mini|Hauptverwaltung der DAK-Gesundheit in Hamburg (2018) mini|Logo 2007 Die DAK-Gesundheit mit Sitz in Hamburg ist eine bundesweit tätige deutsche Krankenkasse. Sie ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie ist die deutsche Krankenkasse mit der ältesten Geschichte, die dokumentiert bis in das Jahr 1773 zurückreicht. Erstmals ab 1930 hieß sie (mit Unterbrechung in der Zeit des Nationalsozialismus) bis 2011 Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK), seit 2012 trägt sie den aktuellen Namen.

Geschichte Die Ursprünge Die DAK-Gesundheit ist die deutsche Krankenkasse mit der ältesten Geschichte. Als erste Erwähnung gilt die Gründung des Instituts zum Besten nothleidender HandlungsdienerBei Handlungsdienern handelt es sich um angestellte Verkäufer sowohl im Laden als auch auf Reisen. 1773 in der damals preußischen Stadt Breslau. Die 279 Gründungsmitglieder schrieben sich sowohl christliche Nächstenliebe als auch die zweckfreie Menschlichkeit gegenüber Bedürftigen in ihr Statut. In Breslau befindet sich zudem mit dem Gebäude Schuhbrücke (jetzt: Szewska) 50/51 die erste Geschäftsstelle der DAK-Gesundheit, welche die „Cassa“ 1836 erwarb.vergleiche Böge, Volker, Stein, Hartwig: 225 Jahre DAK. Gesundheit und soziale Verantwortung. Hrsg. Deutsche Angestellten Krankenkasse, Dölling und Galitz, 1999, S. 22, im Folgenden: Böge, Stein: 225 Jahre DAK.

Als zweiter prägender Vorläufer der heutigen DAK-Gesundheit gilt der 1858 gegründete Verein der Handlungs-Commis (VHC) durch 58 Handlungsdiener in Hamburg,Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 28. dem heutigen Hauptsitz der DAK-Gesundheit. Ziel dieses Zusammenschlusses war es, „Engagements suchenden Handlungsgehilfen auf möglichst kostenfreiem Wege, das heißt, mit Beseitigung aller sogenannten Vermittlungsgebühren oder Courtage, zur Anstellung zu verhelfen.“Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 37.

Sowohl das Breslauer Institut als auch der Hamburger Verein waren eine Mischung aus Arbeitsamt, Berufsschule und wohltätiger Privatversicherung, die im Krankheits- und Arbeitslosenfall Unterstützung gewährte, die berufliche Bildung förderte, Stellen vermittelte und Sterbegeld auszahlte.

Bismarckzeit, Hilfskassengesetz und Kaiserreich Die Gründung des deutschen Nationalstaates 1871 und das Hilfskassengesetz von 1876 veränderten die ursprünglich selbst organisierten und lokal orientierten Kassen nachhaltig. Es war ein erster Schritt auf dem Weg zur staatlichen Regulierung der Angestelltenversicherung. Erstmals gab es ein Gesetz, das – zumindest prinzipiell – von der Rechtsgleichheit aller männlichen Staatsbürger ausging. Es legte reichsweite Normen fest, verlieh den eingeschriebenen Hilfskassen den Status einer juristischen Person und beschränkte ihre Haftung auf das Kassenvermögen.13. Zitat aus Stiller, Walther, Der VHC von 1858. Kaufmännischer Verein zu Hamburg, Jena 1910, S. 6. Zudem etablierte das Gesetz eine nationale Koexistenz von freien und Zwangskassen. Gleichzeitig wurde die unternehmerische Gestaltungsfreiheit der Kassen zugunsten einer staatlichen Regulierung beschnitten.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 14 f. Zur Zurückdrängung der freien Hilfskassen vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890–1904), 5. Band, Die gesetzliche Krankenversicherung, bearbeitet von Wolfgang Ayaß, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Darmstadt 2012.

