Bischdorf, , ist ein Ortsteil der Stadt Lübbenau/Spreewald im nördlichen Teil des südbrandenburgischen Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Bis zur Eingemeindung nach Lübbenau am 26. Oktober 2003 war Bischdorf eine eigenständige Gemeinde. Am 31. Dezember 2022 hatte der Ort 209 Einwohner.

Lage Bischdorf liegt in der Niederlausitz am Südufer des Bischdorfer Sees, der eine Fläche von 255 Hektar hat. Dieser See entstand aus dem ehemaligen Tagebau Seese-Ost. Bischdorf liegt östlich des Naturparks Niederlausitzer Landrücken und südlich des Spreewalds.

Bischdorf ist der südlichste Ortsteil der Stadt Lübbenau/Spreewald. Nördlich grenzt die Gemarkung von Bischdorf an die Gemarkungen von Groß Lübbenau und Kittlitz, im Nordosten Raddusch. Im Osten befindet sich der Ortsteil der Stadt Vetschau/Spreewald Koßwig. Im Süden grenzt Bischdorf an Kalkwitz und Mlode, Mlode und Saßleben sind Ortsteile der Stadt Calau sowie die Stadtgemarkung von Calau selber. Im Südwesten folgt die Bergbaufolgelandschaft Seese-West, die heute zur Gemarkung des Calauer Ortsteil Zinnitz. Im Nordwesten befindet sich wiederum der Lübbenauer Ortsteil Kittlitz.

Historische Nachbarorte waren Seese im Westen, und Vorberg und Kückebusch im Nordwesten. Beide Dörfer wurden in den 1960er-Jahren für den Tagebau Seese-West devastiert.

Durch den Ort führt die L 65, von der im Ort eine kleine Straße zum Wohnplatz Dubrau abzweigt, der aber bereits zum Ortsteil Koßwig der Stadt Vetschau/Spreewald gehört. Am Ort vorbei führt die Bahnstrecke Lübbenau–Kamenz.

Der Ort war namengebend für den Bischdorfer See, einem künstlichen See im Restloch des Tagebaus Seese-Ost, von dessen Fläche aber nur das nördliche Drittel zur Gemarkung Bischdorf gehört, die restlichen zwei Drittel zur Gemarkung Koßwig. In der Bergbaufolgelandschaft Seese-West befinden sich weitere Seen in Restlöcher des Tagebaus, für die noch keine Namen vergeben sind. Der größere Teil dieser Landschaft gehört nun zum Naturschutzgebiet Seeser Bergbaufolgelandschaft.

Geschichte Bischdorf entstand um 1200 im Rahmen der deutschen Ostsiedlung. Die erste urkundliche Erwähnung des Angerdorfs war im Jahr 1415 als Bischofdorff. Der deutsche Ortsname bezeichnet einen Ort der vom Bischof (von Meißen?) angelegt wurde, oder sich im bischöflichen Besitz befand. Krausch denkt auch an eine mögliche Übertragung des Namens, etwa von Bischdorf bei Merseburg. Der niedersorbische Name leitet sich von Wort Wotšowc ab, was eine kleine Insel bezeichnet. Der deutsche Name wurde später 1495 als Bißdorf und 1509 als Bischdorf genannt, der niedersorbische im Jahr 1761 als Wotschowze.

Vor- und Frühgeschichte mini|Die Bischdorfer Hauptstraße auf der nördlichen Seite des Dorfangers

Die älteste Besiedlung Bischdorfs kann durch mehrere Einzelfunde mittelsteinzeitlicher Feuersteingeräte innerhalb der Bischdorfer Gemarkung nachgewiesen werden. mini|Bischdorf, Ausschnitte aus den Urmesstischblätter 4149 Lübbenau/Spreewald von 1846 und 4249 Calau von 1846 kombiniert

Mittelalterliche Geschichte Bischdorf entstand in seiner heutigen Form als mittelalterliche Plansiedlung. Davon zeugen die ganzzahligen damals verwendeten Gewendelängen der Ortsflur, die Tatsache, dass sich die Dorfkirche genau in der Mittel des Angers befindet und in Nord-Süd-Richtung denselben Abstand zu den Gemarkungsgrenzen von 6 Gewenden hat. Das Dorf war ursprünglich in zwei Anteile aufgeteilt, von denen ein Anteil zum Calauischen Kreis der Markgrafschaft Niederlausitz und ein Anteil zur Mark Brandenburg gehörte. Das annähernd Ost-West-ausgerichtete Angerdorf wurde entlang der Längserstreckung des Angers geteilt; der nördliche Teil war der brandenburgische Anteil, die Häuser des südlichen Teils gehörten zum böhmisch-sächsischen Anteil.

