Steinheim an der Murr ist eine Stadt im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Steinheim ist Fundort des Homo steinheimensis, der mit einem geschätzten Alter von etwa 300.000 Jahren der drittälteste Fund aus der Frühgeschichte der Menschheit in Europa ist.
Geographie Geographische Lage mini|Die Murr bei Steinheim
Steinheim liegt am Unterlauf der Murr im Nordosten des Landkreises Ludwigsburg und hat Anteil an den Naturräumen Neckarbecken und Schwäbisch-Fränkische Waldberge.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Die Bottwar durchfließt den Ort und mündet ein wenig westlich des Ortszentrums in die Murr. Das Stadtgebiet erstreckt sich von ganz im Westen am Beutenmühlebach kurz vor dem Zufluss in den Neckar bis auf dem Grießberg im Nordosten der Gemarkung.
Stadtgliederung Steinheim an der Murr besteht aus den Stadtteilen Höpfigheim, Kleinbottwar und Steinheim. Die räumlichen Grenzen der Stadtteile sind identisch mit denen der ehemaligen Gemeinden gleichen Namens. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und durch Bindestriche verbunden nachgestellt der Name der Stadtteile. Die Stadtteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung und in den Stadtteilen Höpfigheim und Kleinbottwar sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender eingerichtet. Zum Stadtteil Höpfigheim gehören das Dorf Höpfigheim (drei Kilometer nordwestlich von Steinheim an der Murr) sowie die abgegangene Ortschaft Spießhof. Zum Stadtteil Kleinbottwar gehören das Dorf Kleinbottwar (zwei Kilometer nördlich von Steinheim an der Murr an der Bottwar gelegen), der Weiler Forsthof und Schloss und Gehöft Schaubeck. Zum Stadtteil Steinheim gehören das Dorf Steinheim an der Murr, das Gehöft Buchhof, die Weiler Lehrhof und Vorderbirkenhof, sowie die abgegangenen Ortschaften Hornungshof und Sigebotsbůch.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 455–458 (PDF; 35 kB)
Nachbargemeinden Steinheim an der Murr grenzt an Großbottwar im Norden, an Murr im Westen und an Marbach am Neckar im Osten. Ebenfalls im Osten begrenzt der Hardtwald das Stadtgebiet.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Steinheim an der Murr.
Geschichte Frühe Geschichte Das Gebiet Steinheims war bereits in der Römerzeit besiedelt (90–260 n. Chr.), wovon Ausgrabungen eines römischen Bades und mehrerer Ziegelbrennöfen zeugen. Um ca. 500 n. Chr. wurde durch die Merowinger ein Steinheimer Ortsadel eingesetzt, die Herren von Steinheim. So entstand in der Folgezeit ein fränkisches Dorf. Die Herren von Steinheim besaßen auf dem heutigen Burgberg eine Wehrburg und Warte, die ca. 800 n. Chr. erbaut wurde. Vermutlich 1250 wurde sie vollständig zerstört. Seine erste Erwähnung findet das im Murrgau gelegene Steinheim im Lorscher Codex, datiert 13. September 832. Im 12. Jahrhundert errichteten die Markgrafen von Baden auf den Überresten des römischen Bades einen Herrenhof. In 1254 gründeten der Ritter Berthold von Blankenstein und seine Gattin Elisabeth von Blankenstein (geborene Elisabeth von Steinheim) das Kloster Mariental und stifteten diesem u. a. die Steinheimer Pfarrkirche.Klostergründungs- und Stiftungsurkunde, Württembergisches Urkundenbuch Band XII., Nr. 5877, Im: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]„Der erwählte Bischof Heinrich von Speyer bestätigt die Gründung des noch zu bauenden Klosters in Steinheim durch den edlen Ritter Berthold von Blankenstein und seine Gattin Elisabeth, die Schenkung des Patronats der Kirche in Steinheim und anderer genannter Besitzungen insbesondere des Ortes Jux an dieses Kloster und verleiht demselben die Augustiner Regel unter Hinzufügung verschiedener weiterer Rechte und Begünstigungen“, Württembergisches Urkundenbuch, Band V, Nr. 1316, S. 83–84, 31. Dezember 1254. