Helisäus Röslin, auch Helis(a)eus Rößlin (* 17. Januar 1545 in Plieningen; † 14. August 1616 in Buchsweiler) war ein deutscher Mediziner, Astrologe, Chronologe und Geograph.

Leben

Röslin wurde 1544 oder 1545 in Plieningen bei Stuttgart geboren. Sein Vater war vermutlich der dortige evangelische Pfarrer. Ein herzogliches Stipendium ermöglichte ihm den Besuch des Gymnasiums in Stuttgart, bevor er 1561 nach Tübingen ging, wo er 1562 den Grad eines Bakkalaureus der Künste erhielt.Matricula facultatis artium huius universitatis Tuwingensis baccalariorum et magistrorum, Bd. I (1477–1563), Universitätsarchiv Tübingen, UAT 15/11, fol. 133r (Digitalisat der Universitätsbibliothek Tübingen). Er studierte unter Samuel Eisenmenger Medizin und erwarb 1569 den Doktortitel, ließ sich in Pforzheim nieder und unterhielt eine ärztliche Praxis. 1570 heiratete er Judith Beurlin, eine Tochter des Theologen Jacob Beurlin. Als Leibarzt diente er seit 1572 dem Pfalzgrafen Georg Johann I. (Pfalz-Veldenz) und seit 1612 Johann Reinhard von Hanau-Lichtenberg. Besonderes Interesse hatte er darüber hinaus an Fragen der Astrologie, Chronologie und Geographie. Aus Beobachtungen der Supernova 1572 und des Kometen von 1577, den er entgegen aristotelischer Vorstellungen jenseits der Mondbahn lokalisierte, schloss er das Nahen der apokalyptischen Endzeit, deren Eintreten er auf das Jahr 1654 berechnete. Seit 1582 war er Stadtphysikus von Hagenau, wo er die längste Zeit lebte. Um 1588 traf er in Straßburg auf Nicolaus Reimers, genannt Ursus, und disputierte mit ihm über astronomische Fragen. Röslin starb 1616 in Buchsweiler an einer Ruhr-Infektion.

Geoheliozentrisches Modell

Röslin, der sich selbst nicht für einen Astronomus hielt, versuchte gegenüber den Theorien von Ursus und Kepler sein eigenes Weltmodell zu etablieren. In seinem 1597 erschienenen Buch De Opere Dei diskutierte er die Weltsysteme von Ptolemäus, Kopernikus, Brahe und Ursus und versuchte sich von diesen abzugrenzen. Ausgehend von der Tatsache, dass zu seiner Zeit keine Parallaxe der Fixsterne beobachtet werden konnte, folgerte Röslin, dass die Sterne bei einem heliozentrischen Weltbild einen immens großen Abstand von den Planetenbahnen haben müssten, was er aus physikalischen Gründen für unmöglich hielt. Er ging stattdessen davon aus, dass die festen Kristallsphären jeweils die nächst inneren Sphären mechanisch antreiben und so die Planetenbewegungen verursachen. Aus diesem Grund hielt Röslin die Erde für den Mittelpunkt des endlichen und begrenzten Universums, um den Mond und Sonne kreisen, die Sonne aber wiederum für das Zentrum der Planetenbahnen. Die Fixsternsphäre stellte er sich in ständiger Bewegung vor, während er die Theorie der Eigenrotation der Erde ablehnte. Anders als Johannes Kepler hielt er auch an der Vorstellung perfekter Kreisbahnen fest. Sein Modell ähnelt damit dem tychonischen Weltbild.