Die Anfänge der Versicherungspflicht Einen weiteren Meilenstein bildete das 1883 verabschiedete Gesetz über die Krankenversicherung der Arbeiter.Zur Entstehung vgl. Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, II. Abteilung: Von der Kaiserlichen Sozialbotschaft bis zu den Februarerlassen Wilhelms II. (1881–1890), 5. Band: Die gesetzliche Krankenversicherung und die eingeschriebenen Hilfskassen, bearbeitet von Andreas Hänlein, Florian Tennstedt und Heidi Winter, Darmstadt 2009. Bis heute bestimmen dessen grundlegende Strukturen das deutsche Krankenkassensystem. Obwohl das Gesetz die Angestellten als soziale Großgruppe nicht wahrnahm – eine Versicherungspflicht für Angestellte folgte erst 1911 –, bescherte es der ab 1885 als eingetragene Hilfskasse unter dem Namen Kranken- und Begräbniskasse des Vereins für Handlungs-Commis von 1858 e.H. firmierenden VHC-Krankenkasse einen enormen Mitgliederzuwachs. Bereits im Jahr ihrer Umschreibung besaß die Kasse mehr als dreimal so viele Mitglieder wie die übrigen Hilfskassen, bis 1911 wuchs die Mitgliederzahl auf das Dreißigfache. Der Erfolg beruht zum großen Teil auf einer raschen Expansion ins übrige Reichsgebiet.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 10 f.

Hilfskassen als Vorläufer der Ersatzkassen Der durch das Arbeiterversicherungsgesetz ausgelöste Gründungsboom freier Hilfskassen brachte unter anderem die „Central-Kranken- und Begräbniskasse für die Mitglieder des Verbandes deutscher Handlungsgehülfen zu Leipzig“ hervor, eine weitere Vorgängerkasse der DAK. Mit Krankentagegeld nach drei Tagen und zahnärztlichen Behandlungen sowie der Einrichtung von Erholungsheimen wurde deren Leistungskatalog richtungweisend.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 47 ff. Die Hilfskassen gelten als direkte Vorläufer der Ersatzkassen, zu denen auch die DAK-Gesundheit gehört.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 66 ff. Sie versicherten in erster Linie Angestellte, die von der Arbeiterkrankenversicherung nicht betroffen waren. Die Hilfskassen verwalteten sich selbst, boten ihren Mitgliedern häufig eine freie Arztwahl und deutlich höhere Leistungen.

Untrennbarer Bund: Gewerkschaften und Krankenkassen Neben der zunehmenden Absicherung im Krankheitsfall organisierte sich der neue Mittelstand gewerkschaftlich. Die Gewerkschaften gründeten häufig Krankenkassen, um potenziellen Mitgliedern einen Mehrwert bieten zu können. Dazu gehören auch der 1893 gegründete Deutschnationale Handlungsgehilfenverband (DHV) und seine Krankenkasse, die bis 1914 zur größten kaufmännischen Hilfskasse Deutschlands aufstieg.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 60 f. In einer Zeit sozialer und wirtschaftlicher Umbrüche grenzte der DHV nicht nur Sozialdemokraten und Frauen gezielt aus, sondern verbreitete antisemitische Propaganda, die den Boden für den späteren Nationalsozialismus bereitete.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 93. Eine weltanschauliche Sicht, die viele Angestellte teilten.

Weimarer Republik: Die DAK entsteht Die Zeit der Weimarer Republik brachte im Bereich der Gewerkschaften und ihrer Krankenkassen Strukturveränderungen, die nach dem Ende des Nationalsozialismus erneut aufgenommen und bis zu den Gesundheitsreformen des ausgehenden 20. Jahrhunderts für das Krankenkassenwesen der Bundesrepublik prägend blieben. Die durch die Gründung des DHV eingeleitete Spaltung der Angestelltenschaft etwa wurde in den 1920er-Jahren mit der Gründung der drei großen Gewerkschaftsblöcke manifestiert. Neben dem rechten DHV entstanden der linksliberale Gewerkschaftsbund Deutscher Angestellter (GDA) und der linke Allgemeiner freier Angestelltenbund (AfA). Die Vorgängerkassen der DAK gehörten zum GDA. Nach einer Reihe von Fusionen, unter anderem mit der Leipziger Kasse und dem Breslauer Institut, wurde die Kasse schließlich 1930 in Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) umbenannt.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 79 ff.

Vorreiter in der Kinder- und Jugendfürsorge Die DAK bot ihren Mitgliedern günstige Preise und bezahlte die Ärzte besser, damit die Versicherten individuelle und sorgfältige Behandlungen erhielten.Vergleiche Bescheinigung des Reichsaufsichtsamtes vom 31. Dezember 1929, in: ZA-DAK C 0102-18. Sie gewährte Kranken-, Wochen- und Familienhilfe, Familienversicherung sowie Sterbegeld. Die Struktur war demokratisch aufgebaut und bestand aus einer Hauptversammlung aus dem Kreis der Mitglieder, dem Aufsichtsrat und dem Hauptvorstand, jeweils mit gewählten Vorsitzenden.