Der markbrandenburgische Anteil Der markbrandenburgische Anteil von Bischdorf gehörte um/vor 1500 den von Tschertitz. Bis 1517 war der markbrandenburgische Anteil von Bischdorf in den Besitz der von der Schulenburg gekommen. Vermutlich war schon Werner XI. von der Schulenburg, der 1503 die Herrschaft Lübbenau gekauft hatte, im Besitz dieses Anteils. Er starb 1515. 1527 erhielten Jacob (1519–1541 oder 1559) und Reichart von der Schulenburg (1500–1536), die Söhne des Werner, gemeinsam die Bestätigung ihrer niederlausitzischen Lehen. Jacob I. von der Schulenburg übernahm später die Herrschaft Lübbenau, Richard (Reichard) II. von der Schulenburg erhielt die Herrschaft Lieberose. Nach dem Tod seines Bruders wurde Jacob von der Schulenburg 1536 allein mit dem markbrandenburgischen Anteil von Bischdorf belehnt. Wann Jacob gestorben ist, ist unter den Genealogen umstritten. Für das erstere Datum (1541) spricht, dass sein Sohn Georg am 12. April 1543 mit der Herrschaft Lübbenau und dem markbrandenburgischen Anteil von Bischdorf belehnt wurde. Georg von der Schulenburg war mit Elisabeth von Pflug verheiratet. Ihr sicherte er ein Leibgedinge auf Schloss und Gut Neu Zauche zu. Georg von der Schulenburg starb 1560 ohne Leibeserben in Meißen. Die Herrschaft Lübbenau, das Gut Neu Zauche und der markbrandenburgische Anteil von Bischdorf fielen an den Sohn seines Bruders Reichardt, Joachim II. den Reichen.Die Zählung der von der Schulenburg folgt hier der genealogischen Arbeit von Danneil und nicht der von Houwald. Er besaß auch die Herrschaft Lieberose und konnte 1578 auch noch die Herrschaft Straupitz erwerben. 1569 hat er das benachbarte, ebenfalls markbrandenburgische Groß Lübbenau gekauft. Beide Orte blieben nun miteinander verbunden, wurden aber nicht in die Herrschaft Lübbenau eingegliedert. Am 19. September 1594 ist Joachim II. von der Schulenburg gestorben. Er erhielt in der Kirche von Lieberose ein aufwändig gestaltetes Epitaph. Er wurde von seinem Sohn Reichard III. von der Schulenburg beerbt, der nach Danneil am 25. November 1600 gestorben ist. Nach Houwald starb er aber schon 1597. Ihm folgte dessen Sohn Joachim VII. (1574–1619) nach. 1621 musste die Herrschaft Lübbenau verkauft werden. Joachim VII. geriet aufgrund des Dreißigjährigen Krieges in Konkurs und musste 1644 den markbrandenburgischen Anteil von Bischdorf und Groß Lübbenau den Kreditoren überlassen, die die beiden Lehnstücke an Oberst Ulrich von Wolfersdorf verkauften. Der markbrandenburgische Anteil von Bischdorf bestand aus 8 Gärtnerstellen, die sämtlich unbesetzt waren. 1666 erhielten die Söhne von Ulrich von Wolfersdorf, Johann Ulrich und Ulrich Gottfried, den Lehnbrief über Groß Lübbenau und einen Anteil von Bischdorf. 1693 verkauft Ulrich Gottfriede Groß Lübbenau und den Anteil Bischdorfs an Ludwig Gerhard Freiherrn von Hoym, der die beiden Lehnstücke bald darauf an Hans Julius von Biesenroth weiter veräußerte. Nach dem Tod Ludwig Gerhard Freiherrn von Hoym wurde 1703 dessen Enkel Hans August von Biesenroth mit Groß Lübbenau und dem Anteil Bischdorfs belehnt. Einen neuen Lehnbrief erhielt der nun Fürstlich Sachsen-Weißenfelsische Hofrat Johann August von Biesenroth 1713 vom neuen Kurfürsten und König in Preußen Friedrich Wilhelm I. Da im Lehenbrief niemand in die Gesamte Hand aufgenommen und aus privaten Mitteln gekauft wurde, verfügte König Friedrich I. 1706, dass die Allodialerben vom künftigen Leheninhaber 24.000 Taler ausbezahlt bekommen, und bis zur vollständigen Bezahlung der 24.000 Taler ein Zurückhaltungsrecht haben sollten.