Werke Dieses Werkverzeichnis orientiert sich an den Zusammenstellungen Diesners und Kühlmanns. Digitalisate von alten Drucken werden nur verlinkt, soweit sie nicht im VD 16, VD 17 oder Universal Short Title Catalogue erfasst sind. Disputatio de his, quæ pertinent ad definitionem medicinæ propositam a Galeno, etc. Præs. I. Schegkio. Tübingen 1569 (Katalogeintrag der British Library), nachgedruckt 1611 (Katalogeintrag der British Library).Auf Röslins Dissertation wies hin Clarisse Doris Hellman: The Comet of 1577: Its Place in the History of Astronomy. New York 1944 (Studies in History, Economics and Public Law 510), S. 161f. Fn. 87. Theoria nova coelestium μετεωρων, Straßburg 1578. (). Eine handschriftliche Fassung findet sich in Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. math. 472 (Quarto), S. 545–600.Paul Oskar Kristeller: Iter Italicum. Accedunt alia itinera. A finding list of uncatalogued or incompletely catalogued humanistic manuscripts of the Renaissance in Italian and other libraries. III (Alia Itinera I) Australia to Germany. London und Leiden 1983, S. 562 sah die Handschrift in (Ost-)Berlin. Brief an Michael Mästlin 18. Oktober 1578, gedruckt in Michael Mästlin: Ephemerides novae ab anno salutifereae incarnationis 1577 ad annum 1590. Tübingen 1580. (). Speculum et harmonia mundi. Das ist: Weltspiegel. Erster Teil. Handschriften: Stockholm, Riksarkivet, Skoklostersamlingen, Manuskript- och avskriftssamlingen, Manuscripter in folio, E 8635 (N:o 16) (1580 König Johann III. von Schweden gewidmet); Halle, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Ms. 23 B 3 (1580 dessen Bruder Karl von Schweden gewidmet); Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. theol. et phil. 2° 62; später (ohne Zustimmung des Verfassers?) gedruckt: Lich 1604 , nur mit neuen Titelseiten in Frankfurt 1616 und 1617 herausgebracht. De potestatibus orbis christiani et politicis et ecclesiasticis discursus 1580, Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. hist. 4° 31 (Katalogdigitalisat). Die Praefatio ad Lectorem und Conclusio daraus ediert und ins Englische übersetzt von Miguel Ángel Granada: Helisaeus Roeslin’s Chronological Conception and a New Manuscript Source, in: Early Science and Medicine 18 (2013), 3, S. 231–265, hier S. 259–262 (doi:10.1163/15733823-0009A0001). Zwei Briefe an Michael Mästlin in Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 15.3 Aug. 2°, fol. 65v–66r (Abschrift) und fol. 190r–193v (Autograph) (Handschriftendigitalisat und Katalogeintrag bei der HAB Wolfenbüttel). Nativität für Gebhard I. von Waldburg, nach der Handschrift Darmstadt, Staatsarchiv, D 5, 35/1, fol. 1-18 ediert in: Heinz-Peter Mielke: Kirche im Geheimen. Orthodoxes und liberales Schwenkfeldertum in Süddeutschland und seine Auswirkung auf Geistesgeschichte und politisches Handeln in der Spätrenaissance. Bd. 2. Quellenedition und Dokumente. Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-748-0, S. 305–317; Paul Diesner verglich für seine Teiledition: Das astrologische Prognostikon des Doktor Helisäus Röslin in Hagenau, betreffend den Kölner Kurfürst Gebhard von Truchseß, abgefaßt im März 1583, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 93 (1941), S. 78–107 (doi:10.57962/REGIONALIA-27315) auch Stuttgart, Württembergischen Landesbibliothek, Cod. hist. 2° 549, S. 341ff. (Katalogdigitalisat, dort als Helisæus Köslin medicus); zwei weitere Handschriften erwähnt Friedrich Bezold (Hrsg.): Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken. Bd. 2, 1582–1586, München 1884, Nr. 161, Fn. 1, S. 129f. (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf); auch in Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 32.16 Aug. 2°, fol. 124–129 (Handschriftendigitalisat und Katalogeintrag bei der HAB Wolfenbüttel).Der Hinweis auf die letztgenannte Handschrift bei Susanna Åkerman: Helisaeus Roeslin, the New Star, and the Last Judgment, in: Rosenkreuz als europäisches Phänomen im 17. Jahrhundert. Amsterdam 2002 (Pimander 7), S. 333–359, hier S. 348 Fn. 21. als Lambertus Floridus Plieninger: Kurtz bedencken von der emendation deß jars durch Babst Gregorium den XIII, Straßburg 1583. und , noch 1652 nachgedruckt: ; Michael Mästlin nahm das Werk in die von ihm herausgegebene Sammlung Notwendige vnd gründtliche Bedennckhen. Heidelberg 1584, fol. 113v–163r auf. (Digitalisat der Staatsbibliothek Passau). Zwei Sendschreiben an Daniel Sudermann, 