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]„Propst Berthold in Beutelsbach bestätigt in Vollziehung eines Auftrags Papsts Innozenz IV. vom 4. April 1251 die Einverleibung der von Berthold von Blankenstein geschenkten Pfarrkirche in Steinheim an das von demselben neu gestiftete Kloster daselbst“, Württembergisches Urkundenbuch, Band V, Nr. 1365, S. 133–134, 18. November 1254. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]„Der Reichsbannerträger Graf Hartmann von Grüningen genehmigt die von Seite des Edlen Berthold von Blankenstein und dessen Gemahlin Elisabeth, einer Ministerialin des Grafen, erfolgte Schenkung des Patronatrechts der Kirche zu Steinheim und anderer Besitzungen, insbesondere von Jux, zum Besten der Gründung des Klosters in Steinheim, sowie die Schenkungen seiner Vasallen und Leute an dieses Kloster“, Württembergisches Urkundenbuch, Band V, Nr. 1434, S. 198–199, 4. März 1257. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]„Der Freie Berthold von Blankenstein und seine Gattin Elisabeth befreien das von ihnen gegründete und mit Gütern, so insbesondere der Pfarrkirche des Orts, ausgestattete Kloster Steinheim von allem Vogteirecht unter Verbot der Wahl eines anderen Vogts bei ihren Lebzeiten, bezeichnen die Grenzen, innerhalb deren das neue Kloster gebaut werden darf, und treffen verschiedene Bestimmungen über Besitzungen und Rechte desselben“, Württembergisches Urkundenbuch, Band VI, Nr. N40, S. 476–478, um 1260. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017]Die Grafen Gottfried von Löwenstein und Hartmann von Grüningen beurkunden ihre mit Elisabeth, der Witwe des Edlen Berthold von Blankenstein, getroffene Übereinkunft, dass dieselbe über die Hälfte ihres Güterbesitzes, abgesehen von der Vogtei zu Steinheim, frei verfügen dürfe, worauf Elisabeth diese Hälfte dem Kloster Steinheim schenkt", Württembergisches Urkundenbuch, Band VII, Nr. 2064, S. 23–26, 25. April 1269. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] Bei der Genehmigung der Klostergründung durch Papst Innozenz IV.„Papst Innozenz IV. beauftragt auf Fürsprache des Grafen (Ulrich) von Württemberg den Propst der Kirche von Beutelsbach, dem edeln Mann Berthold von Blankenstein, des Grafen Genossen, die Einverleibung des Patronatrechts an der Kirche zu Steinheim in das von Berthold neu zu gründende Augustiner-Nonnenkloster daselbst zu gestatten“, Württembergisches Urkundenbuch, Band IV, Nr. 1196, S. 263–264, Lyon, 4. April 1251. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] fällt auf, dass am selben Datum, den 4. April 1251, der Papst ebenfalls die Ehe der Klosterstifter genehmigte.„Papst Innozenz IV. erlaubt auf Bitte des Grafen von Württemberg die Ehe des Berthold von Blankenstein mit Elisabeth von Steinheim“, Württembergisches Urkundenbuch, Band XI, Nr. N5602, S. 484, Lyon, 4. April 1251. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] Aus diesem Grund geht man davon aus, dass die Ehegenehmigung durch die Klostergründung unterstützt wurde.
Das Kloster lag im früheren badischen Herrenhof und entwickelte sich zu einem einflussreichen FrauenklosterDominikanerinnenkloster Steinheim – Geschichte [abgerufen am 18. Februar 2017] der Dominikanerinnen, das u. a. auch Ländereien in Esslingen am Neckar erwarb„Edle Berthold von Neuffen (Niffen) und seine Ehefrau Richenza von Löwenstein verkaufen der Priorin und dem Konvent der Schwestern in Steinheim ihre Güter in Lohern“, Württembergisches Urkundenbuch, Band VIII, Nr. 2910, S. 187, 21. Oktober 1279. In: Landesarchiv Baden-Württemberg [abgerufen am 18. Februar 2017] und ab 1271 die Ortsherrschaft innehatte. Der Stadtname lautete seinerzeit noch „Steinen“.
