute verfallene und schlecht begehbare Gras- und Stufenweg, der vom Tal her senkrecht den Hang hinauf zur Gruhe führt, war früher ein viel benutzter Reit- und Fußweg von Besigheim nach Kleiningersheim. Kurz vor Erreichen der Anhöhe konnte man an der Gruhe verschnaufen. Heute ist der Weg von oben her, da durch das Privatgrundstück unterbrochen, nicht mehr zugänglich. Gut erhaltene eingliedrige alte Gruhe von massiver Bauart, aus exakt bearbeitetem Schilfsandstein mit kräftigem Randschlag. mini|zentriert|hochkant=1.5 Weitere Bilder

Bietigheim-Bissingen Bietigheim Lage Beschreibung Bild An der Löchgauer Straße nordwestlich des Ortsausgangs von Bietigheim, oberhalb der nördlichen Straßenböschung am alten Löchgauer Weg. Letzterer war ein Reit- und Fußweg, an dieser Stelle von der Fahrstraße abzweigend. Er bietet eine kleine Abkürzung, jedoch über Steigungen, während die Straße auf annähernd gleichem Höhenniveau verläuft. Außerdem führte der Weg früher in eine Weinberglage. Einfache eingliedrige, vermutlich sehr alte Gruhe. Die Steine sind gespitzt und geflächt, an wenigen Stellen ist noch Randschlag zu erkennen. Pfeiler und Sturz sind vorne mit gekröpften Eisenbändern verbunden. Die Gruhe stand bis 1982 fast vergessen, überwachsen und von Bauschutt umgeben, bis sie auf Veranlassung von Reinhard Wolf freigestellt wurde. mini|zentriert|hochkant=1.5|Rückseite Auf der Höhenlage des Abendberges nördlich von Bietigheim, am Siechenweingartweg gegenüber einem Aussiedlerhof. Der Standort bietet eine hervorragende Aussicht über die im Enztal gelegene Stadt. Die Gruhe stand bis 1981 30 m weiter südlich und wurde bei Erschließungsarbeiten für den Aussiedlerhof an den jetzigen Standort versetzt. Einfache eingliedrige Gruhe. Die verschiedenen offenen Ankerlöcher an Sturz und Pfeilern deuten darauf hin, dass die Gruhe mehrfach umgesetzt wurde. Weitere Vertiefungen am Sturz lassen vermuten, dass er ursprünglich einem anderen Zweck diente. Die Steine sind stark verwittert und angesplittert. Sie sind gespitzt, geflächt und mit Randschlag versehen. mini|zentriert|hochkant=1.5|Rückseite

Bissingen Lage Beschreibung Bild Im Stadtteil Bissingen, vor dem Anwesen Jahnstraße 89. Die heutige Zufahrt zu den Sportplätzen war einst ein Feldweg. Massive eingliedrige Gruhe aus Schilfsandstein. Sturz und beide Pfeiler sind sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite mit je einer Eisenklammer miteinander verbunden. Kanten und Ecken sind an vielen Stellen leicht beschädigt; die etwas verwitterten Flächen sind alle gekrönelt. mini|zentriert|hochkant=1.5 Weitere Bilder

Bönnigheim Lage Beschreibung Bild Südlich der L 2254, gegenüber der Abzweigung Zum Lauffener Feld, abseits ehemaliger Hauptverbindungswege. Zweigliedrige Gruhe mit etwas verwitterter Sitzbank, 1970 renoviert. Ein damals aufgesetzter, unproportionierter, zu kurzer und zu flacher Sturz am Hauptteil wurde nach 1984 durch einen angemessen proportionierten, gespitzten neuen Sturz mit Randschlag ersetzt. Rechter Pfeiler am Hauptteil mit Klobenresten, laut Wolf nicht original. Großräumige Zementfüllung zwischen Hauptteil und Sitzbank. Pfeiler am Hauptteil nur stellenweise scharriert. Aufgrund der Bearbeitung und des Standortes vermuten Wolf, Dietl und Gagsch, dass es sich nicht um eine Original-Gruhe, sondern um ein neueres Werk handelt. mini|zentriert|hochkant=1.5 Rund 1,5 km südwestlich des Ortskerns, am Rande der Weinberge gegenüber der Ruine des Kloesterle. Zweiteilige Gruhe mit getrennt stehender Sitzbank aus sehr grob behauenem Schilfsandstein, von Reinhard Wolf 1979 entdeckt. Der Sturz des Hauptteils hat auf der Rückseite unten einen Falz. Das deutet darauf hin, dass es sich nicht um einen Original-Gruhenstein, sondern um einen ehemaligen Fenster- oder Türpfosten handelt. Zusammen mit der groben Bearbeitung deutet dies darauf hin, dass es sich nicht um eine historische, sondern um eine neue Gruhe handelt. mini|zentriert|hochkant=1.5

Ditzingen Ditzingen Lage Beschreibung Bild An der Einmündung Siemensstraße – Calwer Straße (B 295). Die Gruhe stand ursprünglich 500 m außerhalb der Stadt an der B 295; 1995 wurde sie an ihren jetzigen Standort versetzt.Ludwigsburger Kreiszeitung, 28. Oktober 1995 Massige eingliedrige Gruhe aus gemustertem Sandstein. Die Steine weisen mehrere Säge- und Klebestellen sowie farblich angepasste und gekrönelte (sic) Ausmörtelungen auf. 1984, am alten Standort, war dies nicht der Fall. Außerdem hat sich die Höhe des Sturzes gegenüber 1984 geändert. Wahrscheinlich wurde die Gruhe am alten Standort beschädigt und anschließend aus alten und neuen Teilen zusammengeflickt. mini|zentriert|hochkant=1.5

Heimerdingen Lage Beschreibung Bild Gegenüber dem Stedehof, am Höfinger Weg ca. 1 km südlich des Heimerdinger Bahnhofs. Die zweigliedrige Gruhe aus gesägtem Schilfsandstein entstand, laut Gravur in der Sitzbank, 1972 im Rahmen der Flurbereinigung. Der Sturz trägt eine Gravur Krugstatt in großen erhabenen Buchstaben, links und rechts eingerahmt vom Heimerdinger Wappen und von drei Ähren. Die Flächen sind teilweise scharriert, teilweise maschinell gekrönelt. mini|zentriert|hochkant=1.5

Eberdingen Nussdorf Lage Beschreibung Bild Am Mühlweg rund 800 m westnordwestlich des Nussdorfer Ortsrandes an der bergseitigen Wegseite, 50 m vor der Kreuzung mit dem Hartweg. Der Mühlweg führt im weiteren Verlauf hinunter ins Kreuzbachtal zur Sorgenmühle. Die Gruhe wurde 1986 als Ersatz für eine zusammengebrochene alte Gruhe aufgestellt. Diese Vorgängergruhe stammt aus der Zeit um 1750. Sie war noch bis in die 1950er Jahre hinein intakt; 1983 standen noch die Stützpfeiler. Die neue Gruhe ist zweigliedrig und handwerklich gut gearbeitet. Die Sitzbank an der rechten Seite ist passgenau angezapft. Alle Steine sind maschinell gekrönelt und überbeilt, zudem mit einem schrägen Randschlag versehen. Ein Mülleimer unmittelbar links und ein Hinweisschild unmittelbar rechts der Gruhe stören den optischen Eindruck. mini|zentriert|hochkant=1.5