25.10.1584 und 6.7.1585, Handschrift: Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 108 (Digitalisat und Beschreibung im Handschriftenportal). Briefabschrift in Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 32.16 Aug. 2°, fol. 298–299 (Handschriftendigitalisat und Katalogeintrag bei der HAB Wolfenbüttel).Der Hinweis auf diese Handschrift bei Susanna Åkerman: Helisaeus Roeslin, the New Star, and the Last Judgment, in: Rosenkreuz als europäisches Phänomen im 17. Jahrhundert. Amsterdam 2002 (Pimander 7), S. 333–359, hier S. 348 Fn. 21. Gutachten und theologische Stellungnahmen, wohl für Georg Johann I. von Pfalz-Veldenz, fünf nach der Handschrift Schloßbibliothek Laubach, Fr. M. F. 8b,8 ediert in: Heinz-Peter Mielke: Kirche im Geheimen. Bd. 2. Quellenedition und Dokumente. Nordhausen 2012, S. 318–404, teilweise identisch mit den in Berlin, Staatsbibliothek, Ms. germ. qu. 108 enthaltenen; ein weiteres regestiert bei Friedrich Bezold (Hrsg.): Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir mit verwandten Schriftstücken. Bd. 2, 1582–1586, München 1884, Nr. 406, S. 333f. (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). Elf Briefe an Michael Mästlin 1587 bis 1592, Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. math. 4° 14b, fol. 10r–34v (Digitalisat der WLB Stuttgart), teil- und auszugsweise ediert in: Miguel Ángel Granada: Sfere solide e cielo fluido. Momenti del dibattito cosmologico nella seconda metà del Cinquecento. Mailand 2002, ISBN 88-8335-344-7 (Istituto Italiano per gli Studi Filosofici. Saggi 41), Anhang 6, S. 279–294. Gruendliche warhafftige unnd rechtmessige Erklerung der charactern und buchstaben so uff dem in Norwegen gefangnen hering gestanden, 1588. Horoskop für Heinrich von Navarra 1591, nach Darmstadt, Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, Hs 3064, fol. 84vf. ediert in: Nicolas Roudet: Deux horoscopes inédits de Helisaeus Roeslin. Un horoscope en allemand d’Henri de Navarre (1591) conservé à Darmstadt et un horoscope en latin d’Henri IV (1595) conservé à Paris, in: Édouard Mehl und Isabelle Pantin (Hrsg.): De mundi recentioribus phænomenis. Cosmologie et science dans l’Europe des Temps modernes, XVe–XVIIe siècles. Essais en l’honneur de Miguel Ángel Granada. Turnhout 2022, ISBN 978-2-503-60092-5 (De Diversis Artibus 110), S. 367–401, hier S. 372–383. Horoskop für Johannes Kepler, geschrieben am 17. Oktober 1592, ediert in: Martha List (Hrsg.): Dokumente zu Leben und Werk. München 1975, ISBN 3-406-01675-8 (Johannes Kepler: Gesammelte Werke 19), Nr. 7/12 S. 320f. (Digitalisat des ganzen Bandes bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften). Des Elsaeß und gegen Lothringen grentzenden Waßgauischen Gebirgs gelegenheit [...], Straßburg 1593. () Horoskop für König Heinrich IV. von Frankreich 1595, nach Paris, Bibliothèque nationale de France, Dupuy 88, fol. 17r–21v () ediert in: Nicolas Roudet: Deux horoscopes inédits de Helisaeus Roeslin, in: Édouard Mehl und Isabelle Pantin (Hrsg.): De mundi recentioribus phænomenis. Turnhout 2022, S. 367–401, hier S. 383–401. Fünf Briefe an Herwart von Hohenburg, enthalten in der Handschrift München, Universitätsbibliothek, Cod. 2° 692, drei davon auszugsweise ediert in Max Caspar (Hrsg.): Briefe 1590–1599. München 1945 (Johannes Kepler: Gesammelte Werke 13), Nr. 68 S. 123f., Nr. 72 S. 128–130 und Nr. 77 S. 146f. (Digitalisat des ganzen Bandes bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften). Alle fünf mit Auslassungen ediert von Miguel Ángel Granada: Helisæus Rœslin contre Raymarus Ursus après la publication du De astronomicis hypothesibus. Ses lettres à Herwart von Hohenburg de 1597, in: Caroline Noirot und Nuccio Ordine (Hrsg.): Omnia in uno. Hommage à Alain-Philippe Segonds. Paris 2012, S. 425–451, hier S. 438–448. De opere Dei creationis sui de mundo hypotheses orthodoxae quantumvis paradoxae, Frankfurt 1597. Tractatus meteorastrologiphysicus, Straßburg 1597. (Digitalisat in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern) Bedenckhen unnd Censur uber Pauli Grebneri Apparitiones oder göttliche Erscheinungen, die er im Buch Sericum mundi filum einfürt, erhalten in der Handschrift Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 30 Aug. 2°, fol. 437–446 (Katalogeintrag der HAB Wolfenbüttel). Brief an Sebastian Schobinger 31. Juli 1601, Basel, Universitätsbibliothek, UBH G2 I 17:1:128 (Katalogeintrag bei swisscollections).