Doch bereits während der 1920er-Jahre kämpfte die Kasse mit steigenden finanziellen Belastungen, was unter anderem auf den Anstieg neuer Heilmethoden und die Mentalität der Versicherten, wegen „jeder Kleinigkeit zum Arzt zu laufen“,Nach Hans Kottler: Die wirtschaftlichen Vorteile der G.D.A.-Krankenkasse. In: GDA. Zeitschrift des Gewerkschaftsbundes der Angestellten. Nr. 3, 1922. zurückzuführen war. Gleichzeitig nahm sie eine Vorreiterrolle bei der Gesundheitsvorsorge für Kinder und Jugendliche ein, etwa durch die Einrichtung eines Kurheimes in Bad Frankenhausen.

Die DAK zur Zeit des Nationalsozialismus Die DAK überlebte die Gleichschaltung durch Unterordnung und völlige Umgestaltung. Sie wurde zu einer der fünf Berufskrankenkassen unter dem Dach der Nationalsozialistischen Angestelltenschaft (NSA) und war fortan als Berufskrankenkasse der weiblichen Angestellten (BdwA) ausschließlich für diese zuständig. Die Bestrebungen der Nationalsozialisten, eine Einheitskrankenkasse zu gründen, wurden nicht realisiert. Die Ersatzkassen blieben erhalten. Durch zahlreiche Umstrukturierungen waren sie allerdings ab 1934 erstmals in ihrer Geschichte autonom, das heißt, ohne finanzielle und organisatorische Rückendeckung mächtiger Verbände.

Die Kassenpolitik der Zeit des Nationalsozialismus war geprägt von Regelungen, die der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik entstammten, etwa die besondere Förderung verheirateter Kassen-Angestellter oder die Leistungsverbesserungen für kinderreiche Familien.siehe Jahresbericht der Krankenkassen des Gewerkschaftsbundes der Angestellten (Ersatzkassen) für 1923 und 1924, in: ZA-DAK C 0104-1. Ausgebaut wurde die Kinderfürsorge – allerdings eingebunden in die nationalsozialistische „Gesundheitsführung“, die allein der Stärkung von „Volk“ und „Rasse“ diente. Die Leitungsebene der Kasse, aus der DHV-Kasse stammend, vertrat zudem einen fanatischen Antisemitismus.Böge, Stein, S. 209, 213. Der Zweite Weltkrieg brachte der BdwA eine Zwangsvereinigung zur Berufskrankenkasse der Kaufmannsgehilfen und weiblichen Angestellten (BKW). Die durch die Wehrpflicht entstandenen Lücken im Kassenpersonal wurden verstärkt durch Frauen geschlossen, die 1933 ihre Stellungen an arbeitslose Männer verloren hatten. Zudem waren die Krankenkassen ab 1942 für den Einzug aller Sozialversicherungsbeiträge (Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung) verantwortlich.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 230. Einem erneuten Beschluss zur Abschaffung der Ersatzkassen kam schließlich das Kriegsende am 8. Mai 1945 zuvor.

Neuanfang mit alter Belegschaft Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges knüpften Verbände und Krankenkassen schnell an die Zeit vor 1933 an. Die BKW wurde auf Druck der Alliierten entnazifiziert und 1946 in DAK zurückbenannt. Erneut verstand man sich als eine gewerkschaftlich-genossenschaftliche Selbsthilfeeinrichtung für Angestellte. Die meisten der aus politischen Gründen zunächst entlassenen Mitarbeiter wurden bis 1952 wieder eingestellt. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit wurde den DAK-Beschäftigten nicht abverlangt. Gleichzeitig gab sich die DAK bereits Anfang 1948 eine an die Zeit der Weimarer Republik anknüpfende demokratische Führungsstruktur und baute bis 1950 eine bis in die Basis hineinreichende demokratische Selbstverwaltungsstruktur auf.Böge, Stein: 225 Jahre DAK. S. 223 ff. Das entsprechende Gesetz folgte erst zwei Jahre später.

Einheitsversicherung nur für die DDR