1714 ging Johann August von Biesenroth in Konkurs und das Gut wurde versteigert. Carl Wilhelm von Bredow, vertreten durch seinen Vater Sigismund von Bredow erwarb nun Groß Lübbenau und Anteil Bischdorf für 19.550 Reichstaler für 20 Jahre auf Wiederkauf. 1718 wurde der Kauf in einen Erbkauf gewandelt. Carl Wilhelm von Bredow stieg in der preußischen Armee bis zum Generalmajor auf. Er nahm seine Brüder Caspar Ludwig (1686–1773) und Friedrich Sigismund (1683–1759) in die Gesamte Hand auf. 1761 ließ er in seinem Testament festschreiben, dass das Lehen Groß Lübbenau und Anteil Bischdorf zunächst an seinen Bruder Caspar Ludwig und wenn dieser vorher versterben sollte an seinen Neffen Karl Friedrich Ludwig von Bredow fallen sollte. Die Witwe Elisabeth Wilhelmine von Pannwitz sollte ein lebenslanges Wohnrecht in dem von ihm in Groß Lübbenau erbauten Wohnhaus haben. Sie sollte auch die 24.000 Taler erben, die ihr als Allodialerbin zustanden. Sollte sie die genannten Lehnsfolger aber überleben, sollte sie das volle Verfügungsrecht über die genannten Güter haben. Der vierte Bruder Gottfried Casimir war taubstumm, blind und geistig behindert und musste ebenfalls versorgt werden. Carl Wilhelm von Bredow starb am † 25. September 1761 in Cottbus. Von den im Testament genannten Lehnfolger starb sein Neffe Karl Friedrich Ludwig bereits 1771 in der Garnison in Sandau. Sein Bruder Caspar Ludwig, der Vater des Karl Friedrich Ludwig, starb zwei Jahre später, sodass nun die Witwe frei über die zwei Lehngüter verfügen konnte. 1774 verkaufte Elisabeth Wilhelmine von Bredow geb. von Pannwitz Groß Lübbenau und Anteil Bischdorf an Carl Wilhelm von Bredow für 24.000 Taler mit Übernahme von 13.382 Talern Schulden und rückständigen Zinsen. Die Verkäuferin erhielt freie Wohnung und Kost im Gutshaus in Groß Lübbenau. Ihr wurde die große Wäsche gewaschen, den Lohn für eine Kammerjungfer bezahlt und wenn nötig, eine Kutsche mit Kutscher zur Verfügung gestellt. Anscheinend blieben die 24.000 Taler aber im Gut stehen. Davon erhielt sie 650 Taler zur freien Verfügung.

1779 verkauften Carl Wilhelm von Pannwitz und Elisabeth Wilhelmine von Bredow geb. von Pannwitz Groß Lübbenau und Anteil Bischdorf für 38.500 Taler, bei 20.500 Talern Anzahlung und 250 Taler Schlüsselgeld, an den Königlich Dänisch-Norwegischen Geheimen Etats- und Konferenzminister Rochus Friedrich Graf zu Lynar, den Besitzer der Herrschaft Lübbenau und des Gutes Seese mit dem böhmisch-sächsischen Anteil Bischdorf. Damit war Bischdorf wieder in einer Hand vereinigt.

Der böhmisch-niederlausitzische Anteil bzw. sächsisch-niederlausitzische Anteil 1527 war Bischdorf mit dem Rittersitz Seese verbunden, der dem Caspar von Köckritz gehörte. Zu den Gütern des Caspar von Köckritz auf Seese gehörten außerdem Stradow, Hänchen (devastiert), Buckow, Eisdorf, Klein Klessow, Kittlitz, Lug (Lugk), Lipten, Saadow, Dubrau und weitere Lehnstücke, Rechte und Zinsen.

Um 1540 wollte der damalige Markgraf Joachim II. von Brandenburg den böhmischen Anteil von Bischdorf kaufen, ihm gehörte ja schon der andere Anteil von Bischdorf, überließ ihn dann aber dem Hauptmann von Zossen, Eustachius von Schlieben, der am 27. August 1541 damit belehnt wurde. Eine weitere Belehnung mit Anteil Bischdorf erhielt er am 10. Januar 1543. Nach dem Tod des Eustachius von Schlieben erbte dessen Sohn Hans den böhmischen Anteil, den er 1576 u. a. Gütern seiner Frau Sabine Elisabeth von Blankenburg als Leibgedinge verschrieb. 1601 war Hans von Schlieben schon verstorben und der damalige Landvogt der Niederlausitz stellte den Söhnen des Hans von Schlieben einen Gesamtlehenbrief über die Güter ihres Vaters aus. In der brüderlichen Teilung erhielt Eitel Hans von Schlieben den böhmischen Anteil von Bischdorf zusammen mit Seese und Stradow. Er wurde am 20. Juni 1606 damit belehnt. Er war mit Barbara Sofie von Bredow verheiratet, mit der er den Sohn Erdmann hatte, und der Seese, Stradow und Anteil Bischdorf erbte. 1637 musste er Seese und Anteil Bischdorf an seinen Onkel Eustachius von Schlieben verkaufen. Eustachius war mit Hippolyta von Bredow verheiratet. Der einzige gemeinsame Sohn Christian Friedrich Friedrich von Schlieben erbte seinen Besitz. Allerdings musste er Seese und Anteil Bischdorf 1650 an den Oberstleutnant und Obersteuereinnehmer der Niederlausitz Hans Zacharias von Klitzing verkaufen. 1635 war die Niederlausitz ohne die markbrandenburgischen Besitzungen in der Niederlausitz als Lehen der böhmischen Krone an das Kurfürstentum Sachsen gefallen.