Im 14. Jahrhundert entwickelte sich der Ort Steinheim weiter und es mussten erhebliche finanzielle Mittel zum Aufbau von Stadtmauern und Gräben aufgebracht werden. Um dies zu ermöglichen, erließ Kaiser Karl IV. den Steinheimern bis auf Weiteres die Abgaben, um mit dem so zur Verfügung stehenden Geld die Bauwerke errichten zu können.„Kaiser Karl IV. überläßt den Bürgern von Steinheim an der Murr alle Gülten, Renten, Gefälle und Nutzen, die er und das Reich daselbst haben, bis auf Widerrufen zum Bau ihrer Mauern, Türme und Gräben“, 21. April 1365, Landesarchiv Baden-Württemberg, Foto der Urkunde, die 1944 verbrannte [abgerufen am 5. März 2017]
mini|Kaiser Karl IV erlässt den Steinheimer Bürgern die Steuer, um mit diesem Geld Stadtmauern und Gräben erbauen zu können, 21. April 1365.
Das Kloster Mariental wurde während der Reformation zwischen 1550 und 1580 säkularisiert, nachdem sich die Nonnen unter ihrer Priorin Emerentia dem zunächst widersetzt hatten. Im Jahr 1643 brannten die Gebäude vollständig ab; Ausgrabungsfunde sind heute im Museum zur Kloster- und Stadtgeschichte zu besichtigen. Vor dem Übergang an Württemberg im Jahre 1564 wurde der Ort gelegentlich als Stadt bezeichnet, formell wurde das Stadtrecht jedoch erst 1955 verliehen.
mini|Steinheim an der Murr, Kieser Ortsansichten, 1686.
19. und 20. Jahrhundert Durch die am 1. Januar 1818 in Kraft getretene Verwaltungsreform wurde das Königreich Württemberg in 64 Oberämter gegliedert. Steinheim wurde dem Oberamt Marbach zugeordnet.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Steinheim zu einem bedeutenden Standort der württembergischen Möbelindustrie, welche heute allerdings so gut wie keine Rolle mehr spielt. Steinheim gehörte zum Oberamt Marbach und kam nach dessen Auflösung 1938 zum Landkreis Ludwigsburg.
1933 wurde bei Steinheim der Schädel eines Frühmenschen, des sogenannten Homo steinheimensis, gefunden. Es ist bis heute der drittälteste Menschenfund in ganz Europa. Dem Homo steinheimensis ist das Urmensch-Museum in Steinheim gewidmet.
mini|Gedenktafel Erwin Kreetz
Im Steinbruch an der Straße zwischen Steinheim und Kleinbottwar ereignete sich am 17. April 1945 eines der Kriegsende-Verbrechen. Der Wehrmachtssoldat Erwin Kreetz, der vom Tode seiner Frau erfahren hatte, entfernte sich von der Truppe, wurde ergriffen und auf Befehl des Generalmajors Kurt von Mühlen, Kommandeur der 559. Volksgrenadier-Division, in diesem Steinbruch erschossen.Für mich ist der Krieg aus. Fahnenflucht, Verurteilung u. Exekution d. Erwin Kreetz in Kleinbottwar im April 1945. Alexander-Seitz-Geschichts-Werkstatt Marbach und Umgebung, Marbach am Neckar 1987. Daran erinnert seit 1989 ein Gedenkstein.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0. S. 85
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Steinheim Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Einwohnerentwicklung mini|hochkant|Georgskirche im Ortsteil Kleinbottwar
Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Jahr Einwohner 1. Dezember 1871¹ 2.614 1. Dezember 1880¹ 2.822 1. Dezember 1890¹ 2.945 1. Dezember 1900¹ 2.866 1. Dezember 1910¹ 2.836 16. Juni 1925¹ 2.969 16. Juni 1933¹ 3.100 17. Mai 1939¹ 3.187 13. September 1950¹ 4.215 6. Juni 1961¹ 5.344 Jahr Einwohner 27. Mai 1970¹ 7.071 31. Dezember 1980 8.537 25. Mai 1987¹ 9.454 31. Dezember 1990 10.316 31. Dezember 1995 10.923 31. Dezember 2000 11.152 31. Dezember 2005 11.636 31. Dezember 2010 12.039 31. Dezember 2015 12.219 31. Dezember 2020 12.122
Religion